Freitag, 16. September 2011

[Figurenkabinett] Gretchen Grau

Schon seit ein paar Monaten habe ich das Bedürfnis mal wieder meine Gretchen-Grau-Bücher zu lesen, aber natürlich ruhen die - ebenso wie meine anderen Schätze - immer noch in Kartons. Also habe ich mir gedacht, wenn ich schon nicht die Romane lesen kann, dann stelle ich euch eine meiner Lieblingshexen eben mal in einem Figurenkabinett vor. Dabei ist mir dann sogar aufgefallen, wie lange ich schon eine Schwäche für ungewöhnliche Fantasy-/Märchenfiguren habe, denn die Gretchen-Grau-Geschichten habe ich das erste Mal 1987 gelesen.

Gretchen Grau ist eine ganz gewöhnliche Haus- und Herdhexe, aber wenn man miterlebt, welche Probleme sie mit ihren magischen Fähigkeiten bewältigt, dann bekommt man das Gefühl, dass die "großen" Hexen in solch schwierigen Situationen doch deutlich eingeschränkter in ihren Möglichkeiten wären. Gemeinsam mit ihrer eigenwilligen Großmutter Maudie kümmert sich die junge Hexe um das Gut von Wilhelm Sturmhaub, während Großmutters Kater Chingachgook auf alles ein aufmerksames Auge behält.

Bei meinem ersten Zusammentreffen mit Gretchen musste ich miterleben, wie Großmutter Maudie eine kleine Spottdrossel mit einem Besen jagte, während sie ihren Kater lauthals aufforderte endlich diesen lästigen Vogel zu fressen. Zum Glück für alle Beteiligten mischte sich Gretchen ein, fand heraus, dass sich hinter der Spottdrossel der Barde Colin Liedschmied verbarg und zwang ihre Großmutter den Sänger wieder zurückzuverwandeln. Auch wenn sie diese gute Tat fast bereut hätte, nachdem sie herausfand, dass dieser ein Lied über Gretchens geliebte Schwester gesungen hatte, welches die Tugend der - aus Sicht ihrer Familie glücklich verheirateten - jungen Frau in Verruf bringt. Und da Colin solche boshaften Gerüchte über Bernsteinwein verbreitet hat, wird er von Gretchen dazu verdonnert gemeinsam mit ihr herauszufinden, was in der Ehe ihrer Schwester los ist.

Ich mag Gretchen, weil sie nicht nur ihre - von anderen magisch Begabten gern als eingeschränkt angesehenen - Fähigkeiten mit viel Fantasie einsetzt, sondern auch weil sie vor keiner Herausforderung zurückschreckt. Irgendeine Lösung findet Gretchen für ein Problem immer, auch wenn ihr Umfeld der intelligenten und tatkräftigen jungen Frau oft nicht folgen kann. Passend zu ihren "häuslichen" Fähigkeiten ist ihre praktische Art und sie würde einem vermutlich schon etwas auf die Nerven fallen, wenn sie nicht auch sehr loyal gegenüber ihrer Familie und ihren Freunden wäre und Sinn für Humor hätte.

Die Autorin Elizabeth Ann Scarborough lässt Gretchen und Colin allerlei Abenteuer erleben, bis die beiden herausfinden, was es mit Bernsteinweins seltsamer Flucht mit einem Zigeuner auf sich hatte und die Schwestern wieder vereint sind. Und dabei werden die Hexe und der Barde - trotz ihres sehr unterschiedlichen Wesens - gute Freunde. Doch bei einem Band hat es Elizabeth Ann Scarborough nicht belassen und so kann man in vier Teilen von Gretchen und ihrer Familie lesen, in ihre fantastische Welt abtauchen und dabei lauter skurrilen Figuren begegnen.

Lustigerweise fällt mir jetzt erst, da ich diesen Beitrag schreibe auf, dass Gretchen und Cimorene doch ein paar Dinge gemein haben - und sei es nur, dass ich den Humor ihrer beiden Autorinnen einfach nur liebe, ebenso wie der Umgang der beiden mit märchenhaften Elementen. Dabei hält sich Elizabeth Ann Scarborough aber viel näher an klassische Märchenwelten, beweist eine größere Vielfalt bei ihren Charakteren und lässt ihre Figuren einen deutlich größeren Teil der Welt entdecken, als es bei Cimorene der Fall ist (diese bleibt ja doch recht nah beim Zauberwald).

Leider kann man die Gretchen-Grau-Geschichten heute kaum noch in die Finger bekommen. Die vier Romane erschienen damals in der wunderbaren “Bibliothek der phantastischen Abenteuer“ des Fischer Verlags und diese liebevoll aufgemachten Bücher sind nur noch zu horrenden Preisen gebraucht zu bekommen. In meinen Augen ein wirklicher bedauerlicher Umstand, denn in dieser Reihe sind so großartige Romane veröffentlicht worden, die auch heute bestimmt noch ihre Leser finden würden.

Gretchen-Grau-Romane von Elizabeth Ann Scarborough:

1. Zauberlied
2. Einhorncodex
3. Bronwyns Fluch
4. Die seltsamen Taufgäste 

Ein weiterer fantastischer Roman der Autorin, der damals bei Fischer erschienen ist, ist "Aman Akbars Harem". Aber über diese Figuren schreibe ich lieber an einem anderen Tag.

Kommentare:

Natira hat gesagt…

Es wird Zeit, dass Du Deine Schätze aus den Kartons befreist. Ich bin mir sicher, auch Gretchen Grau würde gern mal das Westfalenland sehen *kichert*

Winterkatze hat gesagt…

Vielleicht sollte ich ein Spendenkonto für neue Regale einrichten ... ;) Vor allem, da ich ja die Billys nun aufgrund der Qualität wieder als Option gestrichen habe. Wenn ich mir schon neue Möbel anschaffe, dann für eine Ewigkeit! Die kosten dann allerdings auch ihren Preis ... *seufz*

Aber wir können das Gretchen ja schon mal auf die Liste setzen. :D

Natira hat gesagt…

hast du schon regalalternativen im blick?bin ja auch immer auf der suche nach netten heimstätten für meine bücher :)

Winterkatze hat gesagt…

Die Regale, die mir wirklich gut gefallen und meine Forderungen (schlichtes Design, höhenverstellbare Böden, Glastüren, Aufsatzregal oder von vornherein eine gewisse Höhe) erfüllen, sind alle schrecklich teuer. Ich habe aber noch lange nicht alle erreichbaren Möbelhäuser abgeklappert.

Im schlimmsten Fall würde ich letztendlich bei einem örtlichen Möbeltischler mal fragen, was ein Regal nach meinem Entwurf bei ihm kosten würde. Eine professionelle Möbelkonstruktion bekomme ich noch so gezeichnet, dass mir das jemand bauen kann. Mir fehlt ja inzwischen leider das nötige Werkzeug (und die Werkstatt), um wieder selber aktiv zu werden. Und vielleicht kann man sich auch da auf eine Regelung einigen, die dazu führt, dass ich mir alle paar Monate ein neues Regal gönnen kann. ;)

Natira hat gesagt…

die letzte option wäre ja wirklich toll - eigenbau.... so oder so drücke ich die daumen, dass du das passende findest!

Winterkatze hat gesagt…

Dankeschön! :) Ich lasse mir lieber etwas Zeit und habe dann die perfekten Regale, als dass ich jetzt auf die Schnelle was kaufe, das langfristig unbefriedigend ist. ;)

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