Freitag, 26. November 2010

[Kapitelweise] Linda Kavanagh: Meinem Herzen so nah (Kapitel 43+44)

Kapitel 41 und 42 lassen sich recht schnell zusammenfassen: Erst haben wir den ehemaligen Polizisten Jim McHale bei einem Besuch bei Sekretärin Mary und ihren Kindern begleiten dürfen, dann konnten wir im nächsten Kapitel miterleben, wie Joanna und der schöne Ronan sich sehr nahe kamen …



Perspektivwechsel: Kapitel 43 wird aus der Sicht von Catherine Brennan erzählt

Catherine wird vom Klopfen an der Tür aufgeschreckt. Als sie öffnet, stürzt Agnes ganz aufgelöst herein und teilt ihr quasi auf der Schwelle stehend mit, dass Harry wegen Mordes verhaftet worden sei.

Während Catherine noch versucht, ihre inzwischen weinende Freundin zu trösten, will sie mehr Informationen aus Agnes herauskitzeln. Und da der folgende Dialog nur in gekürzter Form erträglich wird, gibt es hier wieder eine Auflistung der wichtigsten Aussagen:

- Vor ein paar Tagen wurde eine Frau im Park ermordet aufgefunden.
- Diese Frau war Harrys Schwägerin.
- Jetzt heißt es, dass er sie ermordet hat.
- Aber das kann nicht sein, weil er mit Agnes zusammen war.
- Agnes kann ihm aber kein Alibi geben, weil Ivan der Schreckliche dann öffentlich blamiert wäre.
- Denn dann würde Ivan alles tun, damit Agnes Harry nie wiedersieht.
- Somit könnten Agnes und Harry dann auch nicht heimlich nach Australien abhauen.

Während Agnes sich in ein „Was wird nun nur aus dem Baby?“-Wehklagen hineinsteigert, überlegt Catherine, dass sie den Postboten zwischen Knast-Harry und Jammer-Agnes spielen kann. Solange er nicht überführt sei, müsse er ja Briefe schreiben und Besucher empfangen können. So kann Harry Agnes sagen, was sie tun soll … (Ich hätte da ja schon konkrete Vorstellungen, aber ich glaube nicht, dass eine der Figuren in diesem Buch dafür genügend Vernunft aufbringt!)

Nebenbei lässt Agnes noch einfließen, dass Ivan der Schreckliche sie überwachen lässt, dass er ein Alibi von ihr haben möchte und dass sie befürchtet, dass er vielleicht der Mörder der jungen Frau ist. Während Catherine nicht so ganz versteht, warum Ivan so etwas tun sollte, und sich nicht vorstellen kann, dass der Kerl, den sie von Anfang an nicht ausstehen konnte, ein Mörder ist, wird sie von Agnes darüber aufgeklärt, dass die Tote die Geliebte ihres Mannes war und dass Ivan der Schreckliche ein skrupelloser Geschäftsmann ist, der gewiss nicht zum ersten Mal getötet hat – und dass er für sowas bestimmt Paddy Byrne beschäftigt. Nebenbei lässt Agnes noch einfließen, dass es einen jungen Mann gibt, der behauptet, gesehen zu haben, wie Harry die Frau getötet hat …

Aufgrund all der Ereignisse nimmt Catherine all ihren Mut zusammen und macht einen – wie sie findet – vernünftigen Vorschlag:
„Ich weiß, dass dir das, was ich dir gleich sagen werde, nicht behagen wird …“
„Genau. Es gefällt mir nicht!“
„Aber dir bleibt keine andere Wahl. Du musst Ivan verführen, und zwar so schnell als möglich.“ Catherine stieß diese Worte hart hervor. „Wenn er sieht, dass du schwanger bist, bevor Harry frei ist, muss Ivan glauben, dass es sein Kind ist, zumindest bist du nach Australien kannst.“
Agnes gefällt der Gedanke zwar nicht, vor allem, weil sie es nicht mehr über sich gebracht hat, mit Ivan zu schlafen, seitdem sie Harry kennengelernt hat, aber für das Kind will sie sich überwinden. Und damit das auch nicht so ekelig wird, schlägt Catherine vor, dass sich Agnes vorher ordentlich einen antrinkt. Leider ist nur noch Gin im Haus, aber obwohl sie den nicht mag, wirft sich die werdende Mutter auf die Flasche.
Die Frauen füllten ihre Gläser.
„Auf Harrys baldige Freilassung“, sagte Catherine mit fester Stimme. Ihr Trinkspruch war gefunden

Perspektivwechsel: Kapitel 44 wird aus der Sicht von Declan Dunne erzählt

Declan sitzt an einem Tisch in einem Café im Dubliner Stadtzentrum und wartet auf Orla, mit der er verabredet ist. Als sie näherkommt, setzt er sein strahlendes Lächeln auf – das, was bei den Frauen in den Bars und Discos immer so gut ankommt! Da das allerdings keine Wirkung zeigt, setzt unser Weiberheld noch einen drauf und packt seiner Exfreundin ein Küsschen auf die Wange.
Sie zuckte zusammen, was Declan allerdings für ein gutes Zeichen hielt. Er hatte sich dieses Küsschen erst kürzlich von der Filmleinwand abgeschaut, wo es sehr effektvoll wirkte, und sogleich beschlossen, es ins Repertoire seiner Verführungstechniken aufzunehmen.
Eigentlich wäre jeder einzelne folgende Satz zitierungswürdig, aber ich fasse es trotzdem mal zusammen:

- Obwohl Orla mit ihm Schluss gemacht hat, sahen sie sich regelmäßig bei der Arbeit.
- Obwohl Orla ihn dort total ignorierte, ist er sich sicher, dass sie sich heimlich danach verzehrt, sich mit ihm auszusprechen.
- Obwohl Orla nur zu stolz ist, auf ihn zuzugehen, ist er so nett und hat ein Treffen an einem neutralen Ort arrangiert.
- Ein Ort, der etwas Privatsphäre zulässt, aber nicht so viel, dass Orla „überreagieren könnte“.

Während Declan nett auf Orla zugeht, reagiert die Dame unerklärlicherweise total kühl. Aber unser Don Juan lässt sich nicht abschrecken und beschließt, dass er ihr etwas schmeicheln und sie ein wenig umgarnen wird.

Verflixt. Sie machte also auf unnahbar. Nun, mit etwas Süßholz und ein paar Worten des Unverständnisses über seine eigene Dummheit würde er sie sich schon wieder angeln. Bald würde sie wieder über seine Witze lachen, sich etwas auf seine Komplimente einbilden und ihm wie einst zu Füßen liegen. Spätestens morgen Abend könnte er dann wieder in ihre Wohnung einziehen.
Doch irgendwie ziehen die Bemühungen Declans nicht. Dabei hat er Orla extra den Kaffee genau so bestellt, wie sie ihn mag, und es gibt sogar Heidelbeer-Muffins dazu – wo doch damit so schöne Erinnerungen verbunden sind! Doch leider wird Orla in letzter Zeit von Muffins nur noch schlecht … ;)

Da Declan so nicht zum Ziel kommt, schwenkt er um auf Plan B und fragt Orla, wie es ihr geht. Doch sie hat keine Lust, mit ihm zu reden, und teilt ihm kurz und bündig mit, dass sie noch einiges zu arbeiten hätte und er solle sich kurz fassen.
„Ich vermisse dich so sehr“, sagte er, während er seine Hand nach der ihren ausstreckte. Orla brachte ihre Hand in Sicherheit, bevor Declan sie fassen konnte. „Ich liebe dich immer noch. Ich weiß ja, dass ich mich wie ein Dummkopf benommen habe. Sasha hat mir überhaupt nichts bedeutet. Ich habe einen entsetzlichen Fehler gemacht. Bitte verzeih mir. Lass es uns doch noch einmal miteinander versuchen.“
Doch Orla ist nicht geneigt, ihm eine zweite Chance zu geben.
Declan setzte die Kaffeetasse an und verbrannte sich die Zunge. Heute lief auch wirklich alles schief.
Zur Sicherheit hakt er noch einmal nach und fragt, ob sie die Verlobung denn wirklich lösen will.
„Verlobung? Was für eine Verlobung denn? Unsere Verlobung endete, als du mit Lady Fettarsch auf Lustreisen gegangen bist. Wofür hältst du mich eigentlich?“
Wenn dem so sei, dann müsse sie ihm aber auch den Verlobungsring zurückgeben – und jetzt kommt raus, dass das eigentlich der Hauptgrund für Declan war, um sich mit Orla zu treffen. Glücklicherweise würde sie ihm an einem so öffentlichen Ort ja keine allzu schlimme Szene machen können. Außerdem hat er ein Recht auf den Ring, da er ihn ja immer noch abzahlt. Und wenn er ihn verkaufen würde, dann könnte er Sasha auf einen Urlaub einladen und sie würde John Boyle schnell wieder vergessen.

Orla hingegen ist der Ansicht, dass er ihr im Gegenzug dann auch die Sachen zurückgeben müsste, die sie ihm geschenkt hat. Eine kleine Auswahl zählt sie gleich mal auf: Ein Designer-Jackett (Kostenpunkt: Ein Monatsgehalt!), eine Autoreparatur für seinen Wagen, ein Tunesien-Urlaub und eine Rolex (die deutlich teurer war als der Verlobungsring).
Declan schluckte. Dieses Weib hatte ja ein Gedächtnis wie ein Elefant. „Schon gut, schon gut. Du wirst dich doch nicht wegen solcher Kleinigkeiten gleich aufregen?“
Das Wort „Kleinigkeiten“ war wohl nicht so gut gewählt, denn Orla regt sich nun richtig auf – und dann fallen ihr auch noch ihre Tom-Petty-CDs ein, die sie ihm vor seinem Urlaub (mit Sasha) geliehen hatte. Doch Declan argumentiert, dass das alles Geschenke gewesen seien, während so ein Ring ja quasi einen Vertrag darstellt. Darauf giftet Orla, dass er nur so weitermachen soll, dann bekommt er eben von ihrer Anwältin einen bösen Brief.

Wütend will Declan davonstürzen, als ihm einfällt, dass ein letzter Versuch ja nicht schaden kann.
„Bist du wirklich sicher, dass wir es nicht nochmals miteinander versuchen sollten?“
Ja, das steht wirklich an dieser Stelle der Geschichte! Schenkt doch bitte mal Declan ein Gehirn! Meiner Meinung nach wäre dies nun der passende Abschluss für das Kapitel, doch Linda Kavanagh dachte sich, sie müsste Doc Gary in das gleiche Café setzen, in dem sich gerade Orla und Declan getroffen haben:

Doc Gary ist mit seiner Schwester Brenda und ihren beiden Kindern (Colm und Aoife) in dem Café, und während er darauf wartet, dass Brenda mit zwei Bechern Kaffee zurückkommt, sieht er, wie sich Declan und Orla mit Küsschen begrüßen. Leider wird er dann von den beiden ungeratenen Sprösslingen abgelenkt und so ist er mehr als froh, als seine Schwester ihre Kinder wieder in den Griff bekommt, als sie mit den Getränken eintrifft.

Natürlich fällt ihr als erfahrene Mutter sofort auf, dass Doc Gary nicht gerade glücklich aussieht. Und er nutzt die Gelegenheit, um ihr sein Herz auszuschütten. und erzählt von dem drohendem Prozess gegen Boxer Bruce und von Orla, die mit einem anderen verlobt ist.

Brenda würde ja gern helfen, kann aber nicht viel machen, und so hört sie nur geduldig zu, wie ihr Bruder alle möglichen Folgen für Bruce und sich aufzählt:

- Bußgeld (kein Problem)
- Leinenzwang für Brucie (auch okay)
- Einschläfern (ganz schlimm!)

Alles hängt von der Aussage der Klägerin (Ellen Byrne) ab und die hat – laut Doc Garys Einschätzung – zu viel Angst vor ihrem Mann, um die Wahrheit zu sagen.

Da Brenda da keinen Rat weiß, fragt sie nach der Frau, in die der Doc verknallt ist, und erfährt, dass es wohl keine Chance gibt, dass die sich von ihrem Freund trennt. Schließlich hat Gary gerade erst gesehen, wie sich die beiden getroffen und geküsst haben und dann sind sie auch noch zusammen gegangen. Immerhin wird der Doc heute Abend nicht so viel zum Grübeln kommen, denn er hat mal wieder Nachtschicht im Krankenhaus.

Kommentare:

Natira hat gesagt…

Diesen Post muß ich mal kurz teilen:
ähmmm... Moment mal
*ein Kissen holt und auf den Tisch legt, ein großzügig gefülltes Glas Glenfiddich einschenkt und die Flasche für alle weiteren Leser einladend und demonstrativ auf den Tisch stellt*
so... jetzt
*mit dem Kopf mehrfach auf die bekisste Tischplatte knallt und zwischendurch den Glenfiddich trinkt*

Leider hat das nicht geholfen, zu verstehen, warum man statt die Wahrheit zu sagen sichd dafür fürchtet, Ivan zu blamieren. Und das entspringt auch noch dem noch nicht alkoholumwehten Gehirn von zwei Frauen! Ich bin offenbar zu sehr in der Realität verwurzelt *weiter mit dem Kopf auf den bekissten Tisch knallt*
Und dann auch noch Gin trinken! Nicht nur als Schwangere, sondern auch noch auf die baldige Freilassung Harrys?! Warum nur, denken die beiden, daß das passieren wird! Ich kann den Gehirnwindungen der Autorin nicht folgen, bin ich jetzt einsam und allein?...*tastet nach der Glenfiddich-Flasche*

Natira hat gesagt…

Nach einer angemessenen Pause geht es jetzt also in den zweiten Teil...
Habe ich wirklich irgendwann Declan zurückerwartet? Nun, lustig ist er ja, in seiner tja Verwirrung? Orla will er zurück, verflucht Sasha, hat aber gleich im Hinterkopf, daß -wenn Orla nicht will - er ja Sasha zurückerobern will...

*hicks*

Und der Doc ist wirklich ein Maulwurf! Kann er nicht noch ein paar Mal mehr zu den beiden hinüberschauen! Allerdings wäre das natürlich zu einfach...

Winterkatze hat gesagt…

@Natira: Ich hoffe, dass Kissen hat dich gut geschützt! Mir will auch einfach nicht einleuchten, warum man lieber Harry im Knast lässt und Ivan schützt, als den Schrecklichen einfach der Polizei auszuliefern!

Und der Gin hilft bestimmt, damit das heißersehnte Baby gesund auf die Welt kommt ...

Du bist nicht allein! *hält ein großes Glas in Richtung Natira*

Und ja, du hattest Declan zurückgewünscht! Ich habe das schriftlich! Mehrfach! *kicher*

Seinen Gedankengängen will ich ebensowenig folgen, wie denen von Agnes und Cats ... Und der Doc verdient es einfach nicht besser! *kopfschüttel*

irina hat gesagt…

Das:

"Sie zuckte zusammen, was Declan allerdings für ein gutes Zeichen hielt. Er hatte sich dieses Küsschen erst kürzlich von der Filmleinwand abgeschaut, wo es sehr effektvoll wirkte, und sogleich beschlossen, es ins Repertoire seiner Verführungstechniken aufzunehmen."

ist ja wohl total großartig! *lach* Declan ist wirklich der einzige Lichtblick in dieser schwachsinnigen, verschwurbelten Geschichte!

Winterkatze hat gesagt…

Ich finde das eher erschreckend! Die Vorstellung, dass solche Männer durch die Welt laufen, macht mir Angst! ;)

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