Freitag, 1. Oktober 2010

[Kapitelweise] Linda Kavanagh: Meinem Herzen so nah (Kapitel 28, 29+30)


Letzten Freitag gab es gleich drei Kapitel: In Kapitel 25 mussten Agnes und Harry ihre Flucht nach Australien um eine Woche verschieben, da Agnes Vater einen Herzinfarkt hatte. Währenddessen bekam Joanna in Kapitel 26 ein paar (für sie) neue Informationen über Harry mitgeteilt und in Kapitel 27 haben wir den ehemaligen Polizisten Jim McHale kennengelernt, der für Orla (die wiederum in Joannas Auftrag angerufen hatte) nun ein paar Sachen herausfinden soll.

Perspektivwechsel: Kapitel 28 wird aus der Sicht von Bill und Agnes erzählt

(Ich glaube ja, dass die Autorin diese Szene nur deshalb aus Bills Perspektive erzählt, damit der bislang doch etwas farblose Mann von Catherine auch mal ein paar Zeilen Erwähnung bekommt.)

Agnes klammert sich an Catherine und erzählt ihr schluchzend, wie sehr sie ihren Vater vermisst. Denn auch wenn er ein strenger Mann war, so konnte er doch überaus großzügig sein. Während Ivan der Schreckliche sich auf der anderen Seite an Agnes hängt, können wir Bills Gedankengänge verfolgen, der hinter der Dreiergruppe herwandert.

Sie sind auf dem Weg zur Beerdigung von Agnes Vater, der wohl an seinem Herzinfarkt gestorben ist. Obwohl Bill es ärgerlich findet, dass Agnes und Harry ihre Auswanderung aufschieben mussten, freut er sich darüber, dass Agnes nun eine reiche Erbin ist. Das dürfte ihr die Flucht vor ihrem Mann sehr erleichtern. So fällt es Bill schwer auf der Trauerfeier nicht die ganze Zeit fröhlich vor sich hinzugrinsen.

Kleiner Zeitsprung zu irgendeinem Moment nach der Beerdigung – wir befinden uns bei der Testamentseröffnung von Phelim Cashen (Agnes Papa – ich glaube nicht, dass ich den Namen schon erwähnt hatte, oder?):

Zu ihrem großen Entsetzen muss Agnes feststellen, dass ihr ach so großzügiger Vater nicht nur seine Firma, sondern auch sein gesamtes Vermögen Ivan dem Schrecklichen vermacht hat. So ist Agnes für den Rest ihres Lebens finanziell von ihrem ungeliebten Ehemann abhängig. Der entzückende Kerl hat dazu natürlich auch noch etwas zu sagen:


„Von nun an wirst du tun, was ich dir sage, du Nutte! Und glaub’ ja nicht, dass ich über Harry Sweeney nicht Bescheid weiß. Wenn mir zu Ohren kommen sollte, dass du dich weiterhin mit diesem Bastard triffst, setze ich dich ohne einen Penny vor die Tür.“

Nun, ich würde ja an Agnes Stelle spätestens jetzt die Koffer packen und mir ein kuscheliges Hotelzimmer suchen, aber bislang hat sie sich ja nicht gerade durch gesunden Menschenverstand ausgezeichnet. So tröstet sie sich auch nur mit dem Gedanken, dass sie ja bald mit Harry auf dem Weg nach Australien sein wird.

Kapitel 29

Dieses Kapitel beginnt mal wieder mit einem Telefonanruf!

Jo ruft Tom an, um zu fragen, ob seine Mutter Agnes irgendetwas mit Katzen zu tun hatte, ob sie sich seit "Binkie" noch eine angeschafft hatte oder gar Porzellankatzen sammelte. Sie muss ja auf Nummer Sicher gehen, es kann natürlich nicht sein, dass Agnes ihrer Freundin „Cats“ irgendwas anvertraut hat … Neee, kann nicht sein! *argh*

Immerhin ergibt sich so für Tom die Gelegenheit mal nachzufragen, ob Joanne denn nun mal Zeit für ihn bzw. die Papiere im Arbeitszimmer seines Vaters hat. Und siehe da, die gute Jo hat die ganze Woche zur Verfügung und so verabreden sie sich doch endlich mal für den Montag.

Tom will einen Braten machen …

… und Jo wünscht sich von ihm seinen Banoffee Pie aus „Biskuit, Sahne und Bananencreme“ zum Nachtisch.

(Etwas Recherche im Internet zeigt mir, dass das ein schottischer Kuchen ist, für den man aus Keksbröseln mit Butter einen Boden macht, diesen dann mit Bananenscheiben belegt und darauf eine Toffeemasse gießt, die man aus gezuckerter Kondensmilch hergestellt hat – nach der ist mein Mann ganz verrückt, seitdem er das in Irland gemacht bekommen hat – und das Ganze krönt man mit geschlagener Sahne und Kakaopulver oder Schokoraspeln.)


Nach diesem Telefonat hing Joanna erst einmal ihren Träumereien nach. Sie würde ihr grünes Kleid anziehen, in dem sie sich so super fühlte. Vielleicht, so dachte sie sehnsüchtig, würde Toms Hand ja über den glatten Stoff streicheln. Oh, wie sehr sie sich wünschte, diese aufregenden Lippen zu küssen …

An diesem Punkt beschließt Jo, dass es Zeit ist Mary von den neuen Entwicklungen in ihrem Liebesleben zu berichten. Doch die sitzt gerade tränenüberströmt über ihrer Tastatur, denn:

- Mary hat ihren Sohn Paul seit der Scheidung nicht mehr im Griff.
- Paul hat einem Nachbarn den Lack vom Wagen zerkratzt.
- Der Nachbar hat die Polizei gerufen.
- Daraufhin hat ein Sergeant Mary angerufen und gedroht, dass Paul bestimmt demnächst im Erziehungsheim landen wird.

Daraufhin ruft Jo – so in ihrer Rolle als supertolle Rechtsanwältin – bei dem Sergeant an:

- Jupp, Paul hat einen fetten Kratzer gemacht.
- Absichtlich und deshalb ist das eine Straftat.
- Nö, der Nachbar wird keine Anzeige erstatten, das hat ihm der Sergeant ausgeredet ...
– ... zumindest, wenn Mary für den Schaden blecht.
- Aber mit dem Jungen wird es schlimm enden!

Mary ist immer noch beunruhig, schließlich ist der Junge schon dreizehn und lässt sich seit der Scheidung nicht mehr bändigen. Mit seiner Schwester Emma gibt es übrigens keine Probleme.

Jo beschließt spontan, dass sie 1. den Samstag mit Mary und den Kindern verbringen wird – geplant sind Kino und Essengehen und 2. dass Mary doch jetzt schon nach Hause gehen darf. Dafür wird Joanna dann auch eben noch die Briefe frankieren, die Mary nicht mehr fertig bekommen hat. Nun, ich glaube, das bekommt sogar unsere Staranwältin hin …

Und damit die heutige „Kapitelweise“-Runde nicht so lahm endet, präsentiere ich euch noch Jackie Byrne! :D

Perspektivwechsel: Kapitel 30 wird aus der Sicht von Jackie Byrne erzählt

Wer sich nicht mehr erinnern sollte, dem helfe ich gern auf die Sprünge: Jackie Byrne ist Doc Garys böser Nachbar. Derjenige, der dafür verantwortlich ist, dass der Doc nun um das Leben seines alten Boxers Brucie bangen muss.

Jackie ist gerade mit einem superteuren Luxuswagen auf die Fähre nach England gefahren. Das Auto soll er in ein Versteck in Ostlondon bringen, wo es neue Papiere und Nummernschilder bekommen soll – und Jackie malt sich schon das dicke Scheinchenpaket aus, das ihm dieser Auftragsklau einbringen soll.

Im Schnelldurchgang berichtet uns nun Linda Kavanagh von Jackies bisherigen Leben:

- Aufgewachsen in einer Hochhaussiedlung in Ballymun.
- Seine Mutter hatte sich vor seinen Augen vom Dach eines der Hochhäuser gestürzt.
- Daddy hat für Ivan Kilmartin gearbeitet (na, was für ein Zufall aber auch).
- Daddy hieß Paddy und hat für Ivan den Schrecklichen das erledigt, was nicht ins Licht der Öffentlichkeit gelangen sollte.
- Deshalb zogen Jackie und Paddy dann auch bald in ein kleines Häuschen in den Süden von Dublin, damit sie immer schnell bei Ivan sein konnten.
- Paddy hat Jackie mit in seine Arbeit einbezogen, auch wenn der Junge nicht so hartgesotten war, wie Daddy sich das gewünscht hätte.
- Mit 17 hat der Junge als Fahrer an einem Raubüberfall teilgenommen, mit 18 mit Drogen gehandelt und als Teenager bei einem Mordprozess aussagen müssen. Der Angeklagte war natürlich unschuldig und Jackie hatte Angst, dass der Richter bei Jackies Vorstrafen misstrauisch werden würde, aber Daddy hat dafür gesorgt, dass es gar nicht erst so weit kam.
- Daddy ist inzwischen tot, Jackie glücklich darüber – und das Leben könnte so toll sein, wenn er nicht mit Ellen verheiratet wäre.
- Früher war er verrückt nach ihr und Daddy wollte auch, dass er sie heiratet und Ivan Kilmartin hat dem Paar zur Hochzeit ein Häuschen geschenkt.
- Vor allem ist Jackie sauer, dass Ellen keine Kinder bekommen konnte, da sie sich von einem ihrer früheren Freier etwas eingefangen hatte. Das hat er natürlich erst nach der Hochzeit erfahren.
- Deshalb zeigt er seine Frau regelmäßig, wer in ihrer Ehe zu bestimmen hat. Allerdings war die Sache mit dem Biss etwas doof gelaufen. Er hätte sie nie zum Arzt gehen lassen dürfen, nachdem er sie verletzt hatte, aber sie hat so geblutet – und nun kommt es vielleicht zu einem Prozess, dabei will er doch keinen Kontakt zu den Behörden haben.

Jackie schubst auf der Fähre noch einen alten Mann aus dem Weg, beschließt, dass man alle Kinder dort gleich im Meer ertränken sollte und sinniert noch ein bisschen über seine kriminelle Laufbahn. Am Ende der Fährfahrt überlegt er schon mal, wie er ein „lockeres Vögelchen“ für die Nacht auftreiben kann – am besten eins, bei dem er auch übernachten kann, damit er das Geld dafür auch noch sparen kann.

Hach, ich mag Jackie jetzt schon … und ist es nicht wunderbar, wie subtil die Autorin ihre Fährten auslegt?

Kommentare:

Natira hat gesagt…

"Daddy hieß Paddy und hat für Ivan den Schrecklichen das erledigt, was nicht ins Licht der Öffentlichkeit gelangen sollte."

*kichert* wunderbare Umschreibung, Winterkatze, danke !

Am Anfang wußte ich übrigens im ersten Moment nicht, wer Bill war, so was aber auch ...

SusiB hat gesagt…

Jetzt sag mir noch bitte, daß es eine Fortsetzung gibt, in der Jackie und Declan eine Männer-WG gründen! Das könnte ein ziemlich lustiges Buch werden...

Winterkatze hat gesagt…

@Natira: Ich hatte gehofft, dass es euch in bisschen amüsiert. ;)

Und ich musste auch erst sehr überlegen, wer Bill ist, dabei habe ich doch gerade erst vor zwei Wochen die Personenliste geschrieben. *g*

@Susi: Vielleicht solltest du die Autorin mal auf den Gedanken bringen - und dann findet sich bestimmt auch schnell ein Verlag, der das in Deutschland veröffentlicht. Dann wäre das vielleicht ein Kandidat für "Bücher,die man nicht lesen kann". :D

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