Sonntag, 11. Juli 2010

William Shakespeare: Macbeth

„Macbeth“ ist für mich im Prinzip ein re-read, denn ich habe mich zwischen der zehnten Klasse und meinem Abitur quer durch die englische Shakespeare-Gesamtausgabe aus der Bibliothek gelesen. Da das aber schon so einige Jahre her ist und ich inzwischen sehr viele Romane (vor allem Krimis) gelesen habe, in denen dieses Stück entweder zitiert oder auf einer Bühne aufgeführt wird, dachte ich, dass Hollys „Ich bilde mich weiter“-Challenge eine gute Gelegenheit ist, um diese Geschichte neu - und auf deutsch - auf mich wirken zu lassen.

Und ich wollte es mir dieses Mal einfach machen und „Macbeth“ auf deutsch lesen – doch das stellte sich als überraschend großes Hindernis heraus. Wieder habe ich auf eine Stadtbibliothek zurückgegriffen – und die ersten beiden ausgeliehenen Titel fast ungelesen wieder zurückgebracht, da ich wirklich ein Problem mit den Übersetzungen hatte. Ich erwarte einfach einen bestimmten Rhythmus bei den ersten Zeilen dieses Stücks und reagiere erstaunlich irritiert, wenn der erste Auftritt der Hexen in meinen Ohren falsch klingt. Außerdem stelle ich immer wieder fest, dass ich Shakespeare laut lesen muss, damit ich mich mit seiner Sprache wohlfühle – was dazu führt, dass ich mich jedes Mal vergewissert habe, ob die Fenster auch zu sind, bevor ich zum Buch griff.

Die Handlung von „Macbeth“ ist eigentlich ganz simpel: Macbeth ist ein starker Krieger, der sich im Krieg gegen den norwegischen König ausgezeichnet hat. Als Duncan, der König von Schottland, von den Taten Macbeths hört, überträgt er ihm die Ämter und Würden des Thane of Cawdor (der sich im Krieg als Verräter herausgestellt hatte). Da Macbeth diese Würdigung schon von drei Hexen vorhergesagt wurde, die ihn auch als den zukünftigen König von Schottland bezeichneten, lässt ihn der Gedanke an die Ergreifung des Throns nicht los.

Von seiner Ehefrau angestachelt ermordet er Duncan, als dieser bei ihm zu Gast ist, und versucht die Tat den beiden Kammerdienern des Königs in die Schuhe zu schieben. Aber auch die Söhne des Ermordeten werden verdächtig, da sie nach der Tat außer Landes fliehen. Macbeth wird zum König gekrönt und nur sein alter Kamerad Banquo hegt einen Verdacht, dass Macbeth Duncan getötet haben könnte – und wird deshalb von angeheuerten Mördern erstochen. Doch mit dem Tod von Banquo wächst auch Macbeth schlechtes Gewissen und er fühlt sich vom Geist seines Freundes verfolgt.

Also sucht er noch einmal die drei Hexen auf, die ihm dieses Mal prophezeien, dass er sicher sei, solange nicht der Wald von Birnam nach Dunsinane komme. Außerdem könne ihm kein Mensch, der von einer Frau geboren wurde, Schaden zufügen. In der Zwischenzeit ist der schottische Edelmann Macduff nach England geflohen und versucht mit Malcolm (dem Sohn König Duncans) ein Heer gegen Macbeth aufzustellen. Obwohl Lady Macbeth die treibende Kraft hinter der Ermordung Duncans war, verfällt sie so langsam dem Wahnsinn, während sich ihr Mann zu einem schrecklichen Tyrann entwickelt. Schließlich gelingt es Macduff (der nicht normal geboren, sondern aus dem Leib seiner Mutter geschnitten wurde) Macbeth in einer Schlacht zu töten und so seiner Herrschaft ein Ende zu bereiten.

Ich finde es immer wieder beeindruckend, dass es Shakespeare gelungen ist, in seinen Stücken so viele Inhalte zu verpacken, die auch heute noch ihre Gültigkeit haben. Machtgier ist dabei das offensichtlichste Thema, aber auch Lady Macbeths Schuldgefühle, die sie in den Wahnsinn treiben und die Entwicklung Macbeths vom Helden zum Tyrannen – der in seinem Bestreben seine Macht zu erhalten immer lächerlicher wirkt. Spannend ist es für mich auch, dass ich bislang jedes Shakespeare-Stück beim erneuten Lesen auch wieder neu für mich entdecken konnte. Trotzdem werde ich mich wohl die nächsten Wochen wieder weiter mit aktuellere Lektüre beschäftigen und nicht so schnell zu einem anderen Text von William Shakespeare greifen. ;)

Kommentare:

Natira hat gesagt…

In Buchform kenne ich erstaundlich wenig von Shakespeare, nämlich nur Hamlet (auf deutsch). Aber was Du über das laute Lese sagst, kommt mir so etwas von bekannt vor :) Auch Hamlet habe ich hier daheim laut gelesen, weil ich mich so ganz anders und besser in die Handlung und Charaktere hineinfühlen konnte.

Winterkatze hat gesagt…

Das laute Lesen habe ich sogar schon durchgezogen, als ich während der Schulzeit mit der dicken Shakespeare-Ausgabe noch jeden Tag über eine Stunde vom Bahnhof mit dem Bus nach Hause gefahren bin. Zum Glück war ich bei der Bustour immer nur mit einigen wenigen Fahrgästen unterwegs. ;D

Natira hat gesagt…

Ich sehe gerade vor meinem geistigen Auge, wie Du im Bus vor hingerissenen Mitfahrern Shakespeare liest

Winterkatze hat gesagt…

*g* Glaub mir, dass waren keine hingerissenen Mitfahrern, sondern extrem irritierte ältere Landfrauen. ;)

Natira hat gesagt…

Du bist so bescheiden, Winterkatze.

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