Freitag, 23. Juli 2010

[Kapitelweise] Linda Kavanagh: Meinem Herzen so nah (Kapitel 12)


Das elfte Kapitel lässt sich zum Glück schnell zusammenfassen: Der Leser erlebt aus Catherines Sicht 1. wie Agnes herausfindet, dass Ivan der Schreckliche sie betrügt und 2. wie Agens Harry Sweeney (und seine Frau) kennenlernt und sich in ihn (zum Glück nicht in sie, das wäre im katholischen Irland der 70er Jahre wohl wirklich schlimm gewesen) verliebt.

Kapitel 12

Der Anfang dieses Kapitels bestätigt all das, was wir nach dem Telefonat zwischen Orla und Joanna am Ende des zehnten befürchtet hatten:

Unsere „Staranwältin“ beginnt den Morgen mit (durch einen Kater ausgelösten) Kopfschmerzen, dabei steht endlich der Besuch von Tom Kilmartin an, der nun doch mal das gesamte Testament seiner Mutter zu hören bekommen soll. Ganz ehrlich, ich habe das Gefühl, dass seit Agnes Tod schon Monate vergangen sind – und das liegt bestimmt nicht daran, dass sich die Geschichte auf dem Blog nun schon über zwei Monate hinzieht. ;)

Zum Glück steht Joanna mit Mary eine tatkräftige Mutter … äh … Sekretärin zur Seite.
Also staucht die gute Mary Joanna liebevoll zusammen, versorgt sie mit einer Tablette, besteht darauf, dass unsere Anwältin die drei potenziellen neuen Mandaten von Freitag anruft und macht ihr klar, dass sie es sich nicht leisten kann rumzujammern, wenn die Kanzlei laufen soll und schickt sie ins Café nebenan, um zu frühstücken.

Recht so, Mary! Du bekommst deine Arbeitgeberin noch dazu, dass sie auch mal arbeitet!

Nebenbei bekommen wir noch die Information geliefert, dass Mary nach der Trennung von ihrem Leo auch „einiges weggeschluckt“ hatte. Na, wenn das nicht mal rosige Aussichten für die Kanzlei verspricht: Die eine säuft ihrer Freundin zuliebe, die andere, wenn sie Kummer hat …

Nachdem Joanna von ihrem Frühstück gestärkt wieder in der Kanzlei ist, schickt Mary die Chefin ins Büro und tut selber so, als ob sie mit einem Mandaten telefonieren würde als Tom eintritt. Nachdem sie den Besucher angekündigt hat (natürlich mit einem persönlichen Gang zu Joanna, um ihr gleich auch noch mitteilen zu können, dass Tom „ein attraktives Etwas“ ist), geht das wichtige Gespräch zwischen Joanna und ihrem Jugendfreund los.

- Beide sind sich einig, dass Agnes immer stark wirken wollte, aber auch ihre weichen Seiten hatte ...
- … und dass dies wohl der Kern ihrer Freundschaft mit Catherine war.
- Außerdem erzählt Joanna, dass Catherine unerklärlich unruhig ist (als ob sie merken würde, dass mit Agnes was passiert ist), …
- … dabei ist sie so vergesslich, dass Jo Angst hat, dass ihre Mutter sie bald nicht mehr erkennen könnte.
- Tom bringt nun das Gespräch auf das Testament und fragt scherzhaft, ob seine Mutter alles einem Kloster in Hindustan vermacht hätte, denn irgendwas scheint da ja in der Luft zu liegen.
- Daraufhin klärt Joanna Tom endlich über die Klausel mit den „Nachkommen von Ivan Kilmartin und Harry Sweeney“ auf und der arme Tom ist so verwirrt, dass er keinen Ton mehr herausbekommt.
- Immerhin kann ihn Jo ein wenig damit trösten, dass ihm ja sein Elternhaus sicher sei, auch wenn die finanzielle Angelegenheit sich etwas hinziehen könnte, bis man herausfindet, ob Harry denn überhaupt Nachkommen gehabt hatte.
- Vor allem erschüttert es Tom, dass er noch nie zuvor von Harry gehört hatte, obwohl dieser Mensch seiner Mutter ja so wichtig war – da beruhigen ihn Joannas „neusten Erkenntnisse“ über Harrys Verhaftung, die Mordanklage und seinen Selbstmord überraschenderweise auch nicht so ganz.


„Ich verstehe das alles überhaupt nicht“, sagte er schließlich. „Meine Mutter hat diesen Mann nie erwähnt, und doch hat sie ihm Woche für Woche Blumen aufs Grab legen lassen. Außerdem hat er sich selbst gerichtet. Das scheint doch seine Schuld zu beweisen, oder? Und nun sollen seine Kinder ihr Vermögen erben?“ Seine Stimme zitterte. „Es ist nicht so, dass ich ihnen das missgönne. Wie ich schon gesagt habe, verdiene ich gut, und Mutter besaß mehr Vermögen als genug. Das reicht für alle. Aber …“ Er führte den Satz nicht zu Ende.
Mary beherrschte die Kunst des perfekten Timings wie keine zweite, denn in ebendiesem Augenblick kam sie mit zwei Tassen Tee und ein paar köstlichen Keksen herein. „Alles in Ordnung?“, fragte sie und war Tom ein strahlendes Lächeln zu, bevor sie aus dem Zimmer tänzelte.
„Ich verstehe, dass du schockiert bist, Tom“, meinte Joanna sanft. „Es ist nicht leicht, erfahren zu müssen, dass die eigene Mutter im Testament Personen bedacht hat, die man nicht einmal kennt.“


Nun, ich gestehe Tom ein gewisses Maß an Irritation zu, aber Marys Timing würde ich nicht gerade loben. Und ihr Taktgefühl auch nicht, wenn sie in so einer Situation strahlt und tänzelt. Aber immerhin bringt sie „köstliche Kekse“ – und versuchte am Morgen Joanna zu erziehen – , da kann man ihr ja fast alles verzeihen.

Joanna versucht Tom noch damit zu trösten, dass seine Mutter ihnen ja in den nächsten Tagen alles erzählen wollte, woraufhin er ihre Hand ergreift, was diese „verräterisch kribbeln lässt“. Außerdem erklärt sich Tom bereit, dass er mal Agnes Unterlagen und Papas Arbeitszimmer durchwühlt, um vielleicht ein paar Informationen über Harry und seine Nachkommen zu finden.


Da sie offensichtlich nichts mehr zu besprechen hatten, standen beide auf.
„Danke für alles, Jo“, meinte Tom, nahm Joannas Hand und führte sie an die Lippen.
Joanna spürte, wie das Begehren in ihr aufflammte. „Kein Problem, Tom“, gab sie zurück und hoffte, dass ihre Stimme sie nicht verriet.


Nun, die Szenen könnte ich mir romantischer vorstellen, aber wenn „das Begehren aufflammt“, dann scheint ja schon mal alles auf dem richtigen Wege zu sein …

Zum Schluss würde Joanna sich am Liebsten übergeben – immer noch der Kater, nicht, dass einer von euch jetzt denkt, es läge an Tom und seinen Lippen! – und Mary denkt darüber nach, dass Jo und ihr „Mandant“ ja so offensichtlich scharf auf einander sind.

Hach, das sind die Aufgaben einer guten Sekretärin: Die Chefin erziehen, tänzeln und sich Gedanken über das Liebesleben von Anwältin und Klienten machen! Wenn das ausreicht, dann sollte ich vielleicht doch über einen Berufswechsel nachdenken!

Kommentare:

Natira hat gesagt…

Also das aufflammende Begehren auf Joannas Seite kam ja jetzt nun wirklich seeeeeeeeeeeeeeehr überraschend. Und so ein Gentleman ... Handkuss! *seufz* Das muß Liebe sein und wenn ich groß bin, lieb ich auch! *räusper*

Meine Stellenbeschreibung war damals übrigens irgendwie anders ... Es ist aber auch ganz gut, daß ich nicht tänzelnd deprimierte Mandanten aufheitern muß. Vermutlich wären sie danach nur noch trübsinniger oder traumatisiert ;)

Naja, aber offenbar ist wenigstens eine in der Kanzlei daran interessiert, daß Mandanten kommen und die Anwältin arbeitet, schließlich braucht die Mary-Mutti ja ein paar Taler für die Familie ...

oh boy!

Winterkatze hat gesagt…

@Natira: Ein Handkuss ist doch mal eine angenehme Abwechslung zu den Declans dieser Welt! ;)

"Das muß Liebe sein und wenn ich groß bin, lieb ich auch!"

*kicher*

Was?! Deine Stellenbeschreibung beinhaltete kein Tänzeln? Jetzt bin ich aber schockiert! Darfst du wenigstens Kekse servieren und den Chef erziehen?

Ich war schon überrascht, dass sich Mary nach den letzten Tagen gar keine Sorgen um ihren Arbeitsplatz machte, aber nun kann es ja mit der Kanzlei nur noch aufwärts gehen! :D

Natira hat gesagt…

Äh ... Kaffee darf ich bringen, ja, und gaaaanz selten mal ein paar Kekse und was das Cheffe-Erziehen angeht: Ich darf heute nachmittag Überstunden abfeiern :)

"Ich war schon überrascht, dass sich Mary nach den letzten Tagen gar keine Sorgen um ihren Arbeitsplatz machte, aber nun kann es ja mit der Kanzlei nur noch aufwärts gehen!"

Genau! Mary hat ja nun mit der Faust auf den Tisch gehauen, das muß doch etwas bringen *kichert*

Winterkatze hat gesagt…

"Ich darf heute nachmittag Überstunden abfeiern :)"

Das sollte aber eine Selbstverständlichkeit sein und nicht das Ergebnis deiner Erziehung. ;)

Mal gucken, ob Mary aus ihrer Chefin noch eine richtige Anwältin macht ... :D

Natira hat gesagt…

Ist es auch, es sollte nur zeigen, daß ich meinen Cheffe zur Mandantenbetreuung und Arbeit nicht erziehen muß :)

evi hat gesagt…

Oh ja, ja! Das kann sie, die Frau Kavanagh! Ich spür es förmlich prickeln zwischen den beiden ;-))
Wie kann man in so wenige Zeilen nur so viel Gefühl legen??
*schnell rauslauf, bevor ich mich auch übergeben muss*

SusiB hat gesagt…

Ein Handkuß, wie süß!

Zum Thema Chef erziehen fällt mir eine Anekdote ein: mein ehemaliger Chef hatte eine Sekretärin, die wirklich alles für ihn tat: geschäftliche und private Briefe schreiben, Urlaubsreisen buchen, morgens wurde ihm ein Multivitamingetränk serviert und mittags ein liebevoll dekorierter Teller mit Tomaten und Mozzarella...meine Kollegin und ich haben immer überlegt, wie er auf Geschäftsreisen ohne seine Sekretärin klarkommt. Dann haben wir uns ausgemalt, wie sie ihm den Koffer packt und ganz zuoberst ein DIN A 3 Blatt legt, auf dem in einfachen Bildern erklärt wird, wie man ein Hemd anzieht und zuknöpft...

Natira hat gesagt…

kichert

Winterkatze hat gesagt…

@Evi: Ich prophezeihe jetzt schon, dass du von den richtigen Liebesszenen hingerissen sein wirst! ;D

@Susi: Ohje, das ist ja kaum zu glauen! ;D Bei deiner Schilderung befürchte ich aber eher, dass sie ihm einen Extrakoffer mitgeben musste, in dem die Anleitungen vom Zähneputzen über das Hemdanziehen bis ... :D

evi hat gesagt…

Oh, ich freu mich! "Richtige" Liebesszenen! Ich hoffe du wirst uns nicht die schlüpfrigen Details vorenthalten *gg*

Winterkatze hat gesagt…

Ich fürchte, um deinen Ansprüchen in der Richtung gerecht zu werden, müsste ich ein paar Handlungsstränge dazu erfinden ... ;D

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