Freitag, 2. Juli 2010

[Kapitelweise] Linda Kavanagh: Meinem Herzen so nah (Kapitel 8)


Das sechste Kapitel hat uns Einblick in das Leben und die Gedanken von Declan (der von SusiB in einem Kommentar treffenderweise als „Nassauer mit Popofetisch“ beschrieben wurde) beschert und den Wunsch aufkommen lassen, der ehemaliger Verlobter von Orla hätte keine „größere“ Rollen in diesem Roman bekommen.

Anders hingegen verhält es sich natürlich mit Catherine O’Brien und ihrem zukünftigen Mann Bill Brennan und Agnes und ihrem wunderbaren Verlobten Ivan Kilmartin ohne diese Figuren gäbe es schließlich diesen … hm … wunderbaren … spannenden und … äh … absolut überraschenden Roman nicht! So war es natürlich im siebten Kapitel notwendig, dass wir endlich mehr über die beiden Paare erfahren haben. Vor allem Ivans regelmäßige Bordellbesuche haben diesen Charakter doch gleich ungemein liebenswert erscheinen lassen.

Heute gibt es nur ein Kapitel für euch – ich hoffe nur, ihr werdet mit all den rätselhaften und nervenzerreißenden Entwicklungen in der Handlung fertig, ohne dass euch vor lauter Spannung bei der Hitze die Sinne schwinden!

Kapitel 8

Nachdem Joanna und Orla gestern erst zusammen Essen – und auf Sauftour – waren (und die gute Jo ihre Schweigepflicht großzügig gegenüber ihrer Freundin gelockert hatte, damit diese für sie in alten Zeitungen nach Informationen sucht), sind die beiden Grazien heute schon wieder zum Essen verabredet – und zum Kleiderkauf (und in den Park gehen und den Enten zugucken)! Denn schließlich will Joanna toll aussehen, wenn sie Tom Kilmartin das nächste Mal wiedersieht.

Jaja, Geldsorgen wegen der Kanzleieröffnung, aber ein neues Kleid kaufen, um dem alten Jugendfreund gegenüber zu treten …

Doch als Joanna in ihrem Büro gerade einen reichlich vertrackten Mietvertrag aufsetzte, schrillte plötzlich das Telefon. Orla war am Apparat.


War ja klar, dass die Freundin absagen muss – was mich an dem Satz aber vor allem verwundert, ist die Tatsache, dass Joanna anscheinend noch jemanden gefunden hat, der ihre Kanzlei mit dem Aufsetzen eines Vertrages beauftragt hatte! Wo kommt dieser neue Klient plötzlich her? Wir werden über das geplante „Enten beobachten im Park“ informiert, aber nicht darüber, dass die Kanzlei von einem Tag auf den anderen neue Klienten gewinnt?! Nun gut, weiter mit der Geschichte …

Also, Orla muss die Verabredung absagen, da eine Kollegin krank geworden ist. Nun muss Orla also noch ein paar Artikel schreiben – und hatte natürlich noch gar keine Zeit, um Nachforschungen über Harry Sweeney anzustellen. Und obwohl Joanna ja weiß, wie sehr ihre Freundin beruflich eingespannt ist, ist sie doch enttäuscht, weil diese ihr kein neues Wissen über den geheimnisvollen Harry mitteilen kann. Aber zur Not wird sich unsere Staranwältin eben selber auf den Weg zum Justizministerium machen und dort nach Harry fragen.

Äh … also … ne, ich lasse das mal unkommentiert – oh, und natürlich ist sie auch enttäuscht, dass Orla nicht mit ihr shoppen gehen kann! Man muss ja Prioritäten setzen!

Also geht Joanna alleine los und kauft das Kleid und Satin-Unterwäsche und findet den Tag wunderschön – auch wenn ihr einfach niemand die Informationen über Harry hinterherträgt! – und da sie keine Lust auf ihre Kanzlei hat (hm, wie lange ist die Frau jetzt selbständig? Eine Woche? Zehn Tage? Das fängt ja gut an …) und sie auch noch nichts gegessen hat, kauft sie sich doch ein Sandwich. Und steigt spontan in den Bus zum … Glasnevin-Friedhof! (Zur Erinnerung: Da wurde Harry begraben und auch Agnes wird da in den nächsten Tagen ihre Ruhe finden.) Jo flaniert also ein bisschen über den Friedhof, sinnt über die Schönheit des Ortes und die da begrabenen Freiheitskämpfer nach und landet irgendwann vor Harrys Grabstein: „Harry Sweeney, 1935-1970. Möge er im Tod den Frieden finden, der ihm im Leben versagt blieb.“

Und weil alles so schön ist, setzt sich Joanna noch auf eine Bank in der Nähe und hängt über dem gepflegten und mit Blumen geschmückten Grab noch ein bisschen ihren Gedanken nach:

„Oh Harry, möchten Sie mir nichts über ihr Leben erzählen? Als Sie starben, waren Sie erst fünfunddreißig, genauso alt wie ich jetzt. Was war es, das Sie mit Agnes verband? Und wer kümmert sich um Ihr Grab? Irgendjemand scheint Sie immer noch zu lieben, aber wer, Harry, wer?“


Danach hat sie immer noch keine Lust auf ihre Kanzlei und packt dafür endlich ihr Sandwich aus und futtert es auf dem Friedhof, während sie darüber nachdenkt, dass die Mexikaner doch diesen hübschen Brauch haben und den Tag der Toten auf dem Friedhof mit einem Picknick feiern. Nach ihrer Mahlzeit verspricht sie Harry:

„Ich bin bald wieder da, Harry Sweeney. Spätestens an dem Tag, an dem wir dir Agnes bringen.“


Achja, so eine gemeinsame Mahlzeit kann schon die nötige Vertrautheit schaffen, damit man sich endlich duzt …

Und da Joanna nun eine Verbindung zu dem Toten hergestellt hat (Ob sie auch noch auf den Gedanken kommt ein Medium einzuschalten?), stapft sie zum Friedhofsamt und fragt nach, wer die Grabgebühren für Harrys Ruhestätte bezahlt. Der alte Mann vor Ort gibt ihr die überraschende Information, dass Agnes ihr Geldtäschchen dafür aufgemacht hat (ich sag jetzt mal nichts zum Thema Datenschutz – schließlich läuft in Irland alles anders!) und auch jede Wochen einen Blumenstrauß schickt usw.

Als Jo den Friedhofsämtler darüber informiert, dass Agnes vor zwei Tagen verstorben ist, meint er nur: „Dann wird sie ja bald zu uns kommen“ – denn natürlich war er darüber informiert, dass Agnes auf seinem Friedhof und in Harrys Grab beigesetzt werden möchte. (Was für ein Schlag für Tom, sogar der alte Mann vom Friedhof wusste mehr über seine Mutter als ihr eigener Sohn! *hüstel*) Was vielleicht kein Wunder war, denn Agnes besuchte den Friedhof seit 35 Jahren jede Woche …

Joanna klärt dann noch kurz, dass sich das Bestattungsunternehmen mit dem Friedhof in Verbindung setzen wird, setzt sich in den Bus (der praktischerweise schon direkt auf sie vor dem Friedhofstor wartet), geht zu Fuß zur Kanzlei und ruft Tom von dort aus auf dem Handy an – und erzählt ihm, dass es seine Mutter anscheinend wirklich erst damit war, dass sie neben Harry begraben werden wollte:

„Ja, ich fürchte, es ist die Wahrheit, Tom: Deine Mutter wollte im Tod mit Harry Sweeney vereint sein. Jetzt müssen wir nur noch herausfinden, was sie im Leben miteinander verband.“

Kommentare:

irina hat gesagt…

Aaaaaaaaaaaargh! Dieses Buch würde mich so unglaublich agressiv machen, dass ichs definitiv schon lange lange lange vernichtet hätte!

Winterkatze hat gesagt…

Ach, Irina, du machst mir Angst! :D

Vielleicht sollte ich mit jedem Kapitel doch mal einen Flasche mit Hochprozentigem und Beruhigungsschokolade für euch bereitstellen ... ;)

irina hat gesagt…

Valium wär angemessen! *evil*

Also ehrlich, diese lächerlich gekünstelten "Ansprachen" an Harry schagen ja dem Fass den Boden aus!

Winterkatze hat gesagt…

Sei froh, dass ich nicht das ganze Buch zitiere. :D Ich muss zugeben, dass es mir immer sehr schwer fällt, mich für eine Handvoll Zitate zu entscheiden.

Oh, und das Valium wird noch an anderer Stelle gebraucht! (Wenn das nicht mal eine gelungene Andeutung auf den weiteren Verlauf des Buches ist - hach, ich bin bald genauso gut wie Linda K.!) *kicher*

evi hat gesagt…

Ich kann mir vorstellen, dass es richtig schwierig ist, aus den vielen guten Stellen des Buches NUR ein paar wenige aussagekräftige Zitate auszuwählen *lach*

Winterkatze hat gesagt…

@Evi: Ich habe heute auch gleich schon den Eintrag für die nächste Woche vorbereitet und hätte am Liebsten einen drei Seiten langen Dialog zitiert. Stattdessen habe ich ihn für euch in verkürzter Form zusammengefasst, was auch Spaß gemacht hat. Ach, ihr dürft euch jetzt schon freuen! :D

evi hat gesagt…

Na, da bin ich mal gespannt!
Aber was soll ich vorbereiten - Schnaps oder Valium?

Winterkatze hat gesagt…

Bei Joanna und Orla bietet sich Schnaps an ... Das Valium würde ich für die späteren Kapitel aufheben. ;)

Natira hat gesagt…

*wünscht, daß es nicht so warm wäre, damit sie dieses Kapitel mit einem Whiskey herunterspülen könnte*
Es ist so ... so...
Es ist so grottig!

Winterkatze hat gesagt…

Grottig ist der passende Ausdruck! :) Hm, wenn schon kein Whiskey, dann würde ich dir zumindest ein beruhigendes - und kühlendes - Eis ans Herz legen! :D

Natira hat gesagt…

ja, das Eis hat abgekühlt, danke, ... aber es half nicht so ganz beim "Herunterschlucken" dieses Kapitels :D

SusiB hat gesagt…

Der guten Joanna sage ich eine bewegte (und bewegende) Zukunft voraus! Wenn sie so weiter macht, verdient sie ihre Sandwiches spätestens in 6 Monaten als Taxifahrerin. Da hätte sie auch gleich Sozialwissenschaften studieren können *böse*. Obwohl - dann wäre sie vielleicht Politikerin geworden, und das wäre noch schlimmer *ganz böse*.

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