Freitag, 11. Juni 2010

[Kapitelweise] Linda Kavanagh: Meinem Herzen so nah (Kapitel 3)

Was bisher geschah: Kapitel 1, Kapitel 2

Am Ende des zweiten Kapitels erreichte uns die unglaublich überraschende Nachricht, dass Agnes Kilmartin im Krankenhaus verstorben sei, bevor sie noch die Chance hatte am nächsten Tag ihr Testament zu ändern. Somit muss Joanna nun Agnes’ Sohn Tom davon in Kenntnis setzen, dass seine Mutter „eigenartige Klauseln“ bezüglich ihrer Beerdigung in hinterlassen hatte. Und da die Autorin wohl keine weiteren Möglichkeiten mehr fand, um den Leser noch weiter auf die Folter zu spannen, gibt es hier sogar nach einem kurzen Absatz über Joannas schlaflose Nacht endlich die überhaupt nicht vorhersehbare Testamentsbedingung:
„Sie möchte auf dem Glasnevin-Friedhof im selben Grab wie ein gewisser Harry Sweeney bestattet werden.“

Der arme Tom kann das gar nicht glauben und hofft noch, dass seine Mutter von Medikamenten umnachtet war als sie das so festlegte (tststs, dabei ist das doch die alte Testamentsversion – will der brave Sohn da etwa andeuten, dass die gute Mama schon vor ihrem Herzinfarkt häufiger medikamentös verwirrt war?). Vor allem hatte er natürlich erwartet, dass Agnes sich im Tode wieder mit seinem vor Jahren verstorbenen Vater vereinen würde, so gehört sich das schließlich!

Aber da Agnes das nun so wollte, bleibt Joanna ja nichts anderes übrig als dem Wunsch der Verstorbenen zu folgen und Tom versucht sich damit zu trösten, dass der unbekannte Harry ja wohl kein Dieb oder Mörder war.

Eine Illusion, die ihm Joanna gleich wieder nehmen muss, auch wenn sie ihm ganz schnell versichert, dass eine Untersuchungshaft wegen Mordes noch lange nicht bedeutet, dass man die Tat auch begangen hat. Doch Tom bemüht zu dem Thema nur das vielzitierte Sprichwort mit dem Rauch und dem Feuer …

Vor allem kann er es nicht fassen, dass gerade seine Mutter so einen Wunsch bezüglich ihrer Beerdigung äußerte.
„Aber was hat sie sich nur dabei gedacht? Sie führte ein ruhiges, behütetes Leben und tat nie etwas Verrücktes. Manchmal ging sie mit meinem Vater zu einem Abendessen oder einem Empfang. Sie spielte Bridge und besuchte deine Mutter im Pflegeheim. Das war alles. Warum in aller Welt sollte sie dann so etwas wollen? Das passt überhaupt nicht zu ihr.“
Ganz ehrlich, bei einem so langweiligen Leben, hätte ich wahrscheinlich aus spätestens nach meinem Tod Lust auf ein bisschen Abwechslung …

Joanna verspricht, dass sie so viel wie möglich über Harry herausfinden wird, damit es für Tom vielleicht verständlicher wird, warum seine Mutter mit diesem Mann das Grab teilen will. Nachdem es noch eine kleine Andeutung gibt, dass die Ehe von Agnes und ihrem Mann nicht immer so ganz harmonisch verlaufen ist, kommt unsere Anwältin noch auf den Gedanken, dass Harry vielleicht Agnes’ lang vermisst geglaubter Bruder sein könnte.

Nun ja, das war natürlich auch mein erster Gedanke zu der ganzen Situation …

Nach diesem aufregenden Telefonat macht sich Joanna auf den Weg in ihre neue Kanzlei, wo schon ein neuer Auftrag wartet. Freddy O’Rourke will der Anwältin einen seiner Mandanten zuschieben, dessen Hund den Nachbarn gebissen hat, der daraufhin die Polizei gerufen hat.

Kurzinformation zu Freddy:
- Freddy hatte mit Joanna zusammen Jura studiert.
- Freddy und Joanna haben nach dem Studium in der Kanzlei von Freddys großem Bruder gearbeitet.
- Freddys großer Bruder macht einen Haufen Geld, in dem er die Leute vertritt, die in den 70er-Jahren in Kinderheimen misshandelt wurden.
- Freddy „schwärmt“ für Joanna, die ihrerseits ihre neue Kanzlei nur eröffnet hat, damit sie ihm nicht mehr ständig bei der Arbeit aus dem Weg gehen muss.

Obwohl Joanna nun schon zwei Fälle hat, ist sie trotzdem enttäuscht, dass nicht mehr Leute ihre Dienste benötigen. Schließlich hat unsere Anwältin nur noch das Geld, um für die nächsten zwei Monate die Miete und Marys Gehalt zu bezahlen. Trotzdem erlaubt sie sich eine kleine Nörgelei über einen so wenig attraktiven Fall wie den Hundebiss, bevor sie Mary bittet weitere Informationen aus Freddy herauszukitzeln. Natürlich will Joanna nicht selber mit dem aufdringlichen Verehrer telefonieren!

Dafür macht sie sich an die anstrengende Suche nach Informationen über Harry Sweeney, indem sie zum Telefonhörer greift und ihre beste Freundin Orla Rogan anruft, die praktischerweise im Newsroom des „Evening Dispatch“, einer Dubliner Abendzeitung, arbeitet.

Statt am Telefon irgendwas zu klären, verabreden sich die beiden Freundinnen zum Abendessen in einem Restaurant, über das Orla eine Kritik schreiben muss. Und bei der Gelegenheit bekommt der Leser natürlich auch ein paar Details zu Orla präsentiert:

- Orla ist seit sechs Monaten mit Declan verlobt
- Im nächsten Frühling wollen die beiden heiraten.
- Joanna soll Brautjungfer werden.
- Orla reagiert mit Schweigen, als Joanna fragt, warum sie nicht mit Declan in das Restaurant geht. *dumdidum*

Dann verbringt Joanna ein bisschen Zeit damit Präzedenzfälle zum Thema „Hundebiss“ nachzuschlagen, wobei der Leser über die möglichen Folgen für das Tier aufgeklärt wird. Unsere Anwältin hofft auf jeden Fall jetzt schon mal, dass der Fall nicht von Richter McGrath behandelt wird, denn der wurde angeblich mal von einem Hund an einer empfindlichen Stelle gebissen und reagiert seitdem etwas extremer, wenn es um tierische Fälle geht.

Bevor noch ein weiterer Klient anrufen kann, verabschiedet sich Joanna aus ihrer Kanzlei.
„Ich gehe heute schon früher nach Hause. Tut mir leid, dass ich Sie hier alleine sitzen lasse, aber ich habe höllische Kopfschmerzen und brauche dringend ein heißes Bad. Aber zuerst muss ich noch im Pflegeheim anrufen.“
Mary sah sie eindringlich an: „Halten Sie das für richtig? Sie sehen ohnehin schon völlig geschafft aus.“
„Nun, ich … ich werde sie auf jeden Fall noch heute besuchen“, presste Joanna hervor. „Ich fühle mich sowieso schon mies genug, weil ich die letzten zwei Besuche ausfallen lassen habe.“ Kaum hatte sie das gesagt, fühlte sie sich erst recht schlecht. Hörte sie sich nicht an, als wäre ein Besuch bei ihrer Mutter eine schlimme Belastung? Anderseits musste sie sich eingestehen, dass dies mitunter durchaus der Fall war …

Im nächsten Kapitel dürfen wir dann bestimmt einen Besuch im Pflegeheim miterleben und vielleicht sogar mehr über Orla und Declan erfahren! ;)

Kommentare:

Yvonne hat gesagt…

Liebe Winterkatze,

ich habe mich wieder köstlich über deine feine ironische Zusammenfassung des nächsten Kapitels amüsiert. Aber mal ganz ehrlich: Dieser Roman ist schon mehr als "grenzwertig". Den könnte man in Schreibkursen als Paradebeispiel für unlogische Handlungsstränge verwenden und wie man einen Roman tunlichst NICHT aufbauen sollte.

Ich freue mich jedenfalls schon auf den nächsten Freitag und wünsche Dir ein schönes Wochenende.

LG Yvonne

irina hat gesagt…

Da passiert nicht wirklich was, oder? *gähn* Da lob ich mir doch Serafinas Abenteuer! ;)

Winterkatze hat gesagt…

@Yvonne: Schön, dass du dich von meiner Zusammenfassung unterhalten fühlst. :) Und ja, der Roman ist mehr als grenzwertig - am Anfang fand ich das alles noch gar nicht so schlimm, aber je mehr ... hm ... Handlungsstränge die Autorin aufbaut, desto fassungsloser wurde ich!

Auch dir ein schönes Wochenende! :)

@Irina: Aber siehst du denn nicht all die drohenden Verwicklungen? Die zwischen den Zeilen steckenden und gaaaanz unauffällig eingestreuten Andeutungen bezüglich all der überraschenden Entdeckungen, die da noch kommen werden?

Aber du hast schon recht, Joanna und Serafina spielen in ganz unterschiedlichen Ligen! (Jetzt hätte ich beinah den hübschen Tippfehler "Liegen" eingebaut - ob das an den Fahnenstangen liegt, die durch Serafinas Geschichte geistern? ;) )

evi hat gesagt…

Jetzt wird mir langsam klar, warum du das nur in kleinen Dosen lesen kannst - erhöhte Einschlafgefahr!

Winterkatze hat gesagt…

@Evi: Dabei gibt sich die Autorin doch so viel Mühe, den Leser davon zu überzeugen, dass da noch große Überraschungen lauern! ;)

Natira hat gesagt…

Es ist aber auch anstrengend, darauf zu warten,daß einem Mandate zugetragen werden! Wie würde sie sich wohl fühlen, betriebe sie Aquisition? Die arme Frau hat ja offenbar nicht einmal aus der alten Kanzlei ein paar Mandanten mitnehmen dürfen?können? Wollten sie Joanna nicht?

Welche Dramen werden sich in der Beziehung der Verlobten abspielen? Wird Joannas Mutter es wahrnehmen, daß Agnes tot ist? Wird es irgendwo ein Tagebuch geben, das alles erklärt?
...

Winterkatze hat gesagt…

@Natira: Die alte Kanzlei hat sich ja anscheinend auf die Vertretung von Missbrauchsopfern irischer Kinderheime spezialisiert - da wandern die Mandanten wahrscheinlich nicht einfach mit, wenn sich so eine junge Anwältin selbständig macht. ;)

Oh, und ich kann dir noch eine Menge Dramen versprechen ... *kicher*

SusiB hat gesagt…

Die gute Frau macht sich selbständig, weil sie einem unerwünschten Verehrer aus dem Weg gehen will?? Und sucht ihre Sekretärin nur nach Sympathie aus, ohne großartig auf Qualifikationen zu achten? Und dann sitzen sie beide verschreckt und bewegungslos herum, sobald das Telefon klingelt? Ich sehe Besuche beim Arbeitsamt in der Zukunft dieser hoffnungsvollen jungen Anwältin...

Winterkatze hat gesagt…

@Susi: Naja, die Selbständigkeit hatte vielleicht auch noch andere Gründe, aber die erfährt man als Leser nicht!

Aber ich fürchte auch, dass diese Kanzlei in einer der besten Dubliner Gegenden keine große Zukunft haben wird - oder wenn, dann gewiss nicht mit dieser Besetzung! ;)

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