Mittwoch, 19. Mai 2010

Die Winterkatze und die Bibliotheken

Solange ich mich erinnern kann, gehören Bibliotheken zu meinem Leben. Angefangen hat es mit einer kleinen Zweigstelle in einer großen Stadt, wo regelmäßig eine neue Runde Bilderbücher ausgesucht wurde. Leider habe ich nur noch wenige Erinnerungen daran, aber ich weiß noch, dass sich meine große Schwester mal ein Yoga-Buch für Kinder ausgeliehen hatte, bei dem ich die Namen für die verschiedenen Figuren sehr lustig fand. Später hat sie mich manchmal ins Stadtzentrum zur Zentralbibliothek mitgenommen – so ein riesiges Gebäude voller Bücher und es gab sogar einen Raum mit bequemen Stufen und Kissen, wo man Hörbücher hören konnte. So gehören meine ersten Bibliothekserinnerungen und meine Schwester irgendwie zusammen.

Dann zogen wir in einer kleine Stadt mit einer kleinen Bibliothek in einem hübschen Fachwerkhaus in der Innenstadt. Von unserem Gymnasium aus war es nur ein Katzensprung, allerdings reichte die Zeit nicht, um den Bus noch zu erwischen, sodass man sich gut überlegen musst, an welchen Tagen man zur Bibliothek gehen konnte. Nach kurzer Zeit wurde bei mir ein Auge zugedrückt, wenn ich die maximale Ausleihmenge von zehn Büchern überschritt, denn sie konnten sich sicher sein, dass ich spätestens nach einer Woche die Titel wiederbrachte. Viel zu schnell hatte ich mich dort durch die Kinder- und Jugendbuchabteilung gelesen, habe dann die Fantasy- und Science-Fiction-Bücher verschlungen, um danach mit den allgemeinen Romanen und Sachbüchern weiter zu machen. Nur die Krimis habe ich damals gemieden, da ich mir sicher war, dass ich die nicht so mögen würde. Für diese schnuckelige Bibliothek musste man sich etwas Zeit mitbringen, denn die nette Dame, die die Ausleihkarten abstempelte, war körperlich behindert und so dauerte es immer ein bisschen, bis ihre Hand den Stempel auch am richtigen Ort platzierte. Immerhin konnte man die Zeit schön nutzen, um ein bisschen zu schwatzen oder schon mal einen ersten Blick in die Bücher zu werfen und diese behutsam im Extrarucksack oder der Schultasche unterzubringen.

Während des Studiums mochte ich die Bibliothek an der Hochschule nicht so gerne, vor allem war es doch immer arg ärgerlich, wenn es nur ein Exemplar von einem Titel gab, welcher gerade vor 150 Studenten empfohlen wurde. Da half nur kurz vor Vorlesungsende schon mal rausrennen und hoffen, dass man genau dieses Buch als Erste in die Finger bekommt. Aber die Stadtbibliothek an meinem Studienort war auch wieder in einem schönen alten Gebäude untergebracht und hier entdeckte ich dann auch die Krimiabteilung für mich – was zu einigen seltsamen Lesestunden geführt hat, da die dortige Auswahl doch auch etwas ungewöhnlicher Sparten abdeckte. Hier fiel mir auch zum ersten Mal auf, dass man versuchte so effizient wie möglich mit seinen Lesern umzugehen. So war sowohl die Ausleihe als auch die Abgabestelle immer mit mindestens zwei Personen besetzt, sodass mir häufig die Bücher schneller aus der Hand genommen wurden, als ich sie aus meinem Rucksack holen konnte. Nicht sehr angenehm und mit ein Grund, warum ich nicht mehr wöchentlich in die Bibliothek ging.

Dann habe ich selber ein paar Jahre in einer Bibliothek gearbeitet und dort miterlebt, welche Arbeiten so tagtäglich hinter den Kulissen anfallen. Neben all den anderen Dingen, kommt spätestens nach ein paar Monaten, in denen man jeden Morgen total verschmierte Kinderbücher wieder in die Bilderbuchtröge und Regale einsortiert hat, der Moment, an dem man sich wünscht, man könnte jedem Benutzer einen Verhaltenskodex aufdrücken, der dafür sorgt, dass jeder einzelne Leser so sorgfältig wie möglich mit den Büchern umgeht. Früher – so erzählten mir die Kollegen – gab es noch eine Putzfrau, die regelmäßig die Bücher durch eine Buch-Waschmaschine gejagt hat. Aber die Stelle wurde eingespart und so hatte eigentlich jeder von uns neben dem Schreibtisch einen Stapel besonders schlimm verschmutzter Bücher, und wenn mal wieder etwas Luft im Arbeitsalltag war, dann griff man zu einem feuchten Lappen und fing an die Bücher zu putzen … Doch viel Zeit blieb für sowas nicht, denn je länger ich dort arbeitete, desto mehr fiel mir auf, dass die Bücher in einer Bibliothek so langsam nur noch Nebensache sind.

Hier habe ich auch erlebt wie auf die Selbstverbuchung umgestellt wurde. Für diejenigen von euch, die das nicht kennen: Bei der Selbstverbuchung hat der Leser eigentlich keinen Kontakt mehr zu den Bibliotheksmitarbeitern, man nimmt den Stapel mit Büchern, die man ausleihen will, scannt sie selber ein und wandert dann aus dem Gebäude. Zumindest, wenn alles richtig klappt und es dabei nicht zu Fehlern kommt. Natürlich ist man auch selber dafür verantwortlich, dass die ausgeliehenen Hörbücher auch alle CDs beinhalten, dass man nicht die Titel des Typen, der zu dicht hinter einem steht, mitausleiht und auch sonst sollte man sich genau angucken, was man da tut. Natürlich wurde vorher versichert, dass durch die Selbstverbuchung kein Stellen wegfallen – und ebenso natürlich kommt es gerade an meinem alten Arbeitsplatz ganz anders als vorher versprochen. Doch das habe ich dann nicht mehr mitbekommen, da ich inzwischen umgezogen bin.

Hier an meinem neuen Wohnort ist die nächste Zweigstelle nur ein paar Minuten zu Fuß entfernt – und so gehe ich regelmäßig Mittwochs in die Bibliothek und hole mir ein paar Bücher ab. Da mein SuB ja nicht gerade klein ist, greife ich zur Zeit nur noch auf Bibliotheksbücher zurück, wenn mir ein Titel empfohlen wird, den ich erst einmal nur antesten will, oder manchmal habe ich ein (gekürztes) Hörbuch hier und würde es gern mit dem Roman vergleichen oder ich habe zwar den ersten und dritten Band einer Reihe, aber nicht den zweiten. Zum Glück ist die örtliche Bibliothek sehr gut sortiert und wenn meine Zweigstelle mir nicht weiterhelfen kann, dann bekomme ich meine Bücher von den anderen geliefert.

Ich genieße es, wenn ich am Mittwochvormittag ein paar Worte mit den Bibliotheksmitarbeitern wechseln kann. In der Regel nicht mehr als „Das hier möchte ich zurückgeben – und dann ist da noch was für mich vorgemerkt.“ Und als Antwort kommt dann in der Regel „Nächste Woche müssen Sie noch ein Buch abgeben“ und dann wird mir mit einem „Sie kennen sich ja mit der Selbstverbuchung aus“ mein vorgemerkter Stapel in die Hand gedrückt. Doch nicht heute! Heute wurde ich darüber informiert, dass von nun an auch die Vormerkungen ohne „Menschenkontakt“ ausgegeben werden – denn nun wurde dafür extra ein Regal aufgebaut, wo man seine Vormerkungen selber rauszupfen muss.

Ganz ehrlich, ich hasse es, dass meine Bibliotheksbesuche immer unpersönlicher werden. Ich warte nur noch darauf, dass auch die Rückgabe per Selbstverbuchung erfolgt – und dann muss man gar kein Wort mehr mit einem Menschen wechseln, wenn man Bücher aus der Bibliothek nutzen will. Ich vermisse die kleinen Gespräche über die Ausleihtheke hinweg, bei denen man im schlimmsten Fall nur eine kurze Bemerkung über das Wetter austauschte und im besten Fall ein paar Buchtipps mit auf den Weg bekam. Wenn das so weitergeht, dann kann ich ja gleich die „Onleihe“ nutzen, dafür muss ich nicht mal aus dem Haus gehen, sondern „leihe“ mir Text- oder Audiodateien über mein Bibliothekskonto aus und kann die dann am PC lesen oder hören.

Aber genau das will ich nicht! Ich will in eine Bibliothek gehen und die Regale durchstöbern, ich will ein paar Worte mit einer Bibliothekarin oder einer FaMI wechseln, ich möchte Buchtipps von ihnen oder anderen Benutzern der Bibliothek bekommen und mich einfach in einem Gebäude voller Bücher wohlfühlen können. Vielleicht bin ich hoffnungslos altmodisch, aber der menschliche Kontakt hat doch – neben all den tollen Büchern – dazu geführt, dass ich als Kind so gern in die Bibliothek ging.

Vielleicht seht ihr das ja anders oder vielleicht gehört ihr ja zu den Leuten, die zwar gern lesen, aber nie eine Bibliothek nutzen würden, doch mich macht diese Entwicklung einfach nur traurig ...

Kommentare:

Yvonne hat gesagt…

Liebe Winterkatze,

ich bin bei dir eigentlich nur stille Mitleserin, aber zu dem Thema möchte ich gern was sagen. Ich gehöre auch zu denen, die gern in die Bibliothek gehen und von klein auf schon immer gegangen sind. Heute meistens aus dem Grund, um neue Autoren oder Bücher, die mir empfohlen wurden, erstmal auszuprobieren, bevor ich Geld dafür investiere.

Nachdem unsere alte Stadtbücherei aus allen Nähten geplatzt ist, haben wir seit vergangenem Sommer ein nagelneue, um einiges größere und mit der neusten Technik ausgestattete Stadtbücherei. Und auch die Rückgabe läuft bei uns über Rückgabeautomaten. ;-) Ich persönlich schätze das sehr, denn diese Automaten stehen in einem Vorraum und man kann sie unabhängig von Öffnungszeiten rund um die Uhr nutzen. Selbstverbuchung haben wir auch, für die Zahlung von Vormerk- und Mahngebühren gibt es einen speziellen Kassenautomaten. Nur die vorgemerkten Bücher werden nach wie vor von netten Mitarbeiterinnen überreicht.

Die durch den automatisierten Verleihbetrieb „eingesparten“ Mitarbeiterinnen sitzen jetzt an Info-Tischen - auf jedem Stockwerk gibt es mindestens zwei - und stehen den Lesern mit Rat und Tat zur Seite. Das hatten wir früher nicht. Hier ist die neue Technik insoweit in Segen, dass die Mitarbeiterinnen jetzt mehr Zeit haben, sich um die Leser zu kümmern. Die rasant gestiegenen Ausleihen und Neuanmeldungen seit Eröffnung sprechen da auch für sich. Um den erweiterten Betrieb unserer neuen Stadtbücherei abzudecken, wurde der vorhandene Mitarbeiterstamm sogar mit ehrenamtlichen Mitarbeitern „aufgestockt“. Ich schätze unsere hochmoderne Bücherei sehr. Der Schwatz mit den Mitarbeiterinnen kommt trotzdem nicht zu kurz.

LG Yvonne

Susanne hat gesagt…

Das war ja mal ein interessanter Post. Bibliotheken sind natürlich sehr wichtig, obwohl ich inzwischen fast nichts mehr ausleihe. Die hiesige Bibliothek ist nicht so wahnsinnig riesig und nachdem mein SuB auch ziemlich hoch ist, vermeide ich es eher, da noch was hinzuzufügen.

Was ich sehr liebe ist aber, in der Bibliothek Kunstbände mitzunehmen und seit ich ein Kind habe, das lesen kann, ist natürlich Bibliothek auch ein Mutter-Sohn-Highlight.

Den Kontakt zu den Mitarbeiterinnen dort schätze ich eher weniger, ich hätte gegen Selbstbuchung gar nichts einzuwenden. Buchempfehlungen klappen bei mir nur äußerst selten. (Deine letzte Empfehlung an mich war allerdings hervorragend.)

Vielleicht muss ich darüber auch mal was schreiben... (Das setze ich dann auf die Liste, auf der schon zig andere Themen stehen, über die ich schreiben möchte.)

The Jeanny hat gesagt…

ich kann dir nur beipflichten. ich liebe bücher und lesen über alles... ein leben ohne den geruch eines frisch gedruckten bzw neuen buches kann ich mir gar nicht vorstellen! hin und wieder ärger ich mich über gestresste bibliothekare auf der uni, aber andererseits hast du auch recht, dass es einfach so unpersönlich ist, vor einem pc zu stehen und irgendetwas selbst herauszusuchen. v.a. wenn man genau weiß, ich brauch dafür 10 min, wo der bibliothekar mich einfach an die hand nehmen würde und ich innerhalb von 10 sek (!) das gewünschte buch in händen halten würde. aber so ist das in einer modernen welt.
undn ich muss noch etwas los werden, ich komme aus österreich und bei uns gibts jeden morgen cafe puls auf dem sender puls4 (ein privatsender, der jetzt nicht sonderlich bekannt ist), und dort stellt eine echte bibliothekarin einmal die woche ihre "lieblings"bücher vor... sie ist genauso wie man sich vorstellt... rotraut schöberl von der buchhandlung leporello in wien... falls ihr mal googlen wollt. sie scheint bieder zu sein, aber der äußere eindruck täuscht... das sit eine bibliothekarin, eine büchereibesitzerin, leseratte wie ich sie mir vorstell!! :o))

sayuri's exile hat gesagt…

Hm, das ist mal wieder ein sehr spannender Post. Bis ich in die Uni gekommen bin, war ich auch grosser Fan und Unterstützer der öffentlichen Bibliotheken meiner Wohnorte - auch wenn ich mit dem dort angestellten, meist weiblichem Personal meist nur wenig zu tun hatte. Es beschränkte sich tatsächlich auf Vorbestellungen (bis man die übers Internet machen konnte) und die Rückgabe. Ich kann mich nicht erinnern, jemals einen Tipp bekommen zu haben oder einen Kommentar wie "Oh, das ist ein tolles Buch, viel Spass" oder "Mensch, das wollte ich auch schon immer mal lesen". Vllt. hatten wir ja auch einfach nicht die richtige Wellenlänge - aber die Bibliothekare und -innen mit denen ich zu tun hatte, waren immer nur an ihren Nummern interessiert und nicht am Buch selbst. Aber es scheint, dass ich da einfach nur Pech hatte - soviele Bibliotheken sind es ja nun auch nicht gewesen.
Als Kind bin ich einmal in der Woche in die örtliche Bibliothek gegangen und bin mit einem Stapel Bücher (oft Enid Blyton, an die erinnere ich mich gerade besonders gut) heimgekommen. Meine Mutter meinte immer, ich würde zu viel ausleihen, aber ich glaub, ich hab immer alles gelesen zurückgegeben. Die besten Tage waren die, an denen man günstig ausgemusterte Bücher kaufen konnte - das war immer toll :)

Als ich mit dem Studium anfing begann gleichzeitig eine Lese-Dürre-Periode und ich ging nur noch in die Bib, um zu lernen oder in ein Fachbuch zu schauen (doch auch das nur selten: lernen konnte ich dort nicht gut und die Bücher die ich brauchte waren oftmals schon verliehen - genauso, wie Du es beschreibst)
Ansonsten habe ich es mal in der LiLi-Bib versucht, aber da bin ich schier am System verzweifelt - ich hatte auch gar keine Lust, mir erst alle Nummern rauszusuchen und dann das richtige Regal zu finden etc. Ich sehe ein, dass man eine so grosse Bib nicht ohne ein solches System organisieren kann, aber ich fand es immer sehr wenig befriedigend, auf diesem Weg Bücher für mich zu finden. Darum freue ich mich schon auf die Zeit nach der Uni, wenn ich wieder in Bibliotheken gehen und einfach nur für meine freie Zeit nach Büchern stöbern kann.

Die Tatsache, dass da jetzt auch immer mehr Personal eingespart wird finde ich schade und beunruhigend. Denn auch wenn ich bisher eher schlechte Erfahrung gemacht habe, gibt es sicher viele tolle Menschen in diesem Job, deren Wissen dann verloren geht... Was das angeht finde ich, dass wir in einer ganz schön blöden Zeit leben.... :(

Natira hat gesagt…

Seit Kindertagen habe ich die Bibliothek meines Heimatortes besucht, die leider klein und nicht sehr gut sortiert war. Aber Kinderbücher waren kein Problem, ich erinnere mich an Bücher von Jules Verne und Alexander Dumas (Die 3 Musketiere).Allerdings gab es dann eine lange Phase bibliotheksfreien Lesens, sowohl Romane, als auch Sachbücher habe ich gekauft. Als ich nach NRW kam begann ich wieder, die Bibliotheken aufzusuchen. Inzwischen bin ich Mitglied in drei Bibliotheken:
- die an meinem Arbeitsort: klein, nur ehrenamtliche Mitarbeiter und gestützt von einem Förderverein
- die in meinem Wohnort: etwas größer, der Buchbestand ist im 1. und 2. Geschoß verteilt, zurückgeben und verliehen wird dagegen im Erdgeschoß, die Mitarbeiter sind also gar nicht in der Nähe des Buchbestandes) und
- die im Nachbarort meines Arbeitsortes: alles auf einer großen Fläche in einem Geschoß mit einer Ausleih- und Rückgabetheke sowie einem weiteren Info-Platz, an dem eine Mitarbeiterin für Fragen zur Verfügung steht.

Kombiniert in einer Bibliothek wären die drei fast perfekt: In der klitzekleinen Bibliothek am Arbeitsort sind die Mitarbeiterinnen zum Schwätzchen aufgelegt, es wird über die ausgeliehenen Bücher geredet (wenn man mag) und auf andere verwiesen. In der Nachbarortbibliothek ist das Angebot breiter und der Kinderbereich ist schön (+Servicepunkt) und die Bibliothek am Wohnort ist... am Wohnort :)

Ich schätze durchaus die Möglichkeit, online zu checken, ob ein Buch in der Bibliothek vorhanden ist oder daß ich die Leihfrist online verlängern bzw. ein Buch vormerken kann. Aber ich finde es halt zudem spannend, wenn ich auch in Büchereien (wie auch in Buchhandlungen) etwas erfahren kann über den Autor, das Buch, vergleichbare Werke, persönliche Vorlieben und und und ... Das möchte ich nicht missen. Und ich freue mich, wenn ich in die Bücherei komme und gerade wird dort von einer Erzieherin einer Gruppe von Kindern etwas vorgelesen (was mich nicht daran hindert, zügig meine "Geschäfte" zu erledigen, wenn die Umgebungsgeräusche dadurch immer lauter werden *ächsz*). Ich lächle, wenn ich 10jährige sehe, die an der Theke stehen und stolz etwas ausleihen oder zurückgeben, dabei von dem Buch erzählen und dann direkt wieder zum Regal gehen oder mit den Mitarbeitern über ein anderes "Superklassebuch" reden. Ich hoffe wirklich, daß uns diese Form der Buchausleihe mit möglichst engagierten Mitarbeitern erhalten bleibt, selbst wenn die Kinderbücher ramponiert zurückkommen sollten.

Wie hätte es sich wohl auf mich ausgewirkt, wenn mir als Kind nicht so eine nette Frau in der Bücherei die Bücher ausgeliehen hätte? Würde ich heute mehr oder weniger oder anders die Bücher schätzen und lesen. Hm...

Winterkatze hat gesagt…

Oh, so viele ausführliche Reaktionen auf dieses Thema! Das ist toll! :)

@Yvonne: Schön, dass du dich zu diesem Thema zu Wort meldest und dich als stille Mitleserin "outest". :) Ich habe es eben richtig genossen deinen Kommentar zu lesen. Man hat meinem Beitrag vielleicht angemerkt, dass ich gestern wirklich etwas depremiert war von der Entwicklung in meiner aktuellen Stadtbibliothek, umso angenehmer ist es zu hören, dass diese Technik auch zu positiven Veränderungen führen kann.

Mehr Zeit für die Leser zu haben ist eigentlich ein Traum für viele Bibliotheksmitarbeiter (und ja, ich hatte auch ehemalige Kollegen, die lieber nichts mit Menschen zu tun gehabt hätten), wenn also die Selbstverbuchung und der Rückgabeautomat dazu führen, dann bin ich begeistert! Leider höre ich viel häufiger davon, dass dank der neuen Technik Stunden oder gar ganze Stellen eingespart werden. Da wünschte ich mir wirklich, man würde sich ein Beispiel an deiner Bibliothek nehmen und mal lernen, dass ein verbesserter Service zusammen mit einer aufführlichen menschliche Betreuung zu mehr Nutzern führt. :)

Danke für deinen aufbauenden Kommentar! :)

@Susanne: Schön, dass dir meine Empfehlung so zugesagt hat. :) Und schade, dass du den Kontakt mit deinen Bibliotheksmitarbeitern so wenig schätzt. Aber immerhin bietet dir die Bibliothek immer noch angenehme Mutter-Sohn-Erlebnisse - und Kunstbände haben sie für dich auch! ;) Ich hoffe sehr, dass du mal die Zeit findest etwas über Bibliotheken auf deinem Blog zu schreiben - vielleicht kannst du das Thema ja auf deiner Liste nach oben schieben. :D

Winterkatze hat gesagt…

@The Jeanny: Herzlich Willkommen auf meinem Blog - ich freu mich, dass du dich zu diesem Thema zu Wort gemeldet hast. :)

Und ich ärgere mich auch über gestresste Bibliothekare! Denn selbst wenn die Zeit vor Öffnung der Bibliothek nie zu reichen scheint, um all die wichtigen Dinge zu erledigen, so sollte der Leser wirklich nicht darunter leiden! Auch eine Bibliothek ist ein Dienstleister und so sollten sich die Angestellten dementsprechend verhalten. ;)

Nach "Leporello" habe ich gerade mal geschaut. Die Buchhandlung sieht wirklich sympathisch aus - vor allem sagt mir diese Aussage "mehr Besten-Liste denn Bestsellerliste" zu! Nach meinem Umzug bin ich immer noch auf der Suche nach einer wirklich schönen Buchhandlung. Die großen Ketten gefallen mir nicht (und mein Mann weigert sich inzwischen mit mir bei "Thalia" reinzugehen, weil ich unweigerlich anfangen Bücher umzusortieren *g*) und die wenigen kleinen Läden, die ich bislang gefunden habe, konnten meine Bedürfnisse als Käufer auch nicht befriedigen. Aber vielleicht bin ich auch besonders kritisch, da ich selber aus dem Buchhandel komme. ;)

Winterkatze hat gesagt…

@Sayuri: Ich finde es schade, dass du keine schönen Erinnerungen an Gespräche quer über die Theke hast. Aber immerhin hast du schöne Erinnerungen an die Bücher, die du dir ausgeliehen hast. :)

Ausgemusterte Bücher habe ich auch so einige in meinem Regal stehen. Und richtig schrecklich war es immer, wenn ich den Verkauf eines meiner Lieblingsexeplare verpasst habe. Da habe ich in den letzten Jahren ein kleines Vermögen ausgegeben, um meine Sehnsucht nach bestimmten Büchern zu stillen, die ich nur aus der Bibliothek kannte und die schon lange vergriffen waren.

LiLi-Bib musste ich auch gerade erst einmal über's Internet suchen - immerhin lag ich mit meinem Verdacht richtig. *g* Ähnlich ist es mir während des Studiums mit der Landesbibliothek ergangen - und irgendwann habe ich dann die Fahrt dahin sein gelassen und mir die Bücher aus Bequemlichkeit per Fernleihe besorgt. Nicht selber durch das Gebäude zu irren, war mir die 50 Pfennig wert, die die Fernleihe kostete! ;)

"Was das angeht finde ich, dass wir in einer ganz schön blöden Zeit leben ... :( "

Das geht mir auch so ... vor allem sehe ich nicht, dass all die Einsparungen irgendwas besser machen ...

Winterkatze hat gesagt…

@Natira: Als ich deinen Beitrag eben las, musste ich ein bisschen schmunzeln, denn mein erster Gedanke war: Jules Verne und Alexander Dumas würde ich weniger zu den Kinderbuchautoren rechnen. Aber ich habe deren Werke auch vor allem als Jugendliche verschlungen. ;)

Und ich bin hingerissen davon, dass du drei Bibliotheken nutzt - auch wenn es schade ist, dass keine von ihnen "perfekt" ist. Aber umso spannender ist es deine Sicht der Vor- und Nachteile zu lesen. :) Ich finde es auch wunderschön Kinder in der Bibliothek zu beobachten und ich haben selber genug bei solchen Gelegenheiten vorgelesen, um sogar mit den Umgebungsgeräuschen fertig zu werden (aber die Lärmbelastung einer Erzieherung möchte ich trotzdem nicht den ganzen Tag haben!).

Kinder können sich, meiner Meinung nach, viel freier in einer Bibliothek bewegen, weil sie zwar auch "anständig" mit den Büchern umgehen sollen, aber niemand dabei ständig hinter ihnen steht und Angst hat, dass das Bilderbuch nach dem Anschauen nicht mehr zu verkaufen ist.

Ramponierte Bücher laste ich übrigens weniger den Kindern als den Eltern an. Erst einmal kann man einem Kind auch den behutsamen Umgang mit einem Buch beibringen und dann sollte es doch nicht so schwer sein, mal eben die Bücher anzuschauen - und vielleicht abzuwischen -, bevor man sie wieder in der Bibliothek abgibt. ;)

Und ich weiß nicht, ob dein Leseverhalten von einer Bibliotheksfrau so nachhaltig beeinflusst wurde, aber auf jeden Fall wird man doch durch den Kontakt mit einer lesebegeisterten Person - die vielleicht noch in der Lage ist einem die passenden Bücher ans Herz zu legen - bereichert! :)

Siobhan und Cactus hat gesagt…

Ich bin nun schon, sage und schreibe, 30 Jahre lang Mitglied in unserer örtlichen Bücherei. Angefangen hab ich mit zehn, damals noch mit wachsender Begeisterung. Ich habe dort meine damalige Vorliebe für Comic`s entdeckt. Bevorzugt habe ich immer Tim & Struppi, Asterix & Obelix usw. gelesen, weil die zum kaufen immer so teuer waren. Anschliessend die drei ???, Fünf Freunde... gerne gelesen. Du siehst, eigentlich auch schon damals Krimi`s und das ist mir bis heute geblieben.

Ich war schon lange nicht mehr in der Bibliothek, aber hab nie aufgehört, Mitglied ( mitlerweile auch zahlendes ) zu sein, weil ich es eigentlich auch immer unterstützen wollte. Ich bin immer gern dort hingegangen, ich habe diese negativen Erfahrungen eigentlich nicht gemacht, oder vielleicht auch nicht so empfunden. Bei uns werden auch heute noch die Bücher persönlich entgegengenommen, ohne Selbstverbuchung ( hab ich in der Tat auch noch nie zuvor etwas von gehört ). Ich fürchte nur, wenn der Bibliothekar irgendwann einmal in Rente geht, hat es sich auch mit unserer Bibliothek erledigt. Die kraucheln nämlich schon seit Jahren so gerade eben mal vor sich hin. Ständig irgendwelche Einbußen, die Stadt ist immer vollpleite. Das find ich jammerschade. Die Auswahl ist dementsprechend auch nicht so dolle und die Bücher ziemlich alt und abgenutzt. Wahrscheinlich ist das auch einer der Gründe, weshalb ich mich die letzten Jahre dort nicht hab Blicken lassen und lieber selber gekauft habe oder von Freunden ausgeliehen.

Aber ich fand deinen Bericht richtig interessant und schön. Ich hab mal wieder über unsere Bibliothek nachgedacht und wie ich als Kind dort alle drei Wochen hingetapert bin. Das hat echt spass gemacht damals.Danke!

Lg

Siobhan

Winterkatze hat gesagt…

@Siobhan: Da bist du ja wirklich ein treues Mitglied deiner Bibliothek. :) Und "Die drei ???" oder die Enid-Blyton-Krimis habe ich auch sehr viel und gerne gelesen - nur vor denen für Erwachsene hatte ich eine ganze Weile Respekt, was an der Leidenschaft meiner Mutter für TV-Krimis, die ich nachts in meinem Bett mithören konnte, lag. ;)

Ich finde es schön, dass eure Bibliothek immer noch auf den Kontakt mit Menschen setzt, aber es ist traurig zu hören, dass sich die Geldnot auch bei euch so sehr auf die Qualität der angebotenen Bücher auswirkt. An manchen Orten gibt es ja inzwischen Fördervereine, die es sich zur Aufgabe gemacht haben Geld für neue Medien zusammen zu bringen oder Bücher zu spenden.

Ich weiß nicht, wie es dir mit Büchern so geht, aber ich habe immer wieder Bücher, die ich zwar gern gelesen habe (und die so gut wie neu sind), die mir aber nicht so wichtig sind, dass ich sie behalten möchte. Die gebe ich dann bei meiner Bibliothek ab (oder schicke sie meinen ehemaligen Kolleginnen aus der Kinder- und Jugendbibliothek, die regelmäßig fragen, ob ich ganz zufällig bestimmte Titel für sie hätte *g*). Ich finde es immer schön zu wissen, dass meine Bücher so noch ganz viele Leute erfreuen können. :)

Schön, dass ich dich mit meinem Blog-Beitrag wieder an deine Bibliothek und deine damit verbundenen Erlebnisse als Kind erinnern konnte. :)

Siobhan und Cactus hat gesagt…

Das mit deiner Bücherspende ist eine super Idee, finde ich. Da könnte man zumindestens mal nachfragen. Ich hab hier nämlich auch noch das eine oder andere Buch, das ich , einmal gelesen, spenden könnte. Ich hab das mal als Schülerin noch gemacht, da hat meine Schule versucht, eine Schulbibliothek durch Spenden zu eröffnen und da hab ich auch eine ganze Menge Kinderbücher hingetragen, u.A. mein damaliges Lieblingsmärchenbuch von Christian Andersen " Andersen Märchen ". Ich habs dann irgendwann einmal in der Buchhandlung wiedergesehen. Also, nicht meins, sondern die gleiche Aufmachung mit den Bildern usw. Ich fand damals als Kind die Bilder so schön. Ich hab`s aber leider nicht gekauft. Weiss gar nicht, warum. Denn das Buch hab ich echt geliebt.

War echt ein schöner Blog-Beitrag :-)

Lg

Siobhan

Winterkatze hat gesagt…

Fragen schadet auf gar keinen Fall! :) Ich habe zwar von einigen Bibliotheken gehört, die angeblich Bücherspenden nicht so gerne sehen, weil sie zuviel Arbeit machen - aber selber noch nie einen negativen Bescheid bekommen. Stattdessen wurden die Buchgeschenke (vorausgesetzt, sie sind in recht gutem Zustand und nicht schon x Jahre alt ;) ) bei "uns" immer gern angenommen. Ohne Buchgeschenke wären gerade in der Kinderbibliothek viele kaputte Exemplare einfach aus den Regalen verschwunden, statt durch Geschenke ersetzt zu werden.

Weißt du noch was für eine Andersen-Ausgabe es war? Vielleicht ist ja jetzt der Zeitpunkt gekommen, an dem du das Buch noch einmal kaufst und dich an deinen Erinnerungen erfreust. :)

Siobhan und Cactus hat gesagt…

Ich hab gerade mal versucht, die Ausgabe bei WB zu finden, aber leider ohne Erfolg. Sorry. Da waren aber u.A. die Märchen " Die kleine Seejungfrau, Die Schneekönigin, Das Mädchen mit den Schwefelhölzer ( das war mein Favorit ), Des Kaisers neue Keider ", um nur einige zu nennen, dabei. Das war so richtig dick gewesen. :-)

Natira hat gesagt…

Verne und Dumas war eher die Zeit ab 12 aufwärts, aber an die Bibliotheks-Bücher davor erinnere ich mich leider nicht mehr. Ich sehe mich noch in der recht dunklen (nur ein Fenster, Richtung Osten) kleinen Bücherei mit dem quadratischen Grundriß stehen, zu beiden Seiten gingen gleichmäßig die Regale weg (waren es jeweils 4?), vor der hinteren Wand saß die Bibliothekarin :) *leicht nostalgisch schaut*

Winterkatze hat gesagt…

Natira, das hört sich auf jeden Fall sehr kuschelig und übersichtlich an. :)

Natira hat gesagt…

jepp, das war es :)

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