Sonntag, 25. Oktober 2009

Nina Blazon: Der Kuss der Russalka

Den jungen deutschen Zimmermann Johannes verschlägt es im Jahr 1706 nach Russland. Dort gehört er zusammen mit seinem Onkel zu den Handwerkern, die Zar Peter angeheuert hat, um aus dem Sumpf eine neue prächtige Hauptstadt für sein Reich zu erschaffen. Doch die fremden Arbeiter werden von den Einheimischen nicht gern gesehen und so gerät Johannes immer wieder in bedrohliche Situationen.

Als eines Tages die Leiche einer jungen Frau aus der Newa gezogen wird, sind die Russen lieber bereit zu glauben, dass einer der Ausländer das Mädchen getötet hat, als dass sie - wie ihre eigenen Legenden es nahe legen - eine Russalka sei. Johannes ist von der geheimnisvollen Leiche fasziniert, und als sie aus der Werkstatt seines Onkels verschwindet, beginnt er, Nachforschungen über den alten Mythos von den russischen Flussnixen und ihre Macht über das Wasser anzustellen. Doch er dabei gerät er ins Zentrum einer Verschwörung, bei der es um nichts geringeres als die Ermordung des Zaren geht.

Ich habe ein bisschen gebraucht, bis ich mich an Johannes Leben im historischen St. Petersburg gewöhnt hatte. Aber Nina Blazon beschreibt wirklich ganz wunderbar wie es den ausländischen Handwerkern im Russland dieser Zeit ergangen sein könnte, so dass man schnell versteht, welche Gefahren das Leben in der Fremde für diese Handwerker mit sich brachte. Johannes handelt nicht immer besonders vernünftig, er ist ein impulsiver Mensch, der an seinen Träumen hängt und dessen Gerechtigkeitssinn ihn auch immer wieder in Schwierigkeiten bringt. Doch gerade diese Charaktereigenschaften lassen den jungen Mann recht realistisch wirken.

Doch neben dem historischen St. Petersburg übten von allem die Russalka ihren Reiz auf mich aus! Die Naturwesen sind fremdartig dargestellt, überwältigend, schön - und auch sehr beängstigend. Vor allem aber haben sie keine Ähnlichkeit mit der klassischen Meerjungfrau oder gar menschliche Züge, die sie weniger überzeugend wirken lassen würden. Wie die Newa können sie lebensspendend und vernichtend sein - und lassen dabei nur ihrer Natur ihren Lauf. Mir hat das Buch wirklich gut gefallen, und ich werde bestimmt noch mehr von der Autorin lesen.

Kommentare:

Natira hat gesagt…

kling interssant ... ist das eigentlich ein jugendbuch?

Winterkatze hat gesagt…

Jupp, das ist ein Jugendbuch. Aber ich fühlte mich - im Gegensatz zu vielen anderen Jugendromanen - beim Lesen nicht unterfordert, sondern einfach nur gut unterhalten. :)

Soleil hat gesagt…

Ist das das erste Buch, das Du von der Autorin gelesen hast?
Wie ist Dein allgemeiner Eindruck?

Winterkatze hat gesagt…

@Soleil: Ja, das war das erste Buch von Nina Blazon für mich - und mein Eindruck war so gut, dass ich mir in der Bibliothek zwei weitere Titel vorgemerkt habe, um herauszufinden, ob mir ihre anderen Romane auch gefallen. ;)
Auf der anderen Seite hat mich die Geschichte zwar fasziniert und gut unterhalten, aber nicht so sehr gepackt, dass ich mir das Buch nun auch noch kaufen müsste. Es war genau richtig für einen gemütlichen Nachmittag auf dem Sofa, gut erzählt und ein ungewöhnlicher Ansatz für eine fantastische Geschichte.

Kommentar veröffentlichen

Kommentare bei Posts, die älter als sieben Tage sind, werden von mir moderiert, um das Spam-Aufkommen in Grenzen zu halten.