Dienstag, 25. August 2009

Nora Roberts

Wenn mich jemand spontan auf Nora Roberts anspricht, dann sage ich immer, dass ich die Autorin wirklich gerne lese. Aber nur einen kurzen Moment später fange ich an diese Aussage einzuschränken. Ich mag einen Großteil ihrer Liebesromane, kann aber mit den Titeln, die sie als J.D.Robb geschrieben hat, nichts anfangen. Und auch bei den romantischen Geschichten gibt es riesengroße Qualitätsabstufungen.

Vor einiger Zeit habe ich in der Bibliothek ein Buch in die Finger bekommen, in der ein Mann aus der Zukunft mit seinem Raumschiff in einer einsamen Bergregion abstürzte und sich prompt in die junge Frau verliebte, die ihn aus dem Wrack gerettet hat. Ne, das war sogar für mich, die ich ja sonst gerne mal fantastische Geschichten lese, zu billig gemacht.

Einiger ihrer Trilogien hingegen kann ich immer wieder lesen. Die Sturm-Bücher („Töchter des Feuers“, „Töchter des Windes“, „Töchter der See“) gehört dazu, wobei mir besonders der erste Band mit all den stimmungsvollen Beschreibung über die Glasbläserei der Hauptfigur Maggie zusagt. Eine andere Reihe, die ich sehr schön finde, besteht aus „Im Licht der Sterne“, „ Im Licht der Sonne“ und „Im Licht des Mondes“, aber diese Romane darf ich nicht lesen, wenn ich in ungnädiger Stimmung bin. Denn wenn ich schlecht gelaunt bin, dann ärgere ich mich nur darüber, dass Nell Channing, die Hauptfigur des ersten Bandes, innerhalb eines Tages ein Zuhause, einen Job und eine Freundin findet – ein bisschen mehr Realismus schadet auch einem Liebesroman nicht.

Die Garten-Eden-Trilogie hingegen kann ich in fast jeder Stimmung lesen, auch wenn ich dann auf einmal das unerklärliche Bedürfnis nach einen Stückchen Erde und der Gelegenheit ein paar Blumen zu pflanzen verspüre. Denn bei den drei Hauptfiguren habe ich immer das Gefühl, dass sie in ihrem Leben nur etwas erreicht haben, weil sie auch hart dafür arbeiten mussten. Und die Beschreibungen von der Arbeit mit den Pflanzen sind wunderschön.

Meine letzten Bücher von Nora Roberts waren „Grün ist die Hoffnung“, der erste Teil einer Vampirtrilogie von ihr, und „Abendstern“, eine Reihe, die wie eine Mischung aus ihren McKade-Heftromanen und der „Three Sister Trilogy“ wirkt. Mir hat „Abendstern“ ganz gut gefallen. Es ist vorhersehbar, aber nett zu lesen, und bestimmt halte ich in Zukunft die Augen nach den weiteren Bänden auf.

Aber „Grün ist die Hoffnung“ gibt mir wieder das Gefühl, dass die Autorin nicht so recht wusste, was sie tat. Ein Magier, ein Vampir, eine Hexe, eine Kriegerin, ein Gestaltwandler und eine Gelehrte gemischt mit etwas Romantik, den Mythen, die es um die blutsaugenden Untoten gibt, und einem Spritzer Arthussaga – und schon bekommt man einen Roman, der bei mir den Eindruck erweckt hat, dass zuviel manchmal einfach nicht genug ist. Hätte sich die Autorin auf eine Idee beschränkt und diese dafür stimmig ausgearbeitet, dann hätte das ein lustiges Buch werden können. Aber so fühlt man sich in eine Parodie zwischen „Buffy“ und Keltenkitsch geworfen, die zwar locker zu lesen ist, aber einfach nicht zu überzeugen weiß. Ob ich mir davon noch die zwei Folgebände antue, bezweifel ich doch sehr.

Aber trotzdem werde ich wohl weiterhin sagen, dass ich Nora Roberts gerne lese und im nächsten Moment meine Aussage einschränken – und ich werde weiterhin hoffen, dass ich wieder einmal einen Roman von ihr finde, der mich so sehr berührt, dass ich ihn immer wieder gerne lese.

Kommentare:

Soleil hat gesagt…

Ich habe von Nora Roberts nur die Rot, Grün, Blau Bücher gelesen, das heißt, das erste und die anderen stehen hier halt so rum. Es war halt mehr so der Versuch, auf einer Welle mitzuschwimmen. Hat sie doch gar nicht nötig!
Vielleicht versuch ichs auch mal noch mit einem anderen Buch von ihr ... wer weiß :)

Winterkatze hat gesagt…

@Soleil: Schön, dass du mir einen Kommentar hinterlassen hast. Danke! :)

Bei den "Farben"-Büchern ging es mir wie dir, es scheint wirklich nur der Versuch zu sein, auf einer Welle mitzuschwimmen. Enttäuschend, bei einer Autorin, die nun wirklich genug Erfolg hat. Aber wer weiß, vielleicht wollte sie nach all den Standard-Liebesromanen nur mal was anderes ausprobieren. Aber dann hätte sie es auch konsequent durchziehen sollen ...

Wenn du ihr noch eine Chance geben willst, dann empfehle ich für den Anfang „Töchter des Feuers“, der Auftakt einer Trilogie. Schöne (wenn auch sehr klischeebehaftete) Beschreibungen von Irland, wunderbare Szenen, in denen es um Glasbläserei geht und eine wirklich nette Liebesgeschichte zwischen einer Künstlerin "vom Land" und einem Galeriebesitzer, der durch und durch Stadtmensch ist. ;)

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