Dienstag, 11. August 2009

Katharina Hagena, Der Geschmack von Apfelkernen

Als ihre Großmutter stirbt erbt Iris das Haus, das für sie mit so vielen Kindheiterinnerungen verbunden ist. Hier hat sie mit den anderen Familienmitglieder jeden Sommer verbracht und zusammen mit ihrer Kusine Rosmarie und deren Freudin Mira fantasievolle Spiele gespielt. Noch überlegt die Bibliothekarin, ob sie das Erbe annimmt, doch je mehr sie sich auf das alte Haus einlässt, je mehr sie über die Vergangenheit ihrer Großmutter Bertha erfährt, desto mehr fühlt sie sich mit dem Hof und ihrer Familie verbunden.

Zu Beginn zieht einen die Autorin in ein schon fast unwirklich erscheinendes Umfeld. Der kleine Ort, der alte Hof und die Fülle an wunderbaren Kindheitserinnerungen wirken beinah magisch auf den Leser. Katharina Hagena beschreibt so lebhaft die Szenen, die sich in den vergangenen Jahren dort zugetragen haben, dass man regelrecht das Gefühl hat, den Duft von Apfelblüten, von Gras im Sonnenschein und üppig blühenden Blumenbeeten in der Nase zu haben.

Auch die Erinnerung an Rosemaries Tod und der langsam aufkommende Verdacht, dass der Großvater den Frauen in seiner Familie das Leben arg schwer gemacht hat, kann an der wunderbaren Atmosphäre dieses Buches erst einmal nichts ändern. Doch an manchen Stellen werden die Beschreibungen so gewollt poetisch, dass es nur schwer zu akzeptieren ist und auch die Geschichte schwächelt gegen Ende.

Iris ist so begierig darauf, mehr über ihre Großmutter zu erfahren. Doch als sie endlich jemanden gefunden hat, der ihr auf ihre Fragen antwortet, verliert sie sich lieber in Tagträumen. Stellt sich vor wie es hätte sein können, ohne dem alten Herren, der nur schweren Herzens seine Erinnungen für sie öffnet, wirklich zuzuhören. Auch der ungemein harmonische Schluss wirkt, als ob die Autorin auf halber Strecke nicht mehr gewußt hätte, wohin ihre Handlung gehen sollte, und sich dann dachte, dass ein Happy-End immer zieht.

Max, der Bruder von Mira, war Iris in ihrer Kindheit keinerlei Beachtung wert, doch nun entspinnt sich eine leise Liebesgeschichte zwischen den beiden. Und diese ersten zarten Anfänge wirken soviel stimmiger und romantischer als der letzte Abschnitt, der dem Leser mit dem Holzhammer beibringt, wie glücklich Iris doch Jahre später auf dem Hof der Familie geworden ist.

Nach einem überaus vielversprechenden Anfang hat mich das Buch letztendlich doch enttäuscht. Sehr schade, denn die ersten Seiten hatte mir so gut gefallen ...

Kommentare:

Soleil hat gesagt…

Das Buch habe ich auch daheim, da war ich total scharf dauf zu lesen. Die Meinungen gehen etwas außeinander, auch wenn sie mehrheitlich gut sind. Die Sprache und die Atmosphäre werden jedenfalls sehr oft gelobt. Aber wie das so ist, man schafft sich Bücher an und sie wandern in den SuB (Stapel ungelesener Bücher). Ich hole es aber sich demnächst mal wieder raus!

Winterkatze hat gesagt…

Ich habe monatelang auf das Bibliotheksexemplar gewartet und eine Freundin von mir liebt den Roman, aber bei mir hat er einfach zwiespältige Gefühle hinterlassen.

Wenn du das Buch mal aus deinem SUB gekramt hast, würde mich deine Meinung interessieren. Gerade bei Romanen, die so unterschiedlich ankommen, finde ich es faszinierend, was die Leute davon halten.

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