Samstag, 4. November 2017

Kleine Auszeit

Nur damit niemand denkt, dass etwas Schlimmes (vielleicht sogar mit einem der vielen kranken Familienmitglieder) passiert ist, wenn hier ein paar Tage nichts geschieht, kündige ich hiermit offiziell eine kleine Blog-Auszeit an.

Mein Kopf ist gerade so voll, dass sich Online-Sein nicht gut anfühlt. Ich hatte eigentlich gehofft, dass das "Herbstlesen" mich wieder etwas ausgleicht, weil es mir normalerweise hilft, wenn ich mich durch Lesen und Schreiben ablenke, aber dieses Mal hat das nicht geklappt. Ich werde also für ein paar Tagen den Blog, den Feedreader und Twitter einfach mal vollständig ignorieren und versuchen, mich so weit zu sortieren, das ich mich danach wieder mit anderen Menschen austauschen mag.

Freitag, 3. November 2017

G. R. Gemin: Milchmädchen

Neyashas Kurzeindruck zu "Cowgirl" von G. R. Gemin war der Grund dafür, dass ich mir die deutsche Ausgabe "Milchmädchen" in der Bibliothek habe vormerken lassen. Die Geschichte wird aus Gemmas Sicht erzählt und schon zu Beginn bekommt man als Leser mit, dass ihr Leben zur Zeit nicht gerade rosig verläuft. Ihr Vater sitzt seit fast zwei Jahren im Gefängnis, ihre Mutter ist - dank anstrengendem Vollzeitjob - nur noch gestresst und will abends ihre Ruhe habe, ihr kleiner Bruder nervt und lässt sich immer häufiger mit Typen ein, deren Ideen selten legale Aktivitäten beinhalten, und überhaupt ist die Gegend, in der Gemma wohnt, nicht gerade ein Ort an dem man sich heimisch und sicher fühlen kann. Gemmas einziger Ausweg aus der Situation ist ihr Fahrrad, mit dem sie jeden Tag lange Touren unternimmt - immer auf der Suche nach dem Ort, an dem sie mit ihrer Familie mal einen wunderschönen Tag verbracht hat.

Eine Angewohnheit von Gemma ist es, sich (mit geschlossenen Augen) die Hügel ihrer walisischen Heimat runterrollen zu lassen, im vollen Bewusstsein, wie gefährlich das ist. Doch eines Tages stürzt sie, als sie einer Herde Kühe ausweichen muss, die auf der Straße steht. Zu ihrer Überraschung stellt sie fest, dass diese zwölf Kühe ihrer Mitschülerin Kate gehören. Kate, die von allen in der Schule nur "Cowgirl" genannt wird, ist eines der Mädchen, mit denen man nicht zusammen gesehen werden will, wenn man nicht dem gleichen Mobbing ausgesetzt sein will wie die anderen Verlierer an der Schule. Trotzdem kommt es dazu, dass sich Gemma im Laufe der Zeit mit der starken und selbstbewussten Kate anfreundet und dann feststellen muss, dass auch ein Mädchen wie das "Cowgirl" mal Hilfe benötigt. Gemeinsam mit ihrer Oma und den diversen Nachbarn verstecken Gemma und Kate die Kühe des Mädchens inmitten einer Wohnsiedlung und stoßen so einen völlig neuen Umgang der Bewohner zueinander an.

Es gab viele Elemente an "Milchmädchen", die ich mochte. Gemmas Sicht der Ereignisse hat sich gut lesen lassen. Gemma läuft mit den "bösen Mädchen" der Schule mit, weil sie nicht das Opfer dieser Mitschülerinnen sein will, sie flüchtet von daheim und gibt sich angenehmen Tagträumen hin, und sie hat Probleme, sich allein ihren vielen Ängsten zu stellen, was sie relativ realistisch wirken lässt. Und nachdem die Freundschaft zu Kate dafür sorgt, dass sie mal über ihren Tellerrand hinausblickt und etwas Rückgrat entwickelt, lernt Gemma, dass es manchmal gar nicht so schlimm ist, wenn man nicht mitläuft, wenn man aus der Masse heraussticht und einfach mal etwas tut, was einem am Herzen liegt. Auch sonst gibt es viele sympathische Figuren in der Geschichte und die Vorstellung, dass eine ganze Siedlung eine Kuhherde versteckt und versorgt, ist wirklich sehr schön.

Trotzdem muss ich zugeben, dass dieses Jugendbuch bei mir nicht so richtig gezündet hat. Vielleicht bin ich zu zynisch, aber ich glaube nicht, dass eine Kuh im Garten von einem Tag auf den anderen dafür sorgt, dass Menschen ihre rassistischen Vorurteile ablegen, ihre Diebstähle einstellen, verantwortungsbewusste Personen werden oder auf einmal den Sonderling nebenan problemlos akzeptieren. Das Ganze lief mir in "Milchmädchen" einfach zu glatt, es gab viel zu wenige Widerstände, viel zu wenige Hindernisse und das Ende war so perfekt und zuckersüß, dass es mich regelrecht ärgerte. Erst baut der Autor so viele und angenehm realistische Probleme in Gemmas Leben ein, und dann lösen sich all diese Probleme innerhalb weniger Tage auf, weil ein Mädchen seine Kühe nicht verlieren will. Auch wenn der Gedanke, dass es so laufen könnte, wirklich schön ist, so ist eine solche Auflösung mir doch zu unrealistisch angesichts der Tatsache, dass G. R. Gemin seine Geschichte mit sich real anfühlenden Personen und Problemen gestartet hat.

Mittwoch, 1. November 2017

November-SuB 2017

Im Oktober habe ich dank des Herbstlesens doch einiges an Lesezeit genießen können und so ist mein SuB auch ein kleines Bisschen geschrumpft. Nebenbei habe ich sogar meine Bibliotheksausleihen stressfrei weggelesen. Die Bibliothek ist immer die größte Herausforderung für meinen SuB, da die festen Abgabetermine ein zeitnahes Lesen fordern, aber auf der anderen Seite ist sie auch die größte Erleichterung für meinen Geldbeutel, weil ich Bücher, die ich gern lesen, aber nicht unbedingt besitzen möchte, darüber beziehen kann.

Obwohl hier noch ein paar geliehene Bücher rumschwirren (und ich morgen schon wieder Vormerkungen aus der Bibliothek abholen darf), werde ich versuchen mich im November trotzdem auch auf meinen SuB zu stürzen. Es wäre schön, wenn ich Zeit für die weiteren Lady-Trent-Romane von Marie Brennan finden würde, denn die machen mir gerade viel Spaß. Grundsätzlich kann es nicht schaden den SuB weiter abzubauen, bevor zwischen Ende November und Ende Dezember wieder ein ganzer Haufen Neuzugänge bei mir eintrifft. Außerdem hoffe ich, dass es endlich zur Anschaffung der noch fehlenden Wohnzimmerregale kommt, was bedeuten würde, dass ich weitere Buchkartons auspacken kann. Wenn ich daran denke, wie sehr ich mich auf ein Wiedersehen mit meinen alten Schätzen freue, dann werde ich vermutlich das kommende Jahr nur mit dem erneuten Lesen meines jahrzehntealten Bestands verbringen. *g*

  1. Alan Bradley: Flavia de Luce 5 - Schlussakkord für einen Mord
  2. Alan Bradley: Flavia de Luce 6 - Tote Vögel singen nicht
  3. Marie Brennan: The Voyage of the Basilisk - A Memoir by Lady Trent
  4. Marie Brennan: In the Labyrinth of Drakes - A Memoir by Lady Trent
  5. Marie Brennan: Within the Sancutary of Wings - A Memoir by Lady Trent
  6. Julie Campbell: The Mysterious Visitor (Trixie Belden 4)
  7. Kate Griffin: The Midnight Mayor (Matthew Swift #2)
  8. Kate Griffin: The Neon Court (Matthew Swift #3)
  9. Kate Griffin: The Minority Council (Matthew Swift #4)
  10. Kate Griffin: Stray Souls (Magicals Anonymous #1)
  11. Kate Griffin: The Glass God (Magicals Anonymous #2)
  12. Jim C. Hines: Die Buchmagier - Angriff der Verschlinger
  13. Mark Hodder: Auf der Suche nach dem Auge von Naga
  14. D. B. Jackson: Thieve's Quarry (Thieftaker #2)
  15. Diana Wynne Jones: The Dark Lord of Derkholm
  16. Diana Wynne Jones: Year of the Griffin
  17. Scott Lynch: Die Lügen des Locke Lamora
  18. Bishop O'Connell: The Stolen
  19. Jackson Pearce: Blutrote Schwestern
  20. Cindy Pon: Serpentine
  21. Bea Rauenthal: Karfreitagsmord
  22. Philip Reeve: Larklight
  23. John Scalzi: Fuzzy Nation
  24. Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
  25. A.C.H. Smith: Jim Henson's The Dark Crystal
  26. Jonathan Stroud: Bartimäus - Das Amulett von Samarkand
  27. Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
  28. Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde
  29. Charles den Tex: Die Zelle
  30. Rob Thomas: Veronica Mars - The Thousand Dollar Tan Line
  31. Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten
  32. Uwe Voehl: Tod und Schinken
  33. Xinran: Gerettete Wort
  34. Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes

34 Titel auf dem SuB


(durchgestrichene Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind in diesem Monat neu hinzugekommen)