Dienstag, 14. März 2017

Sarah Kuhn: Heroine Complex (Heroine Complex 1)

Als Assistentin von Aveda Jupiter hat Evie Tanaka in "Heroine Complex" von Sarah Kuhn vielleicht nicht den besten Job der Welt, aber sie ist überzeugt davon, dass sie die Beste für genau diesen Job ist. Evies Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass die Superheldin Aveda allzeit bereit ist, um Dämonen zu vernichten, und dazu gehört auch, dafür zu sorgen, dass Aveda beim Kämpfen gut aussieht. Schließlich gehört einiges an Arbeit dazu, wenn man als Superheld die Erwartungen seiner Fans erfüllen (und weitere Follower in den diversen Social-Media-Bereichen sammeln) will. So steckt Evie all ihre Energie in die Planung von Avedas Trainingsplan, in die Reinigung der diversen Kostüme und in die Betreuung von Avedas stürmischem Seelenleben. Statt sich dann nach Feierabend zu erholen, muss Evie in ihrer Freizeit dafür sorgen, dass ihre sechzehnjährige Schwester Bea zur Schule geht und nicht andauernd über die Stränge schlägt.

So anstrengend Evies Leben in der Regel ist, so zufrieden scheint sie doch mit ihrem Alltag zu sein. Doch als sich Aveda bei einem Kampf verletzt und ihren Verpflichtungen nicht nachkommen kann, bringt sie Evie dazu, für sie einzuspringen. Auf einmal kann sich Evie nicht mehr im Hintergrund verstecken und in Ruhe ihren Aufgaben nachgehen. Stattdessen muss sie so glamourös und mutig wie Aveda sein - und natürlich fällt ihr das nicht gerade leicht. Je mehr Chaos durch Evies Unerfahrenheit als "Superheldin" entsteht, desto mehr muss Evie sich mit ihrem Leben, ihren Gefühlen und ihrer Freundschaft zu Aveda auseinandersetzen.

Ich fand es spannend, Evie, Aveda und all die anderen Personen rund um diese beiden Frauen kennenzulernen und nach und nach mehr über das Verhältnis dieser Charaktere zueinander zu erfahren. Gerade Aveda scheint anfangs ein richtiges Miststück zu sein, so dass man sich nur wundern kann, dass Evie ihr so treu zur Seite steht. Doch die beiden verbindet eine lange Geschichte und wann immer sich Evie doch mal über die Superheldin Aveda Jupiter aufregt, muss sie an ihre Klassenkameradin Annie denken, die ihr schon vor so vielen Jahren immer zur Seite stand.

Auch fand ich die Welt interessant, die sich Sarah Kuhn für ihre Geschichte ausgedacht hat. Eigentlich unterscheidet sich ihr Amerika so gut wie gar nicht von unserer realen Welt. Nur in San Francisco gab es vor einigen Jahren einen Vorfall, bei dem sich ein großes Dimensionstor öffnete. Durch dieses Tor kamen einige Dämonen nach San Francisco, wo sie sehr schnell starben. Seitdem besitzen einige Bewohner der Stadt übernatürliche Fähigkeiten und es tauchen immer wieder kleine Dimensionstore auf, durch die Scharen von Dämonen - die das Aussehen des ersten Gegenstands, den sie sehen, annehmen - kommen. Aveda, die schon als Mädchen eine Superheldin sein wollte, ist die einzige, die diese Dämonen bekämpft und dafür sorgt, dass sie keinen größeren Schaden in der Stadt anrichten. Doch so beeindruckend ihre Dienste für San Francisco sind, so wenig Beachtung schenkt man ihrem "Superheldenstatus" in der restliche (dämonenfreien) Welt.

Es gibt so viele kleine Dinge, die ich beim Lesen wirklich mochte. Die Figuren sind realistisch, der Humor liegt mir und all die kleinen Szenen, in denen es um Freundschaft, Beziehungen, Verlust, Liebe und Trauer geht, haben mich berührt, weil es eben wirklich nie so einfach ist, wenn es um Emotionen geht. Doch vor allem fand ich es spannend, Evies Sicht auf "normale" Dinge zu erleben, die nicht Teil meiner Lebensrealität sein können. So haben sich Evie (die Halbjapanerin ist) und Annie (die Chinesin ist) kennengelernt, weil sich ihre Klassenkameraden über das asiatische Essen lustig gemacht haben, das ihre Eltern den beiden Mädchen eingepackt hatten. Und für beide war es ein augenöffnendes Erlebnis, als sie "The Heroic Trio" - mit Michelle Yeoh, Maggie Cheung und Anita Mui in den Hauptrollen - im Kino sahen, weil sie zum ersten Mal asiatische Frauen als Heldinnen in einem Film erleben durften. (Überhaupt habe ich all die Erwähnungen von "The Heroic Trio" gemocht, aber auch wenn ich den Film immer gern gesehen habe, so hat er für mich eben nicht die gleiche Bedeutung wie für diese beiden Protagonistinnen.)

Obwohl immer wieder ernsthaftere Themen eine Rolle spielen, wird die Handlung von Sarah Kuhn leicht und stellenweise mit amüsanten Übertreibungen erzählt. Auch kann ich versichern, dass einen auch längere Pausen beim Lesen nicht rausbringen, obwohl es natürlich ärgerlich ist, wenn man für so ein unterhaltsames Buch fünf Tage benötigt, weil man nicht genug Zeit zum Lesen hat. ;) Nachdem ich den großen Showdown beim Karaoke-Wettbewerb (und seine Folgen) erlebt habe, kann ich es kaum erwarten, dass der zweite Band ("Heroine Worship") in diesem Sommer erscheint, damit ich schauen kann, wie es mit Evie, Aveda und all den anderen weitergeht.

Kommentare:

Neyasha hat gesagt…

Hihi, eine Heldenassistentin, das klingt ja mal skurril. Ich bin mir noch nicht sicher, ob das Buch meinem Beuteschema entsprechen würde, aber ich behalt es mal im Hinterkopf.

Winterkatze hat gesagt…

Ja, der Aspekt war es bei mir auch, der mich auf das Buch neugierig gemacht hat. Du könntest ja mal nach einer Leseprobe schauen - die ersten Seiten sind schon vom Erzählstil und Tonfall der Protagonistin recht typisch für den Roman.

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