Freitag, 16. September 2016

Juliane Käppler: Die sieben Tode des Max Leif

"Die sieben Tode des Max Leif - Ein Hypochonder-Roman" von Juliane Käppler ist einer dieser Romane, bei denen ich das Gefühl hatte, ich hätte ihn auf so gut wie jedem Buchblog gesehen - was mir normalerweise überhaupt keine Lust auf eine Geschichte macht. Neugierig hat mich dann die Rezension von Anja gemacht, die sie im Februar geschrieben hat, so dass der Titel doch auf meiner "irgendwann aus der Bibliothek ausleihen"-Liste landete. Am Ende kann ich Anja in so gut wie allen Punkten zustimmen und muss zugeben, dass mir die Geschichte überraschend gut gefallen hat.

Max Leif ist kein Charakter, der es dem Leser einfach macht. Als man ihn kennenlernt sitzt er gerade in einem Flugzeug und alles, was man von ihm weiß, ist, dass er während seines Sansibar-Urlaubs zu viel getrunken hat, mit zu vielen Frauen im Bett war und nicht wieder nach Hause will. Ach ja, und dass sein Freund Paul gerade erst gestorben ist. Die Trauer, die Max verspürt, ist erst einmal das Einzige, das ihn sympathisch wirken lässt. Dass er so sehr um seinen Freund trauert, der ihn seit Schulzeiten begleitet hat, beweist, dass mehr hinter Max stecken muss, als man anfangs sieht.

In den folgenden Wochen krempelt Max sein ganzes Leben um, wobei er immer wieder beim Arzt landet, weil er - für ihn unerklärliche und bedrohliche - Symptome aufweist. Ihm ist sogar sehr früh bewusst, dass er sich mit seinen Eigendiagnosen, die auf Internetrecherche basiert, nichts Gutes tut, aber er fürchtet sich so sehr vor einer gravierenden Krankheit, dass er trotzdem jedes Mal in Todesangst zum Arzt rennt. Für den Leser ist eigentlich von Anfang an klar, was Max eigentlich fehlt, auch wenn man nicht alle Hintergründe kennt. Aber Max muss natürlich selbst herausfinden, was mit ihm los ist und wie er dafür sorgen kann, dass sein Leben für ihn wieder lebenswert wird.

Ich mochte die Nebenfiguren wie zum Beispiel Maja, die mürrische Barista, die seinem Lieblingscafé arbeitet, oder seine Putzfrau Jekaterina, die sehr feste Vorstellungen davon hat, wie Max sich zu benehmen hat, und diese natürlich auch freimütig äußert. Ab und an hatte ich ernsthafte Probleme mit der Einstellung, die Max hat, vor allem dann, wenn es um sein Selbstbild als Mann oder sein Verhältnis zu Alkohol geht. Aber in der Regel wurde das wieder ausgeglichen durch die netten Momente mit ihm. Er gibt sich in vielen Bereichen wirklich Mühe, ist zwar nicht der aufmerksamste Mensch, aber ein guter Freund und ein großzügiger Arbeitgeber. So habe ich ihm während des Lesen wirklich gewünscht, dass er dazu lernt und dass er in der Lage ist sich soweit zu verändern, dass er wieder Fuß fassen kann. Außerdem mochte ich diese Mischung aus Melancholie und Schmunzelmomenten, war neugierig darauf, wie sich die Geschichte weiterentwickelt und war selbst in seinen schlimmsten Phasen nie so sehr von Max genervt, dass ich das Buch hätte abbrechen wollen.

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