Donnerstag, 29. September 2016

Gail Z. Martin: Trifles and Folly (A Deadly Curiosities Collection)

Der elfte Titel des "Modern Magic"-Bundles war "Trifles and Folly" von Gail Z. Martin und hier gab es für mich keinen Roman, sondern eine Sammlung von neun Kurzgeschichten, die sich rund um das "Trifles and Folly", einem Geschäft für Antiquitäten und ungewöhnliche Gegenstände, drehten. Inhaberin des Geschäfts ist Cassidy Kincaide, die die Gabe hat Eindrücke der Vorbesitzer von Gegenständen wahrzunehmen. Diese Gabe nutzt sie im Dienste der "Alliance", die es sich zur Aufgabe gemacht haben, gefährliche Gegenstände zu vernichten oder zumindest so weit unter Verschluss zu nehmen, dass Unschuldige nicht weiter darunter leiden können. Dabei bedeutet "gefährliche Gegenstände" in diesem Zusammenhang Gegenstände, die zum Beispiel verflucht wurden, mit einem Geist verbunden sind oder einfach nur mit der negativen Energie ihres Vorbesitzers so sehr aufgeladen sind, dass sie alle nachfolgenden Benutzer beeinflussen können.

Cassidy arbeitet vor allem mit ihrem Assistenten Teag Logan zusammen, der nicht nur diverse Kampfsportarten beherrscht, sondern auch ein Web-Magier ist und deshalb mit Garnen, Fäden und dem Internet Magie ausüben kann. Außerdem steht ihr ihr Vorgesetzter Sorren zur Seite, der - da er ein Vampir und schon um die 600 Jahre alt ist - auch schon mit Cassidys Vorfahren zusammengearbeitet hat, die ebenfalls für die "Alliance" tätig waren. Durch ihn findet sie auch immer wieder weitere Leute, die ihr mit ihrem Wissen und ihren Fähigkeiten beistehen können, wenn es um spezielle Aspekte der Magie oder um die Hintergründe eines historischen Gebäudes oder ähnliches geht.

Ich mochte die relative Alltäglichkeit der Gegenstände, die im Mittelpunkt der meisten Geschichten standen. So beginnt die Handlung in "Buttons" mit einem Knopf, in "The Restless Dead" mit dem Schwungrad einer alten Nähmaschine, in "Retribution" mit Poker-Chips und einem Flachmann, in "Wicked Dreams" mit einer Schreibmaschine und in "Coffin Box" mit einem Humidor. Erst ab "Collector" starten die Ereignisse mit Dingen, bei denen man eher davon ausgehen würde, dass damit Geistererscheinungen oder andere "magische" Vorfälle einhergehen. In "Collector" sind es übrigens von Hopi geschaffene Figuren, in "Bad Memories" ist es das Rasierzeug eines in einem Militärkrankenhaus verstorbenen Soldaten und in "Spook House" ein für Halloween eröffnetes Spukhaus. (Jetzt frage ich mich nur, ob ich den Gartenzwerg in "Shadow Garden" eher als "alltäglich" oder "spukigen" Gegenstand einordnen sollte. ;) )

Die Geschichten waren eigentlich gut zu lesen und unterhaltsam, habe mich aber ehrlich gesagt nicht wirklich auf die beiden Romane rund um Cassidy neugierig gemacht. Dafür haben mich die einzelnen Geschichten einfach nicht genug gepackt und es fehlte eindeutig an Spannung. Denn auch wenn mir die verschiedenen Charaktere sympathisch waren, so habe ich nicht mit ihnen mitgefiebert oder gar befürchtet, dass ihnen im Laufe der Geschichte wirklich etwas zustoßen könnte. Die Grundidee fand ich in der Regel faszinierend und es gab auch beim Weltenbau ein paar Aspekte, die ich reizvoll fand, besonders bei den verschiedenen Magiearten, die beschrieben wurden. Aber insgesamt habe ich das Ganze nicht als fesselnd oder gar stimmig empfunden.

Ich weiß selber nicht so genau, warum es mich zum Beispiel stört, wenn in einer Welt, in der es Geister, Voodoo-Götter, Dämonen und andere - in meinen Augen religiös besetzten - Wesenheiten gibt, ein Vampir rumläuft. Vielleicht lag es daran, dass in all den Geschichten nur dieser eine Vampir auftaucht. Es wird kein weiterer Vampir in Cassidys Welt erwähnt (auch wenn die Reihenbeschreibung bei Amazon andeutet, dass die "Alliance" von einer Gruppe von Vampiren geführt wird) und es gibt anscheinend keine anderen übernatürlichen Geschöpfe, die mit den Menschen zusammen in Charleston lebten, auch wenn in einer der späteren Geschichte Gouls vorkommen.

Auch gab es rund um den Vampir einige Unstimmigkeiten, die sich nicht unbedingt widersprechen mussten, die mich aber irritiert haben. So meint Cassidy in einer Geschichte, dass der Vampir ein Gebäude betreten kann, weil es öffentlich ist und er deshalb nicht eingeladen werden muss, und in einer anderen Geschichte denkt sie darüber nach, dass er sich später einen Gegenstand aus einem Privathaus besorgen kann - was ihm leicht fallen müsste, weil er doch vor 600 Jahren ein erfolgreicher Juwelendieb war. Für mich deutet dieser Gedankengang an, dass er einbrechen und den Gegenstand entwenden soll, aber wie kann er das, wenn er eingeladen werden muss, um in ein privates Gebäude zu kommen? Letztendlich wird es so gelöst, dass er die Besitzerin "überredet" ihm den Gegenstand auszuhändigen, aber trotzdem fand ich das beim Lesen unrund.

Auch bezeichnet Gail Z. Martin das "Trifles and Folly" in der ersten Geschichte als Pfandleihe, obwohl die Beschreibung von Cassidys Geschäft von Anfang an deutlich macht, dass es kein Pfandhaus, sondern ein Antiquitäten- bzw. gehobener Second-Hand-Laden ist. Und mal hat Teag schwarze Gürtel in sieben verschiedenen Kampfsportarten (wobei ich mich wundere, wann er die erworben hat und wann er überhaupt trainiert, wenn er doch den ganzen Tag mit Auktionen, dem Laden und der Geisterjagd beschäftigt ist), dann wieder ist Cassidy froh, dass er Capoeira beherrscht - was zwar auch eine Kampfsportart ist, aber keine in der es (soweit ich weiß) einen schwarzen Gürtel gibt. Das sind alles keine großen Sachen und vieles davon erklärt sich vermutlich dadurch, dass die Autorin im Laufe der Zeit ihre Welt und die Figuren weiterentwickelt hat, aber es hat mich beim Lesen wirklich gestört.

Kommentare:

Eva-Maria H. hat gesagt…

Hallole,
was es nicht alles gibt. Aber interessant auf jeden Fall, deine Bücher immer mitzulesen.
Allerdings beschränke ich mich da eher auf meine Biographien von interessanten Menschen.
Aber die Welt ist rund und bunt und so ist es mit den Büchern auch. Es ist für jeden etwas dabei.

Vampire mag ich ja sehr und wie.

Lieben Gruß Eva

Winterkatze hat gesagt…

Wenn ich mich auf einen Schwerpunkt beschränken würde, wäre mir bei der Menge an Büchern, die ich lese, vermutlich schnell langweilig. Dafür lese ich eine Menge "Fast Food" und genieße es mich unterhalten zu lassen. Biografien mag ich auch, aber da muss mich vorher irgendwas neugierig auf den Menschen machen - so sind es bei mir meist Biografien von Autoren, deren Werke ich mag. :)

Punkt und Ende hat gesagt…

Die Grundidee der Geschichten erinnert mich ja stark an die Fernsehserie Warehouse 13, die ich wirklich mochte.
Aber ich kann gut darauf verzichten, dass der offensichtlich beinahe obligatorische Vampir in der Geschichte auftaucht.

Und ich war ein bisschen glücklich, dass du in deinem Kommentar erwähnst, dass du gerne "Fastfood" liest, um dich unterhalten zu lassen. Ich habe in letzter Zeit häufig das Gefühl, dass man dafür gerne abgeurteilt wird. (Wie kann man nur zu Unterhaltungszwecken lesen? -.-) Ich finde das schade... vor allem weil Geschmäcker verschieden sind und die Gründe für das Lesen ebenfalls. Kurz gesagt; Ich lese auch gerne "Fastfood" :D

Im übrigen freu ich mich ziemlich aufs Herbstlesen :)
Lieben Gruß,
Ina

Winterkatze hat gesagt…

@Ina: Die Grundidee fand ich auch wirklich nett, ebenso den Schauplatz Charleston (der eine schöne Mischung aus aktuellem modernen Leben und historische Hintergründe zu bieten hatte), aber die Ausführung hat mich nicht zufrieden gestellt. Vielleicht wäre das mit Kenntnis der Romane anders gewesen, auf der anderen Seite lockt es mich nicht zu den Büchern, wenn mich die Kurzgeschichten schon nicht überzeugen können.

Ich liebe Fast-Food-Lesen! Ich stehe dazu, dass ich sehr viel Trash und wenig gehobene Unterhaltung zu mir nehme - schließlich ist Lesen mein Lieblingshobby und in meiner Freizeit will ich mich in erster Linie erholen und nur selten herausfordern. Zum Glück sehen das die meisten Leute, mit denen ich mich so über Bücher austausche, ganz genauso. :)

Ich freu mich auch schon! Nur noch zwei Tage bis zum ersten intensiven Lese-Blog-und-Freizeit-Wochenende. :D

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