Dienstag, 26. April 2016

Seanan McGuire: Every Heart A Doorway

Nachdem ich "Every Heart A Doorway" von Seanan McGuire am Sonntag gelesen hatte, brauchte ich etwas Zeit, um die Geschichte sacken zu lassen. Ich finde es immer wieder beeindruckend, wie sehr sich die verschiedenen Romane der Autorin voneinander unterscheiden und während "Sparrow Hill Road" für mich eine großartige Mischung aus ungewöhnlichem Weltenbau (all diese Ideen rund um die Highways und um die Aufgabe, die Rose nach ihrem Tod übernommen hat) und sehr, sehr emotionalen Momenten war, hat "Every Heart A Doorway" weniger meine Gefühle als meine Vorstellungskraft angesprochen. Vielleicht lag das an der Protagonistin Nancy, die relativ distanziert mit all dem Erlebten umgeht, da in "ihrer" Welt jede extreme Reaktion ebenso verpönt war wie eine schnelle oder unbedachte Bewegung. Oder es lag an dem geringen Umfang der Geschichte, der dafür sorgte, dass sich der Schwerpunkt mehr auf die Informationen rund um die Türen zu anderen Welten konzentrierte, als auf die verschiedenen Figuren und ihre Entwicklung.

Auf jeden Fall hat es mir großen Spaß gemacht Nancy in "Eleanor West's Home For Wayward Children" zu begleiten. Das Mädchen hatte eines Tages im Keller ihrer Eltern eine Tür gefunden, die in die Hallen des Todes führten. Dort hat sie viele Jahre verbracht, bis der Herr des Todes sie eines Tages aufforderte in ihre alte Welt zurückzukehren und erst wiederzukommen, wenn sie sich vollkommen sicher ist, dass sie den Rest ihres Lebens in seiner Welt verbringen will. Für Nancy hat sich die Frage nie gestellt, erst in der Stille und Ruhe in dieser geisterhaften neuen Welt hat sie sich wirklich zuhause gefühlt. Nach ihrem Aufenthalt dort ist es für sie unmöglich wieder zu dem Mädchen zu werden, von dem ihre Eltern sich wünschen, dass sie es wäre. Erst in Eleanor Wests Institution muss sie nicht mehr vorgeben jemand anderer zu sein als sie ist. Sie kann (relativ) frei von ihrer Welt erzählen und trifft auf Menschen, die ähnliche Erfahrungen wie sie gemacht haben.

Dabei ist ihr neues Heim auch nicht perfekt. Sehr viele ihrer Mitbewohner waren in Welten, die laut und bunt und fröhlich sind, und haben kein Verständnis für den Reiz, den die Hallen des Todes auf Nancy ausgeübt haben. Immerhin freundet sie sich schon in den ersten Tagen - dank ihrer Zimmernachbarin Sumi - mit Kade, Jill und Jack an. Als es dann zu mehreren Morden in "Eleanor West's Home For Wayward Children" kommt, werden natürlich als erstes diejenigen, die in unheimlichen Welten ihre ZUflucht fanden, verdächtigt. So beginnt für Nancy eine Zeit, in der sie auf der einen Seite bemüht ist, ihre Unschuld zu beweisen und es ihr auf der anderen Seite wichtig ist, dass die Toten mit dem angemessenen Respekt behandelt werden.

Obwohl die Tatsache, dass jemand in dieser ungewöhnlichen Institution zum Mörder geworden ist, das Grundgerüst der Handlung bildet, dreht sich "Every Heart A Doorway" vor allem um die verschiedenen Welten, um die Türen in diese Welten und um den Grund, warum manche Kinder einen Weg in eine andere Welt finden. Neben all diesen Ideen und Theorien über die verschiedenen Welten, nutzt Seanan McGuire ihre Geschichte auch, um über Gender Identity, Vorurteile und die verschiedenen Arten des "Zuhausefühlens" zu schreiben. Jede Person in Eleanor Wests Institution war anscheinend auf der Suche nach einem Ort, in dem sie sie selbst sein kann, ohne sich den Vorstellungen anderer anpassen zu müssen. Und während einige in ihren Welten ihren Platz und ihr Glück gefunden haben, konnten andere Welten nicht mit den Kindern umgehen, die sie besucht haben.

Ich mochte beim Lesen die vielen verschiedenen Ideen und Aussagen zu den einzelnen Welten so sehr. Auch fand ich Nancy. Sumi, Kade, Jill und Jack sehr sympathisch und habe gern meine Zeit mit ihnen verbracht. Spannend fand ich auch die Sicht, die die verschiedenen Figuren auf ihre jeweilige Welt hatten, ebenso wie ihre Versuche eine Erklärung dafür zu finden, dass die Welt, in der sie ein Zuhause gefunden hatten, sie anscheinend verstoßen hat. "Every Heart A Doorway" ist definitiv nicht die berührenste Geschichte, die ich je von Seanan McGuire gelesen habe, aber es ist eine der Geschichten, die einem beim Lesen viele Denkanstöße geben, neue Ideen in einem keimen lassen und eine andere Perspektive auf vertraute Erzählungen wirft. Ich hoffe sehr, dass die Autorin die (bislang zwei) geplanten Romane, die diese Grundidee und einige der vertrauten Figuren aufgreifen werden, auch noch verwirklichen kann, damit ich noch mehr über die verschiedenen Welten und die ihnen innenwohnende Logik erfahren kann.

Kommentare:

Natira hat gesagt…

Verflixt, das klingt weiterhin interessant - das Buch steht ja auch auf meiner Merkliste. Hm, ich könnte ja vielleicht, wenn alles im Mai klappt, mal hineinlesen?

Winterkatze hat gesagt…

Natürlich kannst du reinlesen - und wenn du im Mai wirklich ein paar Tage hier sein solltest, dann müsste die Zeit sogar reichen, dass du das Buch durchliest, wenn du magst. :)

Natira hat gesagt…

Hehe! Und toi, toi, toi, bislang sieht es gut aus, was den Urlaub angeht. :)

Winterkatze hat gesagt…

Das ist schön! :) Jetzt müssen nur noch das Wetter und das Unterhaltungsprogramm mitspielen. Auf der Veranstaltungsseite findet sich zwar schon die Pressemitteilung, dass das Programm komplett sei, aber das Programm selber habe ich noch nicht aufgespürt.

Natira hat gesagt…

Ja, momentan ist das vollständige Programm noch nicht online... Und ich bin gespannt, ob es wieder so heiß werden wird.

Winterkatze hat gesagt…

Ich bin für dieses Jahr gewappnet! Dann müssen wir nur noch das Glück haben, dass keine starkparfümierten Personen in unserer Nähe sind ... ;)

Natira hat gesagt…

Und unser Programm in klimatisierten Räumen stattfindet. :)

Winterkatze hat gesagt…

Das ist ja seit dem Standortwechsel eigentlich kein Problem mehr. :)

Natira hat gesagt…

Aber in der Halle (?) gab es noch keine, oder? Wir hatten, glaube ich, Glück, dass wir immer im Turm waren.

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