Mittwoch, 25. Februar 2015

Francis Durbridge: Paul Temple und der Fall Gregory (Hörspiel)

Francis Durbridge ist definitiv nicht mein Lieblingsautor, wenn es um altmodisch-charmante Kriminal-Hörspiele geht, aber ich habe schon einige unterhaltsame Stunden mit seinen Geschichten verbracht. Deshalb war ich natürlich prompt neugierig, als mir "Paul Temple und der Fall Gregory" in die Finger geriet, obwohl ich beim Anblick von Bastian Pastewka auf dem Cover schon etwas verhaltener reagierte.

"Der Fall Gregory" war der erste Paul-Temple-Fall, der in Deutschland als Hörspiel im Radio gesendet wurde - und dann wurden die Bänder mit einer anderen Aufnahme überspielt. Auch das BBC-Original dieser Geschichte ging verloren und so basiert dieses Hörspiel auf Textfragmenten des Original-Drehbuchs und der noch existierenden norwegischen Version des BBC-Hörspiels. Grundsätzlich finde ich diese Hintergründe interessant, auch wenn ich die nicht unbedingt inmitten des Hörspiels präsentiert bekommen müsste. Denn leider wird die Handlung rund um den Fund einer ermordeten jungen Frau immer wieder nach ein paar Minuten unterbrochen, wenn die Sprecher aus ihrer Rolle fallen und sich lang und breit über die Hintergründe des Hörspiels (oder die Absurditäten der Geschichte) unterhalten.

Zu diesen Unterbrechungen kommt, dass die Handlung sehr viel kürzer ist als in einem normalen Paul-Temple-Hörspiel. Ich kann nicht beurteilen, ob das daran liegt, das so wenig Text all die Jahrzehnte überlebt hat oder ob es an der Bearbeitung für diese "humorvolle" Wiederbelebung des Hörspiels liegt. Aber diese Kürze der Geschichte sorgt zusammen mit der Anzahl der verschiedenen Figuren und den vielen Unterbrechungen dafür, dass man schon mehr als normal aufpassen muss, um der Handlung zu folgen und die unterschiedlichen Charaktere einordnen zu können. Ich gebe zu, dass so ein Paul-Temple-Hörspiel in der Regel die eine oder andere Kürzung vertragen kann, aber von vermutlich sechs Stunden auf knapp zwei ist dann doch etwas arg radikal.

Überhaupt finde ich die gesamte Umsetzung nicht ganz glücklich. Man hat sich anscheinend nicht entscheiden können, ob man eine Hommage an die alten Paul-Temple-Hörspiel oder eine Parodie inklusive diverser "Pastewka und Komplizen"-typischer Comedy-Elemente machen wollte. Auf der einen Seite hat man sich genügend Mühe gegeben, um Sprecher zu finden, die relativ nah an die Originalbesetzung herankommen (na ja, Pastewka klingt nun mal immer wie Pastewka und Janina Sachau ist eine arg schrille Version von Steve Temple - inklusive seltsamer Betonung), hat eine liebevolle und passende Musikuntermalung verwendet und bei den Soundeffekten in der Regel darauf geachtet, dass sie passend unbeholfen-altmodisch klingen.

Auf der anderen Seit gibt es da diese extremen Kürzungen und die ständigen Unterbrechungen durch die Sprecher, bei denen Pastewka als Fan der Original-Hörspiele dargestellt wird, während der Rest an der simplen und nicht gerade logischen Handlung verzweifelt. Wirklich amüsant fand ich nur zwei Punkte (besonders die Geräuschuntermalung bei der Fluchtszene eines Verdächtigen), ansonsten traf der Humor meinen Geschmack eher weniger. Am Ende bleibt einfach die Frage, für welche Zielgruppe dieses Hörspiel produziert wurde. Bastian-Pastewka-Fans können vermutlich mit den "ernsthafteren" Krimiszenen nicht so viel anfangen, Paul-Temple-Fans hingegen werden sich wahrscheinlich durch die Kürzungen, Nebenbemerkungen und Unterbrechungen gestört fühlen ...

Ach ja, in den Rezensionen bei Amazon habe ich einen Verweis darauf gefunden, dass dieses Hörspiel auch als Bühnen-Show präsentiert wird. Das stelle ich mir doch etwas amüsanter vor, da ich erstens davon ausgehe, dass vor allem Zuschauer hingehen werden, die mit Pastewka und Komplizen mehr anfangen können, und es zweitens bestimmt auch unterhaltsamer ist, wenn man live miterleben kann, wie die Gesangseinlagen und Geräusche erzeugt werden. Außerdem wirken so die Zwischenszenen hoffentlich etwas natürlicher.

Kommentare:

Alysande hat gesagt…

Als Bühnenshow könnte es funktionieren, da die Schauspieler ja auch die Geräusche selber machen.
Danke für Deine Hörrezension, hatte geschwankt, ob ich mir das Ganze auf die Ohren packen sollte, habe mich aber nun dagegen entschieden.
Aly mit den drei frühlingssüchtigen Kuhkatzen

Hermia hat gesagt…

So interessant der Hintergrund um die verlorenen Bänder klingt - das ganze mitten in das Hörspiel zu packen, ist doch etwas... seltsam. ;-)

Winterkatze hat gesagt…

@Aly: Als Bühnenshow kann ich mir das auch deutlich besser vorstellen. Aber als Hörspiel würde ich es nicht unbedingt empfehlen - dann lieber einen alten Durbridge noch einmal hören. Die sind zwar auch trashig, aber ich finde sie deutlich unterhaltsamer. ;)

@Hermia: Vor allem ist es irritierend, weil man sich nicht so recht auf die Handlung einlassen kann und die Unterbrechungen jetzt auch nicht immer so wirklich witzig sind.

Natira hat gesagt…

Das scheint wirklich nicht Fisch und nicht Fleisch zu sein. Gerade die "Fan-Diskussion" hätte man doch prima an das Hörbuchende stellen können...

@Aly
Denkst Du an die Anschrift? :)

Winterkatze hat gesagt…

@Natira: Aber dann hätte man diese Diskussionen doch nicht als "lustige Einlagen" oder als Gelegenheit, um mal einige Szenen zusammenzufassen statt sie richtig zu erzählen nutzen können. ;)

Natira hat gesagt…

Ach ... ja... stimmt! Ich habe da wohl den gleichen Fehler wie andere gemacht und bin zu rational an den Punkt herangegangen. ;)

Winterkatze hat gesagt…

@Natira: Das ist immer ein Fehler! ;)

Ariana hat gesagt…

Oh weh, das klingt wirklich nicht so richtig überzeugend. Da lasse ich dann mal lieber die Finger davon.

Winterkatze hat gesagt…

@Ariana: Ich kann dir aber selbstverständlich das Hörspiel zur Verfügung stellen, wenn du doch einen Versuch wagen willst. :D

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