Samstag, 28. Juni 2014

Höreindrücke im Juni

"Tod auf dem Nil" von Agatha Christie ist eines von gleich mehreren Agatha-Christie-Hörbüchern, das ich in den letzten Tagen gehört habe. Wenn der Kopf voll ist, dann halte ich mich eben doch eher an vertraute Autoren. "Tod auf dem Nil" ist eine Poirot-Geschichte und nach dem Anfang, der in einem britischen Herrenhaus und einem Klub in London spielt, findet ein Großteil der Handlung auf einem Nil-Kreuzfahrtschiff statt. Ich mag den Roman, aber bei der von Gerd Anthoff gelesenen Hörbuchversion musste ich hier und da die Zähne zusammenbeißen. Der Sprecher ist nicht nur dann, wenn er die Frauen spricht, nur schwer erträglich. Immerhin fand ich seine Poirot-Interpretation gar nicht so schlimm, gerade das manchmal durchschimmernde "väterliche" Verhalten des Belgiers, wenn er zwar die Gefühlsaufwallungen der jüngeren Mitreisenden versteht, aber eben auch weiß, dass das alles nicht so schlimm ist, wie es der Person in diesem Moment erscheint, war sogar ganz passend rübergebracht. Trotzdem werde ich um Gerd Anthoff als Hörbuchsprecher demnächst erst einmal einen großen Bogen machen!

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An "Crocodile on the Sandbank" von Elizabeth Peters habe ich mich gewagt, nachdem ich "The Unexpected Mrs. Pollifax" gehört und doch überraschend gut verstanden hatte. Nachdem ich im März oder April erst eine deutsche Hörbuchversion von "Im Schatten des Todes" gehört hatte, hatte ich auch die Details der Geschichte noch so präsent, dass ich die erste Stunde durchgehalten habe, obwohl ich da noch deutlich weniger folgen konnte als bei Mrs. Pollifax. Da machte es sich deutlich bemerkbar, dass Elizabeth Peters doch einen anderen Schreibstil hat als Dorothy Gilman, denn an der Sprecherin konnte es nicht liegen, die war in beiden Fällen die gleiche. Barbara Rosenblat liest wunderbar - ich mag ihre Betonung, ich mag ihre Stimme und ich mag ihre Interpretation der Figuren. Ihre Evelyn war sanft, aber nicht weichlich, ihre Amelia war energisch, tatkräftig, aber auch an den richtigen Stellen etwas unsicher und auch ihre Männer waren überzeugend - vor allem Emerson war hinreißend und überzeugend (!) aufbrausend.

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"Emma im Knopfland - Eine verknöpft und zugenähte Geschichte" von Ulrike Rylance ist eine niedliche kleine Geschichte mit gerade mal 2 Stunden und 41 Minuten Laufzeit. Hauptfigur Emma verschlägt es, als sie sich in ihren Ferien bei Onkel Hubert und Tante Mechthild langweilt, in ein Zimmer voller Knöpfe. Bevor Emma sich noch groß umgucken kann, fällt ihr ein großer goldener Knopf auf, der vor ihr davon zu rennen scheint - und als sie diesen berührt, landet sie im Knopfland. Dort muss Emma ein paar Abenteuer bestehen und schließt neue Freundschaften, bevor sie einen Weg zurück in das Knopfzimmer findet.

Eigentlich ist die Geschichte nett und unterhaltsam, aber mir gab es dabei einfach zu viele "Anlehnungen" an bekannte Kinderbücher. Vor allem "Alice im Wunderland" wurde immer wieder von der Autorin herangezogen, so dass Hofdame Isolde (der große goldene Knopf) eine gewisse Ähnlichkeit mit der Herzkönigin hat, während Emma natürlich im Laufe der Handlung auch in eine Teeparty platzt und weitere Elemente dem Hörer immer wieder auffallen. Hätte ich das Gefühl, dass Ulrike Rylance aus diesen Dingen eine eigene Geschichte gemacht hätte, wäre das bezaubernd gewesen. Aber ohne eine spürbare individuelle Note ärgere ich mich eher über all die vertraut wirkenden Szenen. Gelesen wird das Hörbuch (bei dem ich übrigens nicht rausfinden konnte, ob es für diese Umsetzung bearbeitet wurde) von Fritzi Haberlandt. Die Sprecherin macht ihre Sache eigentlich sehr gut, verleiht den verschiedenen Charakteren eine eigene Note und sorgt dafür, dass selbst die Nebenfiguren einen recht hohen Wiedererkennungswert haben. Da ich das Hörbuch - trotz seiner Kürze - über einige Tage verteilt gehört habe, kam mir das wirklich zugute.

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"Das Böse unter der Sonne" von Agatha Christie hat mich mehrere Tage lang sehr gut unterhalten. Ich mag die Geschichte (ich mag sogar die Verfilmung mit Ustinov, obwohl er definitiv nicht mein "Poirot" ist, aber es gibt tolle andere Darsteller in dem Film und die Atmosphäre passt) und mit der ungekürzten Version hätte mir nur noch der Sprecher das Ganze verderben können. Aber stattdessen hat Jürgen Tarrach das Hörspiel - besonders Poirot, aber überraschenderweise auch die diversen Frauenrollen - wunderbar gelesen. Einzig seine Aussprache des Vornamen "Odell" klang eher nach Oddl, aber ansonsten habe ich nichts zu kritisieren. Dank der tollen Umsetzung habe ich viele amüsante Stunden mit "Das Böse unter der Sonne" verbracht - ich finde die Tatdurchführung immer wieder genial ausgedacht und mag die wunderbare Darstellung der vielen verschiedenen Figuren. Beim Hören kam mir übrigens der Gedanke, dass Agatha Christie wohl Schuld daran ist, dass ich bei vielen Krimis immer recht schnell auf den Täter komme, denn sie hat dafür gesorgt, dass ich in diesem Genre jede Nebenbemerkung als potenziell wichtig abspeichere.

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"Die Tote in der Bibliothek" von Agatha Christie ist - wie all die anderen Hörbücher in diesem Beitrag - wieder einmal eine Leihgabe von Natira und ich hatte mich sehr auf mein - vorerst letztes - Agatha-Christie-Hörbuch gefreut. Die Geschichte ist ja recht bekannt und ich mag sie sehr. Alles beginnt mit dem Fund einer Mädchenleiche in der Bibliothek des Herrenhauses der Bantrys und während Mrs. Bantry anfangs das Ganze noch spannend findet (sie liest gern Kriminalromane), geht ihr nach kurzer Zeit auf, dass das gesamte Dorf ihren Mann verdächtigt. So animiert sie ihre Freundin Miss Marple sich des Falls intensiv anzunehmen und die Unschuld von Colonel Bantry zu beweisen. Wie gesagt, ich mag den Roman, aber dieses Mal habe ich die (auch noch gekürzte) Handlung nicht so genossen wie sonst, da mir die Sprecherin nicht so zusagte. Ich kann Traudel Sperber gar nichts konkretes "vorwerfen". Ihre Stimme ist mir nur zu weich und zu jung für das Hörbuch und weder ihre Interpretation der Charaktere, noch ihre Betonung insgesamt sagt mir wirklich zu.

Kommentare:

Hermia hat gesagt…

"Tod auf dem Nil" hatte ich ursprünglich auch auf meiner Wunschliste stehen, bis mich die Hörprobe gaaanz schnell davon abbrachte...

Winterkatze hat gesagt…

@Hermia: Als Poirot fand ich den Sprecher gar nicht so unangenehm, aber alle anderen Passagen waren wirklich nicht so prickelnd. Aber es gibt ja noch ein paar andere Christies zum Hören. :)

Hermia hat gesagt…

Brr, die Stimme war einfach nur...nicht mein Fall. ;)

Ich habe hier ja schon "Das Böse unter der Sonne" parat und die nächste Zeit wird es geruhsamer werden, dann werde ich mich nochmal daran versuchen.

Winterkatze hat gesagt…

Ich drücke die Daumen, dass du beim nächsten Versuch ausgeruhter bist. :) Mir hat das Hörbuch wirklich gut gefallen (abgesehen von Oddl ;) ).

Natira hat gesagt…

Nun, was die hier vorgestellte Version von "Tod auf dem Nil" angeht, so habe ich keine 10 Minuten mit dem Sprecher durchgehalten, bevor ich entnervt das Handtuch geworfen habe. Das ging für mich gar nicht - ich hatte das, glaube ich, gelegentlich bereits erwähnt. :D

Übrigens ist es mir aktuell gerade wieder mit einem anderen Sprecher so gegangen. Ich hatte mir bei einer Hörbuchaktion von Amazon u.a. "Alexis Sorbas" geordert, gelesen von Herrn Simonischek. Ich habe es abgebrochen, sprecherbedingt.

Die Version von "Das Böse unter der Sonne", gelesen von Herrn Tarrach, gefiel mir ausnahmend gut. Oddell ist mir gar nicht so aufgefallen, ich dachte, es ist ein von seiner Ehefrau verwandter Kurzname. *lach*

Ich mochte übrigens die Sprecherin in "Die Tode in der Bibliothek".

Beim Walken höre ich derzeit auch "Emma im Knopfland" und Fritzi Haberland liest toll, wie ich finde. Ich bin noch ungefähr am Anfang der 2. CD und die Hofdame tauchte bislang nur recht kurz auf. Bislang habe ich die von Dir angesprochenen Ähnlichkeiten u.a. mit Alice nicht bemerkt. Bin ich zu unaufmerksam oder verstärkt sich das erst auf der 2. CD?

Ich bin ein Fan von Barbara Rosenblat; sie war ein wesentlicher Grund, dass ich mir etliche weitere Teile aus der Peabody-Reihe geholt habe. Hätte sie die Romane nicht eingelesen, wären sie wohl nicht bei mir als Hörbücher gelandet; ich bin sehr froh, dass ich über sie "gestolpert" bin. :)

Winterkatze hat gesagt…

@Natira: Ja, hattest du erwähnt. :D Ich war halt in der Stimmung für Agatha Christie - und manchmal rege ich mich ja auch ganz gern über Sprecher auf. ;) Simonischek sagt mir nichts, aber den Namen werde ich mir mal merken. Nur schade, dass du das Hörbuch nicht nutzen kannst - so etwas finde ich immer besonders ärgerlich!

Ich hatte extra noch einmal nachgeschaut, ob Odell auch wirklich so heißt oder ob ich da vielleicht was falsch in Erinnerung habe. Die Namensaussprache hat mich jedes Mal zusammenzucken lassen. Aber das ist wirklich der einzige Kritikpunkt an einer sonst sehr schönen Hörbuchumsetzung! :)

Ich kann bei ihr gar nicht den Finger drauflegen, was mich stört. Abgesehen davon, dass mir ihre Stimme zu jung und oft zu sanft/weich für den jeweils gesprochenen Charakter ist. Gehört habe ich das Hörbuch trotzdem ... :D

Die Ähnlichkeit verstärkt sich radikal auf der zweiten CD! Es gibt noch einige andere Kinderbücher, an die mich die Geschichte erinnert, allerdings habe ich die als Kind/Jugendliche gelesen und bekomme die Titel nicht mehr auf die Reihe, sonst hätte ich da noch mehr erwähnt.

Bei mir wird Barbara Rosenblat auf jeden Fall noch mit weiteren Mrs-Pollifax-Hörbüchern einziehen. :D Gegen weitere Peabodys hätte ich auch nichts, aber man muss ja Prioritäten setzen! *g*

Natira hat gesagt…

Emma hatte gerade ein Zusammentreffen mit Cowboys .. mal sehen, wie es sich weiter entwickelt.
Nun, bei Peabody könnte ich ggf. leihweise aushelfen ... ;)

Winterkatze hat gesagt…

@Natira: Beruhigend, dann gehen mir wohl so schnell die Hörbücher nicht aus. :D

Ah, die Cowboys! Manch einer hat ein tragisches Schicksal hinter sich ... ;)

Natira hat gesagt…

Ja, hat manch einer *nicktgewichtigt*.
Ich habe die Geschichte inzwischen beendet und mochte sie. Die von Dir so intensiv wahrgenommenen Ähnlichkeiten sind mir nicht wirklich aufgefallen. Vielleicht habe ich - mit Ausnahme von Alice - einfach andere Kinderbücher gelesen und Alice ist inzwischen auch schon wieder zwei oder drei Jahre her *grübel*.

Winterkatze hat gesagt…

@Natira:. Du hast definitiv andere Kinderbücher gelesen als ich. :D Meine Kindheit enthielt eine ganze Menge britischer Kinderbücher (und zwar nicht nur die noch heute bekannten Klassiker), weil die Bibliotheken da ein großzügiges Angebot hatten.

Natira hat gesagt…

Unwissenheit kann ein Segen sein, so konnte ich das Hörbuch unbelastet genießen. ;)

Aber natürlich ist es trotzdem schade, falls Dein Eindruck richtig ist und die Autorin trotz Inspiration nichts Eigenständiges schaffen konnte.

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