Samstag, 3. Mai 2014

[Kurz und knapp] Harald Schneider: Tote Beete (Hörbuch)

"Tote Beete" von Harald Schneider ist - wie ich im Nachhinein erfahren habe - der zehnte Teil einer Krimiserie rund um den Polizisten Reiner Palzki. Die Romanvorlage ist im Gmeiner Verlag erschienen, die Hörbuchumsetzung bei Radioropa und gelesen wurde das Ganze von Manfred Callsen. Für die Inhaltsangabe bemühe ich mal den Klappentext des Hörbuchs:
"Hauptkommissar Reiner Palzki besucht mit seiner Familie nicht ganz freiwillig die Landesgartenschau in Landau, als plötzlich eine gewaltige Explosion das Gelände erschüttert. Ein Besucher ist tot, ein Gärtnermeister verletzt. Bei seinen Ermittlungen stößt Palski auf dubiose Vorgänge, in die der Gärtner verwickelt war. Aber auch der bekannte Salathersteller, bei dem der Tote als Prokurist arbeitete, hat mehr als ein finsteres Geheimnis ..."
Regionalkrimis sind ja immer so eine Sache. Manche finde ich wunderbar (z.B. "Frau Maier fischt im Trüben"), andere zumindest ganz nett und dann gibt es die, bei denen ich mir ernsthaft vornehme nie wieder einen Regionalkrimi anzufassen. Leider gehört "Tote Beete" zur letzteren Kategorie - was nicht nur meinen Blutdruck in den letzten Tagen regelmäßig in die Höhe getrieben hat, sondern auch dafür sorgte, dass mein Mann sich nach den ersten Minuten weigerte auch noch ein weiteres Kapitel dieses Machwerks zu ertragen.

Sollte unter euch jemand sein, der diese Geschichte (oder die Vorgängerromane) mochte, den bitte ich mir zu erklären, was daran unterhaltsam sein soll! Dass der Kriminalfall unlogisch und banal gestaltet wurde, ist kein Problem für mich, ist dieser Teil der Handlung doch eh in diesem Fall nebensächlich. Was ich aber wirklich schlimm fand, war die Charaktergestaltung. Palzki ist ein aufgeblasender Idiot, der für seine Umwelt nur Verachtung übrig hat, und der Rest der Figuren besteht entweder aus farblosen Randerscheinungen (z.B. seine Kollegen, die im Gegensatz zu ihm wenigstens ab und an arbeiten) und vollkommen abgedrehten Personen, die so extrem "überzogen" dargestellt werden, dass es einfach nicht mehr witzig ist.

Harald Schneider spielt in seiner Geschichte nicht mit Klischees, sondern arbeitet anscheinend eine Liste mit "witzigen" Vorurteilen ab. Witze über VegetarierInnen/VeganerInnen? Erledigt! Witze über Frauen, die Handarbeiten? Erledigt! Witze über geldgierige Ärzte? Erledigt! Witze über Vorgesetzte? Erledigt! - und so könnte man endlos fortfahren. Das Ganze ist dabei so platt und billig dargestellt, dass es einfach nicht amüsant ist. Dazu wird jede "humorvolle" Bemerkung so lange erklärt, dass selbst eine Amöbe irgendwann den "Witz" dahinter verstanden haben sollte - was es wirklich nicht lustiger macht.

Außerdem ist die ganze Geschichte sehr dialoglastig, was kein Problem wäre, wenn die diversen Figuren eine eigene Stimme hätten. Aber alle Personen klingen gleich, verwenden die gleichen Satzstrukturen, die gleichen Redewendungen und haben die gleiche Art sich auszudrücken. Dazu kommt noch eine unerträgliche Belanglosigkeit der Gespräche, die häufig überhaupt erst deshalb entstehen, weil Palzki quer durch die Gegend fährt, um dann vier Sätze mit einem Zeugen oder Verdächtigen auszutauschen, und dann wieder wegzugehen, weil er keine Lust mehr hat zu arbeiten. Das Ganze ist definitiv nicht meine Art von Humor - und wenn man den Humor nicht mag, dann gibt es wirklich nichts Erträgliches an "Tote Beete".

Auch wenn mir das Hörbuch so gar nicht gefallen hat, muss ich zugeben, dass Manfred Callsen seine Arbeit - im Rahmen dessen, was die Geschichte nun mal hergibt - gut gemacht hat. Die ganze Zeit hatte der Sprecher einen angemessenen amüsierten Unterton, während er die Geschichte gelesen hat und seine Stimme habe ich als angenehm klar empfunden. Achja, das Hörbuch beinhaltet neben dem Krimi noch drei "Bonus"-Kapitel (übrigens als Extra-Bonus bezeichnet - was ja wohl ein bisschen doppelgemoppelt ist), die eine kurze "Mitrategeschichte", eine Kurzgeschichte und einen Vortrag des Autors zu seinen Krimis beinhalten. Alles miteinander hält das "Niveau" des Krimis und ist ebenso "lustig" anzuhören.

Kommentare:

Neyasha hat gesagt…

Brrr, das klingt ja wirklich furchtbar - meine Art von Humor wäre das auch nicht. Ich glaube, an deiner Stelle hätte ich das Hörbuch einfach abgebrochen!

Winterkatze hat gesagt…

@Neyasha: Ich merke immer wieder, dass ich Bibliotheksbücher zwar hemmungslos abbreche, aber bei allem anderen doch eher durchhalte - schließlich hat das Ganze mal Geld gekostet. ;)
So langsam wurde es ja auch mal wieder Zeit für einen Verriss auf dem Blog - und dafür eignete sich das Hörbuch perfekt.

Birthe hat gesagt…

Oha, das klingt echt nach - äh, einem Buch, das nur deshalb eine gewisse Menge an Spaß bietet, weil man sich schon darauf freut, den Verriss zu schreiben? ;-)

Winterkatze hat gesagt…

@Birthe: Wenn ich zwischendurch zu genervt war, dann habe ich mir Erleichterung verschafft, in dem ich schon mal Notizen für den Blogbeitrag gemacht habe (oder meinem Mann erzählte, was mich gerade so nervt). :D

Natira hat gesagt…

Bewunderswert, dass Du durchgehalten hast! Ich glaube, ich hätte das Teil ruck zuck vor lauter Ärger vom Player geworfen. Aber Deinen Verriss habe ich trotzdem gern gelesen. ;)

Winterkatze hat gesagt…

@Natira: Ich glaube, ein Teil von mir hatte gehofft, dass das Ende doch noch die Handlung rausreißen würde. Natürlich vergeblich ... ;)

Natira hat gesagt…

Natürlich.

Und trotzdem hast Du Dir auch noch die "Extra-Boni" angehört. Respekt. ;)

Winterkatze hat gesagt…

@Natira: Hey, vielleicht hätte ich ja doch was Unterhaltsames verpasst, wenn ich die ausgelassen hätte! :D

Natira hat gesagt…

Du Optimistin! :)

Ariana hat gesagt…

Oh je, da hilft nur eines: Ab in die Tonne - oder auf die Tauschplattform etc. und hoffen, dass sich doch noch jemand drüber freut.

Winterkatze hat gesagt…

@Ariana: Ja, das wird aus der Hand gegeben. Bei zehn veröffentlichten Teilen, muss es ja irgendwo Fans der Serie geben. Oo

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