Montag, 6. Mai 2013

Dies und Das (02): Internationale Anti-Diät-Tag

Heute ist schon wieder der 6. Mai und somit auch der "Internationale Anti-Diät-Tag". Dieser Tag wurde von der britischen Autorin Mary Evans Young ins Leben gerufen, um Schönheitsideale zu hinterfragen, über die Gefahren von Diäten (und denen von Essstörungen, die häufig mit einem falschen Körpergefühl verbundenen sind) aufzuklären und gegen Diskriminierung aufgrund des Gewichts eines Menschen vorzugehen. Für mich persönlich ist dieser Tag einer der Punkte im Jahr, an denen ich mich wieder mehr darum bemühe, mein Essen bewusster zu genießen

Seit dem letzten "Internationalen Anti-Diät-Tag" bin ich über eine Menge Blogartikel gestolpert, die dazu aufrufen, dicke Frauen (eigentlich natürlich dicke Menschen, aber Männer scheinen da weniger Probleme zu haben als Frauen oder reden vielleicht auch nur weniger darüber) so zu akzeptieren, wie sie sind, und nicht wegen ihres Gewichts vorzuverurteilen. Und vielleicht bilde ich es mir nur ein, aber ich habe das Gefühl, dass ich immer häufiger auch auf Blogs stoße, in denen dicke Menschen ganz wunderbar selbstbewusst über Mode bloggen, gegen Vorurteile anschreiben oder einfach mal ihren Frust über ein Umfeld, das bestimmen will, was "schön" und "gesund" ist,  loslassen.

Der aktuellste Artikel, über den ich in den letzten Wochen gestolpert bin, ist "Ich bin ein Einhorn, verdammt noch mal" von The Restless Hedonist, und da kommt gut zum Ausdruck, wie Tag für Tag immer wieder das eigene Aussehen und das eigene Gewicht verteidigt werden muss gegen Vorurteile, abfällige Äußerungen und die Vorstellungen der Modeindustrie davon, wie sich dicke Menschen zu kleiden haben. ;) Dabei muss man nur einmal die Artikel dieser Bloggerin überfliegen und Ragen beim Tanzen zusehen, um nicht nur zu bemerken, wie kraftvoll und gesund ein dicker Mensch sein kann, sondern auch, um einige Denkanstöße zu dem Thema zu bekommen.

Und weil ich den Artikel schon am Sonntag geschrieben habe und ein Beitrag ohne Fotos ja schrecklich langweilig aussieht, gibt es hier noch ein paar Bilder vom gestrigen Essen. ;)

Sonntagsfrühstück

Sonntagsnachmittag mit Kakao und Kuchen

Abends Rote-Linsen-Paprikasuppe

Und ein kleine Nachtisch :)

Kommentare:

RomeosJuliet hat gesagt…

Interessant, vom Anti-Diät-Tag hab ich auch noch nie gehört...
Ich finde es auch immer schlimm, dass die Modeindustrie einem versucht aufzuschwatzen, dass man zu dick ist, sobald man keine Größe 36 mehr trägt. So kommt es mir jedenfalls oft vor, dass man mittlerweile fast als dick gilt, wenn man diese (oder gar noch kleinere Größen) nicht mehr trägt.
Faszinierend finde ich auch in manchen Läden die Proportionen einer Größe M oder L. Fällt mir zB oft bei C&A (Clockhouse) auf. Was da als Größe L hingestellt wird gilt in anderen Läden locker noch als S. Sowas finde ich richtig mies, weil dann kommt man sich jedes Mal fett vor, obwohl die mittlerweile das Maß für Proportionen verloren haben - nicht wir.
Und zu den Fotos muss ich sagen: Das Frühstücksbrötchen sieht megast lecker aus. *_* *haben will* :D
Liebe Grüße,
RomeosJuliet

Winterkatze hat gesagt…

@RomeosJuliet: Lustigerweist sehe ich in diesem Jahr zum ersten Mal auf Twitter die ersten Hinweise darauf.

Die Einteilungen in die verschiedenen Größen scheinen mir auch arg willkürlich vorgenommen zu werden. Manchmal nimmt man eine Größe von dem einen Hersteller und kommt nicht rein und die gleiche Größe von einem anderen Hersteller hängt wie ein Zelt an einem ...und das nicht nur bei den Sachen, die nur über die Buchstaben gekennzeichnet werden.

*g* Danke! Das Brötchen gab es am Samstag beim Bäcker und ich musste es mal ausprobieren und Gurken und Käse sind gerade meine Frühstücksfavoriten. ;)

nija hat gesagt…

Was mich an solchen Aktionen immer stört, ist, dass sie eigentlich gut gemeint sind, aber schnell mal in "Dünnen"-bashing ausarten.
Da verurteilt man einerseits, dass ein Schönheitsideal aufgestellt und jeder, der nicht ins Raster passt, verurteilt wird, stellt aber gleichzeitig ein eigenes Ideal auf. Eben das der Frau mit etwas mehr Gewicht, der angeblich "normalen" Frau.

Ich war mein Leben lang dünn, einfach weil ich so veranlagt bin und wenig zunehme. Das Altern hat mir mittlerweile zum Glück eine Kleidergröße mehr beschert, weshalb ich mich zumindest nicht mehr von jeder Dahergelaufenen fragen lassen muss, ob ich magersüchtig sei. Oder ob ich das, was ich gerade gegessen habe, gleich wieder auf dem Klo auskotzen würde. Oder dass ich ein Knochengerüst, unweiblich, zu dürr oder was auch immer sei.

Dünne Frauen werden immer mehr zu einer Art Feindbild, über das man hemmungslos herziehen darf. Weil die sind schließlich dünn und damit nicht normal und irgendwie auch selbst schuld. Ich finde es wirklich faszinierend, wie schwer es teilweise ist, "normalen" Frauen zu erklären, dass es nicht besser ist, dünne Frauen wegen ihrer Figur zu beleidigen als dickere Frauen.

Ich verstehe das einfach nicht. Und es macht mich traurig, wann immer ich die Beschimpfungen gegen sehr schlanke Frauen lese. Unweiblich, hässlich, Knochengerüst, nicht normal. Das kann wirklich nicht die Lösung der Sache sein. Man soll doch die Leute einfach mal so lassen wie sie sind. Was kümmert es mich, wie ein Model aussieht? Und wenn wir morgen Models mit Größe 38 haben, dann werden wieder Frauen oben und unten aus dem Raster fallen. Die Lösung kann nicht sein, das Schönheitsideal zu ändern, sondern verschiedene Arten von Schönheit zu akzeptieren. Und vor allem zu lernen, sich selbst zu akzeptieren, ohne andere herabsetzen zu müssen.

Deshalb bin ich lieber für einen "Akzeptier dich und die anderen wie sie sind"-Tag oder etwas in der Art.

Sibylle Berg hat übrigens zum Thema "normale" Frau vor einer Weile einen schönen Artikel geschrieben:

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/sibylle-berg-ueber-models-und-normale-frauen-in-der-brigitte-a-853697.html

Winterkatze hat gesagt…

@Nija: Ich muss gestehen, dass ich nicht aus einer "dünnen" Perspektive heraus darüber schreiben kann, aber ich habe genügend extrem schlanke Freundinnen, die quitschgesund sind, alles essen, was sie essen wollen und wann sie es essen wollen und einige davon hätten gern ein paar Pfund mehr auf den Rippen. Von mir wirst du da keine Verurteilungen hören. Aber auf der anderen Seite erzählt mir keine dieser Freundinnen, dass sie aufgrund ihres Aussehens vom Arzt vorverurteilt und nicht richtig untersucht werden, weil all ihre Probleme ja damit zusammenhängen, dass sie schlank sind. ;)

Wenn ich aber über Fotos oder Fernsehbeiträge eine Musikerin oder Schauspielerin über Jahre hinweg verfolgen kann und das Gefühl habe, dass sie sich von einem "gesund wirkenden Menschen" in jemanden verwandelt, der in einem ungesunden Ausmaß abgenommen hat, dann finde ich das nicht schön. Diese Person ist zwar für sich selber verantwortlich und muss wissen, ob sie sich etwas damit antut, weil es der Job angeblich verlangt, oder ob sie sich einfach wohler fühlt, wenn sie abnimmt, aber bei mir hinterlässt das ein unangenehmes Gefühl. Gerade weil in der Öffentlichkeit bei solchen Menschen gern über jedes Pfund zuviel gespöttelt wird und das gewiss den einen oder anderen unter einen Druck setzt, den er ohne all diese abfälligen Meinungen nicht hätte.

Dass das Ganze für jeden, der von der sogenannten Norm abweicht, ein schwieriges Thema ist, ist keine Frage und ja, vielleicht wäre ein "Akzeptanztag" ein besserer Schritt. Genauso wie ich diese Aktion mit den Fotos 60/90/60 (?) interessant fand, weil dort Menschen aufgerufen wurden sich täglich in ihrer Kleidung zu fotografieren, um ein realistischeres Bild von Mode zu zeichnen, als es über die entsprechenden Zeitungen oder anderen Medien verbreitet wird. (Und dann habe ich sprachlos zugeguckt, dass selbst diese - in meinen Augen harmlos wirkende - Aktion wieder eine Menge Diskussionen hervorgerufen hat, weil jemand das Wort "normal" verwendet hat.)

Aber soweit ich das beurteilen kann, sorgt die Tatsache, dass man von Natur aus dünn ist, nicht dafür, dass man sich selbst krank macht. Während viele der verbreiteten Diäten zu Mangelerscheinungen, chronischen Erkrankungen oder psychischen Problemen führen - und trotzdem als das alleinige Heilmittel gegen diese schrecklich dicken und undisziplinierten Menschen gelten. Und da finde ich, dass dieser Tag nicht der schlechteste Anlass ist, um mal darüber nachzudenken, dass eine Diät vielleicht nicht grundsätzlich die Lösung ist (selbst wenn die meisten Ärzte heutzutage das noch zu glauben scheinen).

nija hat gesagt…

Also, um das klarzustellen: Ich finde solche Aktionen sinnvoll und lobenswert. Ich wollte aber auf einen Seitenaspekt eingehen, der für mich auf beunruhigende Weise um sich greift. Nämlich dass es bei solchen Aktionen sehr oft passiert, dass man im gleichen Atemzug mit dem man für Akzeptanz wirbt andere herabsetzt und sich dabei auch noch im Recht fühlt, weil man irgendwelche Fronten aufgebaut hat. Und das ist, dabei bleibe ich, der falsche Ansatz.

Es geht ja nicht darum zu sagen: Aber wir Dünnen sind auch arme Säue. Oder aufzuwiegen, wer das größere Leid hat (ich weiß durch Freunde, dass man es mit Übergewicht deutlich schwerer hat). Es geht darum, dass man das eigene Leid nicht dadurch lindern sollte, indem man andere herabsetzt und ihnen damit auch Leid verursacht. (Und Essstörungen sind leider nicht das einzige Ergebnis, das Diskriminierung bei einem Menschen hervorrufen kann ...)
Um sich selbst zu akzeptieren und zu respektieren sollte man das auch bei seiner Umgebung tun, anstatt unnötige Feindbilder aufzubauen. Ich habe in meinem Leben noch niemanden aufgrund seiner Figur beleidigt und ich werde auch nicht damit anfangen, egal wie oft mich jemand als "unweiblich" bezeichnet. Ich möchte einfach ein Bewusstsein dafür wecken, wie absurd es ist, Toleranz zu fordern und sie gleichzeitig selbst nicht zu erbringen - wie es leider bei sehr sehr vielen Frauen der Fall ist.

Sofern so eine Aktion ohne Beschimpfung anderer auskommt, finde ich sie wunderbar.

Winterkatze hat gesagt…

@Nija: Da kann ich dir ohne jegliche Einschränkungen zustimmen! Nicht nur bei so einer Aktion, sondern grundsätzlich sollte die Forderung nach Respekt und Akzeptanz gleichzeitig mit einem Verhalten einhergehen, das genau diese Akzeptanz und diesen Respekt anderen gegenüber gewährt. :)

irina hat gesagt…

Mist, hätte ich gewusst, dass heute Anti-Diät-Tag ist, hätte ich die Pizza nicht vom Speiseplan gestrichen und durch ein fettarmes Gemüsegericht ersetzt! :D

Winterkatze hat gesagt…

Irina, welcher Tag ist heute? ;) Und du kannst die Pizza ja jederzeit nachholen. :)

Mila hat gesagt…

Ich verfolge übrigens mit Vergnügen lauter Näh-Blogs, auf denen Frauen, die nicht den Schnittmuster-Normen (eigentlich so ziemlich jede davon, egal ob dünn, dick, groß, klein etc.) der Hersteller entsprechen, sich ihre Mode einfach selbst machen. Ein paar davon stellen ihre Kleider auf http://www.memademittwoch.blogspot.de/ vor.
Es kommt eben alles an Figuren vor - und manch eine sieht auch fülliger einfach nur umwerfend aus, weil sie ihren eigenen Stil gefunden hat...
Ach ja, Nähen müsste man können... LG Mila

Winterkatze hat gesagt…

@Mila: Über dich und Mirabells schöne Dinge (http://mirabellsschoenedinge.wordpress.com/) stolpere ich auch gerade über einige Näh-Blogs und bin baff, was da alles so entsteht!

Nähen müsste man können, geht mir dabei auch ständig durch den Kopf ...

(Wenn ich dann daran denke, dass meine Vorhänge immer noch darauf warten, dass ich weiter per Hand vor mich hinnähe, dann weiß ich, dass ich Kleidungsstücke für mich wohl vergessen sollte. *g*)

Jo hat gesagt…

Mann, ich habe den internationalen Anti-Diät-Tag verpasst! Ob man den wohl am Vatertag nachholen kann? :-) Die Rote-Linsen-Paprikasuppe sieht herrlich aus.

Winterkatze hat gesagt…

@Jo: Du kannst ihn bestimmt nachholen - und für das nächste Jahr schreibst du ihn einfach in den Kalender. ;) Wenn du auf die Bildunterschrift bei der Suppe gehst, kommst du zum Rezept! Die ist so simpel gemacht und so lecker! :)

Inka89 hat gesagt…

Ich lad mich dann mal bei euch zum Frühstück ein ;)

LG Ingrid

http://lebensleseliebelust.blogspot.de/

Winterkatze hat gesagt…

@Ingrid: Blöderweise muss man bei mir - zumindest wenn mein Mann nicht im Haus ist - damit rechnen, dass das Frühstück eher gegen Mittag serviert wird. ;)

Sara hat gesagt…

Schon das letzte Jahr bin ich über deinen Anti-Diät-Tag-Beitrag gestossen. Wirklich eine gute Sache. Es lässt mich daran erinnern, selbst auch mein Körpergefühl zu achten, ohne mich von der Gesellschaft in eine Schublade zu stecken. Ich liebe das Essen über alles und werde sehr launisch, wenn ich hungrig bin. ;) Das mit den Kleidergrössen ist mir in den letzten Jahren auch hier in der Schweiz aufgefallen. Wie kann das sein, was steckt für eine Idee dahinter eine Grösse 40 zu beschriften, welche eigentlich eine 36 wäre? Ist mir tatsächlich passiert!
Vielen Dank jedenfalls für deinen Beitrag und die schönen Fotos. Ich mag übrigens auch sehr gern Gemüsegurken zum Frühstück! :)

Viele Grüsse, Sara

Winterkatze hat gesagt…

@Sara: Ich finde auch, dass man sich immer wieder bewusst machen sollte, dass man mehr auf sich und sein Bauchgefühl - im wahrsten Sinne des Wortes - achten sollte.

Das mit den Kleidergrößen verstehe ich auch nicht. Vielleicht fehlt da einfach der Sinn fürs Detail. Ich habe letzte Woche eine Jeans in meiner üblichen Größe angezogen und die ist mir sogar geschlossen wieder auf die Knöchel gefallen - da stimmte es mit der Auszeichnung dann in die andere Richtung nicht. Ich finde das total seltsam und die Produzenten würden ihren Kunden eine Menge Frust ersparen, wenn sie da wieder mehr drauf achten würden.

Gern geschehen! :) Gurke ist einfach so schön frisch (und muss deutlich weniger geputzt werden als Salat) :D

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