Mittwoch, 16. Januar 2013

[Kurz und knapp] Terry Pratchett: Gevatter Tod

"Gevatter Tod" ist der erste Roman, den ich für die "Bücher, die man gelesen haben muss"-Challenge rezensiere. Eigentlich hatte ich ja für die Challenge ein paar (britische) Klassiker im Auge, aber da mich die englische Ausgabe von "Jane Eyre" nicht auf Anhieb gepackt hat, habe ich mich zu einem Pratchett-Re-Read umentschlossen. "Gevatter Tod" habe ich 1990 zum ersten Mal gelesen und habe mich sofort in den Tod, Mort, Albert und Binky verliebt. Damals fand ich die Pratchett-Romane großartig und fieberte jeder Neuerscheinung entgegen. Im Laufe der Jahre hat sich diese Begeisterung für den Autor und seine Scheibenwelt bei mir etwas gelegt. Ich erinnere mich immer noch gern an die ersten Scheibenwelt-Geschichten und habe eine Schwäche für bestimmte Figuren und Einfälle, aber nach ein paar Jahren habe ich aufgehört, mir die Bücher zu kaufen oder auszuleihen, weil ich mich einfach übersättigt fühlte.

In meiner Erinnerung ist "Gevatter Tod" noch immer eine der nettesten Pratchett-Geschichten, und das hat sich auch nach diesem Re-Read nicht geändert. Ich mag die Charaktere und ich kann mich über die diversen Einfälle des Autors - gerade bei den Nach-Tod-Szenen - amüsieren. Aber auf der anderen Seite fehlt mir das "Neue" an den Romanen. Wenn ich jetzt zu einem Pratchett greife, dann habe ich schon bestimmte Erwartungen und finde deshalb einige Elemente und Wendungen in der Handlung zu vorhersehbar, um darüber noch lachen zu können. Bei "Gevatter Tod" habe ich durch den Re-Read feststellen müssen, dass ich nach all den Jahren, die seit dem letzten Lesen vergangen sind, die Schlussszene komplett verdrängt hatte. Nicht ganz ohne Grund, denn das Ende gefällt mir nicht. Es kommt mir vor, als ob Terry Pratchett ab einem bestimmten Punkt nicht gewusst hätte, wie er seine Geschichte mehr oder weniger glaubhaft weitererzählen könnte, und deshalb wird die nicht so überzeugende Auflösung nur im Rückblick erzählt.

Jedes andere Buch, das mich bei einem Re-Read so wenig packt (obwohl es mich mal so begeistert hatte), würde von mir aussortiert. Aber "Gevatter Tod" wird auf jeden Fall weiterhin in meinem Regal seinen Platz haben, weil ich nicht nur mit dem Roman an sich, sondern auch mit meiner zerfledderten Ausgabe sehr viele Erinnerungen verbinde. Trotzdem hoffe ich, dass ich bei weiteren Re-Reads für die Challenge mehr Glück habe und die vor langer Zeit gelesenen Geschichte neu für mich entdecken kann, ohne einen gravierenden Kritikpunkt zu finden.

Eine etwas weniger desillusionierte Meinung zu dem Buch findet ihr übrigens bei Mila: Terry Pratchett - Mort

Kommentare:

Kiya hat gesagt…

Die Übersättigung mit Pratchett kenne ich auch, aber in gewissen Abständen kommt bei mir die Lust auf eines seiner Bücher zuverlässig wieder (wie auch bei Tolkien). Tod mag ich ebenfalls, und die Hexen und die Zauberer... die Wache dagegen nicht so sehr.

Ich habe mir für die Challenge die Pratchett/Gaiman-Kooperation bestellt - diese beiden zusammen, da sollte eigentlich nichts schiefgehen können :-)

Winterkatze hat gesagt…

Ich habe für die Rezi mal nachgeguckt, wann die Bücher das erste Mal auf Deutsch erschienen sind und fühlte mich im Nachhinein ganz erschlagen von den kurzen Veröffentlichungsabständen der Romane. Kein Wunder, dass ich irgendwann übersättigt war.

Der Tod und die Hexen waren auch meine Favoriten - ich muss demnächst mal eines der Hexenbücher rauskramen und schauen, ob ich Oma Wetterwachs immer noch so liebe wie früher.

Von Gaiman habe ich noch nie etwas gelesen - ich bin gespannt, was du über die Kooperation der beiden nach dem Lesen sagst. :)

Neyasha hat gesagt…

Manchmal habe ich das Gefühl, ich wäre die einzige Person, die mit Pratchett nicht recht was anfangen kann. Wobei ich von ihm halt nur sehr alte Scheibenwelt-Romane kenne, vielleicht sollte ich es mal mit etwas neuerem probieren.
Mit Gaiman werde ich auch nicht so recht warm. Ich hab zwar ein paar Bücher von ihm gelesen, aber wirklich gefallen hat mir davon nur "The Graveyard Book".
"Good Omens" hab ich dann auch nach wenigen Seiten abgebrochen, das ist irgendwie ein Humor, mit dem ich nicht so recht klarkomme. Bin mal gespannt, was du dazu sagst.

Kiya hat gesagt…

Nein, du bist nicht die einzige ;-) Ich kenne einige, die den Humor nicht so mögen, unter anderem meinen Freund. Mittlerweile hat er aber immerhin vier Bücher von Pratchett gelesen und mochte darunter "Weiberregiment" sogar ganz gern (das mir wiederum weniger gefiel).

Mir scheint, daß mittlerweile um den Namen Pratchett so ein Nimbus und so eine Erwartungshaltung aufgebaut wird, daß man da geradezu nur noch enttäuscht werden kann - ich bin ganz froh, daß ich ihn damals ganz unvorbelastet im Buchladen entdecken durfte und aufgrund der kruden Cover darauf aufmerksam geworden bin.

Das "Graveyard Book" hat mich gar nicht mal so recht begeistert, dafür aber z.B. Gaimans Kurzgeschichten - das kann nämlich nicht jeder Autor. Zurzeit bin ich an "American Gods" dran :-)

Winterkatze hat gesagt…

@Neyasha: Ich finde, es gibt einen deutlichen Unterschied, ob man einen "Tod"-, "Hexen"-, "Zauberer"- oder "Wachen"-Schreibenweltroman liest, auch wenn bestimmte Elemente sich durch alle Geschichten ziehen. Wenn du dem Autor noch eine Chance geben willst, dann kannst du ja mal gucken, ob dir andere Hauptfiguren besser liegen. Wenn nicht, dann ist er eben nichts für dich! Gibt genügend gehypte Autoren, mit denen ich nichts anfangen kann und mich frage, warum alle so begeistert von denen sind. :D

@Kiya: Ich bin auch froh, dass ich Pratchett für mich entdeckte, als er in Deutschland noch total unbekannt war. Wenn ich so zurückdenke, dann habe ich damals total viele humorvolle Fantasyautoren gelesen. Pratchett, Asprin, Gardner ... ich müsste mal gucken, ob mir die andren heute auch noch zusagen.

Susanne hat gesagt…

Tja, wie du weißt, liebe ich Terry Pratchett immer noch heiß und innig, und ich lese alle Scheibenwelt-Romane alle paar Jahre komplett noch mal durch.

Ich bin auch ein echter Fan der Hexen und des Tods, aber die letzten Romane über Sam Vines und die Wache waren auch nicht ohne.

Die Pratchett/Gaiman-Kollaboration "Good Omens" ist nicht ganz so meins, wobei ich schon überlegt habe, mir das Buch mal auf Englisch zuzulegen.

Gaiman ist bei mir einer der wenigen Autoren, von denen ich wirklich alles lese. Habe sogar "Chu's Day" bestellt, ein Buch für ganz Kleine, auch recht entzückend.

Winterkatze hat gesagt…

Spannend, dass du trotz deiner Begeisterung für Pratchett und Gaiman ihr gemeinsames Werk nicht so doll findest.

Ich weiß selber nicht, warum ich bislang nie ein Gaiman-Buch gelesen habe, aber irgendwie reizen sie mich einfach nicht ...

Birthe hat gesagt…

Ich habe bisher auch mti Pratchett nicht so viel anfangen können, trotz mehrerer Versuche unterschiedlicher Romane. Mein Bruder liebt die Bücher, ich dagegen habe bisher nur einen komplett gelesen: "Kleine freie Männer". War nett, aber auch nicht überragend. Ich hab für die Challenge hier noch "Wachen! Wachen!" rumstehen und werde damit einen letzten Versuch starten, wenn mir das auch nicht gefällt, gebe ich es wohl endgültig auf.

Von Neil Gaiman habe ich auch nur das Graveyard-Book gelesen, das hat mir aber sehr gut gefallen.

sayuri's exile hat gesagt…

Ich habe es ja auch schon erwähnt: die Pratchett-Übersättigung kenne ich auch gut... Irgendwann reizte er mich einfach nicht mehr so. Allerdings habe ich mir fest vorgenommen, jetzt auch noch einmal die Hexen rauszukramen - die gefielen mir auch immer am besten :D
Neil Gaiman hat mich leider auch noch nicht gepackt - dabei würde ich mich von dem echt gerne "packen lassen" ;), weil ich ihn als Mensch so interessant finde, dass ich denke, auch seine Bücher müssten eigentlich toll sein...

Jo hat gesagt…

Oh, Pratchett ist einer meiner Lieblingsautoren. Gerade lese ich "Total verhext" und auch hier taucht der Tod zumindest an einer Stelle auf. Mort ist ein sehr gelungener Scheibenweltroman, die ich auch jederzeit wieder lesen würden. Pratchett schafft es Tod als Charakter sehr sympatisch darzustellen. Das muss man ihm lassen.

Miyann hat gesagt…

Hach Pratchett. Der TOD war für mich immer die spannendste Person (?) in seinem ganzen Universum und die TOD-Bücher habe ich mit Begeisterung gelesen. Die anderen Pratchett-Sachen haben mich dann doch irgendwann gelangweilt.

Wobei ich mich an das Ende des Buches gar nicht mehr erinnern kann ... *grübel* Aber es ist sicher auch schon zehn Jahre her, dass ich das Buch gelesen habe. ;D

Viele Grüße
Miyann

Winterkatze hat gesagt…

@Birthe: Früher gab es in meinem Bekanntenkreis Leute, die Pratchetts Romane geliebt haben, und welche, die sie gehasst haben. Ich finde es schon beeindruckend, dass du anscheinend immer wieder einen Versuch damit gestartet hast! :)

@Sayuri: Den Hexen werde ich auch bald noch eine Chance geben - auch wenn ich vermutlich dafür auf die Bibliothek zurückgreifen muss, denn der Fantasy/P-Karton steht natürlich ganz weit hinten und ganz weit unten im Kartonchaos. *g* Ich bin auch immer irritiert, wenn ich jemanden interessant finde und sich dann herausstellt, dass seine Werke mich aber so gar nicht reizen.

Winterkatze hat gesagt…

@Jo: Ich mag seine Darstellung des Tods auch - allein schon seine Leidenschaft für Curry und seine Wahl bei den Pferdenamen! :D

@Miyann: Der Tod ist als Charakter wirklich toll, aber Oma Wetterwachs ist mir auch sehr ans Herz gewachsen. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal einen Pratchett gelesen habe - abgesehen von diesem Re-Read -, ich habe halt zwischen 1990 und 2000 einige der Bücher immer wieder gelesen. Es wäre schon spannend, ob du heute mit dem Ende von "Gevatter Tod" noch zufrieden wärst. Also, wenn du die Erinnerung auffrischen würdest ... ;)

Mila hat gesagt…

Hab den Post hier letztens schon gelesen aber bin noch nicht zum Kommentieren gekommen. Mensch das ist ja schade, dabei gehörtest du bei mir doch zu den glühendsten Verfechtern des Mannes. Ich werde mir wohl dieses Jahr auch noch mal ein neues Pratchett Buch vornehmen, stehen ja noch genug auf der Liste!

Ich nehm mir die Rezi gleich mal mit und verlinke sie auf der Extra Liste, die ich gleich anlegen werde.

Winterkatze hat gesagt…

@Mila: Ich hatte die Bücher ja auch in wirklich toller Erinnerung! Und so schlimm finde ich es nicht, dass mich die Geschichte nach all den Jahren nicht mehr ebenso packt wie früher. Für mich wird der Roman so oder so mit ganz vielen tollen Erinnerungen verknüpft bleiben und ich bin gespannt, wie mir die Hexen bei einem Re-Read gefallen. :)

Die Liste habe ich gesehen. Ich muss mir die mal direkt verlinken, dann kann ich da immer Rückmeldung über den Challengefortschritt geben! Blöderweise habe ich in dieser Woche nicht mal das Kommentieren auf die Reihe bekommen, bin schon froh, dass das mit den Spaziergängen und den Fotos geklappt hat. ;)

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