Dienstag, 8. November 2011

Kathryn Miller Haines: Ein Schlachtplan für Miss Winter

Nach "Miss Winters Hang zum Risiko" ist "Ein Schlachtplan für Miss Winter" der zweite Krimi rund um die ungewöhnliche Schauspielerin. In diesem Roman ist die Stimmung etwas weniger leicht als im vorhergehenden Band. Man merkt, dass den Menschen bewusst wird, dass mit "Augen zu und feiern" die Realität des Krieges nicht mehr zu verleugnen ist. Dazu kommen die langen Wintermonate, die an Rosies Stimmung gezerrt haben und die Tatsache, dass die junge Frau immer noch kein Lebenszeichen von ihrem (Ex-)Freund Jack bekommen hat.

So recht weiß Rosie gar nicht, was sie für Jack empfindet. Als dieser sich freiwillig gemeldet hat, hat sie sich von ihm getrennt. Und nun belastet dieser unschöne Abschied sie natürlich, vor allem angesichts der Tatsache, dass er sterben könnte, ohne dass sie sich hätten aussprechen können. Diese Gedanken beschäftigen Rosie so sehr, dass ihr erst einmal nichts Ungewöhnliches auffällt, als ihr Bekannter Al unbedingt eines Abends mit ihr sprechen will. Erst als Al wegen des Mordes an einer Schauspielerin verhaftet wird, kommt Rosie wieder zu sich. Zwar ist ihr Bekannter Mitglied der New Yorker Mafia und kein Unschuldslamm, trotzdem kann sie nicht glauben, dass er eine zierliche junge Frau ohne mit der Wimper zu zucken umgebracht haben soll.

Um mehr über den Fall herauszufinden, versuchen Rosie und ihre Mitbewohnerin Jayne eine Rolle bei dem Theaterstück zu bekommen, bei dem die Schauspielerin Paulette zuletzt engagiert war. Schnell finden die beiden Frauen heraus, dass am Sarah-Bernhardt-Theater so einiges faul ist – nicht zuletzt dadurch, dass Rosie doch wirklich als Tänzerin engagiert wird, obwohl die Schauspielerin in diesem Bereich nicht gerade eine begnadete Leistung vorweisen kann. Aber der Gangster Vinnie Garvaggio hat seine Finger bei der Besetzung dieser Produktion drin – und wenn er eine Tänzerin engagiert, muss sich der Regisseur eben fügen. Nur warum Vinnie Garvaggio ein unfähiges Ensemble für ein Musical engagiert, das von ihm finanziert wird, und ständig die Proben viel zu früh abbrechen lässt, müssen Rosie und Jayne noch herausfinden.

Außerdem kommt Rosie mit den drei Schauspielerinnen Zelda, Izzie und Olive ins Gespräch, die mit der ermordeten Paulette sehr gut befreundet waren. Über sie erfährt sie nicht nur mehr über die Tote, sondern findet auch heraus, dass sich die vier Frauen in der "Stage Door Canteen" engagiert haben. Dort bemühen sich Theater- und Filmschaffende darum Soldaten, die auf Fronturlaub sind, eine schöne Zeit zu bereiten. Neben Theateraufführungen und Tanz, gibt es für die Männer auch gutes Essen und eine Ablenkung von ihrem Kriegsalltag. Obwohl ein privater Umgang zwischen den ehrenamtlichen Helfern und den Soldaten verboten ist, muss Rosie schnell feststellen, wie rasch sich auf der Tanzfläche Paare bilden, wenn es sein kann, dass der Tanzpartner in den nächsten Tagen schon getötet werden kann.

Ich muss zugeben, dass mir besonders dieser Einblick in die "Stage Door Canteen" gefallen hat. Trotz – oder vielleicht gerade aufgrund ihrer Gefühle für Jack – entwickelt auch Rosie eine Schwäche für einen der Soldaten, wobei es ihr immerhin gelingt den gebührenden Abstand zu wahren. Aber dieses Gefühl der Endlichkeit, die Angst um die Männer an der Front, und die Sympathien, die sich innerhalb kürzester Zeit entwickeln, sorgen bei einigen Frauen dafür, dass sie aus Verliebtheit oder gar aus Mitleid in eine Ehe mit einem Mann einwilligen, den sie kaum kennen. Rosie ist zwar soweit, dass sie sich fragt, was aus diesen Ehepaaren wohl wird, wenn der Mann aus dem Krieg wiederkehrt, versucht aber nicht über die Freundinnen zu urteilen, die so eine Beziehung eingehen.

Den Krimiteil fand ich vorhersehbarer als im ersten Band, aber dafür hat die Autorin einfach ein Händchen für Atmosphäre. Gerade bei der Beschreibung von Kleinigkeiten wird für mich die Stimmung im Weltkriegs-New-York so richtig deutlich. Noch gibt es schöne Kleidungsstücke in den Schaufenstern, aber Frauen wie Rosie und Jayne können darauf nur sehnsüchtige Blicke werfen. Außerdem wird deutlich, wie sehr die Lebensmittelrationierungen das Leben der beiden beeinflussen. Sie müssen zwar nicht hungern (bzw. sie müssten es nicht, wenn sie durchgehend Engagements hätten), aber die Lust zum Beispiel auf echte Butter beherrscht langsam ihre Gedanken.

Bei all diesen Details aus Rosies Leben und den atmosphärischen Beschreibungen geht der Kriminalfall etwas unter. Das hat mich aber nicht gestört, weil es so viele interessante Details zu entdecken gab, dass die Identität des Mörders für mich zweitrangig wurde. Auch wenn man die Lösung etwas weniger offensichtlich hätte verpacken können … Wer also mit etwas weniger Krimi und dafür schönen atmosphärischen Beschreibungen leben kann, wird mit diesem Buch nichts falsch machen können. Und die Wendung am Schluss bietet eine wundervolle Überleitung zum dritten Band (der übrigens ein ganz neues Setting bietet und wieder seinen ganz eigenen Reiz entfaltet!).

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