Donnerstag, 3. März 2011

Ist ein Happy End wirklich immer das glücklichere Ende?

Ich lese eigentlich gern mehr oder weniger seichte Liebesgeschichten, genauso wie ich bei Filmen eine Schwäche für romantische Komödien habe. Und doch ärgere ich mich immer wieder, wenn die Autoren am Ende mit aller Gewalt dafür sorgen, dass alle Beteiligten paarweise die Bühne verlassen. Ich muss nicht jede (Neben-)Figur im Laufe der Handlung mit einer neuen und - natürlich bis ans Lebensende - glücklichen Partnerschaft versorgt sehen. Schon gar nicht, wenn das bedeutet, dass man in den letzten Kapiteln noch einen männlichen Charakter aus dem Hut zaubern muss, damit auch für die letzte ledige Frau noch der passende Mann gefunden wird.

Manchmal wünsche ich mir aus ganzem Herzen, dass mindestens eine Figur am Ende der Geschichte dasteht und für sich festgestellt, dass das Leben mit einem aufmerksamen Partner zwar schöner ist als einsam zu sein, aber dass das Alleinleben nicht unbedingt auch Einsamkeit bedeuten muss. Warum reicht es nicht zu zeigen, dass auch "einfache" Freundschaft das Leben bereichert? Oder warum haben die Autoren nicht den Mut eine Geschichte nicht bis zum endgültigen Happy End zu erzählen? Sie könnten einfach offen lassen, ob in Zukunft eine Partnerschaft kommt oder nicht, solange sie zeigen, dass ihre Hauptfigur sich insofern weiterentwickelt hat, dass ihr Leben deutlich besser geworden ist.

Zum ersten Mal ist mir wirklich bewusst geworden, dass mir ein anderes Ende lieber gewesen wäre, als ich vor ein paar Jahren "Was das Herz begehrt" im Kino gesehen habe. Mir hat es gefallen wie sehr Harry (Jack Nicholson) und Erica (Diane Keaton) aus der Bahn geworfen haben – und damit meine ich nicht die Liebesgeschichte. Er hat sie dazu gebracht mal eine andere Perspektive einzunehmen, mehr aus sich herauszugehen, auch mal schwarze Steine vom Strand mitzunehmen und aus ihrem gewohnten Alltag auszubrechen. Durch die Zeit mit ihr ist ihm hingegen bewusst geworden, dass Frauen in seinem eigenen Alter gar nicht so schrecklich unattraktiv sind. Auch wenn sie vielleicht faltiger und weniger leicht zu beeindrucken sind, so ist es doch auch mal ganz angenehm sich mit einer Frau anfreunden und mit ihr reden zu können. Diese Veränderungen hätten mir als Ende des Films vollkommen gereicht, einfach eine – anfangs unfreiwillige – Freundschaft, die das Leben der beiden gravierend beeinflusst …

Bei anderen Geschichten hingegen wäre hier und da der Mut zum "unglücklichen Ende" auch nicht fehl am Platz. Ich kann eine "Liebesgeschichte" auch genießen, wenn ich am Ende tränenüberströmt auf dem Sofa hänge, weil alles so traurig war. Gerade durch das fehlende Happy End werden die Handlungen weniger beliebig und berühren mich dafür umso mehr. Oder könnt ihr euch vorstellen, dass ein Film wie "Casablanca" so ein Erfolg geworden wäre, wenn Rick (Humphrey Bogart) mit Ilsa (Ingrid Bergman) am Ende glücklich in den Sonneuntergang geritten wäre?

Wie geht es euch? Ist für euch ein Happy End immer das glücklichere Ende oder habt ihr auch Geschichten gelesen oder gesehen, bei denen ihr euch einen anderen Schluss gewünscht hättet?

Kommentare:

KATZE MIT BUCH hat gesagt…

Ich glaube, deshalb mag ich den Film "Tatsächlich Liebe" so gerne, weil es da wie im richtigen Leben sowohl Happy als auch Sad Endings gab, wie im richtigen Leben ;)
Liebesfilm fällt mir jetzt keiner ein, aber ich liebe die tränenreichen Enden der beiden Filme "Einer flog übers Kuckucksnest" und "Der Club der toten Dichter". Manchmal sind doch gerade die traurigen Enden so richtig schön, seufz und ein paar Tränchen vergieße...

Winterkatze hat gesagt…

Ich muss gestehen, dass ich gerade erst einmal bei Wikipedia nach "Tatsächlich Liebe" gucken musste, denn ich erinnerte mich nur noch an die "Dreiecksgeschichte" mit dem Hochzeitspaar und seinem Trauzeugen. Aber du hast recht, da gibt es noch ein paar Handlungsstränge, die nicht in einem Happy End enden. :)

Hach, schön, dass noch jemand der Meinung ist, dass ein trauriges Ende so richtig toll sein kann. :)

JED hat gesagt…

Das hängt sicher von der Art Buch ab, die Du list. Manche sind ja dafür konzipiert, uns mit Happy End zu verwöhnen, um uns von der Realität "abzulenken". Mir persönlich sind realistische Bücher manchmal lieber. Und da ganz klar: Es geht auch mal ohne Happy End. Das Leben ist nämlich auch so.

LG,
JED

Winterkatze hat gesagt…

@JED: Bei einer seichten Liebesgeschichte finde ich es auch vollkommen in Ordnung, wenn am Ende die beiden Hauptfiguren ein glückliches Paar geworden sind. Aber wenn der Autor oder die Autorin dann auch noch das Bedürfnis hatte, alle anderen Singles oder Witwen oder ... in der Geschichte mit einem passenden Partner zu versorgen, dann lenkt mich so ein Buch nicht mehr von der Realität ab, sondern ärgert mich. ;)

Und gerade weil das Leben nur selten zum Happy End führt, würden mich weniger rosarote Geschichten manchmal mehr befriedigen ... :)

evi hat gesagt…

mah, ist das gemein! ich hab grad sooo einen langen kommentar geschrieben und dann stürzt der beim sicherheitscode eingeben ab und alles ist futsch. *grummel*

Happy-End ist doch genau mein Thema! Ich bin ja der toootale Happy-End-Junkie. Ich will das, ich brauch das, es macht mich glücklich. :)
Allerdings sind es dann auch immer wieder Bücher, die keines haben, oder ein anderes Ende als erwartet, oder ein "bittersweet ending", die mich am meisten bewegen und die von mir auch öfter mal die Höchstnote kriegen.

Ich finde Autoren mutig, die nicht den einfachen Weg gehen, die ein unvorhergesehenes Ende schreiben, die ihren Helden/ihre Heldin auch mal die oder den (aus Lesersicht) "Falschen" wählen lassen. Und im richtigen Leben trifft man ja auch nicht immer die richtige Wahl, da geht ja auch viel schief.
Aber vielleicht sind ja gerade deshalb Happy-Ends so beliebt, weil sie doch eine Art Hoffnung vermitteln, dass alles gut sein kann. Wer bei klarem Verstand ist, wird jedoch trotzdem nicht dran glauben, dass es im wahren Leben immer so sein kann/muss. Aber schön wärs ja schon und träumen wird man ja wohl noch dürfen. :)

Ich kann mich jetzt an kein Buch/keinen Film erinnern, wo gewaltsam ein Happy-End für alle Beteiligten konstruiert worden ist, aber ich denke, das würde mich auch nerven.

Und ja, ein trauriges Ende kann auch so richtig toll sein. Da kann man ja so schön heulen. (Okayokay, ich heul auch wenn alles gut ausgeht und wenn es schön ist. Aber ich bin halt eine alte Heulsuse ;-))

Stefanie hat gesagt…

Ich finde Bücher und Filme ohne Happy End auch besser.
In den meisten Fällen machen es sich die Autoren mit einem Happy End zu einfach. Der Leser ist am Ende glücklich, legt mit diesem Gefühl das Buch zur Seite und bewertet es durch das Glücksgefühl auch viel besser. Ein Autor, der ein akzeptables negatives oder offenes Ende präsentiert, muss sich im Laufe der Geschichte doch viel mehr anstrengen, damit man als Leser trotzdem zufrieden ist. Das heißt nicht, dass ich nicht trotzdem mit den Protagonisten leide und Tränen bei mir fließen, wenn am Ende alles so schrecklich traurig ist.

Bei Filmen geht es dann bei mir schon fast so weit, dass ich ein Happy End einfach nicht mehr akzeptieren kann. Da ist ein Film mit Happy End für mich fast automatisch ein schlechter Film.

Aber ich bin schon mal froh, dass ich nicht allein mit meiner Meinung dastehe ;-)

irina hat gesagt…

Ich find zwar auch, dass es Filme/Bücher gibt, die trotz oder vielleicht auch gerade wegen des nicht vorhandenen Happy Ends besonders toll und bittersüß sind, an sich möchte ich aber schon ein Happy End haben, wenn ich nen Liebesroman oder nen Liebesfilm schaue. Das heißt nicht, dass die hinterletzte Nebenfigur noch verkuppelt werden muss, aber die Protagonisten will ich am Ende im Normalfall verpaart sehen.

Für mich ist ein Liebesfilm/-roman ohne Happy End total untauglich. Mag schon sein, dass das manchmal unrealistisch ist, aber bitte … wer will den Realität, wenn er nen Liebesfilm schaut bzw. Liebesroman liest?! *g*

sayuri's exile hat gesagt…

Vielleicht liegt es an meiner Natur, aber für mich ist ein dramatisches, offenes Ende häufig besser und der Autor verdient sich dadurch meinen Respekt.
Gut erinnere ich mich noch an "Villette" von Charlotte Bronte (das mit den Punkten klappt nie), wo ich am Ende völlig verdattert vor dem Buch sass, mit Tränen in den Augen, weil die Dame so ein perfektes Nicht-Happy-End geschrieben hat.

Klar, ein Happy End macht auch mich glücklich. Ich lege das Buch mit einem Seufzer aus der Hand - und nehme mir gleich das nächste Buch vor. Ein Nicht-Happy-End hinterlässt bei mir deutlich mehr Eindruck und ich denke noch lange darüber nach.

Aber es hängt auch wirklich viel von der Stimmung ab - es gibt Zeiten, da braucht man einfach das simple Strickmuster: Person A und Person B lieben sich, müssen Schwierigkeiten überwinden und kommen am Ende zusammen. Und wenn dann auch noch die beste Freundin mit dem besten Freund zusammenkommen - um so besser. Das sind die Zeiten bei mir, wo ich Seelenschmeichelei brauch. Wenn ich aber gut zuwege bin, dann brauche ich mehr Herausforderung - und mehr Realitätsnähe ... und so dann oft auch kein Happy-End :)

Winterkatze hat gesagt…

@Evi: Ohje, das ist wirklich gemein! Aber dein zweiter Versuch ist ja auch schön lang geworden. :D

Und es spricht ja auch nichts gegen eine gute Geschichte mit einem Happy End, das kann schon ein Seelenschmeichler sein. *g* Aber wie du schon schreibst, die umstrittenen Enden sind es in der Regel, die in einem nachhallen und tieferen Eindruck hinterlassen.

Es gibt eine Handvoll amerikanischer "Frauenromane" bei denen mir unangenehm auffiel, dass im letzten Drittel der Geschichte auf einmal noch der väterliche Freund oder verwitwete Vater einer der Figuren auftauchte, nur damit die verwitwete oder geschiedene Mutter/Nachbarin/Großmutter am Ende des Buches auch noch einen Mann abbekommt. Und das ist dann etwas, was mich fuchtig macht. *g*

@Stefanie: Ich würde nicht so weit gehen und sagen, dass ich Geschichten mit Happy End gar nicht mehr mag. Manchmal ist es wundervoll eine eher anspruchslose (und mit etwas Glück noch humorvolle) Geschichte mit einem absehbaren Happy End zu erleben. Das kann sehr gut tun. ;)

Aber trotzdem wünsche ich den Autoren häufiger den Mut, um kein glückliches Ende zu schreiben. Wobei ich mir sicher bin, dass das auch von Verlagsseite gern gewünscht wird.

Oh, und du hast recht - und an den Punkt habe ich gar nicht gedacht -, es benötigt deutlich mehr Handwerkskunst, um eine Geschichte auf befriedigende Weise enden zu lassen, obwohl die Protagonisten kein Happy End erleben. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum man das so selten liest ...

Winterkatze hat gesagt…

@Irina: Ich sag ja nicht, dass es keine Happy Ends geben soll, aber bei manchen Geschichten wäre der Verzicht auf ein solches eben die bessere Lösung! ;D

Und ein gewisses Quentchen Realität benötige ich dann doch, selbst im Liebesroman! Wenn die Protagonistin, die seit Monaten vor ihrem gewaltätigen Ehemann flieht, innerhalb eines Tages auf der perfekten kleinen Insel landet und dort den perfekten neuen Job, eine entzückende - und natürlich perfekte - neue Wohnung und eine potenzielle neue beste Freundin findet, dann ist mir das einfach zuviel des Guten. Selbst wenn ich das Buch ansonsten gern lese ... ;)

@Sayuri: Stimmung, das ist auch noch so ein Punkt. Du hast recht, dass die Stimmung beim Lesen sehr viel Einfluss darauf hat, ob man mit einem Happy End leben kann oder nicht. Komischerweise bin ich sehr viel eher bereit ein Happy End hinzunehmen, wenn es mir selber gut geht. Dann bin ich wohl weniger kritisch. *g*

Wenn es mir nicht so gut geht, dann greife ich hingegen sehr gern zu Geschichten mit großem Heul-Faktor. Das hat dann so einen reinigenden Stellvertreter-Charakter ... Hm, eigentlich wäre es doch mal sehr interessant herauszufinden, in welcher Stimmung die Leute welche Art von Büchern bevorzugen.

SusiB hat gesagt…

Ich möchte bei Büchern und Filmen auf jeden Fall ein Happy End haben. Daß etwas schlecht oder böse ausgeht, hat man im wirklichen Leben ja nun mehr als oft genug, und ich lese Bücher und schaue mir Filme an, um mich zu unterhalten und zu zerstreuen.

Aber ich sehe das wie schon einige andere: es sollte ein klein wenig plausibel bleiben, und das ist es eben nicht, wenn noch die unwichtigste Nebenfigur ihren Traumpartner findet oder der schwer angeschlagene tortured hero nach vielen Jahren des Daseins als volltrunkenes, misogynistisches A..loch nichts anderes mehr im Sinn hat, als seine innig geliebte Gattin zu verehren und Unmengen von Babies in die Welt zu setzen.

Ein Negativbeispiel ist da für mich...und bitte werft jetzt nicht wieder faule Tomaten nach mir...die erste Folge von JR Wards Black Dagger Brotherhood Büchern. Das kann ein wenig auch an meinen Erwartungen liegen, weil dieses Buch in einigen Rezensionen als richtig düster und finster angekündigt wurde, aber als die grimmigen Vampire sich am Ende als große, glückliche Familie herausstellten, deren Anführer ohne es zu wissen die ganze Zeit über nur ein bißchen LIIEEBE gebraucht hatte, da war ich ziemlich entnervt.

irina hat gesagt…

Winterkatze: Ja, ein Quäntchen Realität will ich auch haben, aber das widerspricht einem Happy End ja nicht zwingend. Und wie gesagt: Zu arg mag ichs auch nicht. Ich hab das diversen Liebesromanen angekreidet, dass das Ende zu zuckersüß ist und sich alles, wirklich alles in Wohlgefallen auflöst. Aber wenn ich mir vorstelle, dass z.B. "Harry und Sally" am Ende nur Freunde bleiben – nee!!!

Winterkatze hat gesagt…

@Susi: Gegen ein Happy End spricht ja auch gar nichts, vor allem, wenn man sich ablenken und entspanne will beim Lesen. :) Aber allein die Vorstellung von dem von dir erwähnten tortured hero und seiner totalen Kehrtwende dank seiner Zukünftigen, könnte mich schon auf die Palme treiben. ;) ("Misogynistisch" musst ich übrigens erst einmal nachschlagen - wieder was gelernt! :) )

Und von mir gibt es keine faulen Tomaten! Nicht nur, weil ich die Bücher nie gelesen habe, sondern weil ich bei deiner Kurzzusammenfassung so grinsen musste. :D

Ist ein bisschen LIIIIIEBe nicht in der Hälfte aller "Bad Boy wird zum Best Lover/Father/Son ever"-Geschichten die Lösung? *grusel* Wenn ich nicht befürchten würde, dass es genügend Frauen gibt, die genau daran glauben und dann kräftig auf die Nase fallen, dann könnte ich das mit mehr Humor nehmen.

@Irina: War ja klar, dass dir ein Gegenbeispiel zu "Casablanca" einfällt. :D Und recht hast du, "Harry und Sally" brauchten ein Happy End - aber wie wäre es gewesen, wenn am Ende noch ihre Freunde und Ex-Freunde paarweise im Abspann gezeigt worden wären? Ist das nicht eine gruselige Vorstellung? :D

irina hat gesagt…

Wie gesagt, ich find ja auch nicht, dass irgendwelche Nebenfiguren ein Happy End konstruiert kriegen müssen. Aaaaaber was die Freunde von Harry und Sally angeht: Die retten doch mit der Entsorgung des legendären Wagenradcouchtischs auch ihre Ehe! :D

Winterkatze hat gesagt…

Diesen Tisch hatte ich ganz vergessen ... *g* Ich glaube, ich muss mal meine Erinnerungen an den Film auffrischen. :D

irina hat gesagt…

Oh ja, mach das! "Harry und Sally" kann man nicht oft genug schauen! :)

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