Freitag, 21. Januar 2011

[Kapitelweise] Linda Kavanagh: Meinem Herzen so nah (Kapitel 64+65)

In der letzten Woche durften wir miterleben, dass sich Mary alt und hässlich fühlt und trotzdem bei dem Gedanken an den gestandenen Jim Schmetterlinge stundenlang vor dem Kleiderschrank rumhängt und Schmetterlinge im Bauch hat, die sogar ihrer Teenie-Tochter auffallen. Außerdem musste Joanna notgedrungen eine Verabredung mit Orla einhalten, obwohl doch ein splitterfasernackter Ronan ihr Bettchen wärmte. Immerhin war der Privatdetektiv bereit Jos Häuschen in ihrer Abwesenheit zu durchsuchen, um die Unterlagen zu finden, die Catherine vermutlich dort vor Jahren versteckt hatte.

Perspektivwechsel: Kapitel 64 wird aus der Sicht von Agnes Kilmartin erzählt

Nachdem Harry gestorben war, schien Agnes jeglichen Lebensmut verloren zu haben. Und als dann auch noch von der Presse eine Schmutzkampagne gestartet wurde, in der Harrys Selbstmord als Schuldeingeständnis behandelt wurde, beschließt Agnes (mal wieder) zur Polizei zu gehen und endlich Harry ein Alibi zu geben.

Doch Catherine kann die Freundin von diesem Plan abhalten. Schließlich würde sie Harry damit nun auch nicht mehr helfen können und außerdem würde Ivan dann wohl das Sorgerecht für das Kind einklagen. Und da Ivan als Agnes Ehemann automatisch vor Gericht als Vater des Kindes gilt  und ein einflussreicher Mann ist, hätte sie wohl wenig Chancen sich in Zukunft um Harrys Nachwuchs zu kümmern.

Da Agnes das natürlich nicht riskieren kann, hält sie brav weiterhin die Klappe und nach einiger Zeit kommt auch schon ein strammer Junge zur Welt. Und Ivan der Schreckliche, der glaubt, dass das sein Sohn sei, lässt sich von den Zeitungen und den Geschäftspartnern zu seinem Nachwuchs gratulieren.

Agnes hingegen ist ein wenig verbittert, dass ihr von ihrer großen Liebe nur ein paar Briefe aus dem Knast geblieben sind. Außerdem macht sie sich Gedanken, was ihr Sohn wohl von ihr halten würde, wenn sie ihm eines Tages erzählen würde, was für ein Mann ihr Vater war … Während Agnes noch ein wenig rumjammert, versucht Catherine sie damit zu trösten, dass Agnes immerhin ein Kind von dem Mann hat, den sie geliebt hat. Ihr und Bill würde solch ein Glück nämlich niemals ins Haus stehen, da sie sich haben testen lassen und dabei rauskam, dass sie keine Kinder bekommen könnten.

Beide Damen hängen noch ein wenig ihren Gedanken nach und dann beschließt Agnes (noch im Wochenbett liegend), dass sie zwar nicht darauf hoffen kann, dass Ivan demnächst das Zeitliche segnet, aber sie es zumindest so regeln will, dass sie – wenn es einmal soweit sein sollte – sich mit Harry ein Grab teilen kann.

Perspektivwechsel: Kapitel 64 wird aus der Sicht von Dr. Gary Culhane und Orla Rogan erzählt

Na? Wie viele von euch hatten beim Lesen der Kapitelüberschrift ein erwartungsvolles Grinsen im Gesicht? ;)

Doc Gary hat (mal wieder) die (Wochenend-)Nachtschicht im Krankenhaus. Eigentlich will er sich ja um den Papierkram kümmern, bevor es so richtig stressig wird, doch dann wird eine neue Patientin mit dem Rettungswagen eingeliefert. Die Dame humpelt auf den Arm eines Sanitäters gestützt in die Notfallaufnahme – und entpuppt sich als Orla Rogan!

Bevor sich Gary noch um seinen neuen Notfall kümmern kann, wird er vom Sanitäter zur Seite gezogen. Der informiert ihn darüber, dass Orla vor einem Nachtklub gestürzt ist und sich vermutlich den linken Fuß verletzt hat. Außerdem wollte die Dame unbedingt nach Hause und auf gar keinen Fall ins Krankenhaus und zudem hat sie wohl auch noch ordentlich gepichelt – etwas, das sogar Gary in den wenigen Sekunden schon aufgefallen war.

Kurz darauf begrüßt Orla Gary mit einem mehr oder weniger freundlichem Hallo und fragt ihn, was er denn an diesem Ort mache. Woraufhin er sie natürlich darüber aufklärt, dass sie sich in der Notfallambulanz befinden würde, wo er gerade seiner Arbeit nachgehe … Orla ist ein wenig verärgert, denn sie hatte den beiden Kerlen (den Sanitätern) doch eingeschärft, dass sie nach Hause gebracht werden wollte. Diesen Satz bringt sie natürlich nur mit einem Hicksen heraus, womit die Autorin noch einmal dezent deutlich macht, dass die gute Frau nicht mehr so ganz nüchtern ist.

Gary zieht daraus (noch einmal) den Schluss, dass Orla wirklich kräftig ins Glas geschaut habe – und sich am Morgen wohl dafür gründlich schämen würde – (Ich wäre mir da ja nicht so sicher, aber ich habe ja auch schon einige Orla-Jo-(und Kommentatorinnen-Whiskey-) Saufabende erleben dürfen. ;)), während er Orlas Bein untersucht. Während sie noch zetert, weil er nicht sanft genug zu ihr ist, beschließt der Arzt, dass Röntgenaufnahmen nötig seien, um einen vermutlichen Bruch zu lokalisieren. Um sie von ihren Schmerzen abzulenken, fragt er sie, ob ihr "Galan" sie denn nicht ins Krankenhause begleitet hätte.
"Mein Gott, den habe ich ja völlig vergessen!", antwortete Orla, die jetzt erst merkte, dass Kieran sich verdrückt hatte, als die Sanitäter kamen. Offensichtlich schätze er Komplikationen nicht besonders. Vermutlich war er verheiratet.
"Dieser Mistkerl! Aber so sind Männer nun mal, oder? Giftig  lächelte sie Gary an. "Sie machen sich ja regelmäßig beim geringsten Anzeichen von Schwierigkeiten aus dem Staub."
Gary ist durch diese Aussage (verständlicherweise) etwas verwirrt und kann nicht verstehen, dass irgendein Mann so eine tolle Frau im Stich lassen könnte. Schon gar nicht, wenn man doch mit ihr verlobt ist und sie auch noch in Schwierigkeiten steckt. Aber da selbst unser guter Doc inzwischen gemerkt hat, dass Orla nicht so gut drauf ist, verkneift er sich lieber eine Entgegnung.

Stattdessen will er Orla endlich zum Röntgen schleppen und fragt dabei nach dem Namen ihres "Bekannten", damit man ihn anrufen und informieren kann, dass Orla wohl noch etwas länger im Krankenhaus bleiben würde. Schließlich müsse erst der Röntgenarzt aus dem Bett geklingelt werden. (Ich dachte übrigens immer, dass in der Notfallambulanz dafür auch jemand während der Nacht und am Wochenende parat stände. Aber das "aus dem Bett klingeln" würde so einige nächtliche Wartezeiten bei Notfällen erklären. ;) ) Während er noch auf Orlas Antwort wartet, versucht sich Gary an den Namen von Orlas Verlobten zu erinnern. Aber ihm fällt nur noch D wie Dummkopf ein …

Doch dann informiert ihn Orla, dass sie mit Kieran in dem Nachklub war und dass man den nicht informieren müsste, da sie ihn gerade erst an diesem Abend kennengelernt hatte.
Entsetzt sah Gary sie an. Konnte das wahr sein? Diese Frau hatte einen Verlobten zu Hause und schleppte einen anderen Kerl aus einem Nachtklub ab. Da hatte er ja noch einmal Glück gehabt. Trotzdem konnte er ein leichtes Ziehen in der Herzgegend nicht wegleugnen, als er auf sie herunterblickte, wie sie da so zerzaust in seinem Behandlungszimmer saß. Am liebsten hätte er sie in den Arm genommen und all ihre Probleme weggeküsst ... von denen sie eine ganze Reihe zu haben schien. Vor allem, wenn ihr Verlobter erst herausfinden würde, dass sie mit einem anderen Mann aus war.
Da sich Orla von Gary missbilligend angeblickt fühlt, wird sie gleich noch ausfallend und tritt mit dem unverletzten Fuß gegen ein Schränkchen – was natürlich zu weiteren Schmerzen führt.
"Da nennt ja nun ein Esel den anderen Langohr. Sie müssen ja gerade reden. Führen Sie die Leute etwa nicht an der Nase herum? Wieso also glauben Sie, Sie könnten mir sagen, wie ich mich zu verhalten habe?"
Doc Gary hat natürlich keine Ahnung, wovon Orla redet und schiebt ihr ausfallendes Benehmen auf ihren Alkoholpegel. Obwohl ihm eine leiser Verdacht kommt, dass sie auf den Abend anspielen könnte, an dem sie sich kennengelernt hatte, er noch nicht wusste, dass sie verlobt ist und sich nur deshalb nicht mit ihre verabredete, weil er das berufliche Verhältnis zu Joanna nicht trüben wollte. (Na, das war jetzt aber geschickt eingeflochten, damit auch die letzte Leserin sich daran erinnern kann, wie das Ganze noch einmal angefangen hatte!) Und ein wenig erweckt der gute Arzt nun doch den Eindruck, als ob Orlas angetrunkener Zustand ihm zuviel würde und deshalb schiebt er die Patientin einer Schwester zu, damit diese Orla zum Röntgen bringen kann. Orla lässt sich auch kommentarlos in den Aufzug rollen.
Garys sanfte Berührung hatte tief in ihr eine Saite zum Schwingen gebracht. Und obwohl sie wusste, dass er Frau und Kinder hatte, wünschte sie sich doch sehnlichst, es wäre anders. Hätte ich ihn doch nur vor ihr kennen gelernt, dachte sie traurig. Irgendetwas ist zwischen uns. Sie ließ den Kopf hängen. Andererseits kommt mir das vielleicht auch nur so vor. Ich habe wirklich zu viel getrunken. Sie musste mehr als eine Flasche Wein getrunken haben. Und ihr Knöchel schmerzte höllisch.

Kommentare:

Natira hat gesagt…

Agnes und Catherine! Die beiden sind echt nicht zu toppen!

Was Catherine angeht, die mit Bill ja keine Kinder bekommen kann ... Können die beiden nicht zusammen oder er nicht oder sie nicht und was ist mit Joanna? Fragen über Fragen! Drama, Baby, more Drama?!?

Oh... während also Ronan daheim wartet, schaut Jo zu, wie sich Orla einen hinter die Binde gießt und Keiran abschleppt? Oder habe ich da jetzt irgendetwas verpasst? Falls ja, liegt es bestimmt nicht am Whisky *prost btw, Flasche steht auf dem Tisch*, sondern an der Autorin. Und tsetsetse... was ist das denn für ein Kommentar über Deine Leser *hicks*!

Es ist wirklich immer wieder schön zu sehen, wie zwei Menschen ihre Kommunikationsfähigkeit über längere Zeit unter Beweis stellen!

Winterkatze hat gesagt…

Ja, Agnes und Catherine sind wirklich zu liebhaben. :) Und wieso musst du so logisch an die Sache herangehen und dich fragen, wo den die guten Jo nun herkommt, wenn ihre Eltern nicht oder nicht zusammen oder ... ;)

Und was den Jo-Orla-Abend angeht, so zitiere ich mich mal selber: "Während sie verfolgt, wie Orla den Abend lang immer wieder mit dem selben Typen tanzt, kann sie (Jo) nur daran denken, dass sie endlich zu Ronan zurückkehren kann, wenn Orla die Nacht mit ihrem neuen Freund verbringen sollte …"

Ich denke mal, dass Jo heimgegangen ist, als es mit Orla und ihrem Galan intensiver wurde ... *dumdidum* Außerdem weiß ich nicht was du hast, ich mag meine Leser! :D

Ach, Kommunikationsfähigkeit wird überbewertet! Wie sollte man denn so tolle Bücher schreiben können, wenn die Menschen mal richtig miteinander reden würden? ;)

Natira hat gesagt…

Ich habe also tatsächlich nichts verpasst ... und würde mich nicht wundern, wenn Jo ganz masochistisch laaange durchgehalten hat und auch erst kurz vor Orlas alkoholschwangerem Abgang aus der Kneipe gegangen ist, so gerade früh genug, um Orla nicht ins Krankenhaus bugsieren zu müssen :D

Und außerdem: Am Anfang hatte ich noch keine Whisky, kein Wunder also, dass ich dem dezenten Hinweis der Autorin in Richtung auf Jos Abstammung ein paar logische Gedanken widme :D

Winterkatze hat gesagt…

Ich haben zumindest keine weiteren Erklärungen für Orlas Wanken ohne Jo gefunden. Und da Jo ja daheim ein warmes Bettchen erwartete, wird sie wohl nicht zu lange bei Orla ausgeharrt haben. ;)

Ich finde deinen Versuch ohne Wiskey das Kapitelweise durchzuhalten sehr lobenswert! Das könnte gut für deine physische Gesundheit sein. Was für Auswirkungen es allerdings auf deine Psyche hat, ist fraglich. :D

Natira hat gesagt…

*kichert*

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