Da demnächst der zweite Teil (mit dem schönen Titel „Knastpralinen“) um die Staatsanwältin Chas Riley bei mir eintreffen wird, dachte ich, dass es an der Zeit sei „Revolverherz“ mal auf meinem Blog vorzustellen. Ich muss gestehen, dass mich das Cover mit der auffälligen Leuchtreklame doch eine Weile vom Lesen abgehalten hat, obwohl mich ein Hamburg-Krimi, der auf dem Kiez spielt, schon sehr reizte.Aber sehr viel Krimihandlung darf man sich von diesem Roman nicht erwarten, denn vor allem dreht sich das Buch um Chastity „Chas“ Riley – und natürlich um den Hamburger Stadtteil St. Pauli. Als innerhalb kürzester Zeit drei tote Frauen auf dem Kiez gefunden werden, wird Chas mit den Ermittlungen in diesen Fällen beauftragt. Zusammen mit dem Hauptkommissar Faller versucht die junge Frau mehr über die Opfer herauszufinden und zu klären, welche Umstände dafür gesorgt haben, dass sie in das Visier eines Serientäters gelangen konnten.
Dabei hat Chas eigentlich gerade so viel mit ihrem eigenen Gefühlschaos zu tun, dass sie nicht allzu viel Aufmerksamkeit auf den Fall richten kann. Wie es sich für eine etwas klischeebelastete Krimihauptfigur gehört, hatte auch diese Staatsanwältin keine einfache Jugend. Schon als Kleinkind wurde sie von ihrer Mutter verlassen und an ihrem zwanzigsten Geburtstag fand sie die Leiche ihres Vaters. Der hatte freundlicherweise beschlossen, dass dies der perfekte Tag für einen Selbstmord sei. So vorbelastet hat die gute Chas so einige Bindungsängste – was natürlich nicht besser wird, als sie feststellt, dass sie sich in den deutlich jüngeren Nachbarn „Klatsche“(zu diesem Namen verkneife ich mir lieber einen ausführlichen Kommentar) verliebt hat. Aber auch ein durch ihrer Freundin Carla vermitteltes Date mit einem eher unterkühlten Theaterintendanten bringt weitere Aufregung in Chastitys Leben.
Wenn man jetzt mal guckt, wieviel ich zum Krimi und wieviel ich über die Hauptfigur geschrieben habe, dann bekommt man schon ein ungefähres Gefühl über die Gewichtung in diesem Roman. Wer also reine Krimihandlung haben möchte, der sollte die Finger von diesem Buch lassen. Oh, ebenso alle Personen, die es nicht mögen, wenn etwas in der Ich-Perspektive geschrieben wurde! Denn genau aus dieser Sicht erlebt man die ganze Geschichte – und somit auch hautnah Chas gesamtes Seelenleben mit allen Höhen (eher spärlich vorhanden) und Tiefen (in großen Mengen).
Es gibt wirklich viel, was mich an der Handlung gestört hat. So wusste ich schon beim ersten Erscheinen des Täter, dass dieser der Mörders ist. Auch sucht man den Realismus bei diesen „Ermittlungen“ wohl eher mit der Lupe – zumindest gehe ich stark davon aus, dass eine Staatsanwältin mit dieser Arbeitshaltung, die nur ab und an mal für ein paar Minuten in ihrem Büro auftaucht und sich dafür den restlichen Tag eher treiben lässt, schnell gefeuert würde. Auch ihre „besondere Fähigkeit“ sich in die Psyche des Täters hineinzuversetzen hat mir nur ein müdes Gähnen abgerungen. Sorry, aber ich habe einfach schon zu viele (und zum Teil erschreckend schlechte) amerikanische Profiler-Serien gesehen.
Wahrscheinlich fragt ihr euch jetzt, warum ich überhaupt den zweiten Band lesen werde? Es ist so, dass man jeder Seite anmerkt, dass die Autorin sich in St. Pauli verliebt hat und dieses Buch ist eine einzige Liebeserklärung an diesen Stadtteil. Hier kommen auf einmal Details, die mich fasziniert haben und das Bedürfnis weckten, mit diesem Roman in der Hand ein paar Tage in Hamburg zu verbringen und zu gucken, wie die beschriebenen Ecken wirklich aussehen. Von der eher konservativen Wohngegend über die einschlägigen Viertel bis zum Hafen wird man in dieser Geschichte geführt und empfindet – dank dieser liebevollen Darstellungen – eine gewisse Zuneigung zu diesem Teil der Stadt.
Da sich diese Liebe zu St. Pauli durch das ganze Buch zieht, konnte ich die eher belanglose Krimihandlung ein wenig zur Seite drängen und mich auf diesen Part konzentrieren. So gesehen übte „Revolverherz“ einen gewissen Reiz auf mich aus. Und während ich sonst mit allzu blumigen Beschreibungen nur wenig anfangen kann, empfand ich einige der ungewöhnlichen Vergleich der Autorin als sehr stimmungsvoll. Ebenso wie die Dialoge, die für meinen Geschmack gerade genug Dialekt aufwiesen, um atmosphärisch zu sein, ohne dass die Lesbarkeit darunter litt. So bin ich gespannt, wie Simone Buchholz die zweite Geschichte um Chas Riley angelegt hat und hoffe ein wenig, dass auch dieses Buch eine Liebeserklärung an St. Pauli sein wird - und vielleicht trotzdem etwas mehr Realismus aufzuweisen hat.













