Freitag, 29. Oktober 2010

[Kapitelweise] Linda Kavanagh: Meinem Herzen so nah (Kapitel 35)


Kapitel 33 und 34 haben uns nicht gerade viele neue Erkenntnisse gebracht, abgesehen davon, dass Joanna und Tom sogar für ein bisschen Flirten zu ungeschickt sind … Während sich Jo erst tagelang auf das Treffen mit Tom freute, eierte sie dann den ganzen Abend um den Angebeteten herum – und bevor es dann doch endlich zu einem Kuss kommen konnte, rief auch noch die Sekretärin Mary an, deren krimineller Sprössling dem Nachbarn ein Radio geklaut hatte …

Perspektivwechsel: Kapitel 35 wird aus der Sicht von Colette und Ivan erzählt

Colette und Ivan haben gerade einen etwas unerfreulichen Abend im Separee eines der teuersten Dubliner Restaurants hinter sich gebracht. Colette ist vor kurzem erst aus England zurückgekommen und fühlt sich weder physisch noch psychisch wohl – vor allem hat es sie doch belastet, dass sie ihr gerade geborenes Baby zur Adoption freigeben musste. Aber auch der Gedanken, dass Ivan sich so kurz nach der Geburt wieder mit ihr vergnügen könnte, schreckt sie ab. Also zickt sie rum, um ihm die Lust auf Beischlaf zu nehmen.

Ivan hingegen ist sauer: Erst musste er drei Monate auf Colettes Dienste verzichten und nun stürzt sie sich nicht gleich in seine Arme, um ihm gefällig zu sein – von der Geburt weiß der Kerl ja nix, seine Geliebte sollte ja eigentlich abtreiben ... Und während er sich auf dem Rücksitz mit Colette zankt, ist er vor allem erleichtert, dass sein Chauffeur Paddy so ein verschwiegener Mensch ist. Teuer, aber verschwiegen!

Während sich Colette noch künstlich darüber aufregt, dass Ivan sich nie mit ihr in der Öffentlichkeit zeigen lässt, obwohl sie sich doch immer so hübsch für ihn macht, macht die junge Dame einen dummen Fehler:


"Harry findet mich immer hübsch", flötete Colette und sah Ivan herausfordernd an.
"Harry, welcher Harry?"
"Harry Sweeny, der Held der Arbeiterklasse!"


Argh, "der Held der Arbeiterklasse" – nun ja, sagte ich schon, dass sie jung und dumm ist? ;)

Während Ivan puterrot anläuft, plaudert Colette unbefangen weiter. Ja, natürlich würde sie Harry kennen, schließlich sei er ihr Schwager und Harry wäre der Meinung, sie würde nur ihre Zeit mit Ivan verschwenden und natürlich sorgt das dafür, dass Ivan der Schreckliche ausfallend wird.


"Verdammt, Colette!", explodierte Ivan. "Wieso hast du mir das nicht gesagt, du dämliche Nutte? Glaubst du im Ernst, ich hätte dir eine Wohnung eingerichtet, wenn ich gewusst hätte, dass du mit diesem Bastard verwandt bist?"


An diesem Punkt erkennt auch Colette, dass sie sich mit ihrem Geplapper in die Nesseln gesetzt hat und versucht Ivan davon zu überzeugen, dass sie Harry ja kaum kennt, er ist ja nur mit ihrer Schwester verheiratet und sowieso hat sie ja fast gar keinen Kontakt zu ihrer Familie, auch wenn Harry manchmal vorbeikommt und guckt, ob es ihr gut geht …


"Verdammt noch mal, soll das heißen, er kennt die Wohnung?" Jetzt geriet Ivan erst richtig in Rage. "Und vermutlich hast du ihm auch Informationen über meine Geschäfte gegeben! Du kleine, falsche Schlange! Du hast dich an mich herangemacht, um mich für diesen Bastard auszuhorchen. Du hinterhältiges Luder!"


(Kleiner Einschub: Sollte dieser paranoide Kerl wirklich so blöd sein und seiner kleinen, dummen Geliebten Geschäftsgeheimnisse im Bett anvertraut haben? *tststs*)

Colette leugnet natürlich, dass sie Harry irgendwas gesagt hat – was Ivan nur noch wütender macht.


Wutendbrannt packte Ivan Colette bei den Haaren. Als sie aufschrie, schlug er ihr ins Gesicht. Paddy bekam die Szene auf dem Rücksitz natürlich mit, hatte aber gelernt, über Ivans etwas raue Art im Umgang mit Frauen kommentarlos hinwegzusehen.
"Ivan, bitte. Hör auf. Du tust mir weh!"
Ivan griff Colette an den Hals. "Ich kann nicht glauben, dass du mir so etwas antun konntest. Nach allem, was ich für dich getan habe. Du weißt genau, wie sehr ich diesen Bastard hasse! Vielleicht lässt du dich von ihm ja auch ficken!"
"Nie im Leben! Hör auf, Ivan. Du tust mir wirklich weh!"
"Du hast meine Großzügigkeit ausgenutzt, ohne mit der Wimper zu zucken. Ohne mich würdest du heute noch auf der Straße stehen."
Ivans Finger verkrampften sich um Colettes Hals. Ihre Augen traten hervor. Ein schwaches Gurgeln kam aus ihrem Mund.
Er schüttelte sie wie besessen, als plötzlich ihr Kopf zur Seite fiel. "Mach’s Maul auf, du verdammte Hure! Warum hast du …"


Nachdem Colettes lebloser Körper vom Sitz gleitet, fällt sogar Ivan auf, dass mit seiner Geliebten etwas nicht stimmt. Seine erste Reaktion ist ein Hilferuf in Richtung Paddy!

Der fragt erst einmal ganz cool nach, ob die Frau wirklich tot ist, und schlägt dann vor, dass er mit dem Wagen noch ein paar Runden um den Block dreht, damit sie Zeit zum überlegen haben. Er ist es dann auch, der seinen Boss fragt, ob dieser vielleicht irgendwas in der Wohnung seiner Geliebten gelassen haben könnte, was als sein Besitz identifiziert werden könnte. Erst meint Ivan empört, dass er doch nicht so dumm sei, dann fällt ihm sein Aftershave ein … (Äh, ja, eindeutig! Es ist bestimmt eine Sorte, die nur von Ivan Kilmartin genutzt wird … )

Während Ivan die Leiche wieder auf seinen Sitz zieht und so tut, als ob er mit seiner "betrunkenen" Freundin kuscheln würde, plant Paddy schon alles notwendige, um Colettes Wohnung zu präparieren, damit nichts auf Ivan hinweisen könnte. Blöderweise steht vor Colettes Haustür eine Frau und klingelt natürlich bei der Wohnung der gerade Verstorbenen. Also müssen die beiden Männer mit der Leiche noch eine Runde durch die Gegend fahren …

Beim zweiten Versuch ungesehen vor dem Haus zu halten, sind sie erfolgreicher – und während Ivan weiterhin so tut, als ob er mit der toten Colette "beschäftigt" wäre, schlüpft Paddy in seine Latexhandschuhe und durchstöbert die Wohnung. Schlau wie er ist, macht er sogar sein Taschentuch nass und wischt damit über jede glatte Fläche in der Wohnung, auch wenn das etwas Zeit kostet. Dabei sieht er auch einen Stapel Papiere mit Harrys Namen darauf, den er natürlich in der Wohnung lässt – vielleicht könnte man so dem verhassten Gewerkschaftler eines auswischen, wenn in einigen Tagen die Wohnung vor Polizei nur so wimmeln wird.

Nur eine Sache konnte der schlaue Paddy nicht vorhersehen: Als er die Wohnung verlassen will, sieht er sich Auge in Auge mit der jungen Frau, die vorher bei Colette geklingelt hatte!

Die junge Dame ist sehr misstrauisch, als sie Ivans Chauffeur (ja, sie hat ihn erkannt) in Colettes Wohnung vorfindet, aber Paddy kann sie davon überzeugen, dass er auch zum Sicherheitsdienst gehört und deshalb die Wohnung von Ivans Geliebter mit Handschuhen durchsuchen müsste. Als er aus ihr herausbekommt, dass sie 1. anschaffen geht und 2. gehofft hatte, dass ihr Colette Geld leihen könnte, schiebt er ihr ein paar Schein rüber und lässt sich von ihr ihre Adresse geben. Wenn sie brav den Mund halte, dann könne er vielleicht etwas für sie tun. Schließlich sei sie ja ein hübsches Mädchen und hätte eine eigene Wohnung und ein festes Einkommen verdient …


Ein Hoffnungschimmer stahl sich in die Augen der jungen Frau: "Wunderbar!"
"Ich lasse von mir hören. Übrigens: Sind Sie clean?"
"Wie bitte?"
"Haben Sie irgendwelche Geschlechtskrankheiten?"
Die junge Frau errötete. "Liebe Güte, nein." Sie hoffte, dass er nicht bemerkte, wie peinlich ihr diese Frage war, schließlich war sie gerade wegen einer merkwürdigen Sache mit dem Namen Chlamydien in Behandlung.


Schon erstaunlich, wie detailliert Paddy in einer solchen Situation noch eine Prostituierte befragt – ich bin wirklich beeindruckt! ;D

Dafür ist sein Boss deutlich weniger von Paddy hingerissen, schließlich hockt er schon seit unglaublich langer Zeit neben einer Leiche in einem Auto. Abgesehen von seiner Angst vor Entdeckung, fühlt sich Colette inzwischen schon etwas unappetitlich an – und so macht Kuscheln wohl keinen Spaß. Naja, ich will ehrlich sein: Ivan hat vor allem Angst, dass die Leichenstarre einsetzen könnte und sie die Tote nicht mehr problemlos aus dem Auto bekommen.

Aber Paddy hat auch schon damit seine Erfahrungen gemacht und kann Ivan beruhigen: Die Leichenstarre tritt nicht so schnell ein – und überhaupt hat er inzwischen einen perfekten Plan, wo man ihr Opfer loswerden könnte. Also ruft Paddy vom Autotelefon seinen Sohn an und lässt sich berichten, was der den Abend über im Phoenix Park gesehen hat. Dann wird der junge Mann auch noch aus dem Bett gejagt, damit er Papa den genauen Standort von Harrys Auto verraten kann – und beschlossen, dass das der perfekte Ort sei, um die tote Colette loszuwerden …

Kommentare:

Natira hat gesagt…

Ivan und Paddy sind wirklich reizende Zeitgenossen! Langsam erfährt man also von den Hintergründen für Harrys Anklage... Und irgendwie muß ich an die seltsame Frau bei der Beerdigung denken...

Winterkatze hat gesagt…

@Natira: Was für einen Verdacht hast du denn bei der Frau? Und ich bin beeindruckt, dass du die Dame noch in Erinnerung hast! :)

Und Ivan und Paddy werden dir in den nächsten Wochen noch mehr ans Herz wachsen ... ;)

Natira hat gesagt…

oh ehrlich... so wie Declan? *gedanklich eine Flasche Whiskey auf die Einkaufsliste setzt*

Was die Frau angeht: Ich hoffe hier auf einen Zusammenhang zwischen der Türzeugin und der Beerdigungsbesucherin. Aber Du wirst wohl nichts verraten, tippe ich, nicht mal, ob ein Zusammenhang besteht?

Winterkatze hat gesagt…

Hm, anders als Declan - der ist ja einfach nur zu doof zum ... also ... für alles! Ivan und Paddy sind dumm und böse! ;)

"Ich hoffe hier auf einen Zusammenhang zwischen der Türzeugin und der Beerdigungsbesucherin. Aber Du wirst wohl nichts verraten, tippe ich, nicht mal, ob ein Zusammenhang besteht?"

Ich sach nix ... *dumdidum* :D

Natira hat gesagt…

*die gedankliche Notiz wird zu einer reellen :)*

gemein!

Winterkatze hat gesagt…

Hey, ihr habt mir alle glaubhaft versichert, dass es nicht meine Schuld ist, wenn ihr zur Flasche greift - also weise ich dein "gemein" mal weit von mir! ;)

Natira hat gesagt…

Das "gemein" bezog sich auf "ich sach nix", die Flasche auf Ivan und Konsorten. Du bist also weiterhin nicht Schuld an meinem Whiskey-Konsum *lach*

Winterkatze hat gesagt…

Ach, ein bisschen Spannung muss ich bei einer so langen Geschichte doch aufbauen, sonst springt ihr mir alle reihenweise ab! ;)

Natira hat gesagt…

ok, ok , ich werde mich gedulden ...
:D

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