Freitag, 3. September 2010

[Kapitelweise] Linda Kavanagh: Meinem Herzen so nah (Kapitel 22)


Achja, Kapitel 21 lässt sich eigentlich wieder mit „Declan ist ein Idiot“ zusammenfassen, aber so einfach möchte ich es mir dann doch nicht machen. ;) Da Declans großartiger Plan wieder bei Orla zu landen sich nicht durchführen ließ, musste er Sasha wieder etwas Honig ums Maul schmieren. Also versprach er ihr einen wunderschönen Rosenstrauß (nämlich den, den er frustriert hinter Orlas Apartmenthaus weggeworfen hatte), was dazu führte, dass Declan auf einer Stierwiese nach den Blumen suchte. Doch da der Stier eine spontane Abneigung gegen den unerwünschten Besucher gefasst hat (so wie eigentlich jeder Leser dieses Buches Declan nicht ausstehen kann), nahm er den tollen Kerl ein bisschen auf die Hörner, während Orla sich einen gemütlichen Abend mit Diät-Tiefkühl-Lasagne, Schokokeksen und einem Krimi machte.

Perspektivwechsel: Kapitel 22 wird aus der Sicht von Doc Gary erzählt

Doc Gary hat eine harte Schicht im Krankenhaus hinter sich gebracht, in der er „nicht wenige Notfälle“ zu behandeln hatte – soviel zu Orlas Frage, ob Krankenhausärzte wirklich soooo viel arbeiten, dass sie nicht einmal anrufen können.

Außerdem macht sich Gary Gedanken um seinen Hund Bruce. Der arme Kerl lebt nicht nur schon seit Stunden von Trockenfutter und hätte jetzt bestimmt Lust auf eine andere Mahlzeit, über ihm hängt ja auch drohend das Fallbeil, da die Nachbarin behauptet hat, der Hund hätte sie gebissen.

Leider kann der Doc aber noch nicht zu seinem armen Boxer eilen, denn der Assistenzarzt, der die nächste Schicht übernehmen soll, ist noch nicht eingetroffen. Die Wartezeit auf den Kollegen vertreibt sich Gary mit folgenden Gedanken:

- Gut, dass ich so viel zu tun hatte, so konnte ich nicht ständig an Orla denken.
- Orla ist sooo reizend.
- Ich will sie anrufen, ich will ein Date!
- Ich bekomme kalte Füße.
- Ich melde mich, wenn die Geschichte mit Bruce vorbei ist.
- Schließlich ist Orlas beste Freundin Jo meine Anwältin, wäre ja peinlich, wenn der Annäherungsversuch schief geht und ich dann noch ständig wegen Bruce mit Jo zu tun hätte.
- Wirklich peinlich.
- Ich rufe Orla morgen an.
- Sie ist sooo reizend!
- Und außerdem ist sie einfühlsam, auch wenn sie das vermutlich nicht jedem Menschen zeigt …
- Ich bin müde.

Okay, bislang dachte ich immer noch, dass Gary ein Lichtblick in dieser Geschichte voller seltsamer Personen sei, aber so langsam beginne ich zu zweifeln.

Bevor der Doc und ich weiter unseren Gedanken nachhängen können, wird ein Mann in die Notaufnahme eingeliefert. Der Typ ist nur mit einem Slip bekleidet und hält seine zerfetzte Hose in der einen Hand, während die andere seine empfindlichste Stelle beschützt. Ach, wer mag das denn nur sein?


„Helfen Sie mir, Herr Doktor! Ich glaube, meine Eier sind weg!“, begann er zu jammern, als er das Stethoskop um Garys Hals sah. „Ich spüre gar nicht das unten, aber weh tut es trotzdem.“

Während Gary sich wünscht, dass seine Ablösung doch früher eingetroffen wäre, damit er sich mit dem Idioten nicht befassen müsste, lässt er sich vom Sanitäter darüber aufklären, dass sein Patient mitten in der Nacht Torero gespielt hat. Und dann war er noch so klug und hat sich von den Sanitätern nicht untersuchen lassen, sondern nur sein bestes Stück festgehalten und gejammert. Aber die Herren vom Fach vermuten, dass die Verletzungen nicht so schlimm sind, wie der Patient gerade annimmt. Um den Verletzten etwas abzulenken, fragt Gary, wie es denn überhaupt zu diesem Unfall gekommen ist.


„Das ist eine lange Geschichte“, murmelte der andere. „Aber ich habe ja solche Schmerzen, Doktor, vorne und hinten. Ist auch wirklich alles in Ordnung mit mir? Es kann doch wohl nicht sein, dass ich mein Ding verlieren, oder?“

Doch Gary sieht nach einem professionellen Blick (und einer aufgeschnittenen Unterhose), dass sein Patient nicht lebensbedrohlich verletzt ist. Ein paar Pflaster, ein paar Stiche, etwas Schmerzmittel und eine Tetanusspritze sollten zur Versorgung vollkommen ausreichen. Und während Gary die Behandlung vorbereitet, fragt die Schwester nach den Daten des Patienten.

Dass es sich dabei um Declan handelt, wird ja wohl keinen mehr überraschen, auch wenn ich befürchte, dass die Autorin erst jetzt mit dem Namen rausrückt, um den Lesern einen „Aha“-Effekt zu bieten. Um seine Zuhörer noch etwas zu beeindrucken, fügt Declan auch noch an, dass er als Journalist beim „Evening Dispatch“ arbeitet. Und da er vom Bauern erfahren hatte, dass Orla ihn alarmiert hatte, hofft der Idiot immer noch auf eine traute Wiedervereinigung mit seiner Ex und gibt ihre Adresse als seine an. Das wiederum lässt unseren Doc aufhorchen, da ihm Orla anscheinend ihre Anschrift genannt hatte – und er beschließt, dass er sie auf jeden Fall heute noch anrufen wird!

Während Gary die Nadel bereit macht, um den Verletzten zu nähen, plaudern die beiden Herren weiter. Vor allem interessiert es den Arzt ja schon, was dieser Typ denn mitten in der Nacht auf einer Stierweide zu suchen hatte. Doch Declan ist inzwischen soweit beruhigt, dass er sich weniger Gedanken um seine Standfestigkeit als um seinen Ruf macht:


„Ich arbeite gerade an einer Story über Futtermittelskandale in der Landwirtschaft“, flüsterte er Gary zu. „Aber im Moment kann ich gerade nicht mehr dazu sagen.“

Der Doc ermutigt Declan zu weiteren Plaudereien zum Thema „Journalismus ist ein aufregendes Geschäft“, damit er in Ruhe nähen kann.


„Oh ja“, gab Declan zur Antwort. „Es ist ständig etwas anderes los. Und als Journalist steht man immer im Brennpunkt des Geschehens, dort, wo die Nachrichten entstehen. Heute ist es ein Sexskandal morgen ein Unfall oder ein Großbrand.“ Er zog eine Grimasse. „Aber für uns Vertreter der Vierten Gewalt ist so etwas das tägliche Brot.“


Gary hält dieses dumme Geschwätz nicht länger durch und versucht das Thema zu wechseln. Ich bin ihm ja sehr dankbar dafür, aber ich hasse die Autorin jetzt schon für die Wendung, die diese Geschichte gleich nehmen wird:


„Kennen Sie vielleicht Orla Rogan?“, fragte Gary.
„Orla?“, antwortete Declan verblüfft. „Aber natürlich. Sie ist meine Verlobte! Auuu!“

Tja, die Aussage hat wohl gleich zwei Männer getroffen: Doc Gary ins Herz und Declan mitten in … äh … den Hintern. :D


Tatsächlich verspürte der Arzt mittlerweile den brennenden Wunsch, Declans große Klappe mit ein paar Nähten dauerhaft zu schließen.

Verständlich, aber da das doch gegen die Berufsehre verstoßen würde, entlässt Gary seinen Patienten in die professionellen Hände der Krankenschwester.

Mit einer Mischung aus Erleichterung (jetzt muss er ja nicht mehr seinen Mut zusammenkratzen und sie anrufen) und Ärger (Wie kann diese tolle Frau mit so einem Idioten verlobt sein?) versucht der Doc sich Orla aus dem Kopf zu schlagen. Da hilft es ihm immerhin, dass sein Assistenzarzt endlich zur Arbeit eintrifft und sich von ihm runtermachen lässt.

Doch so richtig böse kann er dem Kollegen nicht sein, da dieser eine gute Entschuldigung für die Verspätung hat: Kind Nummer eins wollte nicht einschlafen, dabei ist Frauchen doch mit Kind Nummer zwei schwanger – und ihr war so übel.


Gary schwieg und zeichnete den Dienstplan ab. Manche Menschen hatten einfach Glück im Leben. Sie hatten ein Heim und eine Familie. Er aber würde, wenn er Pech hätte, vielleicht bald nicht mal mehr einen Hund haben.

Kommentare:

Irina [Bücher über alles] hat gesagt…

Ich glaube, ich will nicht wissen, was der Onkel Doc dem heldenmutigen Torrero da (an)näht! *lol*

Besonders spannend sind ja Declans Ausführungen zum Journalismus, der "vierten Gewalt im Staate". Oh Mann … Natira, hast du vielleicht nen Whisky für mich? Ich brauch dringend nen Scotch. Sofort. *umfall*

Winterkatze hat gesagt…

@Irina: Ich überlasse das mal deiner Fantasie ... :D

Ohje, muss ich dich jetzt auch noch vor der Flasche bewahren? Die Wirkungen meiner "Kapitelweise"-Beiträge machen mir Angst. ;)

Irina [Bücher über alles] hat gesagt…

Und als wär dein Declan nicht schon schlimm genug, gibt mir jetzt auch noch die Übersetzung von "Kate und Leah" den Rest! *lol*

Hat es Frau Kavanagh eigentlich auf mehr als ein Buch gebracht?!

Winterkatze hat gesagt…

Ohje, wir sollten in Zukunft vielleicht lieber qualitativerer Bücher lesen. ;)

In Deutschland ist nur das eine rausgekommen, aber wenn ich mich recht erinnere, dann war es schon der zweite Roman von der Autorin - und bei Amazon.uk finde ich mindestens vier Titel von ihr. :D

Natira hat gesagt…

"Helfen Sie mir, Herr Doktor! Ich glaube, meine Eier sind weg!“, begann er zu jammern, als er das Stethoskop um Garys Hals sah. „Ich spüre gar nicht das unten, aber weh tut es trotzdem.“

URGH ! *Irina einen schottischen Glenfiddich hinüberreicht und das Glas zum Anstoßen erhebt*

Declan ist so eine taube Nuss! Und der Doc hat ja auch einen an der Waffel (obwohl mir sein Impuls, Declan die Klappe zuzunähen, sehr gefällt).Will Orla-Weibchen erst nicht anrufen, weil es ja peinlich sein könnte, wenn es nicht würde mit Orla und er weiterhin mit Jo Kontakt habe (!?!). Dann entschließt er sich sofort für einen Anruf, weil ein wildfremder Mann Torero gespielt hat und Orla den Notdienst angerufne hat. Was will er? Sich vergewissern, daß der Stier nicht durch Orlas Wohnung getrabt ist und sich über die TK-Lasagne oder die Schokolade hergemacht hat? Und peinlich wäre es dann ja wohl auch nicht mehr, wenn es nichts würde mit Orla und er weiter Kontakt zu Jo haben müßte ...

*mit dem Kopf auf die Tastatur knallt, danach einfach noch einen Glenfiddich zum Schmerzstillen trinkt und überlegt, ob Irina ihr dabei Gesellschaft leisten möchte*
:)

Winterkatze hat gesagt…

@Natira: Ich glaube, Gary sah es nur als Zeichen, dass sein Patient im gleichen Apartmenthaus wohnt und wollte Orla deshalb nun doch anrufen. Und nach einem Blick auf Irinas letzte Zitate (ich sage nur Flechten und Grasen!) hätte ich auch gern einen Schluck von dem Glenfiddich - darf ich?

Ohje, ich weiß, warum ich euch Declan und seine Freunde immer vor dem Wochenende zukommen lasse: Ihr braucht die freien Tage zum Erholen! :D

Irina [Bücher über alles] hat gesagt…

Bin schon zur Stelle, Natira! Ungeachtet der Uhrzeit ist es angesichts der ganzen Schwachsinnigkeiten von Kavanagh (und auch Frau Green, die Flechten und das Grasen verbrochen hat) definitiv NICHT zu früh für einen Glenfiddich. *Glas heb*

SusiB hat gesagt…

He, ihr gebt mir ja ein schönes Beispiel ab. "Von Büchern in den Suff getrieben". Tsktsk. Wobei es schon gut ist, daß das nur eine fiktive Geschichte ist. Wenn es in Irland tatsächlich soviele Freaks und Idioten gäbe, wäre diese Insel zweifellos schon vor Scham im Meer versunken!

Andererseits - Vielleicht sollte man gleich ein Linda Kavanagh-Trinkspiel erfinden? Joanna sitzt in ihrer Kanzlei, arbeitet aber nicht: einen Schluck trinken. Joanna sitzt in ihrer Kanzlei, arbeitet nicht, ruft Orla an und hält auch diese von der Arbeit ab: zwei Schlucke. Declan stellt etwas dämliches an: eine Runde Strohrum für alle...

Winterkatze hat gesagt…

@Susi: So ein Trinkspiel würde aber nach jedem Kapitel zu einem Leber- und Nierenversagen führen. Das könnte ich nicht verantworten!

"Wenn es in Irland tatsächlich soviele Freaks und Idioten gäbe, wäre diese Insel zweifellos schon vor Scham im Meer versunken!"

Oh, wenn du meinen Mann hören könntest, wenn er von seinen Irlandzeiten erzählt, dann müsstest du befürchten, dass genau das mit der Insel bald passieren wird. ;)

sayuri's exile hat gesagt…

Huch, mein Kommentar ist verloren gegangen - also nochmal aus der Erinnerung...

"Es kann doch wohl nicht sein, dass ich mein Ding verlieren, oder?“
Es kann doch wohl nicht sein, dass das wirklich da steht? Nicht, das es mich überraschen würde, aber irgendwie... doch, irgendwie schon.
Liebe Winterkatze: Respekt, dass Du dieses Buch liest und sogar uns noch mit diesen amüsanten Zusammenfassungen versorgst. Dein Mut ist unbeschreiblich! Liest Du das Buch jetzt schon das 2. Mal oder weisst Du auch noch nicht, wie es spannenderweise ausgehen wird?

Winterkatze hat gesagt…

@Sayuri: Argh, verlorene Kommentare sind doof!

Und doch, das steht genauso da! Willst du ein Beweisfoto? ;)

Ich lese das Buch zum zweiten Mal. Beim ersten Durchlesen hat mich das Entsetzen eher langsam gepackt, weil sich der Roman wirklich schnell runterlesen lässt und ich mich erst einmal nicht so an Details aufgehalten habe. Aber nach jedem Kapitel schimpfte ich lauter vor mich hin. ;D

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