Freitag, 9. Juli 2010

[Kapitelweise] Linda Kavanagh: Meinem Herzen so nah (Kapitel 9+10)


Im achten Kapitel durften wir einen typischen Tag im Leben einer vielbeschäftigten Anwältin erleben: Shoppen, Spazierengehen und ein Ausflug auf den Friedhof. Doch viele neue Erkenntnisse gab es nicht gerade – nur die Information, dass die verstorbene Agnes 35 Jahre lang wöchentlich das Grab von Harry Sweeney besuchte und für alle Kosten dafür aufkam. Aber bestimmt bringen die nächsten Kapitel aufregende Ereignisse! Naja, man soll die Hoffnung schließlich nicht aufgeben …

Perspektivwechsel: Kapitel 9 wird aus der Sicht von Catherine erzählt

Dieses Kapitel lässt sich in wenigen Sätzen zusammenfassen:

Catherine ist im Pflegeheim und total verwirrt. Sie spürt, dass etwas nicht in Ordnung ist, und ist sich bewusst, dass sie nicht mehr so gut denken kann wie früher. Dabei muss sie doch wichtige Geheimnisse bewahren! Vor allem fürchtet sie, dass Joanna diesen Geheimnissen auf der Spur ist – ihre Tochter, auf die sie so stolz ist, denn immerhin hat sie inzwischen eine eigene Kanzlei (nur gut, dass die Mutter nicht weiß wie unfähig sich die Anwältin anstellt). Außerdem wird ganz dezent (dafür hat die Autorin wirklich ein Händchen *g*) angedeutet, dass sich Catherine und Bill die Ausbildung für Joanna nicht hätten leisten können, aber Agnes war bereit zu helfen …

Kapitel 10

Der Tag von Agnes Beerdigung: Tom hadert ganz schrecklich damit, dass seine Mutter nun neben Harry begraben wird – vor allem, da sein Vater nur eine Reihe weiter in einem sehr hübschen Grab liegt und Tom sich fragt, wie er diesen seltsamen Wunsch seiner Mutter den anderen Trauernden erklären soll.

Achja, ein wenig traurig ist der Sohnemann auch, aber im Moment habe ich eher das Gefühl, er macht sich mehr Sorgen darum, was „die Leute sagen“ könnten. Da bei der Trauerfeier in der Kirche an die Tausend Leute (vor allem Geschäftsfreunde von Ivan Kilmartin) waren, hat er vielleicht recht damit, dass es Gerede geben könnte. Immerhin sind nur 30-40 Personen mit bis zum Grab gekommen und Joanna stellt fest, dass es sich dabei um Freunde der Familie handelt und ist sich sicher, dass es ihnen gar nicht auffallen wird, dass Agnes im falschen Grab landet. Oh, und wenn es ihnen doch auffällt, dann sind sie bestimmt viel zu rücksichtsvoll, um Tom darauf anzusprechen! Ja, ich finde den Gedanken auch viel beruhigender, dass hinter dem Rücken getratscht wird, statt eine direkte Frage beantworten zu müssen …

Joanna hingegen macht sich vor allem Sorgen um Toms Reaktion bei der noch anstehenden Testamentseröffnung, denn dann erst wird er über die seltsame „Nachkommen“-Klausel informiert.

Doch bevor es soweit ist, gönnt uns die Autorin noch einen „Kameraschwenk“ zu einer älteren Dame, die der Beerdigung versteckt hinter einer Eibe beiwohnt und sich mit einem Taschentuch die Tränchen aus den Augenwinkeln wischt.

Arme Agnes, dachte sie. Arme, stolze, wohlerzogene, großzügige Agnes. Und armer Harry. Nun waren sie endlich vereint. Sie freute sich, dass sie ihnen geholfen hatte, wenigstens ein bisschen Zeit miteinander verbringen zu können. Schließlich hatte auch sie bekommen, was sie gewollt hatte.


Oh, eine rätselhafte Unbekannte, die anscheinend über ALLES Bescheid weiß! Na, wenn das nicht mal richtig spannend ist!

Nachdem die Dame noch darüber sinniert, dass sie sich nicht zur Trauergesellschaft begeben kann, weil eine Person darunter sei, die sie wiedererkennen würde, fragt sie sich, ob Agnes ihren Sohn noch über die Testamentsklauseln und die Hintergründe bezüglich der Beerdigungswünsche informieren konnte. Und aus ihrer Perspektive erfahren wir auch, dass Joanna und Tom am Grab Händchen halten …

Der nächste Morgen beginnt mit einem Anruf von Orla in Joannas Kanzlei. Anscheinend hatte Jo an diesem Tag mal keinen Grund gefunden, um der Arbeit fern zu bleiben. Immerhin bekommt sie so von Orla gleich den Tag versüßt, da diese ihr endlich mehr über Harry erzählen kann:

- Harry Sweeney wurde in den siebziger Jahren (hm, starb er nicht 1970?) wegen Mordes an einer jungen Frau namens Colette Devane verhaftet.
- Colette war die Schwester seiner Ehefrau.
- Laut Orla sieht Harry auf den alten Zeitungsfotos sehr gut aus und war damals etwa Mitte Dreißig (ja, wir wissen schon, dass er nur 35 Jahre alt wurde).
- Und er hatte einen „unglaublichen schwarzen Wuschelkopf“.
- Harry wurde ins Mountjoy-Gefängnis gebracht.
- Noch bevor der Fall vor Gericht kam, erhängte er sich mit einem Betttuch.

Was für Joanna quasi einem Geständnis gleicht, doch Orla hat noch mitzuteilen, dass Harry immer seine Unschuld beteuert hatte. Allerdings hatte er für die Mordnacht kein Alibi, stattdessen gab es einen Zeugen, der beschwor, dass er gesehen hätte, wie Harry Colette im Phoenix Park erwürgt habe. Außerdem wurde am Tatort eine Zigarettenkippe von Harry gefunden und in Colettes Appartement lagen Papier von ihm rum.

Fragt sich eigentlich noch jemand, warum der Zeuge die Tat nicht verhindert hat?

Außerdem:
- War Harry anscheinend verheiratet … (Liebe Autorin, dass hatten wir uns schon gedacht, denn sonst hätte die Tote ja wohl schlecht die Schwester seiner Ehefrau sein können!)
- … und seine Frau ist schon einige Wochen vor der Tat verschwunden!
- Ein Vorname der Ehefrau ist in den alten Zeitungsberichten nicht zu finden, …
- … aber Jo und Orla schließen aus der Tatsache, dass Colette ihre Schwester war, dass Harrys Frau mit Mädchennamen Devane geheißen haben müsste. (Wow, da haben sich die beiden aber mal richtig Mühe gegeben!)
- Von Beruf war Harry übrigens Gewerkschaftsfunktionär.
- Oh, und der Name des Belastungszeugen ist in den Berichten nicht zu finden, aber Orla will weiterforschen.

Danach beweist Joanna mal wieder, dass sie eine richtig gute Freundin ist und bittet die Journalistin darum, dass sie ihr gleich das ganze Material kopiert. Doch diese hat – trotz Kater und Rechercheaufgaben – noch immer nicht die Restaurant-Kritik geschrieben (dabei ist das doch schon mindestens drei Tage her! *tststs*) und sollte so langsam mal was für ihren Job tun. Bei der Erinnerung an das Abendessen fällt Jo dann doch ein, dass Orla ja auch noch andere Probleme hat und fragt mal nach, wie es der Freundin so geht.

Orlas Antwort fällt anscheinend etwas „höhnisch“ aus, aber immer hat sie zu vermelden, dass sich ihre Mutter, mit der sie am Vormittag telefoniert hatte (meine Arbeitgeber waren auch immer sehr glücklich, wenn ich meine Arbeitszeit mit Privatgesprächen verbracht habe … ) sehr über die Trennung von Declan freut. Schließlich habe sie ihn noch nie gemocht. Hach, endlich mal eine Frau mit Geschmack und Menschenkenntnis – wie hat die sich in diesen Roman verirren können?

Um für euch auch all die komplizierten Wendungen im folgenden Dialog nachvollziehbar zu gestalten, gibt es hier eine stark geraffte(!!!) Fassung:

O: „Buhuuu, meine Mutter quengelt schon wieder, dass ich sie besuchen soll! Da ist sie gerade noch hartnäckiger als sonst!“
J: „Das solltest du aber auch tun. Immerhin kannst du mit ihr noch reden, was ich mit meiner nicht mehr kann, weil sie ja so verwirrt ist.“
O: „Du hast wohl recht.“
J: „Ist es mit dir und Declan wirklich aus?“
O: „Natürlich! Man weiß ja nie, wann er wieder einem dicken Hintern verfallen würde (was anscheind der einzige Grund ist, um nicht sofort wieder in die Arme dieses Mannes zu sinken – oder versteht ihr diese Aussage anders?). Ich muss also wieder ein paar neue Männer aufreißen. Gehst du mit? Du sitzt doch auch auf dem Trockenen!“
J: „Aber dazu bin ich doch zu alt!“
O: „Ich bin ein ganzes Jahr älter als du! Du bist feige!“
J (sucht eh einen Grund, um nicht die ganze Nacht an Tom zu denken): „Na gut, du hast gewonnen. Aber ich kann nicht jeden Morgen mit einem Kater zur Arbeit kommen. Ich muss schließlich neue Klienten gewinnen (oh, das ist ihr wirklich bewusst?)“
O: „Die findest du doch ganz bestimmt unter den Besoffenen, die ihren Kummer in der Kneipe ertränken (sehr guter Rat, wirklich Orla, so findet man als ernsthafte Anwältin bestimmt einen großartigen Kundenstamm!).“

Joanna befürchtet, dass sie dort weniger Klienten als … ähm … Bettgefährten finden würde, trotzdem sei der Gedanke ja nicht so abwegig. Zum Glück muss Orla noch einen Artikel über das Jubiläum eines Klatschmagazins schreiben – zu diesem Anlass gibt es eine Party mit langweiligen Kerlen. Also perfekt für einen Aufreiß-Abend … ähm … Immer hofft Jo, das sie vielleicht eines Tages als „die berühmte Dubliner Anwältin Joanna Brennan“ in den Klatschspalten auftauchten könnte (ich will lieber nicht wissen, wofür sie dann berühmt wäre), auch wenn sie sich heimlich danach sehnt, dass sie eher als „Joanna Kilmartin“ bekannt werden würde. In diesem Fall ist es bestimmt die beste Strategie die nächsten Abende mit der Freundin zusammen durch Szenelandschaft zu torkeln und die Augen nach angeheiterten Aufreißern aufzuhalten. *seufz*

Zum Schluss bereitet sich Joanna noch auf die kommenden Arbeitstage vor und bittet ihre Sekretärin Mary:
„Könnten Sie vielleicht noch eine Packung Kopfschmerztabletten besorgen? Ich habe so ein Gefühl, dass ich bald welche brauchen werde.“


Ganz ehrlich, das Gefühl habe ich auch! Dabei habe ich nicht mal vor durch die Kneipen zu ziehen – aber noch ein paar Kapitel in diesem Buch vor mir!

Kommentare:

SusiB hat gesagt…

Der Joanna-/Orla-Dialog ist ja mal wieder ganz große Klasse! Wie alt sind die beiden noch mal...? Ich meine, körperlich. Geistig würde ich sagen: ungefähr 13.

Winterkatze hat gesagt…

@Susi: Der Dialog zieht sich im Buch sogar über 3,5 Seiten! Joanna ist 35 und Orla - wie wir ja nun dank dieses tollen Telefongesprächs wissen - ein Jahr älter. Und ja, man kann es bei ihrem Gesprächsniveau nicht glauben ...

Natira hat gesagt…

hnng.... *reibt sich die Stirn, nachdem sie den Kopf auf die Tischplatte gehauen hat, was eine Methode ist, um den "anderen Schmerz", verursacht durch Linda Kavanagh, zu überlagern*

Winterkatze hat gesagt…

*reicht Natira eine Eispackung für den schmerzenden Kopf* ;)

Natira hat gesagt…

danke!

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