Freitag, 18. Juni 2010

[Kapitelweise] Linda Kavanagh: Meinem Herzen so nah (Kapitel 4+5)

Was bisher geschah: Kapitel 1, Kapitel 2, Kapitel 3

Das dritte Kapitel endete damit, dass sich Joanna einen Besuch im Pflegeheim ihrer Mutter Catherine vornahm, einen neuen Mandaten mit einem bissigen Hund hatte und nun schon zum zweiten Mal in Folge vorzeitig Feierabend machte. Ob das noch was wird mit der Selbständigkeit?

Perspektivwechsel: Kapitel 4 wird aus der Sicht von Catherine O’Brien erzählt

Catherine O’Brien sah auf ihre Uhr und verzog das Gesicht. Sie wartete auf ihre Freundin Agnes, die das Hockeyteam für das morgige Auswärtsspiel anfeuern sollte. Unwillkürlich musste Catherine lächeln. Agnes nahm alles, sogar den Sport, ungeheuer ernst. Catherine hingegen fand das alles nur langweilig. Tatsächlich waren Agnes und sie in jeder Hinsicht verschieden: Agnes war groß, dunkel, elegant und überpünktlich. Die rothaarige Catherine hingegen war ein quirliger Wildfang, der vermutlich sogar noch zur eigenen Beerdigung zu spät kommen würde. Daher fand die ganze Schule es höchst merkwürdig, dass ausgerechnet sie und Agnes Freundinnen geworden waren.

Jaja, darüber hatte sich Joanna auch schon so einige Gedanken gemacht …

Aber natürlich war es nicht von Anfang an eine Busenfreundschaft:
- Als Catherine an die Schule kam, hatte Agnes angefangen ihr das richtige Benehmen beibringen zu wollen.
- Deshalb mochte Catherine Agnes auch nicht …
- … bis sie erfuhr, dass die arme Agnes die überaus hochgesteckten Erwartungen ihres gestrengen Vaters erfüllen muss.
- Dann mogelte Agnes bei einer Matheprüfung! *Skandal*
- Und die Lehrerin fand den Spickzettel und kündigte an, sie würde die ganze Klasse bestrafen, wenn sich die Schuldige nicht melden würde.
- Aber bevor Agnes noch aufstehen konnte, gab Catherine an, dass sie die Besitzerin des bösen Spickzettels sei.
- Dabei hätte die Lehrerin die eingebildete Agnes so gern mal vorgeführt – von Catherine hingegen hat ja niemand was anderes erwartet.
- Aus Dankbarkeit war Agnes dann sogar bereit sich mit Catherine anzufreunden.

„Weißt du“, hatte Agnes gesagt, als sie ihre neue Freundin eingehende musterte, „mit deinem roten Haar und den grünen Augen siehst du aus wie eine Katze. Und so werde ich dich von nun an nennen: Cats. Ist doch eine hübsche Abkürzung für Catherine, oder?“

Hach, sind Mädchenfreundschaften nicht was schönes? Und da wir schon mal bei dem Thema sind und dieses Kapitel doch nicht so sehr ergiebig war, geht es gleich mit dem nächsten weiter:

Kapitel 5:

Orla und Joanna sitzen in einem der besten Dubliner Restaurants und schlagen sich den Bauch voll. Genauer gesagt haben sie gerade das Dessert vertilgt und freuen sich nun darüber, dass in diesem Lokal keine Designerportionen serviert werden, und sie deshalb pappsatt sind. Orla hatte nämlich schon befürchtet, dass sie nach dem Essen noch zur Pommesbude hätten gehen müssen …

Gekonnt bastelt Linda Kavanagh daraus eine Überleitung zu Joannas brisantem Testamentsfall:

„Naja, die Rechnung wird bestimmt Designerklasse haben!“
„Bestimmt. Aber zum Glück bezahlt das die Zeitung.“ Orla sah sich nach einem Kellner um, um für sich und ihre Freundin Irish Coffee zu bestellen. „Ist ja egal. Ich komme wahrscheinlich sowieso nie wieder her, außer du lädst mich ein, weil du die wohlhabendste Anwältin des Landes geworden bist.“
„Sag so etwas nicht“, lachte Joanna. „Bis jetzt habe ich nur einen Hundebiss und ein Testament! Da fällt mir doch etwas ein … der Gefallen nämlich, um den ich dich bitten wollte.“

Na, wenn das nicht geschickt war – ich finde die Vorstellung auch sehr schön, dass die beiden Damen beim Essen anscheinend nicht ein Wort gewechselt haben, denn der Informationsaustausch kommt jetzt erst.

Joanna klärt Orla über alle Details auf (hm … wie war das noch mit der Schweigepflicht? Aber die gilt bestimmt nicht gegenüber der besten Freundin, oder?) und bittet sie alles über Harry Sweeney aus dem Zeitungsarchiv zu suchen (das könne die Freundin ja bequem neben der eigenen Arbeit erledigen). Außerdem erzählt unsere Anwältin, dass sie bei ihrer Mutter nichts erfahren hat, weil diese ganz unruhig wurde, als ihre Tochter das Gespräch auf das Testament lenkte. Immerhin meint Orla, dass sie am nächsten Tag – wenn nicht gerade die irische Regierung wegen eines Sexskandals zurücktreten würde – im Archiv wühlen könnte. Und auch sie macht sich Gedanken über die Verbindung zwischen Harry und Agnes:

„Aber du musst doch zugeben, dass dies eine sehr seltsame Angelegenheit ist. Was, bitte, hat eine reiche Bauunternehmerwitwe mit einem Untersuchungshäftling zu schaffen? Ich frage mich, ob Harry nicht ein vermisster Bruder war? Sozusagen Toms Onkel, der in einer Hütte auf einer einsamen Insel lebte. Oder bei den Pygmäen im Regenwald. Und nur Agnes wusste davon …“

Nun, mit jeder Wiederholung bin ich überzeugter von dieser Theorie! Natürlich liegt es nahe, dass Harry ein verschollener Bruder war, der am Ende der Welt lebte und dann heimlich nach seinem Tod von seiner Schwester Agnes nach Irland geschmuggelt und auf dem Glasnevin-Friedhof beigesetzt wurde … Alle anderen Mutmaßungen wären natürlich vollkommen an den Haaren herbeigezogen und absolut undenkbar!

Joanna gesteht Orla auch noch, dass sie Tom noch gar nichts von den weiteren Bedingungen des Testaments erzählt hat. Denn schließlich war es ja schon ein unglaublicher Schock zu erfahren, dass Agnes nicht in Papas Grab hüpfen wollte – und dann noch die seltsame Formulierung mit Harrys Nachkommen! Wie soll Tom nur damit fertig werden?

Immerhin kommt Orla auf den Gedanken, dass das Wort „Nachkommen“ mehr als ein Kind beinhalten könnte – und die beiden Damen schneiden kurz die Frage an, was Tom wohl davon halten wird, nur als „Ivan Kilmartins Nachkomme“ bezeichnet zu werden. Immerhin steht für die beiden fest, dass damit nur Tom gemeint sein kann, da Agnes und Ivan keine weiteren Kinder hatten … *dumdidum*

Und da sich in Joanna doch das schlechte Gewissen regt, weil sie 1. mehr über Agnes weiß als Tom und 2. alles auch noch brühwarm Orla erzählt hat, bekommt sie von ihrer Freundin noch eine saftige Geschichte über das aktuelle Techtelmechtel des Finanzministers angeboten – doch das will Joanna gar nicht hören (es sei denn, der Minister würde sie als Scheidungsanwältin engagieren – erkenne ich da einen Hauch von Geschäftssinn? Und eine leise Andeutung, dass es Menschen gibt, die außerehelichen Aktivitäten nachgehen? Ach nein, das kann doch nicht sein … Zumindest nicht in diesem Buch! *g*).

Nach dieser kleinen Ablenkung muss Orla natürlich noch einmal Joannas Verhältnis zu Tom hinterfragen und herausfinden, ob die Freundin nicht doch etwas mehr für den ehemaligen Jugendfreund empfindet. Und nachdem Joanna wieder die Geschichte mit dem Gartenteich und der Natur und Tom, der ihr alles gezeigt hat, erzählt, kommt Orla auf den gleichen Gedanken, den ich schon gewissen Liebesromanleserinnen unterstellt habe. Aber natürlich streitet Joanna alles ab, es war alles ganz harmlos, sie waren ja noch Kinder – und sowieso hat sie auf diese Weise kein Interesse an Tom! Nun, immerhin gibt sie sich selbst gegenüber zu, dass das nicht so ganz der Wahrheit entspricht, was sie hoffen lässt, dass sie bei der nächsten Begegnung mit Tom nicht rot wird vor Verlegenheit …

Um Orla abzulenken fragt Joanna sie dann noch, wie denn so die Suche nach ihrem Hochzeitskleid verläuft. Wir erinnern uns, im vorletzten Kapitel gab es die Information, dass Orla im Frühjahr Declan heiraten wird. Doch wieder hält die Autorin für uns eine unvorhersehbare Überraschung bereit:

- Orla und Declan haben sich getrennt!
- Declan war auf einer Pressereise in Spanien und hat sich dort mit einer Journalistin vom „Trident“ angefreundet.
- Die Röcke dieses Flittchens reichen nur gerade mal über den Hintern (ich will euch ja keine wichtige Information verschweigen! *kicher*).
- Und seit der Pressreise hatten die beiden eine Affäre und jeder im Newsroom wusste davon – von Orla mal abgesehen.
- Doch dann hat ihr ein netter Fotograf (Eoin) die Sache gesteckt.
- Nach heftigem Leugnen hat Declan die Sache zugeben und gemeint, es sei nur ein kleiner Seitensprung gewesen und geschworen es würde nie wieder vorkommen.
- Doch Orla war so vernünftig und hat ihn trotz seiner Versprechungen rausgeworfen.
- Woraufhin er beim Flittchen eingezogen ist.

Joanna geht natürlich sehr mitfühlend mit der Situation der Freundin um und meint, dass es ja noch andere Männer auf der Welt gäbe. Was denn mit Eoin wäre?

Doch der ist leider verheiratet. Und da Orla noch nicht nach Hause will, beschließen die Damen noch einen drauf zu machen:

„Was hälst du von dem neuen Nachtklub? Ich glaube, er heißt „Blue Onion“. Ein paar Gläser Wein und du bist eine neue Frau!“
„Super!“, gab Orla zurück. Ihre Miene hatte sich deutlich aufgehellt. „Dann trinken wir auf Declans Untergang. Vielleicht bricht er sich das Genick, der Bastard! Oder ihm fällt der Pimmel ab!“


Ich muss zugeben, dass die Autorin wirklich ein Händchen für Dialoge hat ... *seufz*

Kommentare:

Yvonne hat gesagt…

Liebe Winterkatze,

die Autorin hat nicht nur ein "Händchen" für hirnlose Dialoge, sie ist auch eine Meisterin der Klischees und unlogischer Handlungsabläufe. Das die Autorin absolut keinen blassen Schimmer über juristische Abläufe hat und wahrscheinlich noch nie eine Anwaltskanzlei von innen gesehen hat, ist nicht länger von der Hand zu weisen. Wenn mein Chef so arbeiten würde, stünden wir jedenfalls bald ohne Mandanten da. Die gute Joanna scheint ja sowieso nicht auf Verdienst angewiesen zu sein. Betreibt sie ihre Kanzlei als Hobby?

Der Bruch der Schweigepflicht - und nichts anderes ist Joannas Gespräch mit Orla - wäre in Deutschland übrigens ein Fall für die Anwaltskammer und würde erhebliche Konsequenzen nach sich ziehen. :-))Für solche Nachforschungen gibt es professionelle Detekteien, die auch der Schweigepflicht unterliegen. Aber wie gesagt, die Autorin hat vom Juristenalltag null Ahnung.

Übrigens: Ich bewundere Dein Durchhaltevermögen. Ich hätte dieses Buch schon längst in die Papiertonne gekloppt. Normalerweise werfe ich keine Bücher weg, aber zwei oder drei mussten bei mir schon mal dran glauben, weil sie einfach unerträglich hinrissig waren.

Schönes Wochenende!
Yvonne

Winterkatze hat gesagt…

Hallo Yvonne!

Jaha, ich habe mir schon gedacht, dass die gute Joanna sich nicht so ganz realistisch verhält. Von der Schweigepflicht will ich lieber gar nicht weiter reden ... ;)

Die Kanzlei als Hobby zu betreiben, das kann sich die gute Jo eigentlich gar nicht leisten - aber immerhin kann ich dich bezüglich einen Detektivs beruhigen: Der kommt noch und sorgt für weitere schöne Verwicklungen! *g*

Das Durchhaltevermögen: Tja, das Buch hätte so nett werden können ... Ich lese immer mal wieder Romane, die auf dieser Grundidee basieren und oft sind sehr unterhaltsame Geschichten darunter. Aber dieses Machwerk ist wirklich besonders schlecht! Umso mehr finde ich, dass es eine "kapitelweise" Wiedergabe verdient hat, denn diese wöchentlichen Beiträge machen mir wirklich Spaß! :)

Auch dir ein schönes Wochenende!

evi hat gesagt…

Ja, so ein Machwerk kann man wirklich nur in kleine Teile zerreißen, oder in kleinen Teilen verreißen *gg*
Der Schreibstil ist katastrophal, was deine Zitate belegen, die Dialoge sind hanebüchen und überhaupt ist die ganze Story...*grmpf* mir fehlen die Worte! Ich glaub, ich hätte schon aufgegeben.

Natira hat gesagt…

*die Hände an die Wangen legt und den Kopf hin und her schüttelt* Ich weiß nicht ... ich weiß einfach nicht ... ;)

irina hat gesagt…

Ich hasse-hasse-hasse Bücher, die nur "funktionieren", weil alle handelnden Personen blind, dumm oder unfähig sind. Oder alles zusammen – so wie hier!

Klingt wirklich nach nem grauenhaften Machwerk, das furchtbar in die Länge gezogen wird! Das Buch verdient es offenbar, nach KAPITELWEISE der Altpapiertonne zugeführt zu werden, damit es keinen weiteren Schaden anrichten kann!

Winterkatze hat gesagt…

@Evi: Erstaunlicherweise gibt es zwei Leute bei Amazon, die dem Buch die Höchstwertung verpasst haben. Es gibt wohl Leute, die mit all den Kritikpunkten bei der "spannende" Geschichte leben können ... *kicher*

@Natira: *ein paar Chips rüberreich, um das Kopfschütteln zu unterbrechen*

@Irina: Ich hatte eigentlich vor, dieses Buch noch bei TT anzubieten oder an die Bibliothek weiterzureichen. Es scheint ja Leute zu geben, die das recht unterhaltsam finden. Wahrscheinlich wegen der Romantik! ;D

Natira hat gesagt…

*die dankend die Chips futtert und dabei überlegt, wie sie wohl nach Ende des kapitelweisen Lesens ausschauen wird, falls die Chipstüten die einzig effektiven Kopfschüttelunterbrechungsmöglichkeiten sind*
:)

Winterkatze hat gesagt…

Ach, ich finde bestimmt auch mal ein Möhrchen, das ich dir anbieten kann. Aber die Chips lagen nahe, da wir gerade Angebotskäufe planten. ;)

Natira hat gesagt…

*hoffnungsvoll schaut*
:)

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