Donnerstag, 6. Mai 2010

Julia Quinn: Wie verführt man einen Lord?

… oder auch: Cinderella lässt grüßen! Die ersten Seiten hat es Julia Quinn für meinen Geschmack nämlich ein bisschen zu sehr mit der Märchenanlehnung übertrieben – obwohl ich solche „armen Verwandtengeschichten“ (z.B. bei Georgette Heyer *dumdidum*) normalerweise sehr mag. Zum Glück gelang es der Autorin dann die Handlung so weiterzuführen, dass ich sie rundum genießen konnte – und ich liebe das Ende! Aber erst einmal der Reihe nach: Nach „Wie erobert man einen Duke?“ und „Wie bezaubert man einen Viscount?“ ist „Wie verführt man einen Lord?“ der dritte Band der Bridgerton-Reihe und dieser dreht sich um Sophie und den zweiten Bridgerton-Sohn Benedict.

Sophie Beckett ist ein Bankert, das Ergebnis eine Affäre zwischen dem Earl of Penwood und eine Frau aus dem gemeinen Volk. Als ihre Mutter verstarb, wurde das kleine Mädchen von ihrer Großmutter bei dem Earl abgeliefert und lebte von nun an als „Mündel“ und „verwaisten Tochter eines verstorbenen Freundes“ im Hause des Adeligen. Obwohl ihr Vater ihr keinerlei Aufmerksamkeit schenkt, wird Sophie gut erzogen. Erst als der Earl eine Witwe mit zwei Töchtern heiratet, verändert sich ihr Leben drastisch. Der neuen Herrin (mit dem hübschen Vornamen Araminta) ist auf den ersten Blick bewusst, dass das Mädchen die Tochter ihres Mannes ist und verbietet ihr jeglichen Kontakt mit ihren Kindern Posy und Rosamund. Und da sich die beiden Mädchen am Verhalten ihrer Mutter orientieren, wird Sophie in den nächsten Jahren auch kräftig von ihnen gepiesackt.

Nach dem Tod des Earl hofft die böse Stiefmutter … äh … die Countess, dass sie das verhasste Mädchen endlich loswerden könnte, doch der Verstorbene hat testamentarisch für sein Mündel gesorgt. Um nicht in Zukunft auf dem Trockenen zu sitzen, muss sich Araminta mit Sophie arrangieren – und sorgt deshalb dafür, dass das Mädchen ihr als „bessere Zofe“ zu Diensten ist. Als die Londoner Saison anfängt werden Rosamund und – die nicht so hübsche – Posy von ihrer Mutter von einer Veranstaltung zur anderen geführt, während Sophie davon träumt auch nur einmal einen Ball besuchen zu dürfen. Doch eines Abends kommt ihre große Stunden, als eine Verschwörung der Dienstboten dazu führt, dass die junge Frau einen Maskenball im Hause Bridgerton besuchen kann.

Hier erreichen dann die unglaubwürdigen Momente in meinen Augen ihren Höhepunkt, denn welcher Dienstbote (und hier ist es quasi der gesamte Haushalt) würde in dieser Zeit schon so ein Vergehen auf sich nehmen? Aber da es alles so nett beschrieben wurde, kann ich mit diesen Unglaubwürdigkeiten leben – und das erste Zusammentreffen von Sophie und Benedict auf dem Ball genießen. Die junge Dame ist mit einer Halbmaske getarnt und so verliebt sich Benedict erst einmal nur in ihre Augen, ihre Haltung und ihre wunderbare Ausstrahlung. ;) Wie es mit den beiden weitergeht, will ich eigentlich nicht verraten, aber natürlich ist alles fürchterlich kompliziert und es dauert unendlich lange, bis sie sich gegenseitig ihre Zuneigung gestehen können. Vor allem Sophies Abstammung ist natürlich ein großes Hindernis und würde dafür sorgen, dass sie niemals in der Gesellschaft akzeptiert würde.

Ich weiß, dass sich das jetzt vielleicht nicht so anhört, aber mir gefiel dieser dritte Band noch besser als die ersten beiden. Sophie und Benedict haben sich ganz schnell einen Platz in meinem Herzen erschlichen. Er ist ein wunderbarer romantischer Romanheld, auch wenn er ein bisschen braucht, um den richtigen Weg zu Sophie zu finden – aber was wäre eine solche Liebesgeschichte ohne solche Wirrungen? Und Sophie ist einfach toll. Anfangs ein kleines liebes Mädchen, das nicht verstehen kann, warum die neue Frau im Haus und ihre Kinder so unfreundlich sind, dann eine junge Frau, die versucht das Beste aus jeder Situation zu machen und dabei immer ihren Prinzipien treu zu bleiben. Und wie es sich für einen Bridgerton-Roman gehört, mischt auch Benedicts restliche Familie wieder gewaltig mit, was für wunderbar amüsante Szenen sorgt!

Bislang muss ich zugeben, dass Irinas Julia-Quinn-Empfehlung mir wirklich viel Freude bereitet hat. Der vierte Band „Penelopes pikantes Geheimnis“ ist schon lange gelesen und nun warte ich sehnsüchtig auf den fünften Teil „In Liebe, Ihre Eloise“, der leider erst im Juni veröffentlicht wird. Wie soll ich nur all die Wochen bis dahin überstehen? *g* Oh, und für diejenigen, die meine Georgette-Heyer-Vergleiche vermisst haben: Auch diese Autorin hat gern mittellose und von der Verwandtschaft ausgenutzte Heldinnen in den Mittelpunkt ihrer Bücher gestellt, aber Sophie wäre bei ihr wirklich ein Mündel des Hauses oder das verwaiste Kind eines entfernten Verwandten gewesen. ;)

Kommentare:

evi hat gesagt…

Wie du weißt, bin ich ja grade bei Band 2, und ich hab auch ein bisschen zu bemäkeln, aber es ist ganz einfach sooo nett geschrieben, dass man drüber hinwegsieht. Julia Quinn hat so einen liebevollen und amüsanten Schreibstil, ich muss direkt mal ein Buch in Originalversion lesen.
Und eigentlich geht´s mir so, dass ich von den Damen mehr begeistert bin als von den Herren *gg*. Ich werde die Reihe auf jeden Fall weiterlesen!
LG, Evi

Natira hat gesagt…

Irgendwie habe ich ein ganz intensives Aschenputtel-Feeling ...

Winterkatze hat gesagt…

@Evi: Ich glaube, die Herren müssen auch etwas unbestimmter sein als die Damen, denn so kann man noch mehr seine eigene Fantasie ins Spiel bringen. "liebevoll und amüsant" ist eine gute Beschreibung ihrer Erzählweise und es ist einfach so erholsam zu lesen. :)

@Natira: Da musst du dich irren, wie kommst du nur auf so ein Feeling? ;)

irina hat gesagt…

Hach … wenn ich nur mehr Zeit und weniger ungelesene Bücher hätte, würde ich mir die Bridgertons auch nochmal alle vornehmen! *schwelg*

Winterkatze hat gesagt…

@Irina: Vielleicht wäre das ein Vorhaben für die Tage, an denen du keine Leselust hast, weil die letzten Bücher nicht so berauschend waren ... *dumdidum*

irina hat gesagt…

Ehrlich gesagt kann ich mich überhaupt nicht zu "Re-Reads" durchringen. Ich hätte da ein schlechtes gewissen in Anbetracht des SuBs!

Natira hat gesagt…

@Irina
Ach nein! So ein re-read kann so herrlich entspannend und erfreulich sein zwischendurch - und meist geht es etwas schneller ;) -. Da kannst Du doch eher noch Kraft schöpfen für den nächsten Sub-Roman!
Lg Natira

Winterkatze hat gesagt…

@Irina: Da muss du dein Gewissen mal ein wenig umerziehen. ;)

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