Samstag, 16. Januar 2010

Nina Blazon: Die Sturmrufer

Nach „Der Kuss der Russalka“ ist „Die Sturmrufer“ der zweite Roman, den ich von Nina Blazon gelesen haben – und er hat mir noch besser gefallen. Vielleicht, weil es eine reine Fantasygeschichte ist, ohne die (wirklich interessanten!) historischen Bezüge, die die Geschichte um die Russalka hatte. Und natürlich habe ich erst danach „Im Bann des Fluchträgers“ (Woran-Saga 1) gelesen und festgestellt, dass „Die Sturmrufer“ in der gleichen Welt angesiedelt sind wie die drei Romane der Woran-Saga. >g<

So, nun aber erst einmal ein bisschen zum Inhalt: Die Küstenstadt Dantar wird seit längerer Zeit von einer Serie verheerender Stürme heimgesucht, die vermutlich keines natürlichen Ursprungs sind. Nach einem dieser magischen Unwetter gelingt es Amber, einer jungen Frau, die in den Bergen aufgewachsen ist, Arbeit bei einer Bergungstruppe zu finden. Zu viert sollen Amber, die Taucherin Sabin, der Navigator Tanijen und der Seiler Inu mit einem Ruderboot auf das Meer fahren und versuchen Ladung aus einem gesunkenen Schiff zu bergen.

Doch statt ihren Auftrag ausführen zu könne, werden sie von einem weiteren Sturm auf eine seltsame Insel im Auge eines Mahlstroms verschlagen. Dort finden sie in einem verlassenen Turm den Grund für die Stürme heraus. Geistererscheinungen und Ungeheuer bedrohen die vier auf diesem verlassenen Eiland und während sie noch einen Weg zurück nach Dantar suchen, müssen sie feststellen, dass wohl nur sie in der Lage sind den bösen Bann zu brechen und ihr Land zu retten.

Was mir an dieser Geschichte gleich ins Auge sprang, ist, dass Nina Blazon ihre fantastische Welt dem Leser ohne große Erklärungen gegenüberstellt. Wie schon bei Katja Brandis finde ich diese Vorgehensweise angenehm stimmig. Denn wenn man in einem Land wohnt, dann sind viele Traditionen und Verhaltensweisen für einen selbstverständlich und man erklärt sie nicht bei jedem Handgriff, damit der dumme Leser auch weiß, worum es geht. ;) Allerdings hat die Autorin mit Amber eine Figur eingeführt, die an der Küste fremd ist und so kann man mit ihr zusammen die ungewöhnliche Stadt am Meer und ihre Bewohner kennenlernen. Wobei die Erklärungen schön stimmig für die Bergbewohnerin eingeflochten werden und der Leser alle anderen Dinge sich im Laufe der Geschichte selber denken kann.

(Kleine Nebenbemerkung: Der Name Amber, der auch in diesem Buch die Bedeutung Bernstein hat, hat mich allerdings ziemlich gestört. Denn kein anderer Namen hatte ansonsten eine erkennbare Bedeutung oder gehörte eindeutig in den englischen Sprachraum. Achja, es gibt laut Duden auch ein deutsches Amber, aber da fehlt dann die Bernsteinbedeutung … Aber vielleicht bin ich da wieder einmal zu kleinlich und müsste mich konsequenterweise auch über den Namen Sabin(e) aufregen, der schließlich auf den Stamm der Sabiner zurückgeht, die es in dieser fantastischen Welt wohl nicht gegeben hat. ;) )

Für Amber ist die Zusammenarbeit mit den drei Leuten aus Dantar nicht gerade einfach, da diese eine gemeinsame Vorgeschichte (und Vorurteile gegen die Fremde) haben. Inu und Tanijen waren mal die besten Freunde und sind nun zerstritten, Sabin ist Tanijens Freundin und weiß doch nicht genug über ihn, um ihn vor Dummheiten zu bewahren. Außerdem ist die Taucherin immer noch damit beschäftigt, den Verlust ihres Bruders zu bewältigen, der vor einiger Zeit starb. All diese Probleme sorgen für Zwischentöne, die von Amber und dem Leser erst einmal gedeutet werden müssen. Dabei verwendet Nina Blazon auch das eine oder andere Klischee, diese werden aber so schön in die rätselhafte Handlung und die fantastische Umwelt eingeflochten, dass es wirklich nicht stört.

Vor allem hat mich die Welt gereizt, die die Autorin geschaffen hat. Weder in der Hafenstadt, noch auf der Insel hatte ich das Gefühl, dass es irgendwelche Unstimmigkeiten gäbe. Die Menschen, ihre Traditionen und Gebräuche fühlten sich beim Lesen realistisch an. Und die übernatürlichen Elemente werden so fein eingebaut, dass auch dies sehr schön stimmig wirkt. Die Tatsache, dass für mich so wunderbar schreckliche Geschöpfe wie Hallgespenster, Naj und Dschellar für die Figuren mehr oder weniger alltägliche Erscheinungen waren, ließen mich in diese Welt eintauchen. Und da störte es auch nicht, dass mich die Naj sehr an Nina Blazons Darstellung der Russalka in ihrem Buch über das historische St. Petersburg erinnerte. Ich werde auf jeden Fall irgendwann noch einmal „Die Sturmrufer“ in die Hand nehmen und mich wieder in die Stadt am Meer ziehen lassen.

Oh, und wer nun neugierig geworden ist: „Die Sturmrufer“ ist gerade erst als „Die Magier der Winde“ (ja, mal wieder eine Titeländerung >seufz<) von cbt neu aufgelegt worden.

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