Samstag, 21. Januar 2017

Während Christie ...

... ihren neuen Ruheplatz so sehr genießt, dass ich mich nicht traue, die Kartons zu den anderen zu stellen, ...



... ging es für mich in dieser Woche weiter mit dem Packen. Außerdem hat die Nachbarin/neue Vermieterin den gesamten Mittwoch in unserer Wohnung verbracht, um einen Handwerker nach dem anderen durchzuschleusen, damit diese Angebote für Umbauarbeiten nach unserem Auszug machen können. So lästig das für mich und so stressig das für Christie war, so spannend war es auch mitzubekommen, welcher Handwerker welche Maßnahmen als unumgänglich bezeichnete. Bei der Gelegenheit konnte ich mir gleich die Waage der Nachbarin leihen und einmal alle schon gepackten Kartons wiegen. Dummerweise habe ich mir dabei prompt den Rücken etwas verdreht und muss nun etwas mehr aufpassen, wenn ich Kartons packe und staple.

Das Wochenende werden wir mit dem Vergleichen der diversen Umzugsfirmen-Angebote verbringen (auch hier spannend, dass die Preise bei den Angeboten bis zu 2000 Euro auseinanderklaffen) und in einer Woche bekommen wir die Schlüssel zur neuen Wohnung. So langsam wird es konkreter, auch wenn ich gerade an dem Punkt bin, an dem ich bezweifle, dass wir das alles bis Mitte Februar auf die Reihe bekommen. Aber irgendwie ging es bislang bei jedem Umzug ...

Freitag, 20. Januar 2017

Patricia C. Wrede: A Matter of Magic

"A Matter of Magic" von Patricia C. Wrede beinhaltet die beiden Romane "Mairelon the Magician" und "The Magician's Ward". Obwohl es keine Jahresangaben in den Geschichten gibt, bezeichnet die Autorin die Romane als "Regency Magic" - und die Welt fühlt sich (ebenso wie die Beziehung, die die Menschen zu Magie haben,) sehr nach den "Cecelia und Kate"-Büchern an und auch die Erwähnung des "Royal College of Wizards" in London deutet auf das gleiche Setting hin. (Und wenn ich nach dem Umzug wieder Zugriff zu meinen Cecy-und-Kate-Romanen habe, muss ich mal nachschauen, ob mindestens eine der zum College gehörigen Personen auch da erwähnt wird.)

Protagonistin der beiden Geschichten ist die siebzehnjährige Kim, die ihr gesamtes bisheriges Leben in den Slums von London verbracht hat. Dabei hat die Frau, bei der sie aufgewachsen ist, darauf geachtet, dass Kim von allen für einen Jungen gehalten wird, weil sie so für die "Pflegemutter" nützlicher war. Als Kim klein war, hat sie zusammen mit einer Bande anderer Kinder auf den Straßen die Geldbeutel von Passanten geleert, aber seitdem die "Pflegemutter" tot ist, versucht Kim auf legalere Weise ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Dabei ist sie vollkommen auf sich allein gestellt, was nicht gerade einfach ist, weil die diversen Banden Bedarf für einen Jungen mit ihren flinken Händen hätten. (Und wenn sie wüssten, dass Kim ein Mädchen ist, hätten sie gleich doppelte Verwendung für sie - ich mag, dass die Autorin solche Elemente in ihren Romanen nicht ausspart.)

So kann Kim nicht widerstehen, als sie von einem Mann engagiert wird, um in den Wagen eines reisenden Zauberers einzubrechen. Vor allem, da die Bezahlung hoch genug ist, dass sie Monate davon leben könnte, und ihr Auftraggeber nicht mehr von ihr wünscht, als dass sie eine genauen Blick auf das Inventar des Schaustellers wirft und ihm darüber Bericht erstattet. Obwohl eine innere Stimme sie warnt, dass so ein Einbruch nicht gerade ein kluger Schritt ist, lockt sie die Aussicht auf einen Neuanfang, den sie mit dem versprochenen Geld wagen könnte. Doch dummerweise wird sie von dem Magier Mairelon erwischt, wie sie seine Sachen durchsucht, und findet sich zu ihrer eigenen Überraschung kurz darauf in seinen Diensten wieder. Schnell erfährt sie, dass Mairelon auf der Suche nach einer Gruppe von magischen Gegenständen ist und deshalb von diversen Parteien gejagt wird.

Mehr möchte ich über die Handlung der beiden Romane gar nicht sagen, weil es einfach zu viel Spaß macht selber all die Details und Hintergründe zu entdecken. Ich kann aber noch mitteilen, dass der Zauberer Mairelon natürlich nicht nur die erwartbaren Bühnentricks beherrscht, sondern auch über echte magische Fähigkeiten verfügt. Wobei ich persönlich die Bühnentricks in der Geschichte häufig deutlich nützlicher fand als die Magie. ;) Anfangs entwickelt sich die Handlung eher gemächlich, während Kim, Mairelon und sein Diener Hunch einander besser kennenlernen, Kim Unterricht bekommt (was dank ihrer Grammatik und ihrer Verwendung von Diebesslang schon etwas sehr Eliza-Doolittle-haftes hat) und die Weichen für die weiteren Ereignisse gestellt werden.

Doch je mehr Figuren eingeführt werden, desto mehr Vorfälle gibt es, bei denen Kim mehr Aufregung erlebt als ihr lieb ist. Dabei beweist Patricia C. Wrede ein Händchen dafür eine Situation so auf die Spitze zu treiben, dass ich mich dabei wunderbar amüsiert habe. Es gibt so viele Charaktere in der Geschichte, die alle gegeneinander arbeiten und einander bespitzeln, und dann wieder Figuren, die ganz eigene Motive für ihre Handlungen haben und komplett ahnungslos sind, was überhaupt vorgeht - und gerade deshalb natürlich immer wieder die Pläne aller anderen durchkreuzen. Bei vielen anderen Autoren wäre mir das vielleicht zu viel geworden, aber hier habe ich mich - vor allem am Ende der jeweiligen Romane - wunderbar unterhalten gefühlt und lieber bis tief in die Nacht hinein gelesen als das Buch gerade an einer so amüsanten Stelle aus der Hand zu legen.

Kims Diebesslang ist in der Regel gut zu verstehen, etwas mehr Probleme hatte ich bei der Dialogzeilen von Mairelons Diener Hunch, aber insgesamt kam ich bei den Dialogen eigentlich immer ganz gut mit. Außerdem muss ich zugeben, dass mir "Mairelon the Magician" ein bisschen besser gefallen hat als "The Magician's Ward", weil der zweite Roman sehr viele Szenen hat, die in der Londoner Gesellschaft spielen, was gut geschrieben ist, aber nicht so erfrischend war wie Kims Ansichten über das Landleben, die man im ersten Band mitbekommt. Wenn ich mich richtig erinnere, dann erwähnte Patricia C. Wrede in einem ihrer Bücher, dass sie Georgette Heyer sehr gern liest, und in diesen beiden Romanen gibt es so einige Momente, in denen man das meiner Meinung nach auch merkt. So habe ich das Ganze nicht nur für sich genommen genossen, sondern mir beim Lesen auch immer mal wieder Gedanken gemacht, ob die Autorin gerade auf ein paar meiner Georgette-Heyer-Lieblingsszenen anspielt oder nicht.

Mittwoch, 18. Januar 2017

Paige Shelton: Farm Fresh Murder (A Farmers Market Mystery 1)

Obwohl ich gerne Cozies lese, probiere ich relativ selten neue Reihen aus, was dazu führt, dass ich schon lange keine Neuentdeckung mehr gemacht habe. Dabei habe ich früher gerade bei den "themenbezogenen" (also mit einem Schwerpunkten wie Quilten, Buchhandlungen oder ähnlichem versehenen) Cozies so einige Autoren gern gelesen. Trotzdem wurde ich neugierig, als Seanan McGuire vor einiger Zeit über Twitter meinte, dass die "A Farmers Market Mystery"-Reihe ihre Lieblings-Cozy-Reihe wäre, und so habe ich den ersten Band auf den Wunschzettel gesetzt. Inzwischen habe ich "Farm Fresh Murder" gelesen und mich so gut unterhalten gefühlt, dass ich die weiteren Teile auf meinen Merkzettel gesetzt habe. (Außerdem vermute ich nach dem Lesen, dass ein Teil von Seanan McGuires Begeisterung darauf zurückzuführen ist, dass sowohl Blaubeeren als auch Kürbisse regelmäßig erwähnt und von der Protagonistin wertgeschätzt werden. *g*)

Die Hauptfigur in "Farm Fresh Murder" ist Becca Robins. Becca ist Mitte Dreißig, zweimal geschieden und lebt zusammen mit ihrem Hund Hobbit allein auf einer alten Farm, die sie von Verwandten geerbt hat. Dort baut sie Beeren und - in deutlich geringerem Umfang - Kürbisse an, verarbeitet ihrer Produkte zu Marmelade und anderen Konserven und verkauft diese auf dem Bauernmarkt in der Nachbarschaft. Die Handlung beginnt an einem ganz normalen Morgen, an dem Becca in ihrer Scheune steht und Marmelade einkochen will. Doch stattdessen muss sie auf einen Notruf ihrer Zwillingsschwester Allison reagieren, die als Marktleiterin des Bauernmarkts damit fertig werden muss, dass einer ihrer Händler ermordet wurde. So schlimm der Mord auch für Becca ist, die sich Gedanken um die Zukunft des Marktes und der anderen Händler nach einem solchen Ereignis macht, so sorgt sie sich doch vor allem um den alten Abner Justen, der verdächtigt wird, den Mord begangen zu haben. Um Abners Unschuld zu beweisen (und ihre eigene Neugier zu befriedigen), beginnt Becca auf eigene Faust zu ermitteln.

Was die Handlung angeht, so fand ich jetzt nicht, dass sich dieser Cozy groß von anderen modernen gemütlichen Kriminalgeschichten unterscheidet. Es war nett zu verfolgen, wie Becca immer mehr über die anderen Händler und ihre Vergangenheit herausfindet, aber auch, wie sie sich Gedanken über ihre Farm und ihre Arbeit macht. Trotzdem war das alles jetzt nicht so besonders, dass das der Grund wäre, warum ich die Reihe weiterlesen mag. Aber mir lag der Humor der Autorin, zum Beispiel wenn es um den einen oder anderen peinlichen Moment für Becca während der Ermittlungen geht, weil das ohne Fremdscham-Anteil für mich als Leser einfach nur amüsant war und ich immer wieder beim Lesen vor mich hingekichert habe. Auch mochte ich das Verhältnis der verschiedenen Figuren zueinander. Zum Teil bestehen Freundschaften zwischen den verschiedenen Händlern, aber es gibt auch Szenen, in denen Becca feststellen muss, dass sie über Menschen, mit denen sie Tag für Tag zusammenarbeitet und mit denen sie sich gut versteht, eigentlich überhaupt nichts weiß.

Dazu kommt noch das Thema "Beziehungen" rund um Becca. Als Singlefrau ist es jetzt nicht so unerwartet, dass im Laufe der Geschichte ein Mann auftaucht, der sich für sie interessiert. Aber ich fand es so angenehm, wie Paige Shelton damit umgeht und dass sie ihre Protagonistin auch in Betracht ziehen lässt, dass der attraktive und sympathische Mann ein möglicher Verdächtiger ist. Auch mit dem ermittelnden Polizisten entwickelt sich so etwas wie eine freundschaftliche Beziehung. Das führt dazu, dass er sie - und das ist zwischen den beiden abgesprochen - benutzt, um an Informationen heranzukommen, aber auf der anderen Seite beantwortet er auch mal ihre Fragen , wenn er das verantworten kann. Trotzdem zieht er auch ganz klare Grenzen, wenn es um Aspekte geht, die einfach Sache der Polizei sind und eine Zivilistin nichts angehen. Irgendwie erschreckend, dass ich das Gefühl habe, ich müsste betonen, dass diese beiden Dinge in diesem Roman so angenehm vernünftig und erwachsen behandelt wurden, aber das ist eben leider nicht selbstverständlich.

Dazu kommt noch eine angenehme und flüssig zu lesende Schreibweise, die dafür sorgte, dass ich auch trotz der einen oder anderen Ablenkung die Geschichte zügig lesen konnte. Die Hintergründe des Mordes hätten zwar etwas weniger klischeehaft sein können und auch die Auflösung ließ sich weit vor dem Ende des Romans erahnen, aber das hat mich bei all den netten und unterhaltsamen Szenen und den sympathischen Figuren nicht gestört. Ich werde mir jetzt nicht die gesamte Serie auf einmal beschaffen, aber ich bin mir sicher, dass ich in absehbarer Zeit den zweiten Band lesen und vielleicht auch eine der anderen Reihen der Autorin ausprobieren werde.

Montag, 16. Januar 2017

Reiko Momochi: Daisy aus Fukushima (Manga)

"Daisy aus Fukushima" ist ein Manga von Reiko Momochi nach dem Roman "Pierrot" von Teruhiro Kobayashi, Darai Kusanagi und Tomoji Nobuta. Ich kann nicht beurteilen, wie nah sich die Mangaka an den Roman hält, aber sie war vor dem Zeichnen des Manga in Fukushima und hat mit Menschen gesprochen, die die Naturkatastrophe und das daraus folgende Atomunglück miterlebt haben und Tag für Tag mit den Folgen fertig werden müssen. Protagonistin des Manga ist Fumi, die 2011 gerade erst ihr letztes Schuljahr begonnen hat. Eigentlich sollte sich ihr Leben in diesem Jahr ausschließlich um die Vorbereitungen auf die Abschlussprüfungen und die Bewerbungen an den diversen Universitäten drehen, stattdessen schafft sie es wochenlang nicht, aus dem Haus zu gehen, weil sie nicht weiß, wie sie mit der Angst vor der Strahlung umgehen soll.

In den folgenden Monaten müssen Fumi und ihre drei Freundinnen Moe, Mayu und Akaya versuchen, trotz all ihrer Ängste wieder in einen einigermaßen normalen Alltag zu finden. Doch einfach ist das nicht bei all den Herausforderungen, denen sich die Mädchen stellen müssen. So müssen sie nicht nur um ihre Gesundheit und die ihrer Angehörigen fürchten, sondern auch um die finanzielle Zukunft ihrer Familien. Obwohl alle vier direkt in Fukushima leben und somit nicht von der Flutwelle betroffen waren, sorgt die Strahlung dafür, dass weder Landwirtschaft noch Tourismus weiterlaufen können. Zusätzlich gilt es die diversen Flüchtlinge zu versorgen, die durch die Katastrophe alles verloren haben.

Obwohl Fumi die Hauptfigur in dem Manga ist, erlebt man als Leser durch die vielen verschiedenen Personen, mit denen sie Kontakt hat, die unterschiedlichsten Schicksale. Manche Elemente, wie die gesundheitlichen und finanziellen Probleme, die Enttäuschung über das Verhalten der Politiker und der Betreiberfirma des Atomkraftwerks, das Festklammern an der Hoffnung, das man bald wieder zurück in seine zerstörte Heimat darf, oder das Auseinanderbrechen von Beziehungen angesichts all der Belastungen, habe ich erwartet. Andere Sachen empfand ich schon als sehr japanisch, wie zum Beispiel die Reaktion des Freundes einer Schülerin, der in Tokyo lebt (mehr möchte ich da nicht ins Details gehen, um nicht zu viel über die Handlung zu verraten), oder den - im Nachwort erwähnten - Selbstmord einer älteren Dame, die der Gesellschaft nach der Katastrophe nicht zur Last fallen wollte.

Doch natürlich ist nicht alles schlecht im Leben der vier Schülerinnen. Die Mädchen versuchen sich umeinander zu kümmern und füreinander da zu sein. Angesichts der Prüfungen, die im letzten Schuljahr auf sie zukommen, hatten die Freundinnen eigentlich ihre Band "Daisy" aufgelöst, doch nun machen sie wieder zusammen Musik, um sich von all den negativen Nachrichten und Erlebnissen abzulenken. Über die Band finden die vier neue Freunde und können anderen Menschen ein bisschen Aufmunterung bringen. So entstehen nicht nur neue Freundschaften und Beziehungen, sondern auch neue Perspektiven und Anstöße für die Zukunft.

Ich mochte es sehr, von den verschiedenen Erlebnissen und Schicksalen der vier Mädchen zu lesen. Ich habe gelacht und geweint, war wütend und glücklich, denn egal, wie schrecklich die Ereignisse rund um Fukushima waren und sind, so gibt es doch immer auch Momente, in denen Freundschaft. Liebe und Hoffnung stärker sind als die Sorgen um die Zukunft. Aber ich frage mich nach dem Lesen des Manga (wie schon in den vergangenen 30 Jahren), wie eine Regierung den Einsatz von Atomenergie nach all den Erfahrungen damit noch verantworten kann.

Die Zeichnungen von Reiko Momochi sind in der Regel sehr ästhetisch und entsprechen gerade bei der Darstellung der Teenager in vielem dem Manga-Klischee (große Augen, spitze Gesichter, schlanke Körper). Aber die Mangaka zeigt in "Daisy aus Fukushima" auch sehr realistische Zeichnungen vom Katastrophengebiet und wunderschöne Landschaften rund um die Stadt Fukushima. Auch bei der Darstellung der vielfältigen Emotionen, die die verschiedenen Charaktere bewegen, konnte mich Reiko Momochi überzeugen, da es ihr durch das feine Mienenspiel der Figuren gelingt, auch zwiespältige Gefühle sehr gut anzudeuten. Ansonsten sollte ich vielleicht noch erwähnen, dass dieser Manga in japanischer Leserichtung veröffentlicht wurde. Mich persönlich stört das nicht, aber ein paar Leute haben in den Kommentaren bei meinen Jiro-Taniguchi-Rezensionen angemerkt, dass sie damit Probleme haben.

Was die sonstige Qualität des Manga angeht, so bin ich inzwischen daran gewöhnt, dass bei EMA regelmäßig Druckfehler vorkommen. Ich finde es trotzdem ärgerlich, dass der Verlag nicht einmal bei einer Veröffentlichung, die auch die Aufmerksamkeit von Lesern auf sich ziehen könnte, die normalerweise nicht zum Manga greifen, das Lektorat richtig auf die Reihe bekommt. Mich haben die diversen Tippfehler wirklich gestört, die das Lesen zum Teil erheblich erschwert haben und deutlich zeigten, dass manche Elemente ohne einen weiteren korrigierenden Blick einfach per Copy&Paste in die verschiedenen Sprechblasen übertragen wurden. Ansonsten ist die Druckqualität gut und abgesehen von einer Stelle (wo sie im Falz liegt) kann man die vorhandenen Fußnoten auch problemlos lesen.

Samstag, 14. Januar 2017

Mein Mann ...

... ist nicht nur der für mich liebste Mensch der Welt, sondern auch der Mensch, der mich am Besten kennt. Umso mehr haben mich in dieser Woche zwei Dinge verwundert. Zum einen weiß er, dass ich sehr eigen bin, wenn es um die Konsistenz meines Essens geht - und hat mir doch am Donnerstag etwas zum Naschen mitgebracht, das von eher zweifelhafter Konsistenz ist:


Überreicht wurde das hübsche Ding zusammen mit einer sehr ausführlichen Beschreibung davon, wie es sich beim Essen im Mund anfühlt und wie sehr er sich nun vorstellen könnte, dass es genau so sein müsste, Augen zu essen. Außerdem könne er nun sehr gut den Ekel der einen Fernsehköchin nachvollziehen, die in einer Sendung Schafsaugen probieren und dann nachkochen musste. *schluck*

***

Außerdem meinte mein Mann in dieser Woche, dass ich momentan nicht so viele eBooks (es waren eh nur drei Kurzgeschichten!) lesen sollte, weil der Reader ja wohl vermutlich während des Umzugs meine einzige Quelle für Lesestoff wäre ...

Da war ich schon etwas sprachlos. Allerdings muss ich zugeben, dass es zur Zeit bei all den (Bücher-)Stapeln hier im Haus nicht so einfach ist zu erahnen, dass ich schon einen extra Stapel habe mit "Büchern, die ich während der Umzugszeit lese und die im Rucksack mitgeschleppt werden". Auf der anderen Seite kennt er mich doch seit mehr als fünfzehn Jahren und hat schon zwei Umzüge mit mir mitgemacht und hätte das vorraussehen können. :D

Freitag, 13. Januar 2017

Robin Stevens: Murder Most Unladylike (A Murder Most Unladylike Mystery 1)

Die "A Murder Most Unladylike Mystery"-Reihe von Robin Stevens habe ich bei Kiya entdeckt, die den dritten Band der Reihe während des Herbstlesen gelesen hatte (und überhaupt für meinen Geschmack viiiel zu viele interessante Jugendkrimis liest ;) ). "Murder Most Unladylike" wird aus der Perspektive von Hazel Wong erzählt, die im Jahr 1934 gemeinsam mit ihrer Klassenkameradin Daisy Wells versucht, einen Mord aufzuklären, der an ihrem Internat Deepdean passiert ist. Genau genommen stolpert Hazel eines Abends in der Turnhalle über die Leiche der Naturwissenschaftslehrerin Miss Bell, doch als sie wenig später gemeinsam mit Daisy und einer Aufsichtsschülerin zurückkehrt, ist die Leiche verschwunden und niemand - abgesehen von Daisy, die in diesem Schuljahr von Detektivromanen besessen ist - glaubt Hazel.

Da Daisy davon überzeugt ist, dass sie - als Leiterin der "Wells & Wong Detective Society - perfekt dazu geeignet ist, den geheimnisvollen Mord an Miss Bell und das ebenso mysteriöse Verschwinden der Leiche aufzuklären, beginnen die beiden Mädchen, unauffällig im ganzen Internat nach Spuren und Motiven zu suchen. Gemeinsam sammeln sie kleine Informationsbrocken von ihren Mitschülerinnen, und Hazel hält - als Schriftführerin der Society - jeden Gedanken und jedes Detail zu den Ermittlungen in ihren Aufzeichnungen fest. Nach und nach finden die beiden Mädchen immer mehr über die verschiedenen Geheimnisse ihrer Lehrerinnen (und natürlich des Kunstlehrers!) heraus. Und obwohl die beiden - je nach Vorliebe für die verschiedenen Personen - immer mal wieder die Augen vor einem offensichtlichen Hinweis verschließen, macht es sehr viel Spaß, ihre Ermittlungen zu verfolgen und mehr über das Internat, die Gepflogenheiten in dieser Schule, die Lehrerinnen und natürlich die beiden Mädchen zu erfahren.

Anfangs fragt man sich nämlich schon ein bisschen, warum Hazel und Daisy überhaupt so gut miteinander befreundet sind und warum sich Hazel so viel von Daisy gefallen lässt. Aber im Laufe der Zeit erzählt Hazel davon, wie es für sie war, von Hongkong nach Deepdean zu kommen, wie ihr erster Eindruck von Daisy war und wie sie die Mitschülerin immer besser kennenlernte. Daisy kommt nicht zu Wort, aber allein durch die ganzen Dialoge mit Hazel und die lebhafte Schilderung ihrer Gestik und Mimik kann man sich ein sehr gutes Bild von dem selbstbewussten Mädchen machen. Gerade durch ihre Gegensätzlichkeit ergänzen sich die beiden Schülerinnen ganz hervorragend, wenn es um ihre Ermittlungen geht. Ich habe "Murder Most Unladylike" sehr genossen - und prompt die Fortsetzungen auf den Merkzettel gesetzt -, obwohl ich für meine Verhältnisse sehr viele Tage an dem Roman gelesen habe und zwischendurch stellenweise sogar das (zum Glück vorhandene) Personenregister anschauen musste, um die verschiedenen Lehrerinnen und Schülerinnen wieder zuordnen zu können.

Ich mochte diese Mischung aus erstaunlich stimmigem Kriminalfall an einem Mädcheninternat, der ebenfalls realistischen Beschreibung der Freundschaft zwischen Hazel und Daisy und den Rückblicken, die den Leser über Hazel und ihr neues Leben in England informieren. Für die junge Asiatin gibt es sehr viel Befremdliches in diesem Mädchen-Internat in den 30er Jahren und natürlich begegnet sie auch immer wieder Vorurteilen von Seiten ihrer Mitschülerinnen (kein Wunder, wenn man überlegt, dass zu der Zeit in Groschenromanen asiatische Verbrecherbanden ein großes Thema waren). Umso amüsanter fand ich für mich die Passagen, in denen Hazel erzählt, wie sie dann doch ihren Weg im Internatsalltag und Freundinnen fand, mit denen sie nun ein Zimmer teilt.

Auch wenn mein Geldbeutel nicht so begeistert sein wird, so freue ich mich doch sehr, dass ich noch (mindestens) vier weitere Bände mit Hazel und Daisy vor mir habe. Ich bin gespannt, was für Fälle die beiden Mädchen beim nächsten Mal aufklären müssen und zu welchen ungewöhnlichen (und skrupellosen) Methoden Daisy bei ihren Ermittlungen greifen wird.

Mittwoch, 11. Januar 2017

SuB-timierung - 2. Halbjahr 2016

Ich hatte im Juli schon mal einen Halbjahresstand zu meinem SuB-trahiert im Jahr 2016 gepostet, wobei es mir weniger darum ging, den SuB zu minimieren, als darum, einen Überblick darüber zu bekommen, welche Bücher ich zügig lese und welche lange auf dem SuB verweilen. Ich hoffte und hoffe, dass ich damit langfristig eine bessere Vorstellung davon bekomme, welche Titel ich mir wirklich anschaffen sollte und welche Art von Büchern ich nur ausleihen muss. Wobei es bei Titeln schwierig wird, die mich sehr interessieren, die ich mir trotzdem nicht kaufen würde, die ich aber auch nicht auf anderem Weg in die Hände bekomme.

Zum Jahresanfang (also 2017) habe ich meine Definition von SuB-"Altlasten" geändert, und zwar von "ein Buch, das seit sechs Monaten darauf wartet, gelesen zu werden" zu "ein Buch, das seit zwölf Monaten darauf wartet, gelesen zu werden". Erstaunlicherweise hatte das gar keine so großen Auswirkungen auf die Anzahl der Altlasten, die ich auf dem SuB habe. Anscheinend lese ich ein Buch entweder innerhalb der ersten sechs Monate, nachdem ich es bekommen habe, oder es bleibt viele Monate/Jahre auf dem SuB. Verständlich, denn schließlich gibt es in der Zwischenzeit neue interessante Titel, die ich mir zulege, und wenn ein Buch schon so lange wartet, dann kann ich es auch noch etwas länger liegen lassen.

Nachdem ich es spannend fand zu sehen, welche Bücher ich so in den ersten sechs Monaten 2016 gelesen hatte, wollte ich mir das auch für die zweite Jahreshälfte anschauen. Dabei gilt weiterhin, dass ich im vergangenen Jahr nicht "normal" gelesen habe, weil mein Bedürfnis nach leichter, anspruchsloser Wohlfühllektüre besonders ausgeprägt war. Womit man vielleicht behaupten könnte, dass dieser Post überflüssig ist, weil die daraus gewonnenen Erkenntnisse vermutlich für mich nicht allgemein gültig sind. Aber da ich es trotzdem spannend finde, wohin es mich in den letzten sechs Monaten mit meinen Büchern gezogen hat, mache ich mir trotzdem die Mühe. ;)

Der Juli brachte die Renovierung einer der Nachbarwohnungen inklusive der damit verbundenen Lärmbelastung mit sich, was zu sehr vielen simplen Kriminalromanen und ein paar Urban-Fantasy-Romanen (zum Antesten der Autoren) geführt hat. Immerhin habe ich es trotzdem geschafft, drei Sachbücher zu lesen, die ich mir von Natira geliehen hatte und im August über einen Boten zurückbringen lassen wollte.

Im August ging es dann weiter mit einem Reread von gleich zehn Julia-Quinn-Romanen (plus einem Neuzugang), dazu kamen Krimis, ein Jugendbuch, drei fantastische Romane und ein Sachbuch, mit dem ich schon etwas mehr Zeit verbracht habe. Wenn ich das so sehe, wundert es mich auf einmal doch nicht mehr, dass ich regelmäßig gefragt werde, wie all diese Lesestunden in meinem Alltag so zusammenkommen. Aber irgendwie klappt es in der Regel doch, dass ich täglich zum Buch greife.

Anscheinend brauchte ich dann im September wieder mehr Abwechslung und griff zu sehr unterschiedlichen Büchern. Neben den üblichen Verdächtigen (noch mal zwei Liebesromane, Krimis, Fantasygeschichten) gab es noch Jugendbücher und diverse Titel, die ich der Allgemeinen Belletristik zuordnen würde, sowie eine Biografie, eine Sammlung von Zeitungskolumnen und eine Zusammenfassung von Briefen. Obwohl die Bücher sehr, sehr unterschiedlich waren, waren sie eigentlich alle recht locker zu lesen und keines davon war sehr umfangreich oder anspruchsvoll.

Der Oktober wurde dann ganz ohne Absicht zu meinem Monat der Kinderbücher, wenn ich mir so anschaue, was ich da gelesen habe. Insgesamt waren es zwei Krimis, ein Liebesroman, zwei Fantasyromane, zwei Sachbücher und insgesamt zehn (fantastische) Kinderbücher. Wobei mir auffällt, dass ich mit meinen eigenen Büchern deutlich mehr Freude hatte als mit den Romanen, die ich spontan aus der Kinderbibliothek ausgeliehen hatte, um sie mal anzutesten. Da scheine ich inzwischen in der Regel ein gutes Händchen beim Kauf der Kinderbücher für meinen eigenen Bestand zu haben.

Im November war das Verhältnis zwischen Krimi, Jugend- bzw. Kinderbuch und Fantasy wieder recht ausgewogen - wobei mir gerade auffällt, dass ich in der zweiten Jahreshälfte relativ häufiger zusätzlich zu den gelesenen Romanen zu Kurzgeschichten gegriffen habe oder gleich eine Anthologie bei mir einzog, die ich dann recht schnell las.

Der Dezember endete wieder mit vielen (fantastischen) Kinder- und Jugendbüchern und Fantasyromanen, wobei - durch das Adventslesen und mein Bedürfnis nach Kurzgeschichten und Kitsch - noch ein Haufen weihnachtlicher Liebesgeschichten hinzukam. Dieser Neigung gehe ich nur einmal im Jahr nach und in der Regel reicht es mir da vollkommen, wenn ich dafür auf kostenlose eBooks zurückgreife, so dass ich die Weihnachtsgeschichten nicht als SuB-relevant ansehe.

Auch wurde der größte Teil der gelesenen Krimis aus diesem Halbjahr, von mir wieder aus der Bibliothek ausgeliehen. Hier zeigt es sich wieder, dass mir das Ausleihen für die meisten Kriminalromane vollkommen ausreicht. Nicht deshalb, weil ich die Bücher vermutlich nie wieder lesen würde (einige Titel habe ich wiederholt aus der Bibliothek geliehen), sondern weil es mir da nicht wichtig ist, die Romane zu besitzen. Verbinde ich aber etwas Besonderes mit einem Krimi - wie zum Beispiel mit denen von Agatha Christie -, dann ist es mir schon wichtig, dass ich eigene Ausgaben davon im Regal stehen habe. Überhaupt neige ich eher dazu, Cozies zu kaufen, als etwas härtere Krimis, die häufig weniger atmosphärisch und härter geschrieben sind, obwohl ich solche Titel auch regelmäßig lese.

***

Tja, und zu welchem Schluss komme ich nach diesem Jahr nun?

Urban Fantasy mag ich immer noch sehr gern lesen. Wobei ich vertraute Reihen - gerade wenn ich da auf dem aktuellen Stand bin - schneller lese als die Titel, die ich zum Antesten gekauft habe. Dabei habe ich beim Antesten so einige wirklich tolle neue Autoren kennengelernt und mit den Romanen schöne Lesestunden verbracht. Da ich auf das Kennenlernen neuer Autoren nicht verzichten möchte, sollte ich mir diese Romane wohl etwas gezielter vornehmen, damit sie nicht zu lange auf dem SuB liegen bleiben.

Bei Kriminalromanen reicht es, wenn ich mir die aus der Bibliothek ausleihe. Cozies hingegen kann ich mir hingegen ruhig kaufen, die Lust darauf ist mir noch lange nicht vergangen - selbst wenn es sich dabei um Geschichten handelt, die ich schon sehr oft gelesen habe, kann ich sie immer wieder genießen.

Die Kinder- und Jugendbücher, die ich mir in diesem Jahr gekauft habe, gehörten zum Großteil zu denen, die fantastische Elemente aufwiesen. Darunter gab es so viele Geschichten, die mich beim Lesen wirklich glücklich gemacht haben, dass ich darauf definitiv auch nicht verzichten möchte. Und da diese Liebe zu den fantastischen Kinder- und Jugendbüchern schon so lange anhält, dass die ersten Exemplare davon meine große Schwester für mich aus der Bibliothek geliehen hat, kann ich da wohl auch weiter hemmungslos zugreifen.

Bei den "normalen" Kinder- und Jugendbüchern gab es für mich in diesem Jahr auch einige großartige Geschichten, aber so sehr ich das Lesen genossen und bei so manchem Buch emotional vollkommen absorbiert war, so habe ich nicht das Gefühl, ich müsste diese Romane besitzen. Das ist nichts Neues für mich, aber ich finde es schön festzustellen, dass es auch in diesem Jahr dabei geblieben ist. Oh, und das gilt auch für den Großteil der Titel aus der Allgemeinen Belletristik, die ich in diesem Jahr (und den vergangenen Jahren) gelesen habe.

Bleiben noch die Sachbücher ... Hier würde ich behaupten, dass es sehr vom Buch und von der Verfügbarkeit abhängt. Ich finde so viele Themen interessant und stolpere - dank der diversen Sachbuchbesprechungen auf meinen "Stammblogs" - über so viele spannende Titel, dass es dumm wäre, wenn ich mir jedes einzelne Buch kaufen würde. Zum Glück kann ich viele Titel in der Bibliothek ausleihen und das reicht mir häufig auch. Nur manchmal finde ich ein Thema oder einen Autor interessant genug, dass ich das Buch haben möchte, obwohl ich es ausleihen könnte (so ging es mir z. B. mit Astrid Lindgrens Tagebüchern), oder ich es kaufe, weil ich auf andere Weise nicht an ein Exemplar herankomme. Dabei habe ich in den letzten Monaten eigentlich ein gutes Händchen bewiesen. Die einzigen Sachbücher, die noch auf dem SuB liegen, sind entweder schon sehr lange da (und fühlen sich deshalb nicht so dringend an) oder sind in einer Schrift/einem Format gedruckt, das ich sehr anstrengend finde und für das ich gerade keine Geduld habe. Aber solange ich das Thema immer noch spannend finde, mache ich mir da keine Sorgen.

Klingt ja so weit alles ganz gut ... und doch weiß ich nicht, ob es für die Zukunft reicht, wenn ich mich auf meine Lieblingsuntergenres beschränke, um auf dem SuB langfristig nur noch Bücher zu haben, die ich theoretisch alle gleichzeitig lesen möchte. Aber ich versuche auf jeden Fall, weiterhin bewusst mit meinen Neuzugängen umzugehen. Dann müsste ich nur noch lernen, bei den Leihgaben häufiger "Nein" zu sagen und in der Bibliothek wirklich nur die Sachen mitzunehmen, die ich vorgemerkt hatte, und nicht immer sofort einen Titel vorzumerken, wenn ich darüber auf einem Blog gestolpert bin. *g* Mal schauen, ob das funktioniert ... ;)