Freitag, 17. Februar 2017

Luzia Pfyl: Frost & Payne 1 - Die Schlüsselmacherin

"Die Schlüsselmacherin" ist der erste Teil der "Frost & Payne"-Reihe von Luzia Pfyl und ich habe keine Ahnung mehr, wie der Titel auf meinem eReader gelandet ist. Als erstes muss ich gestehen, dass es mir immer schwer fällt eine Geschichte, die gerade mal 124 Seiten lang ist und nicht für Kinder geschrieben wurde als Roman zu bezeichnen. Wobei dieses Gefühl hier dadurch gefördert wird, dass die Handlung auf mich auch gerade mal wie ein langer Prolog wirkt und bevor es wirklich losgeht, ist das Ganze auch schon zu Ende. Sogar noch schneller zu Ende als nach den Prozentzahlen beim Lesen erwartet, denn auf den letzten Seiten kommt noch eine Menge "das gab es in diesem Roman", "das erwartet euch im kommenden Roman", "den zweiten Teil kannst du vorbestellen" und "es geht darin übrigens um dieses und jenes" - ohne dass das irgendeinen Mehrwert für den Leser hätte oder mich in irgendeiner Form neugierig auf die Fortsetzung gemacht hätte.

Dabei hat mir die Grundidee von "Die Schlüsselmacherin" gut gefallen. Die Protagonistin Lydia Frost hat sich gerade als Detektivin selbstständig gemacht, nachdem sie seit ihrer Kindheit von einer - in London sitzenden - Variante der Triaden als Diebin missbraucht wurde. Auch wenn sie Madame Yueh dankbar ist, dass diese sie als kleines Findelkind aufgenommen hat (nachdem die Chinesin sah, wie Lydia ein Schloss knackte), so möchte Lydia doch auf eigenen Füßen stehen und nicht Teil der "Dragons" sein. Doch die Triaden sind in dieser Steampunk-Welt eine nicht zu unterschätzende Macht und natürlich ist Madame Yueh nicht bereit Lydia einfach so gehen zu lassen. Parallel zu ihrem Ärger mit den "Dragons" muss Lydia den verschwundenen Ehemann ihrer Klientin Cecilia Payne suchen. Jackson Payne ist ein ehemaliger Pinkerton-Mann, der vor einiger Zeit nach England ausgewandert ist, um bei seiner Frau zu sein, die in London als Wissenschaftlerin tätig ist. Doch dann verschwand die Tochter des Ehepaars und ohne seine Frau darüber zu informieren, machte sich Payne selber auf die Suche nach dem Mädchen.

Soweit ist das alles ganz nett und ich kann auch gut damit leben, dass in dieser Geschichte die Welt nicht besonders gut erklärt wird und sich viele Sachen bezüglich der Steampunk-Aspekte etwas willkürlich anfühlen. Dazu kommt, dass Luzia Pfyls Schreibweise sich zügig lesen lässt und ich zumindest die beiden Protagonisten recht sympathisch fand. Sie haben zwar nicht immer besonders klug gehandelt, aber sie waren nett und interessant genug, dass ich gern mehr über sie erfahren würde. Was mich allerdings davon abhält, sind zwei Punkte. Erst einmal habe ich jedes Mal, wenn ich das eBook wieder zur Hand nahm, einen "ach ja, DAS Buch lese ich gerade"-Moment gehabt, während ich zwischendurch nicht einmal an die Geschichte und die Figuren gedacht habe und mich statt dessen eher noch einmal an das davor gelesene eBook erinnerte. Und dann habe ich zweitens das Gefühl, dass ich keine richtige Geschichte gelesen habe. An dem Punkt, an dem ich langsam neugieriger auf weitere Ereignisse wurde, an dem ich das Gefühl hatte, dass jetzt mal endlich etwas Substanz kommen müsste oder die Handlung vielleicht mal anzieht und mir eine wirkliche Konfrontation (und nein, die Szenen im Park und in der U-Bahn zählen da für mich nicht) bieten müsste, war das Ganze vorbei. Wenn mir bei der letzten Seite die Frage "Das war es?" in den Sinn kommt statt "Wie geht es wohl weiter?", dann finde ich das Lesen eines Buches mehr frustrierend als unterhaltsam. Unter solchen Umständen ist es egal wie nett Grundidee und Protagonisten sein mögen, ich lese definitiv nicht weiter ...

Montag, 13. Februar 2017

Jennifer Estep: Cold Burn of Magic (Black Blade 1)

Da ich sowohl die "Mythos Academy"- als auch die "Elemental Assassin"-Reihe von Jennifer Estep gern lese, hatte ich mir den ersten Band ihrer neuen Trilogie zu Weihnachten gewünscht. Ich muss gestehen, dass ich nach dem Lesen ein bisschen hin- und hergerissen bin, denn ich habe ein paar Kritikpunkte. Erst einmal fühlt sich die Welt, in der die Protagonistin Lila lebt, wie eine "märchenfixierte" Version von Gin Blancos Umfeld in den "Elemental Assassin"-Büchern an - inklusive Magie, über die einige Personen verfügen, und Mafia-ähnlichen Familien, die über dem "normalen" Gesetz stehen und ihre eigenen (häufig kriminellen) Interessen mit allen Mitteln durchsetzen. Außerdem ist Lila natürlich eine Waise ... mit einer irgendwie väterlich wirkenden Bezugsperson ... die ihr Aufträge vermittelt ... Dieses Mal nicht wie bei Gin Mordaufträge, sondern Diebstähle, aber die Ähnlichkeit ist schon unübersehbar.

Dann ist da noch die Tatsache, dass Lila über eine sehr seltene magische Fähigkeit verfügt (wie Gwen Frost in den Mythos-Academy-Büchern) und über eine andere Fähigkeit, die eigentlich geheim bleiben soll, weil sie noch seltener und dazu auch noch sehr mächtig ist. Außerdem wurde Lilas Mutter vor einigen Jahren brutal getötet und sie ist noch lange nicht über den Verlust hinweg - genau wie Gin und Gwen immer noch ihren Müttern/Familien hinterhertrauern. Und wie die beiden anderen Protagonistinnen verliebt sich Lila entgegen aller Vernunft in einen Typen, der ein bisschen geheimnisvoll ist und mit dem sie auf gar keinen Fall eine Beziehung führen sollte. Zuletzt ist da noch die Tatsache, dass Lila eine unglaublich gute Kämpferin ist und als Siebzehnjährige locker mit den erwachsenen Bodyguards einer der einflussreichsten Familien der Stadt mithalten kann, was nicht nur unrealistisch ist - vor allem, da nur einmal überhaupt erwähnt wird, dass sie jemals trainiert -, sondern auch wieder sehr an Gin erinnert. Das sind schon alles mehr als vertraute Elemente bei einer Jennifer-Estep-Geschichte und ich fände es schön, wenn die Autorin sich mal davon lösen würde, weil etwas Abwechslung nun mal nicht schaden kann und ich ihr eigentlich mehr zutraue.

Außerdem erklärt Jennifer Estep auf den ersten 100 Seiten für meinen Geschmack viel zu viel. Nach einer Actionszene am Anfang ist Lila eigentlich nur noch damit beschäftigt, dem Leser die Welt inklusive der "Familien", des Magiesystems und der Monster, die die Schattenseite der Magie darstellen, vorzustellen und zu erzählen, warum sie sich mit den Monstern gut arrangieren kann und warum sie sich von den Familien fernhält und nichts mit ihnen zu tun haben will. Und natürlich will sie nach dem Verlust der Mutter keine neuen Freunde finden, ist aber eigentlich zu jedem nett, will selbst von einem Pixie mit stinkiger Laune gemocht werden und schließt natürlich total schnell Freundschaften. Bevor ich mich jetzt an jeder Kleinigkeit aufhänge, die mich an dem Roman gestört hat, muss ich noch zugeben, dass ich auch bei der "Mythos Academy"- und bei der "Elemental Assassin"-Reihe sehr viele Kritikpunkte gefunden hatte und trotzdem beide Serien mit großem Genuss gelesen habe. Jennifer Esteps Geschichten finde ich wunderbar entspannend und unterhaltsam und irgendwie mag ich ihre Protagonistinnen wirklich gern, obwohl sie immer zwischen "ein bisschen zu blind bezüglich der Auflösung der Probleme" und "trotz aller besonderen Fähigkeiten nicht wirklich überzeugend in ihrem Beruf" schwanken.

Ich lese die kleinen Szenen in den Romanen von Jennifer Estep so gern, in denen es um die Eigenheiten der Figuren oder das Essen geht oder um die typischen Besonderheiten einer Stadt oder um Freundschaft. Mir gefällt die Vorstellung, dass Lila drei Jahre in der hintersten Ecke im Keller einer Bibliothek gelebt hat und ich will auf jeden Fall mehr über die "Monster" erfahren, die in dieser Welt leben, und hoffe sehr, dass Lila noch einige Begegnungen mit ihnen hat (in denen es nicht um Leben und Tod geht). Es gibt auch immer wieder Passagen, in denen die Autorin mich emotional packt, in denen ich mit den Figuren mitleide oder mich darüber amüsiere, wie sie mit anderen Charakteren interagieren. So sitze ich am Ende - trotz aller Kritikpunkte - wieder da und bin zufrieden mit dem Gelesenen. Ich weiß, dass es einige Leute gibt, die mit Jennifer Estep (gerade mit ihren Mythos-Academy-Büchern) nichts anfangen können, aber für mich sind die Romane der Autorin entspannende Wohlfühlgeschichten voller netter fantastischer Elemente - und so werde ich mir wohl langfristig auch die anderen beiden Bände der Black-Blade-Reihe zulegen.

Dienstag, 7. Februar 2017

Holly Webb: Lily (Lily 1)

"Lily" von Holly Webb ist der erste Band einer vierbändigen Kinderbuchreihe rund um die zehnjährige Lily. Wer die "Rose"-Serie der Autorin kennt, wird in "Lily" viele vertraute Elemente wiederfinden, da die Geschichte in der selben fantastischen Welt spielt. Allerdings sind seid den Abenteuern, die Rose erlebt hat, einige Jahrzehnte vergangen und in der Zwischenzeit ist in (diesem alternativen historischen) England Magie verboten worden, nachdem der König durch Magie ermordet wurde. Es gibt eine Art Polizei, die der Witwe des Königs unterstellt ist und die jedem Verdacht auf die Anwendung von Magie nachgeht und jeder, der Magie anwendet, wird seiner Fähigkeiten beraubt und inhaftiert. So auch Lilys Vater, der kurz nach ihrer Geburt um eine Audienz bei der Königin ersuchte und danach nie wieder zu seiner Familie zurück kam.

Lilys Mutter ist davon überzeugt, dass ihre Tochter Georgiana dazu berufen ist dafür zu sorgen, dass die Magie in England wieder erlaubt wird, und unterrichtet das Mädchen deshalb von klein auf in allen Arten von Zaubern. Lily hingegen wird von ihrer Mutter vollständig ignoriert und hätte nicht einmal Lesen und Schreiben gelernt, wenn sich nicht ein Dienstmädchen ihrer angenommen hätte. Ihre ganze Kindheit hindurch wünscht sich Lily, dass sie einmal von ihrer Mutter so viel Aufmerksamkeit bekommen würde wie ihre große Schwester, doch mit zehn Jahren muss sie feststellen, dass Georgiana sehr unter den Anforderungen leidet, die die Mutter an sie stellt. Je mehr Lily darüber herausfindet, was ihre Mutter mit Georgie vor hat, desto mehr fürchtet sie um das Leben ihrer Schwester und so flüchten die beiden aus ihrem Elternhaus, um die Pläne ihrer Mutter zu durchkreuzen.

So süß und unterhaltsam ich "Lily" fand, so haben mich die Handlung und die Charaktere nicht so bewegt wie bei "Rose". Vielleicht liegt das daran, dass Rose schon mehr in ihrem Leben durchgemacht hat, dass sie weniger naiv war und mehr Angst vor ihren Fähigkeiten und davor, welche Schwierigkeiten man ihr deswegen bereiten könnte, hatte. Lily hingegen entdeckt auf den ersten Seiten dieses Romans, dass auch bei ihr so langsam die Magie erwacht und ist ganz hingerissen von all den Möglichkeiten, die sich nun vor ihr auftun. Obwohl sie oft überfordert ist und ihre Mutter ihr natürlich Angst macht, so hatte ich deutlich seltener das Gefühl, dass Lily wirklich in Gefahr schweben würde. Dafür habe ich die vielen kleinen Momente genossen wie zum Beispiel Lilys und Georgies Erkenntnis, dass sie keine Ahnung davon haben, wie sich junge Damen ihres Standes in der Stadt benehmen müssen, oder die Szenen, die in dem Gebäude spielen, in dem die beiden Schwestern im Laufe der Geschichte Zuflucht und Arbeit finden.

Da ich diese Welt lieber mag, wenn man theoretisch an jeder Ecke über magische Elemente stolpern kann, hoffe ich sehr, dass Lily am Ende erfolgreich sein wird. Ich freue mich auf die weiteren drei Bände, die schon in meinem Regal schlummern. Denn auch wenn mich dieser erste Teil nicht ganz so verzaubert hat wie "Rose", so erzählt Holly Webb wieder eine wunderbar unterhaltsame und sehr niedliche Geschichte rund um Lily und ihre Schwester, mit liebenswerten Charakteren und liebevollen und amüsanten kleinen Elementen, die mir einfach Spaß machen. Diese fantastischen Kinderbücher ist in meinen Augen einfach perfekt für eine kleine Auszeit in stressigen Zeiten.

Samstag, 4. Februar 2017

Digital vs. Print

Angesicht der Büchermassen, die ich gerade in Kartons stecke, und der immer wieder überraschenden Erkenntnis, wie wenige Bücher doch in einen Karton passen, ist es wohl kein Wunder, dass ich zur Zeit immer wieder über die Vor- und Nachteile von eBooks nachdenke. Dieser Umzug wäre so viel einfacher (und günstiger), wenn ich meine Bücher zum größten Teil als Daten auf dem eReader hätte. Vor allem, da ich ja inzwischen auch regelmäßig eBooks lese und auch ein paar Vorteile daran entdeckt habe, würde es sich theoretisch in Zukunft anbieten, in erster Linie Dateien zu kaufen.

Ich mag zum Beispiel, dass ich die Schriftgröße so weit erhöhen kann, dass ich auch in der Dämmerung oder mit müden Augen noch gut lesen kann. Außerdem kann ich mit dem eReader auch Bücher lesen, während ich stricke, weil ich das Buch nicht mit der Hand geöffnet halten muss und mit einem einfachen Tastendruck umblättern kann. (Ja, mein eReader ist so alt, dass er Tasten hat, und ich liebe ihn dafür! So kann ich ihn z.B. auch nutzen, wenn ich mir gerade die Hände eingecremt habe, was ich nicht machen würde, wenn ich über den Bildschirm wischen müsste, oder wenn eine Katze so auf mir liegt, dass ich gerade noch ein Fingerzucken auf die Reihe bekomme, aber keine größere Geste.) Ich habe auch keine Hemmungen, den Reader mit zum Kochen in die Küche oder mit ins Badezimmer zu nehmen, während ich meine gedruckten Bücher lieber nicht irgendwo rumliegen lasse, wo sie Wasserflecken oder Ölspritzer abbekommen könnten.

Trotz all dieser Vorteile sind mir meine gedruckten Bücher aber viel zu wichtig, um auf eBooks umzusteigen. Dabei geht es mir nicht darum, den Hamster in mir zu befriedigen, dem es einfach gefällt, wenn er vor gefüllten Regalen steht, oder mich an besonderen Ausgaben zu erfreuen. Denn - und da muss ich ehrlich sein - so schön ich ein ordentliches Bücherregal finde, so sehen meine Regale selten ordentlich aus (da ich immer zu viele Bücher pro Regalbrett reinstopfen muss), und es ist auch nicht gerade besonders ästhetisch, wenn man von einem Autor vier nicht zueinander passende Ausgaben einer Reihe nebeneinander stehen hat, weil das nun mal die einzige (oder günstigste) Möglichkeit war, die Bücher zu bekommen. Mir geht es vor allem um mein Leseverhalten, das bei gedruckten Büchern nun einmal anders ist als bei eBooks.

Ich lese viel und ich lese schnell, weshalb es gut ist, dass ich häufig Romane mehrfach lese. Es gibt Bücher in meinem Bestand, die ich (unter normalen Umständen) jedes Jahr wieder in die Hand nehme und genieße. Andere fische ich mir gern aus dem Regal, blättere zu meinen Lieblingsstellen und lese die noch einmal, um Erinnerungen aufzufrischen oder einfach eine bestimmte Passage noch einmal zu genießen. Und während ich dieses Blättern bei einem gedruckten Buch in wenigen Sekunden auf die Reihe bekomme, muss ich beim eBook mühsam zwischen Inhaltsverzeichnis (wenn überhaupt vorhanden) und den Kapiteln wechseln und blättern, blättern, blättern, bis ich an der richtigen Stelle bin. So dauert es länger, zu der gesuchten Passage zu kommen, als ich zum Lesen brauche. Das finde ich überaus lästig.

Auch das Nachschlagen von Personennamen (mein Namensgedächtnis ist nun mal grauenhaft) zum Beispiel für Rezensionen ist nervig bei einem eBook - und ich habe keine Lust, beim Lesen vorsichtshalber schon mal jede vorkommende Person zu notieren, nur weil ich sie eventuell in einer meiner Rezensionen erwähnen wollen könnte. (Wer mal drauf achten mag, wird feststellen, dass ich bei eBook-Rezensionen deutlich seltener Nebenfiguren mit Namen benenne als bei gedruckten Büchern. *g*) Überhaupt fällt mir bei eBooks immer wieder auf, wie oft ich normalerweise beim Lesen zurückblättern würde, um etwas nachzuschauen oder eine Passage noch einmal mit dem Wissen um die spätere Handlungsentwicklung zu lesen, und es ärgert mich, dass ich mir dieses Nachschlagen und Genießen bei einem eBook in der Regel verkneife, weil es eben nicht so einfach möglich ist.

Auch merke ich immer wieder, dass ich bei eBooks weniger Geduld habe, wenn ich einen Titel in die Finger bekomme, der etwas mehr Aufmerksamkeit beansprucht. Mir fehlt das Gefühl für den Seitenumfang, für das Voranschreiten der Geschichte und die Ermutigung bei etwas zäheren Passagen, die dadurch entsteht, dass ich sehen kann, dass ich nur noch ein Drittel des Buches vor mir habe und deshalb vermutlich das Ganze bald anziehen wird. Bei Büchern, die mich sehr fordern, nehme ich mir oft eine feste Seitenzahl pro Tag vor, was mit den Prozentzahlen, die mir mein Reader anzeigt, für mich nicht funktioniert. Wenn man dann noch bedenkt, wie wenige "herausfordernde" Bücher ich im vergleich zu fluffigen Romanen lese, befürchte ich, dass ich auf diese bewussten Herausforderungen ganz verzichten würde, wenn ich auf eBooks umsteigen würde.

Außerdem stelle ich fest, dass ich eBooks viel seltener noch einmal lese. Was - wie ich zugeben muss - auch damit zusammenhängt, dass ich auf meinem Reader mehrere Ordner habe, in denen die Titel alphabetisch nach Autorenname aufgelistet sind. Erst einmal ist diese Auflistung nicht immer korrekt, weil bei manche Dateien der Autorenname nicht richtig angegeben wurde (also nicht so, dass das Gerät den Nachnamen auch eindeutig als solchen erkennt), dann scrolle ich nun einmal nicht so gern durch Listen, um mir Inspiration für meine nächste Lektüre zu suchen, und zwischen den Ordnern zu wechseln ist auch deutlich lästiger als mal eben einen Schritt zur Seite zu machen, um ein anderes Genre im Regal ins Auge zu fassen. Das Ganze wäre vermutlich nicht ganz so schlimm, wenn ich eine Regalansicht mit Covern auf meinem Gerät hätte, aber wirklich reizvoll finde ich so eine Ansicht auch nicht, wie ich dank der diversen Plattformen mit eBook-Angeboten sagen kann.

Zuletzt ist es noch so, dass ich wirklich gerne gedruckte Bücher in den Händen halte. Selbst die dicken Wälzer, die auf Dauer zu schmerzenden Handgelenken führen und die man nur längere Zeit am Stück lesen kann, wenn man sie auf der Sofalehne oder einem Tisch ablegt, finde ich angenehmer als den dünnen Reader zu halten. Dabei ist mein altes Gerät im Vergleich zu neueren Readern sogar verhältnismäßig dick und schwer, aber er liegt trotzdem nicht so gut in der Hand wie die meisten Bücher es tun. Außerdem ich finde es erholsam, wenn ich, nachdem ich jeden Tag Stunden vor dem Bildschirm verbringe, auf Papier blicken kann, statt schon wieder von einem Bildschirm angestrahlt zu werden (selbst wenn mein Reader keinen beleuchteten Bildschirm hat).

So bleibt es wohl auch in Zukunft dabei, dass ich versuche, irgendwie genügend Regalplatz in der Wohnung zu schaffen und bei jedem Umzug über all die Kartons entsetzt bin. Und dabei habe ich bei all den Gedanken zum Thema eBooks nicht mal über Comics, Manga und Spiele geredet, ebensowenig wie über die Tatsache, dass mein Mann nicht nur großteils ähnliche Hobbies hat wie ich, sondern auch noch eine Sammlung von Schallplatten und Brettspielen ...

Mittwoch, 1. Februar 2017

Februar-SuB 2017

Der Januar war ein ziemlich arbeitsreicher Monat und ich hatte nicht erwartet, dass ich ausreichend Lesezeit finden würde. Aber dank der richtigen Lektüre - also lauter locker-flockig zu lesende dünne Romane (zum Großteils Kinderbücher) - und der Tatsache, dass mein Mann abends so erledigt war, dass er deutlich früher als normal ins Bett ging und ich die so entstandene ablenkungsfreie Zeit zum Lesen genutzt habe, sind es dann doch 15 Bücher, 5 Kurzgeschichten und 1 Manga geworden. Dummerweise gehen mir so langsam die dünnen, einfachen Bücher aus, während die stressige Zeit erst jetzt so richtig anfängt.

Für die erste Februarwoche habe ich noch zwei vorbereitete Blogbeiträge terminiert, ansonsten weiß ich nicht, ob ich in den nächsten Wochen zum Bloggen und Kommentieren komme. Im schlimmsten Fall lesen wir uns dann erst im März wieder (vorausgesetzt, dass es mit dem Internetzugang in der neuen Wohnung reibungslos funktioniert).

  1. Holly Black: The Darkest Part of the Forest
  2. Alan Bradley: Flavia de Luce 5 - Schlussakkord für einen Mord
  3. Alan Bradley: Flavia de Luce 6 - Tote Vögel singen nicht
  4. Marie Brennan: The Tropic of Serpents - A Memoir by Lady Trent
  5. Marie Brennan: The Voyage of the Basilisk - A Memoir by Lady Trent
  6. Marie Brennan: In the Labyrinth of Drakes - A Memoir by Lady Trent
  7. Jim Butcher: Die Verschwörer von Kalare (Codex Alera 3)
  8. Jim Butcher: Der Protektor von Calderon (Codex Alera 4)
  9. Jim Butcher: Die Befreier von Canea (Codex Alera 5)
  10. Jim Butcher: Der erste Fürst (Codex Alera 6)
  11. Gail Carriger: Curtsies and Conspiracies (Finishing School 2)
  12. Agatha Christie: Curtain - Poirot's Last Case
  13. Jennifer Estep: Cold Burn of Magic
  14. Mira Grant: Deadline (Newsflesh #2)
  15. Mira Grant: Blackout (Newsflesh #3)
  16. Alex Grecian: The Yard
  17. Kate Griffin: The Midnight Mayor (Matthew Swift #2)
  18. Kate Griffin: The Neon Court (Matthew Swift #3)
  19. Kate Griffin: The Minority Council (Matthew Swift #4)
  20. Kate Griffin: Stray Souls (Magicals Anonymous #1)
  21. Kate Griffin: The Glass God (Magicals Anonymous #2)
  22. Kim Harrison: Bluthexe (Rachel Morgan 12)
  23. Kim Harrison: Blutfluch (Rachel Morgan 13)
  24. Jim C. Hines: Die Buchmagier - Angriff der Verschlinger
  25. Mark Hodder: Auf der Suche nach dem Auge von Naga
  26. D. B. Jackson: Thieve's Quarry (Thieftaker #2)
  27. Diana Wynne Jones: The Islands of Chaldea
  28. Diana Wynne Jones: A Tale of Time City
  29. Morgan Keyes: Darkbeast Rebellion
  30. Sarah Kuhn: Heroine Complex
  31. Lynn Kurland: Star of the Morning
  32. Scott Lynch: Die Lügen des Locke Lamora
  33. Moira J. Moore: Resenting the Hero
  34. Bishop O'Connell: The Stolen
  35. Jackson Pearce: Blutrote Schwestern
  36. Cindy Pon: Serpentine
  37. Bea Rauenthal: Karfreitagsmord
  38. Philip Reeve: Larklight
  39. John Scalzi: Fuzzy Nation
  40. Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
  41. A.C.H. Smith: Jim Henson's The Dark Crystal
  42. Jonathan Stroud: Bartimäus - Das Amulett von Samarkand
  43. Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
  44. Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde
  45. Charles den Tex: Die Zelle
  46. Rob Thomas: Veronica Mars - The Thousand Dollar Tan Line
  47. Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten
  48. Uwe Voehl: Tod und Schinken
  49. Patricia C. Wrede: The Thirteenth Child
  50. Xinran: Gerettete Worte
  51. Xinran: Wolkentöchter
  52. Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes

52 Titel auf dem SuB


(durchgestrichene Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind in diesem Monat neu hinzugekommen)

Sonntag, 29. Januar 2017

Das unbeschreibbare Badezimmer oder auch "die Neue"

Gestern gab es für uns die Schlüssel für die neue Wohnung und ich habe die Gelegenheit gleich mal genutzt, um Fotos von dem unbeschreibbaren Badezimmer zu machen.

Erst einmal gibt es einen Blick von der Wohnungstür aufs Badezimmer:


Sehr schön zu erahnen ist auch die charmante Flurgestaltung, die vermutlich noch aus den 50er Jahren ist. Und ja, das ist wirklich der Blick aufs Badezimmer, wie ihr gleich noch sehen werdet.

In der Wohnung schaut der Blick ins Badezimmer dann so aus:


Eine kleine Stufe vom Flur ins Badezimmer, am Waschbecken vorbeiquetschen und dann nur noch zwei hohe Stufen, um zur Toilette zu kommen. Die Badewanne lässt sich neben der Toilette auch schon erahnen. Und hier seht ihr auch schon den Zugang zur Badewanne:


Das wird bestimmt sehr lustig, wenn man da mit nassen Füßen rauskrabbeln will. Ich bin schon sehr gespannt, wie lange wir brauchen, um uns daran zu gewöhnen.


Ganz gerade ist die Nische nicht, in die die Badewanne eingepasst wurde und ich bin sehr gespannt, ob ich mit dem Kopf unter die Dusche passe und wie viel Nässe die Decke abbekommt. Denn durch die ganzen Stufen habe ich mit meinen 1,80 m nicht wirklich viel Luft zwischen meinem Kopf und der Decke, wenn ich in der Wanne stehe.


Hier seht ihr das auf dem ersten Bild gezeigte Fenster noch einmal von innen, um zu beweisen, dass das erste Foto wirklich einen Blick aufs Badezimmer zeigte. ;)

***

Ich muss gestehen, dass wir gestern doch ziemlich geschockt waren vom Zustand der (im vergangenen Jahr "teilrenovierten") Wohnung. Nach der Schlüsselübergabe konnten wir die Zimmer zum ersten Mal in Ruhe und unbeobachtet anschauen und haben dabei so einige Baustellen entdeckt, die wir vor oder kurz nach dem Einzug noch in Angriff nehmen müssen. Das wird nicht nur einiges an Arbeit, sondern auch wieder Geld kosten, und ich habe es langsam so satt, Arbeit und Geld in vernachlässigte Mietwohnungen zu stecken, damit wir uns darin langfristig einigermaßen wohlfühlen können. Dummerweise ist uns auch bewusst, dass wir wirklich Glück gehabt haben, dass wir überhaupt in dieser Stadt so schnell eine neue Wohnung gefunden haben ...

Freitag, 27. Januar 2017

Regina Stürickow: Kommissar Gennat ermittelt - Die Erfindung der Mordinspektion

Über Regina Stürickow und ihre Veröffentlichungen rund um Berliner Kriminalfälle und Kommissar Gennat bin ich im vergangenen August das erste Mal gestolpert, als mein Mann und ich ein "Mörderisches Wochenende" verbrachten. Als Folge dieses Wochenendes und der intensiven Beschäftigung mit dem Film "M" von Fritz Lang landeten zwei neue Titel auf meiner Wunschliste, die beide inzwischen auch bei mir eingezogen sind. Einer davon ist "Kommissar Gennat ermittelt - Die Erfindung der Mordinspektion", und weil ich so neugierig darauf war, habe ich in den letzten Tagen bei jeder Gelegenheit darin gelesen. Wichtig ist es mir noch, anzumerken, dass "Kommissar Gennat ermittelt" die überarbeitete Neuauflage des 1998 erschienenen Titels "Der Kommissar vom Alexanderplatz" ist, wobei für diese aktuelle Veröffentlichung die Texte überarbeitet und neues Bildmaterial und weitere Kriminalfälle eingefügt wurden.

Kommissar Gennat war mir zwar schon länger ein Begriff, aber da ich ihn vor allem aus Romanen kannte, die die reale Person in fiktive Geschichten einbetteten, fand ich es spannend, mehr über diesen ungewöhnlichen Kriminalbeamten zu erfahren. Die Zeit, in der Ernst Gennat bei der Polizei arbeitete, war von vielen Umbrüchen geprägt. So ist er 1904 mit 24 Jahren in den Dienst der Polizei getreten und blieb bis zu seinem Tod im August 1939 bei der Kriminalpolizei. Während er also den Ersten Weltkrieg und das Ende der Kaiserzeit, die Weimarer Republik und die ersten Jahre des Nationalsozialismus erlebte, erwarb sich Ernst Gennat - in der Regel sogar relativ unabhängig von der aktuellen Politik - einen Ruf als unvergleichlicher Kriminalist und nutzte diesen, um zur Gründung der ersten Kriminalpolizeilichen Abteilung in Deutschland beizutragen (und diese im Laufe der Zeit weiterzuentwickeln).

Von politischer Seite aus scheint Ernst Gennat bis 1933 recht freie Hand gehabt zu haben, auch wenn er - dank seines mangelnden Ehrgeizes - nie in eine so hohe Position kam, dass er seiner Arbeit auf diese Art und Weise ohne wohlwollende Vorgesetzte hätte nachgehen können. Nach 1933 wurde es für die Mordermittlung deutlich schwieriger, weil die Kriminalpolizei nun auf der einen Seite zum politischer Handlanger wurde (und das häufig zur Freude derjenigen Ermittler, deren Gesinnung ebenso rechts war wie die neue Regierung) und es auf der anderen Seite keine Fahndungsaufrufe oder ähnliche Möglichkeiten für die Ermittlungsarbeit mehr gab, damit die Bevölkerung in dem Glauben gehalten werden konnte, dass es unter dem rechten Regime zu keinen großen Verbrechen mehr kommen würde.

Insgesamt ist mir im Laufe des Buches aufgefallen, wie wenig eigentlich über den Menschen Ernst Gennat bekannt ist. Es gibt Informationen über seine Eltern und seinen Bruder, über sein abgebrochenes Jurastudium und über seine extreme Vorliebe für Kuchen, die auch schon mal dazu führte, dass auf der Fahrt zu einem Tatort eben noch an einer Konditorei angehalten wurde. Aber von diesen wenigen Details abgesehen sind wohl wirklich nur Informationen über seine Arbeit als Kriminalist erhalten geblieben. Eine Errungenschaften bei seiner Arbeit war, dass es ihm extrem wichtig war, dass ein Tatort so erhalten blieb, wie er vorgefunden wurde, bis alle Fakten festgehalten werden konnten. Etwas, das heute selbstverständlich ist, während das damals vollkommen unüblich war. Auch die Einführung des sogenannten "Mordautos" - ein Fahrzeug mit allen notwendigen Gerätschaften für die ersten Arbeiten am Tatort sowie mobilem Arbeitsplatz für eine Sekretärin - wird ihm zugeschrieben. Dabei hat wohl nicht nur seine akribische Arbeitsweise, sondern auch die Tatsache, dass sich Gennat gut mit all den Kriminellen verstand, mit denen er zu tun hatte, zu seinen Ermittlungserfolgen geführt. Er gab den Tätern das Gefühl, er würde sie verstehen und nachvollziehen können, wie es zur Tat gekommen war. Und anscheinend hat er auch oft genug in seinen Berichten an die Staatsanwaltschaft erwähnt, welche mildernden Umstände zum Tragen kommen könnten, um zum Beispiel bei einem Mörder die Todesstrafe zu verhindern und ihn stattdessen nur zu lebenslanger Haft zu verurteilen.

Spannend fand ich in diesem Buch auch Details, die eher wenig mit der Person Ernst Gennat zu tun hatte, wie die Aussage, dass die Fotos, die damals an Tatorten gemacht wurden, großartiges Material für Historiker bieten, weil sie das Leben und Wohnen quer durch alle Bevölkerungsschichten genau abbildeten. Wenn man da mal genauer drüber nachdenkt, dann ist das wohl das erste Mal in der Geschichte der Menschheit, dass man nicht durch Ausgrabungen, Gemälde und Haushaltsbücher Informationen über das Leben der Menschen bekommt (und das vor allem über Personen, die über ein gewisses Einkommen verfügten), sondern über detailliertes Festhalten des aktuellen Zustands einer Wohnung und der darin lebenden Menschen in Zusammenhang mit einem Kriminalfall.

Leider habe ich auch einige Kritikpunkte bei diesem Buch gefunden, die mich - obwohl ich die Lektüre sehr interessant und spannend fand - sehr gestört haben. Erst einmal mag ich es nicht, wenn man alte Fotos für eine Veröffentlichung so bearbeitet, dass einzelne Elemente rot aus den schwarzweißen Bildern herausstechen. Das ist unnötig reißerisch und lenkt von anderen Details ab, die ich persönlich in der Regel viel interessanter fand. Aber ob einen dieses Bildelement stört, ist ja Geschmackssache. Viel unangenehmer fand ich, dass Text und Foto häufig nicht zusammenpassten. So beschreibt die Autorin in einem Absatz ein Ereignis, bei dem alle zu dem Zeitpunkt aktiven Kriminalkommissare anwesend waren (inklusive Charakter, Arbeitsweise und zum Teil zukünftigem Werdegang der Personen), aber das folgende Foto wurde bei einer ganz anderen Gelegenheit aufgenommen und zeigt nur einen der erwähnten Männer. Ich vermute, dass solche Fehler durch die Überarbeitung der alten Auflage (und das eventuelle Auslaufen von Bildrechten) passiert sind, aber es ärgert mich sehr, wenn ich im Text zum Beispiel explizit auf einen Mann mit Goldrandbrille hingewiesen werde und er im ganzen Kapitel auf keinem einzigen Foto auftaucht.

Ebenso gab es stellenweise Probleme mit der Anordnung von Bild und Texte, weil dort lieber auf eine nicht so statische Präsentation gesetzt wurde statt auf die Lesbarkeit der historischen Dokumente und Zeitungsausschnitte. Kleine Textzeilen und Bilddetails, die im Falz liegen, sind nun einmal nicht erfassbar, wenn man nicht das ganze Buch dafür auseinandernehmen möchte, Und ich verstehe so eine Anordnung bei einem Sachbuch auch nicht, wenn man das Bild genauso gut auf eine Seite und den Text gegenüberliegend hätte platzieren können, so dass alles für den Leser problemlos zu erkennen gewesen wäre. Auch sonst wurden die Fotos meinem Gefühl nach oft unpassend platziert, wenn man zum Beispiel über einen bestimmten Kriminalfall liest und auf der gleichen Seite ein Bild zu sehen ist, das sich auf einen anderen Fall bezieht. Selbst wenn diese beiden Fälle oft genug zusammenhingen oder zeitgleich von Gennat in diesen Fällen ermittelt wurde, so konnte ich beim Lesen dieses Foto erst einmal nicht zuordnen und musste dann, wenn ich auf den nächsten Seite dann endlich den Bezug herstellen konnte, wieder zurückblättern, um das Gelesene mit dem Bild in Verbindung bringen zu können.

Außerdem meint Regina Stürickow im Vorwort, dass sie hier und da Details frei ergänzt habe, und auch das hätte es für mich nicht gebraucht. Natürlich liest es sich flüssiger, wenn einem ein Kriminalfall als Geschichte inklusive Nebenbemerkungen zum Charakter des Opfers oder des Täters erzählt wird, aber das sorgt bei mir auch immer dafür, dass ich mich frage, welche Details nun aus den Polizeiakten stammen und welche die Autorin hinzugefügt hat. Ich möchte mich bei einem Sachbuch nicht fragen, welcher Teil nun "wahr" ist und welcher Teil "ergänzt" wurde. Ebenso stören mich Elemente wie ein fiktives Interview mit Ernst Gennat. Auch wenn es viele Artikel gibt, die die Meinung des Polizisten zu den diversen Themen und Fällen wiedergaben und ich davon ausgehen kann, dass die ihm zugeschriebenen Antworten auf die Fragen stimmig sind, so brauche ich kein Interview als "Zusammenfassung" seiner Ansichten und Aussagen, wenn ein solches Interview so nie stattgefunden hat.

Das klingt jetzt alles sehr nörgelig und ich muss zugeben, dass ich mich beim Lesen wirklich häufig geärgert habe. Aber trotz dieser Kritikpunkte hat sich "Kommissar Gennat ermittelt" für mich wirklich gelohnt, weil ich so viele Details über das Leben (in Berlin) zwischen 1904 und 1939 erfahren habe. Auf die Veränderungen in der Polizeiarbeit geht Regina Stürickow eher allgemein ein, ich vermute mal zugunsten der Autorin, dass da gar nicht so viele Informationen über schrittweise Weiterentwicklungen erhalten geblieben sind. Stattdessen bekommt man als Leser Dinge erzählt wie die Tatsache, dass Ernst Gennat bei dem Versuch, eine umfassende Verbrecherdatei aufzubauen, auch schon mal die abgeschlossenen Fälle anderer Dienststellen anforderte und dann "vergaß", sie zurückzugeben. Solche Elemente finde ich interessant, weil sie einem eine Vorstellung von dem Charakter eines Menschen vermitteln.

Auch finde ich es spannend, wenn die Autorin statistische Zahlen zum Beispiel zur Einfuhr von Milch und Eiern nach Berlin in den Text einfügt, um die wirtschaftliche Entwicklung in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts aufzuzeigen und zu erklären, warum es zu einer solchen Steigerung der Kriminalitätsrate kam. Und so sehr ich den Umgang mit dem Bildmaterial kritisiert habe, so faszinierend fand ich doch in der Regel die Fotos. Es ist eben ein Unterschied, ob man nur liest, dass eine sechsköpfige Familie plus "Untermieter" in einer 1-Zimmer-Wohnung lebt, oder ob man ein Foto von diesem Zimmer betrachten kann und eine konkretere Vorstellung davon bekommt, unter welchen Umständen die Menschen in dieser Wohnung gehaust haben. So interessant ich dieses Buch fand, so werde ich mit dem Lesern von "Mörderische Metropole Berlin" von der selben Autorin noch ein bisschen warten, da ich davon ausgehe, dass es die eine oder andere Überschneidung mit "Kommissar Gennat ermittelt" geben wird.