Samstag, 4. November 2017

Kleine Auszeit

Nur damit niemand denkt, dass etwas Schlimmes (vielleicht sogar mit einem der vielen kranken Familienmitglieder) passiert ist, wenn hier ein paar Tage nichts geschieht, kündige ich hiermit offiziell eine kleine Blog-Auszeit an.

Mein Kopf ist gerade so voll, dass sich Online-Sein nicht gut anfühlt. Ich hatte eigentlich gehofft, dass das "Herbstlesen" mich wieder etwas ausgleicht, weil es mir normalerweise hilft, wenn ich mich durch Lesen und Schreiben ablenke, aber dieses Mal hat das nicht geklappt. Ich werde also für ein paar Tagen den Blog, den Feedreader und Twitter einfach mal vollständig ignorieren und versuchen, mich so weit zu sortieren, das ich mich danach wieder mit anderen Menschen austauschen mag.

Freitag, 3. November 2017

G. R. Gemin: Milchmädchen

Neyashas Kurzeindruck zu "Cowgirl" von G. R. Gemin war der Grund dafür, dass ich mir die deutsche Ausgabe "Milchmädchen" in der Bibliothek habe vormerken lassen. Die Geschichte wird aus Gemmas Sicht erzählt und schon zu Beginn bekommt man als Leser mit, dass ihr Leben zur Zeit nicht gerade rosig verläuft. Ihr Vater sitzt seit fast zwei Jahren im Gefängnis, ihre Mutter ist - dank anstrengendem Vollzeitjob - nur noch gestresst und will abends ihre Ruhe habe, ihr kleiner Bruder nervt und lässt sich immer häufiger mit Typen ein, deren Ideen selten legale Aktivitäten beinhalten, und überhaupt ist die Gegend, in der Gemma wohnt, nicht gerade ein Ort an dem man sich heimisch und sicher fühlen kann. Gemmas einziger Ausweg aus der Situation ist ihr Fahrrad, mit dem sie jeden Tag lange Touren unternimmt - immer auf der Suche nach dem Ort, an dem sie mit ihrer Familie mal einen wunderschönen Tag verbracht hat.

Eine Angewohnheit von Gemma ist es, sich (mit geschlossenen Augen) die Hügel ihrer walisischen Heimat runterrollen zu lassen, im vollen Bewusstsein, wie gefährlich das ist. Doch eines Tages stürzt sie, als sie einer Herde Kühe ausweichen muss, die auf der Straße steht. Zu ihrer Überraschung stellt sie fest, dass diese zwölf Kühe ihrer Mitschülerin Kate gehören. Kate, die von allen in der Schule nur "Cowgirl" genannt wird, ist eines der Mädchen, mit denen man nicht zusammen gesehen werden will, wenn man nicht dem gleichen Mobbing ausgesetzt sein will wie die anderen Verlierer an der Schule. Trotzdem kommt es dazu, dass sich Gemma im Laufe der Zeit mit der starken und selbstbewussten Kate anfreundet und dann feststellen muss, dass auch ein Mädchen wie das "Cowgirl" mal Hilfe benötigt. Gemeinsam mit ihrer Oma und den diversen Nachbarn verstecken Gemma und Kate die Kühe des Mädchens inmitten einer Wohnsiedlung und stoßen so einen völlig neuen Umgang der Bewohner zueinander an.

Es gab viele Elemente an "Milchmädchen", die ich mochte. Gemmas Sicht der Ereignisse hat sich gut lesen lassen. Gemma läuft mit den "bösen Mädchen" der Schule mit, weil sie nicht das Opfer dieser Mitschülerinnen sein will, sie flüchtet von daheim und gibt sich angenehmen Tagträumen hin, und sie hat Probleme, sich allein ihren vielen Ängsten zu stellen, was sie relativ realistisch wirken lässt. Und nachdem die Freundschaft zu Kate dafür sorgt, dass sie mal über ihren Tellerrand hinausblickt und etwas Rückgrat entwickelt, lernt Gemma, dass es manchmal gar nicht so schlimm ist, wenn man nicht mitläuft, wenn man aus der Masse heraussticht und einfach mal etwas tut, was einem am Herzen liegt. Auch sonst gibt es viele sympathische Figuren in der Geschichte und die Vorstellung, dass eine ganze Siedlung eine Kuhherde versteckt und versorgt, ist wirklich sehr schön.

Trotzdem muss ich zugeben, dass dieses Jugendbuch bei mir nicht so richtig gezündet hat. Vielleicht bin ich zu zynisch, aber ich glaube nicht, dass eine Kuh im Garten von einem Tag auf den anderen dafür sorgt, dass Menschen ihre rassistischen Vorurteile ablegen, ihre Diebstähle einstellen, verantwortungsbewusste Personen werden oder auf einmal den Sonderling nebenan problemlos akzeptieren. Das Ganze lief mir in "Milchmädchen" einfach zu glatt, es gab viel zu wenige Widerstände, viel zu wenige Hindernisse und das Ende war so perfekt und zuckersüß, dass es mich regelrecht ärgerte. Erst baut der Autor so viele und angenehm realistische Probleme in Gemmas Leben ein, und dann lösen sich all diese Probleme innerhalb weniger Tage auf, weil ein Mädchen seine Kühe nicht verlieren will. Auch wenn der Gedanke, dass es so laufen könnte, wirklich schön ist, so ist eine solche Auflösung mir doch zu unrealistisch angesichts der Tatsache, dass G. R. Gemin seine Geschichte mit sich real anfühlenden Personen und Problemen gestartet hat.

Mittwoch, 1. November 2017

November-SuB 2017

Im Oktober habe ich dank des Herbstlesens doch einiges an Lesezeit genießen können und so ist mein SuB auch ein kleines Bisschen geschrumpft. Nebenbei habe ich sogar meine Bibliotheksausleihen stressfrei weggelesen. Die Bibliothek ist immer die größte Herausforderung für meinen SuB, da die festen Abgabetermine ein zeitnahes Lesen fordern, aber auf der anderen Seite ist sie auch die größte Erleichterung für meinen Geldbeutel, weil ich Bücher, die ich gern lesen, aber nicht unbedingt besitzen möchte, darüber beziehen kann.

Obwohl hier noch ein paar geliehene Bücher rumschwirren (und ich morgen schon wieder Vormerkungen aus der Bibliothek abholen darf), werde ich versuchen mich im November trotzdem auch auf meinen SuB zu stürzen. Es wäre schön, wenn ich Zeit für die weiteren Lady-Trent-Romane von Marie Brennan finden würde, denn die machen mir gerade viel Spaß. Grundsätzlich kann es nicht schaden den SuB weiter abzubauen, bevor zwischen Ende November und Ende Dezember wieder ein ganzer Haufen Neuzugänge bei mir eintrifft. Außerdem hoffe ich, dass es endlich zur Anschaffung der noch fehlenden Wohnzimmerregale kommt, was bedeuten würde, dass ich weitere Buchkartons auspacken kann. Wenn ich daran denke, wie sehr ich mich auf ein Wiedersehen mit meinen alten Schätzen freue, dann werde ich vermutlich das kommende Jahr nur mit dem erneuten Lesen meines jahrzehntealten Bestands verbringen. *g*

  1. Alan Bradley: Flavia de Luce 5 - Schlussakkord für einen Mord
  2. Alan Bradley: Flavia de Luce 6 - Tote Vögel singen nicht
  3. Marie Brennan: The Voyage of the Basilisk - A Memoir by Lady Trent
  4. Marie Brennan: In the Labyrinth of Drakes - A Memoir by Lady Trent
  5. Marie Brennan: Within the Sancutary of Wings - A Memoir by Lady Trent
  6. Julie Campbell: The Mysterious Visitor (Trixie Belden 4)
  7. Kate Griffin: The Midnight Mayor (Matthew Swift #2)
  8. Kate Griffin: The Neon Court (Matthew Swift #3)
  9. Kate Griffin: The Minority Council (Matthew Swift #4)
  10. Kate Griffin: Stray Souls (Magicals Anonymous #1)
  11. Kate Griffin: The Glass God (Magicals Anonymous #2)
  12. Jim C. Hines: Die Buchmagier - Angriff der Verschlinger
  13. Mark Hodder: Auf der Suche nach dem Auge von Naga
  14. D. B. Jackson: Thieve's Quarry (Thieftaker #2)
  15. Diana Wynne Jones: The Dark Lord of Derkholm
  16. Diana Wynne Jones: Year of the Griffin
  17. Scott Lynch: Die Lügen des Locke Lamora
  18. Bishop O'Connell: The Stolen
  19. Jackson Pearce: Blutrote Schwestern
  20. Cindy Pon: Serpentine
  21. Bea Rauenthal: Karfreitagsmord
  22. Philip Reeve: Larklight
  23. John Scalzi: Fuzzy Nation
  24. Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
  25. A.C.H. Smith: Jim Henson's The Dark Crystal
  26. Jonathan Stroud: Bartimäus - Das Amulett von Samarkand
  27. Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
  28. Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde
  29. Charles den Tex: Die Zelle
  30. Rob Thomas: Veronica Mars - The Thousand Dollar Tan Line
  31. Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten
  32. Uwe Voehl: Tod und Schinken
  33. Xinran: Gerettete Wort
  34. Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes

34 Titel auf dem SuB


(durchgestrichene Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind in diesem Monat neu hinzugekommen)

Sonntag, 29. Oktober 2017

Herbstlesen im Oktober (9) - Sonntag

Heute ist der letzte Sonntag im Oktober und dann ist das Herbstlesen auch schon wieder vorbei. Wie schnell so ein Monat immer rum ist. ;) Gestern habe ich abends "Der Galgen von Tyburn" von Ben Aaronovitch beendet und muss mir nun keine Gedanken mehr um den Abgabetermin bei der Bibliothek machen. *g* Also kann ich wieder zu "The Tropic of Serpents" von Marie Brennan wechseln. Das Buch habe ich am vergangenen Sonntag das letzte Mal in der Hand gehabt und bin nun wirklich gespannt, wie es mit Lady Trent und ihrer Drachenforschungs-Expedition weitergeht. Außerdem gibt es heute Nachmittag wieder eine Gloomhaven-Runde für mich und meinen Mann - schließlich müssen wir immer noch den Dieb besiegen, der uns in am vergangenen Wochenende mit seinen Untoten überrannt hat. ;)

Eventuelle Mitleser werden wie immer am Ende des Beitrags verlinkt, sobald sie sich in den Kommentaren melden (Ariana hatte allerdings schon gestern deutlich gemacht, dass ihr Post für das gesamte Wochenende gedacht ist). Ich wünsche uns allen einen schönen und gemütlichen Tag! Das stürmische Wetter scheint auf jeden Fall schon mal perfekt für einen Tag auf dem Sofa zu sein.


Update 10:45 Uhr


So richtig wird das heute mit mir und dem Lesen nichts. Ich bin nicht gerade fit inklusive Kopf-, Hals- und Ohrenschmerzen und auf der Straße ist es heute dank einer Veranstaltung ziemlich unruhig, was meine eh schon geringe Konzentration stört. Immerhin habe ich mein Frühstück schon auf die Reihe bekommen und trinke inzwischen die zweite Halbliter-Tasse mit heißem Tee. Vermutlich werde ich mich jetzt einfach erst einmal auf dem Sofa einrollen und etwas dösen und später schauen, ob ich wieder zum Buch greife oder gleich mit meinem Mann "Gloomhaven" spiele.


Update 16:15 Uhr


Seit dem letzten Update habe ich wirklich etwas Zeit mit Dösen und Nichtstun verbracht, aber auch das Kätzchen versorgt und den Teig fürs Abendessen angesetzt. Außerdem haben wir endlich den Dieb geschlagen, dem wir schon vor einer Woche die gestohlenen Unterlagen wieder abknüpfen wollten. Obwohl wir dieses Mal deutlich weniger Pech hatten als in der vergangenen Woche, hätte die Runde nicht viel länger dauern dürfen. Mein Mann hatte im vorletzten Zug seine letzten Karten ausgespielt und war somit handlungsunfähig geworden, während ich nur noch genügend Karten hatte, um den entscheidenden letzten Treffer ausspielen zu können. Wäre das ein Fehlschlag geworden, hätten wir wieder verloren. So haben wir dieses Szenario bewältigt, die Belohnung von unserer Auftraggeberin eingesammelt und nun vier mögliche Ziele für die nächste Spielrunde zur Auswahl. *g* Obwohl wir seit heute das Wohnzimmer heizen und ich Wollsocken und Jacke trage, ist mir beim Spielen doch etwas kalt geworden, also krabbel ich jetzt erst einmal wieder unter meine Decke und lasse mich von meinem Mann mit heißem Tee und Marzipan-Espresso-Kuchen beliefern.


Update 20:00 Uhr


Nach Tee und Kuchen habe ich wirklich zum DS gegriffen und ein bisschen meine Farm weiter ausgebaut. Genau genommen habe ich ein Schaf gekauft und freue mich nun darüber, dass ich meine eigene Wolle "anbauen" kann. Inzwischen ist auch das Abendesse im Ofen, es gibt "Pizza". Die Anführungszeichen deuten schon an, dass es keine klassische Pizza geben wird, sondern eine Variante, die ich in den 80ern das erste Mal gegessen habe. Mein Mann und ich haben uns vor kurzem darüber unterhalten, wann wir das erste Mal Pizza gegessen haben und in welcher Form. Bei diesem Gespräch haben wir festgestellt, dass in seiner Familie nie Pizza selbergemacht wurde (zumindest nicht solange er noch bei seinen Eltern lebte). Bei uns hingegen gab es ab und an Pizza, die aus fertigem Teig inklusive fertiger Sauce bestand und mit allen Dingen belegt wurde, auf die wir uns einigen konnten (plus individuelle Beläge, die dann auf bestimmte Ecken verteilt wurden). Das Gleiche habe ich auch im Studium mit meinen Freundinnen gemacht und da es immer eine Menge Belag gab, auf den wir uns einigen konnte, lief das Ganze auf eine Art Gemüsekuchen mit sehr viel Gemüse und darüber einen Haufen geriebenen Gouda hinaus. Etwas ähnliches habe ich heute für meinen Mann nachgebastelt, wobei ich für den Boden einen selbstgemachten Pizzateig genommen und die Sauce auch selber angesetzt habe. Eigentlich mag ich meine Pizza ja inzwischen eher dünn, knusprig und nicht so üppig belegt, aber nach dem Gespräch mit meinem Mann hatte ich richtige Lust auf diese Variante. Mal schauen, ob sie mir noch so gut schmeckt wie früher. ;)

Bevor ich ins Bett falle, gibt es auf jeden Fall noch ein Update und natürlich eine kleine Blogrunde, um zu schauen, wie es den anderen in den letzten Stunden so erging.


Update 23:00 Uhr


Ich fürchte, auch der Rest des Abends ging mit "Dösen und Dümpeln" rum und so war der letzte Tag des Herbstlesens derjenige, an dem ich am wenigsten gelesen habe. Aber das ist auch okay, es ging ja ums Entspannen und das habe ich gemacht. ;) Die Pizza war lecker und hat so einige Erinnerungen geweckt. Es ist doch immer wieder spannend, wie einen Essen an bestimmte Lebensabschnitte, Menschen oder Orte erinnern kann. Jetzt nehme ich mir aber ein Beispiel an Christie und falle ins Bett. Morgen gibt es wieder viel zu tun.


Danke, dass ihr bei meinem Herbstlesen wieder dabei gewesen seid. Ich genieße den Austausch und das gemeinsame Lesen und Bloggen immer sehr! Habt einen guten Start in die Woche und nehmt euch auch in den kommenden Monaten hin und wieder eine Auszeit, um in Ruhe zu Lesen oder andere entspannende Sachen zu machen!


***

Heutige Mitleser:

Ariana
Neyasha
Natira
Susanne

Samstag, 28. Oktober 2017

Herbstlesen im Oktober (8) - Samstag

Mit dem heutigen Tag beginnt das letzte Herbstlesen-Wochenende - wir sollten es alle noch einmal rundum genießen! (Und wem das Ganze noch nicht gereicht hat, der kann am kommenden Wochenende bei Neyasha und Lyne mitmachen, wo es zusätzlich neben dem Lesen noch ein Bingoblatt zum Ausfüllen gibt. ;) )

In der vergangenen Woche bin ich wieder wenig zum Lesen gekommen. Lady Trent habe ich gar nicht mehr angefasst, dafür habe ich "Der Galgen von Tyburn" von Ben Aaronovitch angefangen, da ich den Roman am Anfang der kommenden Wochen zurück in die Bibliothek schleppen muss. Mit den Titel werde ich heute auch in den Tag starten und hoffe, dass ich dann spätestens am Sonntag mit "The Tropic of Serpents" von Marie Brennan weitermachen kann. Außerdem darf ich heute Vormittag noch ein bisschen im Haushalt wuseln, da ich gestern meinen obligatorischen Wochenendputz nicht geschafft habe.

Eventuelle Mitleser werde ich wie immer am Ende des Posts verlinken, wenn sie sich in den Kommentaren bei mir melden. Ich wünsche uns allen ein schönes und entspanntes Wochenende! :)


Update 11:30 Uhr


Das war heute eine sehr schnelle Runde durch den Haushalt, aber immerhin ist die Wohnung jetzt in einem Zustand, mit dem ich in den kommenden Tagen leben kann. ;) Inzwischen habe ich auch ein Frühstück vor der Nase und abgesehen davon, dass ich heute Mittag noch Kuchen backen will, habe ich für den Rest des Tages keine weiteren Pläne. Bei "Der Galgen von Tyburn" lasse ich mich - wie eigentlich immer bei Aaronovitch - von all den kleinen Informationen rund um (das historische) London ablenken und genieße diese absurden und interessanten Wissensbrocken sehr. Ansonsten muss ich zugeben, dass mir die Hintergrundstory mit dem "Gesichtslosen" nicht so gut gefällt und ich fände es auch schön mehr über die anderen übernatürlichen Wesenheiten zu erfahren, statt dass sich alles immer wieder um die Flussgötter dreht. Auf der anderen Seite sind die natürlich die beherrschenden Mächte der Stadt, also ist es nur natürlich, dass sie eine große Rolle in der Serie spielen. Trotz meines Gemäkels fühle ich mich von dem Roman gut unterhalten, also lese ich gleich mal weiter ...


Update 14:30 Uhr

In den vergangenen drei Stunden habe ich so viel nicht auf die Reihe bekommen. Während ich "Der Galgen von Tyburn" las, bin ich erst einmal weggenickt, obwohl ich mitten in einer Actionszene voller Amerikaner und Schusswaffen. Die letzten Nächte waren nicht gerade erholsam, da ich seltsame Albträume voller Internatsschülern (die sich in Zombies verwandelten oder welchen in den Weg warfen, damit andere die Schulfahne retten konnten Oo), fadenwurmartigen Parasiten (diesen Traumteil kann ich immerhin definitiv dem Roman "Der Monstrumologe" zuordnen, denn seit dem ich das Buch vor einigen Jahren gelesen habe, kommt mein Unterbewusstsein immer wieder auf eine bestimmte Szene zurück), maroden Hängebrücken (großartig, wenn man eh Höhenangst hat) und ähnlich angenehmen Dingen hatte. Auf jeden Fall hatte ich wohl etwas Schlaf nachzuholen ...

Außerdem ist der geplante Marzipan-Espresso-Napfkuchen im Ofen. Ich habe keine Ahnung, ob der was geworden ist. Mir ist die Idee dazu gekommen, als ich meine neue Seife (Maple-Pecan-Seife, die als Teststück bei meiner letzten Seifenbestellung beilag) verwendete, um kurz darauf Espresso zu kochen. Während langsam der Espressoduft in der Küche aufstieg, rochen meine Hände noch nach der Seife (und der Geruch erinnert sehr an Marzipan mit einer herben Note) und weckte große Lust nach etwas Essbarem mit diesen Geschmackskomponenten. Und da ich noch Marzipan hatte, das eh langsam mal verbraucht werden musste, ebenso wie einen Rest Kaffee-Sahne-Schokolade, die - nachdem sie den Sommer in der Schublade verbracht hatte - auch nicht mehr so taufrisch schmeckt, gibt es also heute einen Napfkuchen mit einer Marzipan-Mandel-Schicht und einer Schoko-Espresso-Mandel-Schickt. Mal schauen wie das so wird. ;) Jetzt greife ich aber wirklich wieder zum Roman! So ganz glücklich bin ich gerade über all die neuen Charaktere, die alle Magie verwenden und Folly-ähnlichen Organisationen angehören, nicht. Es ist natürlich stimmig, dass das Folly nicht der einzige Ort auf der Welt ist, an dem sich Zauberer sammeln, aber ich mochte die Vorstellung, dass das Folly etwas Ungewöhnliches ist.


Update 18:15 Uhr


Während Madamchen es sich auf meiner Decke gemütlich gemacht hat, habe ich weiter gelesen und mich von "Der Galgen von Tyburn" gut unterhalten gefühlt. Auch wenn ich grundsätzlich finde, dass die Geschichte langsam etwas groß wird, so mag ich die vielen kleinen fantastischen Elemente in den Peter-Grant-Romanen und einige Charaktere sind mir auch sehr sympathisch. Bis ich mich zum Kochen aufraffen muss, werde ich vermutlich das Buch beenden.


Ob ich danach gleich zu "The Tropic of Serpents" greife oder erst einmal was anderes mache, sehe ich dann. Heute ist so ein Tag, an dem mir sehr nach Dümpeln ist. Da würde es sich fast anbieten, dass ich später zum DS greife - vor allem, da ich in der Woche ein neues Spiel bekommen habe, das mir viel Freude bereitet. Oh, noch ein Wort zum Kuchen: Lecker! Das nächste Mal würde ich vermutlich etwas mehr von der dunklen Teigmenge zubereiten, denn die Mischung aus Schoko und Espresso im Teig ist sehr lecker!


Update 22:30 Uhr

Für mich wird es so langsam Zeit den Tag zu beenden. Inzwischen habe ich "Der Galgen von Tyburn" (war nett und unterhaltsam, hat mich aber mal wieder darin bestätigt, dass ich die Reihe nicht weiter für mich kaufen muss) beendet, Abendessen gekocht und gegessen und ein bisschen "Story of Seasons: Trio of Towns" gespielt. Ich mag diese simplen Spiele, bei denen man über mehrere (Spiel-)Jahre seine Farm aufbaut, mit den Nachbarn Beziehungen knüpft und im Laufe der Zeit die kleinen Feste und Wettbewerbe genießen kann. Das größte Problem bei diesen Spielen ist, dass ich immer Lust habe "nur noch einen Tag" zu spielen - und auch wenn so ein Tag gerade mal zwanzig Minuten dauert, so kann das die Schlafenszeit doch ein bisschen nach hinten verschieben. ;)

Heute bin ich aber mal vernünftig und drehe nur noch eine kurze Runde durchs Internet und falle dann ins Bettchen. Das war heute auf jeden Fall wieder ein entspannter Samstag! Morgen ist dann der letzte Tag des Herbstlesens, mal schauen, wer sich mir da noch anschließt. Gute Nacht und bis morgen! :)

***

Heutige Mitleser:

Ariana
Susanne
Neyasha

Donnerstag, 26. Oktober 2017

Regina Stürickow: Mörderische Metropole Berlin - Authentische Fälle

Von Regina Stürickow hatte ich Anfang des Jahres schon "Kommissar Gennat ermittelt - Die Erfindung der Mordkommission" gelesen und war damit nur teilweise zufrieden, was vor allem an der Präsentation der Informationen und der fehlenden Abstimmung zwischen dem Text, der schon in einer älteren Auflage veröffentlicht worden war, und dem Bildmaterial meiner Ausgabe lag. "Mörderische Metropole Berlin" hat nun nicht einen einzelnen Polizisten als Aufhänger, sondern liest sich zu Beginn wie eine Stadtführung durch das kriminelle Berlin der 1920er Jahre, während später einzelne Fälle dargestellt werden, die damals passiert sind. Dieser Stadtführungsaspekt hatte dafür gesorgt, dass ich nach dem ersten Anlesen im Sommer erst einmal das Buch zur Seite gelegt hatte, weil ich darauf wenig Lust hatte. In diesem Monat hat es hingegen mit mir und "Mörderische Metropole Berlin" hervorragend gepasst, und das nicht nur, weil die kurzen Texte sich in einen gut gefüllten Alltag einschieben ließen.

Mit diesem Titel präsentiert die Autorin Kriminalfälle, die sich in Berlin zwischen 1914 und 1933 ereignet haben. Dabei erfährt man als Leser nicht nur, was überhaupt passiert ist und wie die Polizei am Ende auf den Täter kam, sondern Regina Stürickow bietet auch sehr viele Details rund um das alltägliche Leben dieser Zeit und die dunklen Seiten der Gesellschaft. Deutlich wird dabei auch immer wieder, wie sehr schon damals die Menschen von Verbrechen fasziniert waren, und so verkauften sich nicht nur die Zeitungsausgaben besonders gut, in denen reißerische Geschichten über - mehr oder weniger - reale Verbrechen veröffentlicht wurden, sondern es gab auch gedruckte Reiseführer und Führungen (bei denen häufig Kriminalbeamte die Stadtführer spielten) durch das kriminelle Berlin oder von Kriminalkommissaren veröffentlichte Milieuschilderungen. Interessant finde ich, dass die Führungen bei den Betreibern der "Unterweltkneipen" angeblich nicht so beliebt waren, schließlich vertrieben all die Touristen ihr eigentliches Klientel, auf der anderen Seite führten diese Touren auch nicht in die wirklich schlimmen Ecken der Stadt, schließlich konnten die Stadtführer nicht riskieren, dass ihre Kunden zu Schaden kamen.

Von den Mordfällen, die Regina Stürickow in "Mörderische Metropole Berlin" aufführt, kannte ich einige schon aus "Kommissar Gennat ermittelt". Es gab aber noch genügend neue Kriminalfälle, um das Buch zu einer interessanten Lektüre zu machen. Spannend fand ich zum Beispiel die Details rund um den Mord an dem ehemaligen osmanischen Großwesir Talât Pascha, bei dem der Täter freigesprochen wurde, obwohl es mehrere Zeugen für die Tat gab und der Mörder geständig war. Faszinierend waren dabei nicht nur die Gründe für den Freispruch, sondern auch die Informationen, die später noch zu den Hintergründen der Tat herauskamen. Ein weiterer interessanter Aspekt ist für mich bei diesen Berichten die Intensität, mit der in einigen Fällen ermittelt wurde, und die Hilflosigkeit der Polizei in anderen Fällen. Es gab zu dieser Zeit noch kein festgelegtes Prozedere, wenn es um (Mord-)Ermittlungen ging, und die Spurensicherung steckte noch immer in den Kinderschuhen - es fehlte dabei meist nicht am Wissen, sondern an den Möglichkeiten (oder am Personal), dieses auch umzusetzen. Dazu kam, dass die wirtschaftliche Situation in Deutschland zu einer radikalen Erhöhung der Kriminalitätsrate führte und natürlich nicht genügend Beamte da waren, um all diesen Verbrechen die nötige Aufmerksamkeit zu widmen.

An längsten haben mich die Fälle beschäftigt, bei denen es am Ende der Beschreibung hieß, dass sie nicht aufgeklärt wurden. Manchmal war das so, weil es einfach nicht genügend Hinweise auf den Täter gab, dann wieder gab es zwar einen begründeten Verdacht, aber keine Beweise, mit denen man den Mörder hätte überführen können. Interessant finde ich auch die Fälle, bei denen Jahre später eine Aussage der Akte zugefügt wurde, in der jemand die Identität des Mörders verriet, bei denen aber keine Verhaftung mehr erfolgen konnte, weil die Person schon verstorben war, oder der Zeuge nicht genügend Informationen zur genauen Identifizierung des Täters beisteuern konnte. Angesichts der Beschreibungen, die es zur Aktenverwaltung in diesem Buch (und auch dem anderen Titel der Autorin) gibt, scheint es mir fast schon ein Wunder zu sein, dass diese Information dann noch ihren Weg in die dementsprechende Akte fand. Auch mag ich mir kaum vorstellen, wie schwierig die Zusammenarbeit mit Ermittlungsstellen in anderen Teilen Deutschlands oder im Ausland war, und finde es dann umso bewundernswerter, wenn in einem Fall nach jahrelanger Arbeit doch noch Informationen aus dem Ausland zu weiteren Spuren bei einer Ermittlung führten.

Ich gebe zu, dass "Mörderische Metropole Berlin" jetzt nicht so viele neue Informationen für mich enthielt, aber all diese kleinen Details zu entdecken, die mir ein genaueres Bild vom Alltag (und der Polizeiarbeit) dieser Zeit vermitteln, hat mir wieder sehr viel Spaß gemacht.

Dienstag, 24. Oktober 2017

Banana Yoshimoto: Tsugumi

Banana Yoshimoto gehört für mich zu den Autorinnen, auf die ich ab und an Lust habe, die mir aber nicht so sehr am Herzen liegen, dass ich ihre Bücher besitzen muss. In diesem Monat war es wieder soweit, dass ich mich weiter durch ihr Werk lesen wollte, und so habe ich mir "Tsugumi" in der Onleihe vorgemerkt. Gewusst habe ich über die Geschichte vorher nichts, ich hatte nur im Hinterkopf, dass ich einen ihrer früheren Romane lesen wollte und da "Kitchen" nicht zur Verfügung stand, wurde es eben "Tsugumi". Ich bin übrigens immer wieder überrascht, wie viele Titel von japanischen Autoren gar nicht erst übersetzt werden, selbst wenn diese Schriftsteller relativ erfolgreich sind. Da würde ich wirklich gern einmal genau wissen, nach welchen Kriterien das läuft (auch wenn ich mir schon verschiedene Gründe dafür vorstellen kann).

Die Handlung in "Tsugumi" wird in der Rückschau aus der Sicht von Maria erzählt, die die Cousine der titelgebenden Tsugumi ist. Ihr gesamtes bisheriges Leben hat Maria mit ihrer Mutter in der Pension verbracht, die der Familie der Schwester ihrer Mutter gehört, und darauf gewartet, dass ihr Vater sich endlich von seiner Frau scheiden lassen und ihre Mutter heiraten kann. Obwohl die Situation für ihrer Eltern bestimmt nicht einfach war, war sich Maria immer der Tatsache bewusst, dass ihre Eltern sie und einander liebten. So hätte sich Marias Familienleben ungemein harmonisch angefühlt, wenn nicht Tsugumi gewesen wäre. Tsugumi ist Marias jüngere Cousine und von klein auf steht fest, dass das Mädchen nicht sehr lange zu leben hat. So muss die gesamte Familie damit fertig werden, dass Tsugumi jederzeit sterben kann und aufgrund ihrer schwachen Gesundheit ständig krank ist.

Tsugumi selbst erscheint auf den ersten Blick einfach nur wie ein herzloses und rundum verwöhntes Wesen. Ihre liebste Beschäftigung besteht darin, anderen Leuten boshafte Streiche zu spielen und sie mit ihren Bemerkungen zu verletzen. Erst als sie bei einem ihrer Streiche zu weit geht und Maria sich ihr gegenüber ausnahmsweise einmal nicht zurückhält, kann so etwas wie eine Freundschaft zwischen den beiden ungleichen Cousinen entstehen. Doch auch nachdem die beiden Mädchen sich etwas näher gekommen sind, gibt es nur selten Momente, in denen Tsugumi sich Maria gegenüber öffnet und auch einmal ihre verletzliche Seite zeigt. So wird nach und nach deutlich, was für einen freiheitsliebenden und wilden Charakter Tsugumi besitzt und wie sehr sie durch ihren schwächlichen Körper in ihren Plänen und Träumen ausgebremst wird. Ihre einzige Möglichkeit, "stark" zu erscheinen, besteht anscheindend darin, die Menschen in ihrer Umgebung mit ihrer boshaften Zunge und ihrem unberechenbaren Verhalten aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Ich muss zugeben, dass mich "Tsugumi" nicht so sehr berührt hat wie andere Veröffentlichungen von Banana Yoshimoto. Es war eine schöne Geschichte, um zwischendurch immer mal wieder ein Kapitel zu lesen, und ich mochte sehr viele Aspekte der Handlung, aber die Figuren sind mir doch überraschend fremd geblieben. Ich fand diese beständige Zuneigung in Marias Familie, die trotz widriger Umstände und der Tatsache, dass ihr Vater nur an den Wochenenden zu seiner Geliebten und seiner Tochter reisen kann, unerschütterlich zu sein scheint, sehr schön. Ein bisschen erinnerte mich diese Gewissheit von Maria, dass sie von ihren Eltern geliebt wird, an Yotchan aus "Moshi Moshi" (bevor diese sich mit den Geheimnissen ihres überraschend verstorbenen Vaters auseinandersetzen musste). So gibt es vor allem zwischen Maria und ihrem Vater, aber auch zwischen ihr und den anderen Familienmitgliedern immer wieder sehr schöne Szenen, die deutlich machen, wie sehr sie zueinander gehören und wie viele verbindende Elemente es zwischen ihnen gibt.

Dann gab es da noch all diese Passagen rund um die kleine Stadt am Meer, in der die Pension liegt, wo ein Großteil der Geschichte spielt. Ohne diesen Hintergrund hätten viele Szenen in diesem Roman gar nicht funktioniert, so aber gibt es all diese Momente am Meer, die von der Luft, dem Sand zwischen den Zehen und dem Geräusch der Brandung leben. Für mich war stellenweise die Atmosphäre, die durch die Landschaftsbeschreibungen entstand, so viel eindringlicher als die Dialoge  oder die Handlung selbst. Ich mochte diese Mischung aus Beständigkeit und ständiger Veränderung, aus trubeligem Touristentreiben im Sommer und der Ruhe im Winter oder in der Nacht, die den Hintergrund für die Handlung bildete. Und da Maria unter anderem für ihr Studium die Hafenstadt verlässt, fand ich es auch stimmig, dass sie all diese Elemente bewusster wahrnahm, als man es erwarten könnte, wenn all dies weiterhin Normalität für sie geblieben wäre.

So sind es am Ende die Orts- und Landschaftsbeschreibungen, die in mir nachklingen und Sehnsucht nach dem Meer in mir wecken. Diesen Teil der Geschichte habe ich wirklich genossen und ich bin mir sicher, dass das Meer bei diesem Roman das Element ist, das mir in Erinnerung bleiben wird. Dazu kam dann noch Banana Yoshimotos unaufgeregte Erzählweise, die die Melancholie dieses letzten Sommers in der Hafenstadt, des Abschieds vom vertrauten Leben und vielleicht sogar von Tsugumi weiter unterstrichen hat. Ich mochte Marias Sicht auf die verschiedenen Personen und Ereignisse und dieses Gefühl, dass sie alles umso intensiver wahrnimmt, weil sie diesen Sommer am Meer nicht enden lassen will.