Samstag, 27. August 2016

Wolfgang Behringer: Tambora und das Jahr ohne Sommer

"Tambora und das Jahr ohne Sommer - Wie ein Vulkan die Welt in die Krise stürzte" von Wolfgang Behringer ist eine Empfehlung von Hermia gewesen und ich konnte den Titel glücklicherweise relativ schnell in der Bibliothek ausleihen. Insgesamt fand ich das Buch sehr spannend, wenn auch stellenweise etwas sehr mit Namen und Daten überfrachtet - das sind dann immer die Passagen, an denen mein müder Kopf bei meiner Nachmittagslesepause wegdriftet und ich mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit einschlafe. Was dann dazu führt, dass ich viel länger für so ein Sachbuch benötige, als mir lieb ist ...

Wolfgang Behringer versucht in "Tambora und das Jahr ohne Sommer", all die Ereignisse in den Jahren nach dem Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora in einen nachvollziehbaren Zusammenhang zu bringen. Er zeigt auf, wie sehr dieser Vulkanausbruch das Klima und somit auch Politik und Wirtschaft auf der ganzen Welt beeinflusst hat. Es gibt - wie man der Einleitung entnehmen kann - viele Daten zu den Jahren 1816 bis 1820, die von den Wetterveränderungen, den Missernten, den Hungersnöten und den Unruhen berichten, und auch viele Wissenschaftler, die sich bestimmter Einzelaspekte dieser Zeit angenommen habe, aber keinen Versuch, eine weltumspannende Sicht auf die Folgen dieses gewaltigen Vulkanausbruchs zu werfen. Wobei mir beim Lesen auch immer wieder aufgefallen ist, dass der Schwerpunkt dann doch wieder auf den Berichten aus Süddeutschland und zum Teil der Schweiz, Frankreich und Großbritannien liegt - eben weil aus diesen Regionen detaillierte Schilderungen aus der Zeit vorliegen oder weil es für bestimmte Länder (zum Beispiel im asiatischen Raum) noch keine genauen wissenschaftlichen Studien zu den Jahren kurz nach 1816 gibt.

Aber auch wenn es im Vergleich zum süddeutschen Raum verhältnismäßig wenige Aussagen zu den weltweiten Entwicklungen gibt, so reichen schon die wenigen Anmerkungen, damit der Leser eine Vorstellung von den umfassenden Einflüssen bekommt, die dieser Vulkanausbruch hatte. Neben den erwartbaren Veränderungen wie Klimaveränderungen, Missernten, Hungernöten, Krankheiten und Auswanderung fand ich es besonders faszinierend, wie die Politik und die Wissenschaft mit all den Herausforderungen umgingen. Nachdem sich die europäische Landschaft gerade erst durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses gravierend verändert hatte, stellten die Hungerjahre für die frisch zusammengeschlossenen Nationen ganz besondere Herausforderungen da.

Während sich in diesen Jahren der Not manche Menschen von ihrer schlechtesten Seite zeigten (Rassismus, Hexenverfolgung, Wucherei, Machtmissbrauch, Sekten), gab es auch viele Gruppen, die sich zusammenfanden, um Suppenküchen und Arbeitsangebote auf die Beine zu stellen oder die Landwirtschaft zu fördern, damit diese in Zukunft bessere Ernten einfahren konnte. Besonders spannend fand ich z. B. Informationen zur Entstehung der ersten Sparkassen und Versicherungen, die in den Jahren nach dem Vulkanausbruch gegründet wurden, um den ärmeren Bevölkerungsgruppen eine Möglichkeit zu bieten, für Notzeiten vorzusorgen. Ich muss gestehen, dass ich mir nie Gedanken darüber gemacht habe, wieso es irgendwann Angebote für "normale" Bürger gab statt ausschließlich Banken für Adelige, reiche Kaufleute und Industrielle.

Auch die wissenschaftliche und industrielle Entwicklung in den Folgejahren fand ich spannend. Gerade die auf den Vulkanausbruch folgende Entstehung der Meteorologie und dass dieses Ereignis überhaupt erst der Grund war für detailliertere Wetterbeobachtungen, finde ich faszinierend.  Da hätte ich mir fast noch mehr Details gewünscht, auch wenn Wolfgang Behringer dem Leser einen informativen und umfassenden Überblick gewährt. Aber es sind halt in der Regel die skurrilen Kleinigkeiten, die bei mir nach dem Lesen so eines Buches langfristig hängenbleiben und bedauerlicherweise weniger die Gesamtzusammenhänge. Insgesamt habe ich trotzdem das Gefühl, ich habe viel gelernt und konnte wieder vielen kleinen Wissensteilchen, die vorher in meinem Kopf rumschwirrten, einen Platz in einem Gesamtbild zuweisen. Dieses Gefühl lässt mich immer wieder dankbar für gut geschriebene und informative Sachbücher zurück, die mir helfen, mein doch eher selektives Wissen in einen Zusammenhang zu bringen.

Sonntag, 21. August 2016

Mörderisches Wochenende

Dieses Wochenende haben mein Mann und ich sehr "mörderisch" verbracht. Angefangen hat es damit, dass ich ihm am Freitag von "Es geschah in Schöneberg" erzählte. Den Roman, der der fünfte Band rund um den Kriminalkommissar Leo Wechsler von der Autorin Susanne Goga ist, hatte ich im Laufe der Woche gelesen und wieder sehr genossen. Ich mag bei der Reihe nicht nur die soliden Kriminalfälle und die Charaktere, sondern auch die Darstellung der Zeit (20er Jahre), den Schauplatz Berlin und die ausführliche Recherche, die die Autorin betrieben hat und die unter anderem bei den Details rund um die Ermittlungen deutlich wird.

Das Ganze hat meinen Mann daran erinnert, dass wir schon länger "M" von Fritz Lang sehen wollten. Er hatte die restaurierte 2011er Version vor einiger Zeit geschenkt bekommen und bislang waren wir noch nicht zu dem Film gekommen. Also haben wir uns Samstagnachmittag eingemuckelt und "M" genossen. Für mich war es das erste Mal, dass ich den Film gesehen habe, obwohl ich natürlich schon viel darüber gehört hatte, und ich fand es spannend, wie aktuell Fritz Langs Film auch heute noch ist, wie differenziert er die Charaktere darstellt und natürlich auch wie detailliert er auf den damaligen Stand der Polizeiermittlungen eingeht. Hervorstechend ist dabei die Figur des Lohmann, der eng an den Berliner Kriminalrat Ernst Gennat angelehnt ist, welcher auch in den Romanen von Susanne Goga als Vorgesetzter von Leo Wechsler immer wieder eine Rolle spielt.

Weil uns der Film so gut gefallen hatte, haben wir dann am Abend noch die kommentierte Fassung geschaut, in der zwei Expertinnen (Dr. Regina Stürickow und Prof. Elisabeth Lenk) Hintergrundwissen zu dem Fall, der Fritz Lang zu dem Film inspiriert hat (Peter Kürten), die Zeit und die Polizeiarbeit in Deutschland beisteuerten. Das war nicht nur spannend - vor allem die Beiträge von Dr. Regina Stürickow -, sondern hat uns auch dazu gebracht, das Wochenende mit weiteren Extras der Blu-ray und der Nase vor dem Laptop zu verbringen, um mehr über den Serienmörder Peter Kürten (und die anderen Serienmörder, die zu dieser Zeit in Deutschland aktiv waren), die Karriere von Peter Lorre, Ernst Gennat, die Ringvereine und viele andere Aspekte (wie die Geschäftsbezeichnung "Monatsgarderobe") herauszufinden.

Ich mag es, wenn ich nicht nur einen guten Film schauen, sondern auch das Wochenende intensiv mit einem interessanten Thema verbringen kann. Dummerweise sitzen jetzt zwei neue Bücher auf meinem eh viel zu vollen Wunschzettel, weil ich gern noch mehr über Kommissar Gennat und das kriminelle Berlin der 20er Jahre erfahren würde. *g*

Donnerstag, 18. August 2016

Wenn Christie Nähe sucht ...

... ist das für mich nicht immer angenehm. ;) Im Moment bin ich vormittags viel unterwegs und wenn ich dann wieder nach Hause komme, zeigt Christie deutlich, dass sie Nähe haben möchte. Nun ist sie eindeutig keine Schmusekatze, die Kater waren da anschmiegsamer, kuscheliger und entspannter. Wenn Christie Körperkontakt sucht, dann geht es nicht ohne Krallen ...







Dienstag, 16. August 2016

Patrycja Spychalski: Heute sind wir Freunde

Über dieses Buch bin ich bei Tine gestolpert und war nach ihrer begeisterten Rezension neugierig genug geworden, um "Heute sind wir Freunde" von Patrycja Spychalski in der Bibliothek vorzumerken. Die Geschichte dreht sich um fünf vollkommen unterschiedliche Schüler, die während eines Unwetters allein in ihrer Schule zurückbleiben und die Nacht dort verbringen. Ich muss gestehen, dass ich die Figuren (und die Grundsituation) anfangs wenig kreativ fand. Gerade die Charaktere lassen sich doch sehr leicht in eine Schublade stecken. Anton ist der Streber, der keine Freunde hat, Leo ist der Coole mit der Lederjacke, Valeska die unnahbare Schöne, die von allen beneidet wird, und Nell und Chris sind die "Normalen" (wobei beide eine künstlerische Begabung haben).

Obwohl sich die fünf zumindest vom Sehen kenne, haben sie nie zuvor miteinander zu tun gehabt. Aber jeder von ihnen glaubt, dass er die anderen einschätzen kann - und dass sie nichts miteinander gemein haben. Im Laufe der miteinander verbrachten Stunden stellt sich dann natürlich heraus, dass es nicht so einfach ist, sich ein Bild von einem Menschen zu machen. Jeder von ihnen hat Facetten, die die anderen nicht erwartet hätten und die für unerwartete Sympathien sorgen. Dabei lässt die Autorin Patrycja Spychalski jeden der fünf Schüler zu Wort kommen, so dass der Leser auch die Gedanken mitbekommt, die die Teenager - trotz der im Laufe der Zeit aufkommenden Offenheit und Nähe - für sich behalten.

Wie gesagt, ich fand die Figuren etwas arg "schubladig" dargestellt und die Ausgangssituation auch etwas abgenutzt, aber das ändert nichts daran, dass ich die Geschichte trotzdem sehr süß fand und gern gelesen habe. Die Charaktere werden einem schnell sympathisch (auch wenn Leo mir in der Realität vermutlich schnell auf die Nerven gegangen wäre), haben ihre Schwächen und Stärken und es ist schön mitzuerleben, wie sie sich gegenseitig besser kennenlernen. Auch fand ich es stimmig, dass diese eine Unwetternacht und die Nähe zu den anderen nicht jeden im gleichen Maße beeinflusst. Für Anton und Valeska bieten diese Stunden die Möglichkeit, loszulassen und Dinge auszuprobieren, die sie sich sonst nie wagen würden. Auch für Nell und Chris entstehen durch dieses Unwetter viele Chancen, aber da sie als Figuren nicht so extrem angelegt waren wie die anderen drei Protagonisten, hatte ich das Gefühl, sie würden nur einen Stups bekommen, um danach offener und ein bisschen mutiger durch die Welt zu gehen. Leo hingegen ist in erster Linie jemand, der anstößt und Veränderungen auslöst ...

Schön finde ich, dass Patrycja Spychalski es offen gelassen hat, wie es nach dieser Nacht mit den fünf Schülern weitergeht. Obwohl sie sich im Laufe dieser gemeinsam verbrachten Stunden so gut kennengelernt und zum Teil so eine intensive Zeit miteinander verbracht haben, ist allen Beteiligten bewusst, dass ihre frisch aufgekeimte Freundschaft vielleicht gerade mal bis zum kommenden Montag halten wird. Aber selbst wenn es so ist, ist es gut. Und es gibt ja immer noch die Möglichkeit, dass der eine oder andere sein gewohntes Verhalten auch im Alltag abstreifen und die während des Unwetters entdeckten Facetten seiner Persönlichkeit zeigen kann. Mir hat es auf jeden Fall viel Spaß gemacht, nach dem Ende des Romans noch darüber nachzudenken, wie es nach dieser Nacht in der Schule am kommenden Montag mit den fünf Figuren, ihren Eltern und ihrem Verhältnis zu ihren Mitschülern weitergehen könnte.

Sonntag, 14. August 2016

Wenn ich ...


... schon so frustriert aus der Woche gehe, dann bin ich froh, wenn ich meinen Frust wenigstens ein bisschen wegbacken kann. Also habe ich gestern etwas Zeit in der Küche verbracht, Teig geknetet, Eier verquirlt, Äpfel geschnitten, Bagels geformt und in warmem Wasser gebadet und den Fladenbrotteig für das heutige Abendessen vorbereitet. Nach der Backrunde gab es ein leckeres Stück Apfelkuchen, die Aussicht auf Bagels zum Abendessen und die Gewissheit, dass ich für das heutige Essen nur noch den Teig gehen lassen und in den Ofen schieben muss.

Samstag, 6. August 2016

Dies und Das (7)

Die erste Augustwoche ist bei uns ja immer Besuchswoche, da Bibendum jedes Jahr zu dieser Zeit zu Besuch kommt. Zum ersten Mal war es sogar kühl genug, dass wir theoretisch mehr hätten unternehmen können als sonst. Aber der andauernde Regen hat uns dann doch wieder den einen oder anderen Plan umwerfen lassen. Trotzdem hatten wir wieder schöne und gemütliche Tage miteinander, haben es uns gut gehen lassen, viel miteinander geschwatzt, (Karten) gespielt und ganz traditionell das Lieblingsrestaurant zum Burgeressen (für mich superleckere und knusprige Kartoffelscheiben und Salat, weil der vegetarische Burger leider nicht so umwerfend ist) und das Lieblingscafé zum ausgedehnten Frühstück aufgesucht. Heute Morgen ging es für Bibendum wieder auf den Heimweg (netterweise fungiert sie wieder als Kurier und somit ging auch ein großer Karton voller Leihgaben auf den Weg zurück zu Natira).


Leider hat es vor Bibendums Abreise nicht geklappt unser - seit zwei Wochen nicht anspringendes - Auto zu überbrücken, so dass wir weiterhin ohne fahrbaren Untersatz sind. Nun wird es wohl langsam Zeit, ernst zu machen und den Wagen zu entsorgen. Da er eh Ende Dezember den TÜV nicht mehr geschafft hätte, haben wir schon länger darüber nachgedacht, hätten ihn aber gern noch bis zum Jahresende genutzt. Überhaupt gibt es in der kommenden Woche ein paar unangenehme Termine und lästige Wege, die wir hinter uns bringen müssen, was mich nicht gerade freudig auf die nächsten Tage blicken lässt. Doch heute gönne ich mir noch eine Auszeit mit einer großen Tasse Tee und Sophies und Agathas Abenteuern an "The School for Good and Evil". Und zwischendurch schaue ich, was die anderen Teilnehmer von Andreas "Samstagsplausch" so zu erzählen haben und leere den in den letzten Tagen sehr vernachlässigten FeedReader mal wieder.

Mittwoch, 3. August 2016

Stuart Jaffe: Southern Bound (Max Porter Paranormal Mystery 1)

Auch "Southern Bound" von Stuart Jaffe ist eine Neuentdeckung, die ich dem Modern-Magic-Bundle zu verdanken habe. Während der vorhergehende Roman ("Touch a Dark Wolf" von Jennifer St. Giles) mich nicht ganz so begeistern konnte, hat mir diese Geschichte sehr viel Spaß bereitet. Die Handlung wird erzählt aus der Perspektive von Max Porter, der gerade erst mit seiner Frau nach Winston-Salem in North Carolina gezogen ist, weil er dort einen Job bekommen hat. Beide stammen aus Michigan und hatten in den letzten Monaten große finanzielle Probleme, die vor allem dadurch entstanden, dass Max von der Universität, an der er lehrte, gekündigt wurde.

Max ist zwar etwas skeptisch in Bezug auf seinen neuen Job, aber die Tätigkeit ist gut bezahlt und er und seine Frau sind langsam verzweifelt. Sein Auftraggeber hat ihn für Recherchezwecke angestellt, was nicht weiter befremdlich wäre, wenn es nicht einige mit seiner Tätigkeit verbundene merkwürdige Bedingungen gäbe. So wird Max ein Büro in einem größeren Büro- und Wohnkomplex zur Verfügung gestellt - mit der Auflage, dass er kein Möbelstück verrücken und keinen Gegenstand entfernen oder an einen anderen Platz legen darf. Es ist ihm auch nicht erlaubt, einen Laptop mit in dieses Büro zu nehmen; stattdessen soll er sämtliche Online-Recherche in der Bibliothek der nahegelegenen Universität durchführen. Auch kennt er weder den Namen noch das Aussehen seines Auftraggebers, da dieser alle Anweisungen durch den unsympathischen Mr. Modesto geben lässt. Dieser ist es auch, der Max bei all seinen Arbeitsschritten beobachten lässt und ihn regelmäßig über seine Fortschritte aushorcht.

Das alles führt dazu, dass Max sich sicher ist, dass mit seinen eigentlich harmlosen Rechercheaufträgen irgendetwas Dubioses verbunden sein muss. Bestätigt wird er in seiner Meinung durch die Entdeckung, dass der Geist eines in den 40er-Jahren ermordeten Privatdetektivs in seinem Büro haust. Marshall Drummond wurde erschossen und sein Geist an sein Büro gebunden, nachdem er in einem Fall ermittelte, bei dem sieben deutsche Kriegsgefangene aus einer überwachten Umgebung entführt und später gefoltert und getötet wurden. Der Detektiv ist sich sicher, dass er nur deshalb ermordet wurde, damit er nicht tiefer in die Hintergründe rund um diese rätselhafte Entführung der Kriegsgefangenen eindringen konnte.

Obwohl Max seinen neuen Job am liebsten hinschmeißen würde und nicht wenig Angst um seine Frau (und sein eigenes Leben) hat, kann er doch nicht einfach weglaufen. Nicht nur deshalb, weil seine Finanzen das nicht zulassen, sondern auch, weil er der Meinung ist, dass es wichtig ist, die Wahrheit rund um all die seltsamen Vorfälle aufzudecken. Dabei muss er feststellen, dass Drummond nicht das einzige übernatürliche Element in Winston-Salem ist und dass es deutlich mehr unheimliche und bedrohliche Dinge in der Welt gibt, als er es sich vor kurzem noch hätte vorstellen können.

Ich mochte an "Southern Bound" sehr, dass die Geschichte - trotz des modernen Settings, der übernatürlichen Elemente und der Tatsache, dass Max definitiv kein typischer Protagonist für dieses Genre ist - sich beim Lesen so nach hard boiled novel angefühlt hat. Schon nach wenigen Tagen in Winston-Salem ist Max sich sicher, dass er allein (na ja, mit Hilfe eines verstorbenen Detektivs) gegen eine korrupte Gesellschaft angehen muss, um sich und Sandra zu retten. Diese Mischung aus Hoffnungslosigkeit, Standhaftigkeit, skurrilen Charakteren und dem Hangeln von Hinweis zu Hinweis hat mir wirklich Spaß gemacht. Stuart Jaffe erzeugt eine wirklich tolle Atmosphäre und diese tolle "Detektivgeschichten"-Stimmung, ohne dass es sich anfühlt, als ob er es krampfhaft darauf angelegt hätte. Nur bei der Charakterisierung von Drummond gibt es hin und wieder Momente, die wie Anspielungen auf Sam Spade und andere Vertreter des Genres wirken, aber auch hier wirkte es stimmig und natürlich, weil der verstorbene Detektiv eben ein Zeitgenosse seiner berühmten literarischen Vorbilder war.

Oh, und nachdem ich so gern kritisiere, wenn die Frauen in den Romanen nur als hilflose und beschützenswerte Wesen dargestellt werden: Sandra löst zwar in Max auch einen gewissen Beschützerinstinkt aus, was dazu führt, dass er ihr ständig wichtige Dinge verschweigen will. Aber als er schließlich mit ihr über die ganze Angelegenheit redet und sie endlich ehrlich zueinander sind, beweist sie, dass sie ihm locker ebenbürtig ist. Er ist zwar immer noch derjenige, der die Prügel einsteckt, aber Sandra geht nicht weniger Risiken ein als ihr Mann und trägt entscheidend zur Lösung des Falls bei.